Sonntag, 18. August 2019

Der Dreißigste

Ein schwerer Sonntagmorgen. Voller Regen. Voller Frequenzen. Voller Dröhnen. Der Kater hat die halbe Nacht schnurrend unter meinem Dach, auf meiner Bettdecke verbracht. Er ist dankbar, dass der Sommer vorbei ist und keine Besucher mehr das Haus besetzen. Im Fölmliland wäre Friedaurgoßmutter heute 97 Jahre alt geworden. Statt zum Geburtstag versammeln sich ihre Kinder und Kindes-kinder-kinder heute zum Dreißigsten.

Samstag, 17. August 2019

Frequenzen 19

Ab 17 Uhr auf dem Rathausplatz, umsonst und draußen (notfalls im Regen!) das größte Weltmusikfestival an der Westküste: mit Ema Yazurlo & Quilombo Sonoro, Malaka Hostel und den unverwüstlichen (waren schon 2007 da) Jaune Toujours. After-Show im Alten Pastorat mit dem Datsche-Projekt.

Freitag, 16. August 2019

Das Nabenspiel

Endlich mal wieder mit dem Fahrrad durch den Speicherkoog an den Deich. Das Wasser ist frisch und hoch aufgelaufen. Der Himmel ist etwas verschleiert. Ich schwimme mein Dreieck und lasse mich vom Westwind nach Hause tragen.

Donnerstag, 15. August 2019

Die Nahtlosigkeit

Ich dachte, ich könnte nahtlos von einem Text in den anderen übergehen. Die Winterverwandlung ist abgeschlossen, also wende ich mich wieder der Wattenmeerseite zu. Denkste. Der Kopf ist leer. Die Glieder sind bleiern und alle Sinne stumpf. Es regnet und ich liege lange mit dem Kater auf der Brust im Bett. Heute ist höchster Feiertag im Fölmliland und in anderen Gegenden der Welt.

Mittwoch, 14. August 2019

Gegengewitter

Es regnet immer noch oder schon wieder. Platzregen. Gewitterregen. Donnergrollen. Wann soll ich denn endlich meinen Rasen mähen? Zugegeben: er sah noch  nie so gesund aus! Wann die Gärtnerinnen die Hecke schneiden? Die sieht erbärmlich aus. Von der einen Seite gestutz, von der anderen nicht. Oben franst sie gen Himmel.

Um 05:20 ist Josef, mein neuer Nachbar zur Welt gekommen.

Dienstag, 13. August 2019

Katzenliebeskummer

Dienstag der Dreizehnte. Der Kater verbrachte die Nacht und den Vormittag zum ersten Mal seit langem hauptsächlich im Haus. Es ist ihm draußen zu nass! Kürzlich stand um Mitternacht seine "Angebetete" (so sah es zumindest aus) stumm vor meinem blauen Gartentor. Eine Katze mit weißem Dekolleté. Sie entfernte sich enttäuscht, als ich und nicht der Schwarzgewandete aus der Tür trat.

Montag, 12. August 2019

Mahnwache

Alles auf einmal. Schornsteinfeger zur besten Hochwasserzeit. Nach wie vor viel Wind. Ferienende. Schulbeginn. Bedarfsampel vor dem ehemaligen Blumenhaus aufgestellt. Endlich, nachdem Mütter und Kinder und Alte und Junge seit zwei Wochen unter Gefahr ihres Lebens dort die Straße überqueren müssen. Seit einer in der Nacht die Kurve nicht gekriegt und die Ampel umgelegt hatte. Mahnwache und Sommerkonzert in Meldorf. Probenbeginn in Heide

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

20 Uhr Sommerkonzert im Dom. Achse von West bis Ost. Paris - Visby - Tschistopol. Musik für die Kathedrale mit Christina Meißner, Cello und Poul Skjolstrup Larsen, Orgel.

