Freitag, 8. Juli 2022

Nara

Das politische Attentat schien ausgestorben. Bis heute vormittag in Nara, local time 11:30 Uhr, da schliefen hierzulande wahrscheinlich die meisten tief und fest. Ausgerechnet in Japan, aufgerechnet Abe Shinzō. Oder Shinzō Abe. Um 17:03 Uhr wurde er offiziell für tot erklärt. Da waren wir gerade beim zweiten Frühstück. In Nara habe ich einmal eine kalte Winternacht in einem hundertjährigen Holzhaus verbracht. Die Wände, die die Innenräume voneinander trennten, so dass es als Gästehaus dienen konnte, bestanden tatsächlich aus Papier. Der Weg ins Bad und auf die Toilette führte durch einen einmaligen japanischen Garten. Wie das so ist, in diesem Land der unendlichen Naturbewunderung. Menschen zählen dort längst nicht so viel wie eine Umeblüte. Was wohl unter diesen Umständen einen 41 jährigen Ex-Elite-Marine-Soldat dazu bewogen haben mag, mit einer selbstgebauten doppelläufigen Schrotflinte den Mann zu erschießen, der vier Amtszeiten als Premierminister des Landes hinter sich hatte und vielleicht kurz davor stand, eine fünfte anzutreten? 

Ich wünschte mir den (geregelten, nicht zwingend verbrecherischen) Abgang von manch einem hochrangigen Politiker. Aber Abe? Ausgerechnet in Nara? Als ich dort übernachtete, war noch sein Vorgänger Koizumi im Amt. Und der ist mir in Erinnerung geblieben mit diesem Wort mottainai“.

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