Sonntag, 11. August 2019

Gegensturm

Am Sonntagmorgen, zur besten Gottesdienstzeit, ist es noch schlimmer mit allem, was mir, kaum habe ich die Deichkrone überschritten, mit unerbittlicher Wucht entgegenschlägt. Wind, Schaum, Wasser. Die Dusche wässert den halben Badestrand. Die Schafe sind nach wie vor ausgesperrt, der Rasen von einer Maschine geschoren. Ich kann mich kaum ausziehen, geschweige dann wieder anziehen. Natürlich wäre ich bei dem Wetter nie mit dem Fahrrad ans Wasser gekommen!

Samstag, 10. August 2019

Gegenwind

Abendschwimmen am Textilstrand. Weil er näher an der offiziellen Badetreppe ist. Weil der inoffizielle Übergang nicht mehr benutzt werden soll. Und last but not least weil weit und breit keine Menschenseele zu sehen ist, die es stören könnte, dass wir hier nackt ins Wasser laufen. Wilde Wellen, erboster Wind von West. Eine Stunde vor Hochwasser reicht das Wasser bereits übern Kopf.

Freitag, 9. August 2019

Winter

Ich mache mich an den Winter, tausche Johannisbeeren mit Eisblumen und Heidelbeeren mit Marokanern ohne Schreibfehler aus dem Café Amrein, dem inplace für Schleckmäuler im Luzerner Hinterland.

Donnerstag, 8. August 2019

Gewitter

am Morgen, am Vormittag, am Mittag. Die Schuhfrau ist abgereist. Im Gepäck die Träume aus meinem Schlafzimmer.

Mittwoch, 7. August 2019

Huttwil

Mittwoch. Mitten in der Woche. Wir werden mehrmals nass. Ein Anruf genügt, eine mail, meine Whatsapp und unsere geordnete Arbeitswelt am Text stürzt ein. Huttwil! Wer kennt es nicht, Huttu im Dialekt. Ich muss nun Jahreszeitlich alles auf Winter umpolen. Trotzdem Sonne zum Abend und Spaziergang über den Meldorfer Friedhof.

Dienstag, 6. August 2019

Montag, 5. August 2019

Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

Danach 20 Uhr Sommerkonzert mit dem Jazz Trio "Crazy in Spain" im Dom.

Sonntag, 4. August 2019

Das Schießen

Wir sitzen im Garten und wälzen Wörter. Warum in einer Schuhmacherwerksatt geschossen wird (Fotos) oder warum, die Kinder, die demnächst in die Schule gehen, ABC- Schützen genannt werden. Lauter Kapitalmissverständnisse.
Der "Schütze" war früher (vor etwa 600 Jahren) tatsächlich der Anfänger im Lernen von irgendetwas. Falsche Lehnübersetzungen. Wahrscheinlich eine dumme Vermischung von lateinisch "tiro" (der Neuling oder Rekrut oder Anfänger) mit französisch "tirer" bzw italienisch "tirare" (ziehen, schießen) leiten zum heutigen Schreibanfänger.

Samstag, 3. August 2019

Den Esel schlägt wer?

Im Garten geschlafen! Ich fahre fröhlich zum Deich. Schwimme mein Dreieck in wilden Fluten. Endlich Wetter. 
Wer den Sack schlägt, mein den Esel, sagt Petronius. Und den Sack schlägt er, weil der hinhält, der Esel aber nicht.
Ich backe den ersten Kuchen aus meinen Brombeeren und mit den ersten Eiern der neujen Hühner der Nachbarin. Wunderbares Tierleben.

Freitag, 2. August 2019

Starkregen

Am Morgen zum ersten Frühstück zum Mal Licht in der Küche angemacht. Es wird Herbst! Und am Nachmittag statt schwimmen in der Nordsee Starkregen im Garten. Alles fließt.

Donnerstag, 1. August 2019

Die Kühe

fliegen heut mal wieder in holy Switzerland! Ich fahre an die Meldorfer Bucht und schwimme mein Dreieck. Es ist wie auf Mallorca.

Mittwoch, 31. Juli 2019

Was macht die Kunst

Guten Morgen. Was macht die Kunst? Am Wattenmeer benützt man statt dieser komplizierten Begrüßungsformel lieber den ganzen Tag über ein knappes "Moin", das "o" ist dabei möglichst zu verschlucken! Manchmal reicht auch ein stummes Kopfnicken oder das Heben den Zeigefingers (zB während der Autofahrt, wenn ein Bekannter entgegenkommt und die Hand am Lenker liegt).
Was macht die Kunst? Sie sitzt im Garten und wartet auf die Schuhmacherin!
Das Zitat "Was macht die Kunst" stammt von Lessing. In seiner "Emilia Galotti" spricht ihn der Prinz im Gespräch mit Hofmaler Conti zum ersten Mal gelassen aus.

Dienstag, 30. Juli 2019

Nachtregen

Der Kater verbrachte die Nacht seit langem zum ersten Mal mehrheitlich im Haus. So lange fiel kein Regen! Die Regentonne ist wieder voll und die Mäuselöcher, die ich gestern mit Mulch verstopfte, sind noch zu. Also hat Herr Rasputin Ordnung geschaffen in der Welt der Wühl- und Feldmäuse in unserem Garten. Guter Junge!

Montag, 29. Juli 2019

Mahnwache

Endlich können wir wieder schwimmen: Wildes Wasser, wilder Wind, wildes Wetter!
am Abend:
18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

20 Uhr: The Queen's Six im Dom. Royal Windsor - then and now

Sonntag, 28. Juli 2019

Nein

Nein, bei so niedrigem Wasserstand fahre ich nicht an den Deich. Um zu waten in knietiefem, wadenhohem Salzwasser? Sonntagvormittag, sonnigschwül, beste Gottesdienstzeit und ich bleibe zu Hause!

Samstag, 27. Juli 2019

Kaum Wasser

Wie immer zwischen Voll- und Halbmond, oder Halb und Neumond, oder in umgekehrter Richtung mit kräftigem Ostwind zaudert das Wasser der Nordsee. Verschwindet im größten Sommerloch oder sonstwo. Ich glaube den Tabellen und Kurven des BSH und mähe Rasen.

Freitag, 26. Juli 2019

Bredstedt

Traditionsgemäß treffen wir uns in Heide auf dem Bahnhof, ich steige von meinen in ihren Zug um, wir fahren zusammen nach Bredstedt, essen - dann nehme ich den vorletzten Zug zurück nach Dithmarschen. Und sie übernachtet in Nordfriesland am Mühlenteich, nimmt am Morgen den ersten Bus nach Schlüttsiel und setzt nach Hooge über. Frideswida Honorabilis von und zu Menznau - Meine Schweizer Schuhmacherin!
Klappt alles trotz Verspätungen, Überfüllungen, Baumaßnahmen und dergleichen mehr.

Donnerstag, 25. Juli 2019

Abendschwimmen

Der Hitze entgegen. Zum Abendhochwasser. Ich schlafe im Garten nun mit dem Sommerschlafsack. Gegen Morgen ein leichtes Frösteln! Wer kann das von sich behaupten in diesen Tagen?

Mittwoch, 24. Juli 2019

Das Musikerkind

hielt uns lange wach in der Nacht. Es war mild, die Nachbarn schliefen und wir saßen im Garten und guckten in die Sterne. Das Kind spürte natürlich die nur allmählich nachlassende Anspannung der Musikermutter und des Musikervaters mach dem Musikerelternkonzert.
Kurze Zeit später versammeln wir uns wieder, etwas verschlafen, zum Frühstück. Der einzige, der auf sein Recht pocht, ist Herr Rasputin. Denn der lebt sein wahres Nachtleben und möchte jetzt, bitteschön, zu unseren Füßen, schlafen. Das Kind klopft auf ihm herum und ist vielleicht enttäuscht, dass keine Töne herauskommen, wie bei einer Trommel. Der Kater ist geduldig, doch irgendwann wird es ihm zu bunt. Er holt seine linke Pfote unter dem Bauch hervor und haut dem munteren Musikerkind kurzerhand eine runter. Mit ausgefahrenen Krallen. Blut tropft, aber keine Tränen fließt. Kein Geschrei erhebt sich!

Dienstag, 23. Juli 2019

Orgel plus Oboe

20 Uhr St. Jürgen Heide
Sebastian Schwarze-Wunderlich (Orgel) und Svanhild Wunderlich (Oboe) machen Jahrhundertsprünge durch die (Kirchen-)Musikgeschichte und setzen auf den Kontrast musikalischer Werke aus verschiedenen Jahrhunderten. In die Welt der Kirchenmusik mischen sich auch weltliche Klänge. Die Instrumente sind solistisch wie auch im Zusammenklang zu erleben von barocker Literatur bis hin zu zeitgenössischen Kompositionen. Welcome!

Montag, 22. Juli 2019

Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 21. Juli 2019

Besuch aus Riesa

Ja, alle drei. Mit Oboe, Noten und Kinderwagen. Mein Klavier wird wieder einmal gespielt.

Samstag, 20. Juli 2019

Vorbei der Sommer

Ausflug nach Eiderstedt, Wattlaufen. Vorgewittrige Schwüle. Zürück kommen wir zu Hochwasserzeit im größten Gewitter. Starkregen. Mein Zuhausegebliebener ist ziemlich erschrocken, sein outdoorsofa klatschnass!

Freitag, 19. Juli 2019

Vorbei der Spuk

Alles normal auf dem Weg zum Wasser. Endlich kann man wieder baden! Ich schwimme mein Dreieck. Ich werde nun ein Dreieckswerk verfassen.

Donnerstag, 18. Juli 2019

Ameisenflug

So etwas habe ich noch nie gesehen: Hunderte, Tausende Seeschwalben, Möwen, Graugänse, Rotschenkel ...  im Speicherkoog, die sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Sie schwirren durch die Luft, über dem Radweg, über der Straße, über den Sanddornbüschen. Endlich werden die Raser gezwungen, ihre Geschwindigkeit zu drosseln, denn das Gedränge dicht über dem Asphalt ist beachtlich! Die Ameisen feiern Hochzeitsflug, die Seevögel Ameisenparty!
Ich habe, ganz nebenbei, heute früh nach Sonnenaufgang mein 12'321-stes Wort geschrieben und bin fertig. Erstmal.

Mittwoch, 17. Juli 2019

Wasser

Nach 15 kalten Sommertagen (allerdings habe ich 4 davon in der heißen Schweiz verbracht) endlich wieder in der Nordsee! Ich hatte tatsächlich vergessen, wie wohltuend dieses Wasser ist. Ich bin spät dran, aber die Flut ist hoch aufgelaufen.

Dienstag, 16. Juli 2019

Mondfinsternis

Wenn auch partiell und am Wattenmeer aufgrund der Wetterlage gar nicht zu sehen. Wolkendecke! Aber: heute ist der südlichste Vollmond des Jahres. Der Mond schiebt sich seit Beginn der Abenddämmerung bis maximal zu zwei Dritteln in den Kernschatten der Erde, Höhepunkt ist wahrscheinlich der Vollmondzeitpunkt, also jetzt! Besser zu sehen ist das Spektakel in Asien, Indien, Afrika und Teilen von Australien und Südamerika.

Montag, 15. Juli 2019

Mahnwache!

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 14. Juli 2019

Samstag, 13. Juli 2019

Schiet

Das Wort kommt aus dem Mittelniederdeutschen und ist ein Singularetantum. Wie die derzeit angesagtesten Sommerwörter Regen, Schnee, Kälte (aber auch Hitze oder Wärme, Jugend oder Alter, Gold und Silber). Oder Lärm, Hunger, Durst. Obwohl man sich darunter eine Menge vorstellen kann. Wie Laub oder Ärger, Ruhm und Ehre.

Freitag, 12. Juli 2019

Wind

Manchmal kann ich mich den ganzen Tag ablenken. Ich nutze eine Pause und räume eine wilde Ecke im Garten auf.

Donnerstag, 11. Juli 2019

swissness

Swiss Cannabis gibt es auch in den deutschen Drogeriemärkten am Wattenmeer zu kaufen. Kaugummi und Lutschtabletten. Zur Pflege und Erhaltung der natürlichen Mundflora. Bestimmt auch gut für heisere Chorhälse. Genauso teuer wie anderes Goldkehlenöl auch. Empfohlene Tagesdosis: 1 Kaugummi maximal 20 Minuten lang kauen. Entsprechend 1 Lutschtablette?

Mittwoch, 10. Juli 2019

Schietkram

Ich nutze eine Regenpause und fahre in der morgendlichen Frische über die Geest. Auf dem Rückweg erledige ich ganz viel anderen Kram.

Dienstag, 9. Juli 2019

Maulwurf

Es ist kalt in Dithmarschen. Herr Rasputin legt mir zum Zeichen seiner Sympathie einen toten Maulwurf vor die Tür.

Montag, 8. Juli 2019

Montag in Meldorf

Regen - Sonne - Regen im Wechsel. Mein Untermieter hat sich in meiner Abwesenheit ausgetobt und in jedem Zimmer Spuren seiner Beutezüge hinterlassen. Ich hab einiges zu waschen und weiß nicht, wo aufhängen.
18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 7. Juli 2019

Fern von ...

... zu Hause? Die Rückfahrt gestaltet sich ähnlich wie die Hinfahrt. Der Bahnhof Menznau ist seit gestern stillgelegt, er wird "hindernisfrei" umgebaut zu einem Kreuzungsbahnhof mit dem ersten solarbetriebenen Stellwerk der Schweiz. Ich fahre also mit Ersatzbus, was mir in der Sache nicht unvertraut ist, bis Willisau und von dort mit dem regulären Bus über Kottwil nach Sursee. Basel - Hamburg auf Umwegen, da bei Franf´kfurt eine Fliegerbombe entschärft ist, dafür aber mit neuem Sitznachbarn: meinem Kollegen Faisal Hamdo, Autor von "Fern von Aleppo. Wie ich als Syrer in Deutschland lebe." In Hamburg verpasse ich wieder einmal den Anschluss und fahre ab Altona über Heide und bin nur eine halbe Stunde später als geplant zu Hause. Kaum hab ich die Schuhe abgestreift und den Rucksack abgestellt, steigt Herr Rasputin durch die Katerklappe ein und ist hungrig.

Freitag, 5. Juli 2019

Unter dem Nussbaum

wo alles angefangen hat, treffen wir uns wieder. Die Schuhfrau. Die Wortfrau. Die Grafikfrau. Die Verlagsfrau. Das Buch ist auf gutem Wege.

Donnerstag, 4. Juli 2019

Bahnfahrt

Ich fahre mit meinem Manuskript und schwarzen Klamotten nach Menznau. Die Bahnfahrt ist ereignislos, außer dass der ICE nicht in Altona einsetzt sondern am Hauptbahnhof, dass ein anderer ICE ausgefallen ist und sich also zwei Fahrgastladungen in meinem Zug türmen, dass meiner unerwartet vor Basel Badischer Bahnhof auf freier Strecke stehen bleibt, so dass ich den Anschluss nach Olten verpasse, ich einen späteren Zug nach Olten nehme, denn die fahren alle Naselang und dort nicht den vorgesehenenen aber getakteten Anschluss nach Langenthal bekomme und mich in Langenthal am Gleis 13 gähnende Leere erwartet. "Zug fällt aus" - diese Mitteilung kennt man nicht nur von der Marschbahn in Dithmarschen. Insgesamt erreiche ich also mit einer guten Stunde Verspätung den Garten hinter dem Schuhhaus, wo alle Fölmlikinder versammelt sind und auf mich warten.

Dienstag, 2. Juli 2019

Westwind

Seit gestern wütet er und bricht die jungen Bambustriebe. Bringt Kälte und viel Wasser in die Meldorfer Bucht. H. nimmt mich mit dem Auto mit, ohne sie käme ich nicht einmal zu Fuß an den Deich. Ordentliche Wellen!

Montag, 1. Juli 2019

Mahnwache

Ferienanfang und so etwas wie Geburtstag: seit einem Jahr residiert Herr Rasputin am Wattenmeer! Schwimmfrei wegen Sturm.
18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg 
21:16:12 Uhr Neumond sowie eine totale Sonnenfinsternis auf der anderen Seite der Erdkugel (zu beobachten in einigen Teilen von Chile und Argentinien).

Samstag, 29. Juni 2019

Kunstleben

Ich bin seit Tagen literarisch gelähmt. Das Taubennest liegt nun erwartungsgemäß im Rasen. Eierschalenreste und Glibberzeug rundherum. Vogelfedern deuten auf einen Kampf. Der Kater kann es nicht gewesen sein,. Ich tippe auf eine Nesträuberin aus der Luft.
Das Schwimmen lasse ich heute, immernoch kommt kaum Wasser. Stattdessen KunstHandWerk:


Freitag, 28. Juni 2019

Tierleben

Herr Rasputin muss während seiner Auszeit zurück zu seinen Urinstinkten gefunden haben. Der Überlebenstrieb forderte ihm einiges ab. Seither bringt er mir ständig Mäuse. Alle Nachbarn schätzen ihn nun. Denn Mäuse - das ist etwas ganz anderes als Vögelchen. Heute früh hat er zwei noch blutige Mäuse wieder ausgekotzt. Höflich vor der Haustür. Sein kranker Magen verdaut sowas am Stück nicht mehr. Möglicherweise liegt es auch an den fehlenden Zähnen, die meinen Greis daran hindern, die Beute artgerecht zu zerlegen. Etwas bedauernd guckt er sich die unschöne Bescherung an, frisst mir dann aber im Haus aus der Hand das nierenschonende Dosenfutter. Pute pur. Und die blutigen Fleichteilchen draußen holt sich sofort die Elster, die seit Frühjahr nun schon Hausrecht im Garten behauptet. Ich fahre mit H. an den Deich. Heute spült das Hochwasser noch weniger Wasser in die Meldorfer Bucht als gestern. Irgendwie ist dieses Meer unverschämt!

Donnerstag, 27. Juni 2019

Klosterleben

Herr Rasputin bringt mitten in der Nacht eine tote Maus ins Haus und bemiaut sie so laut, dass ich aufwache. Ich lobe ihn, erkläre aber, dass ich keine Leichen im Haus dulde. Trage das Mäuschen hinaus in den Garten. Am Morgen ist es verschwunden. So wie das Futter, das Herr R. tagsüber verschmäht, über Nacht immer verschwindet. Ich füttere Igel, Eichhörnchen, Vögel. Ich fahre mit H. zum Morgenschwimmen. Es ist so kalt am Deich und das Hochwasser reicht uns gerade mal bis zu den Knien, dass ich den Rest des Tages vor Kälte zittere. Am Abend Domchorprobe. Ich nehme an, meine letzte. Draußen lebe ich wie eine Nonne im Einklang mit der Natur, mit den Tieren, mit der Tide, dem Wind und Wetter - drinnen im Einklang mit einem wieder erwachten Raubtier. Respektlosigkeit begegnet mir nirgends.

Mittwoch, 26. Juni 2019

Taubennest

Wieder versuchen die Haustauben seit Tagen, Wochen ein Nest im Kastanienbaum zu bauen. Immer wieder sammle ich heruntergefallene Äste ein. Wieder wundere ich mich über die lottrige, lausige Bautätigkeit. Aber nun sitzt sie. An einer, wie es mir Flugunfähigen und Bodenständigen von unten scheint, höchst ungünstigen Stelle. Viel zu weit außen, zwischen zwei beweglichen Astausläufern. Immer noch fallen Teile hinunter. Wie die Lufttemperatur. Sie sinkt im Lauf des Nachmittags auf etwa die Hälfte. Von 35° im Schatten auf 18° bei bewölktem Himmel. Wind kommt auf. Vielleicht Regen? Ich schlafe auf den Tatamis. 

Dienstag, 25. Juni 2019

Schattensuche

Ich mähe Rasen am Nachmittag im Schatten des Hauses, des Kastanienbaumes. Eine knappe Stunde. Mehr geht nicht. Die Hitze ist unerträglich. Das Wasser kommt erst am Abend in die Meldorfer Bucht. Aber der Weg ist mir zu weit. Ich wässere den Bambus und kühle mich so ab.

Montag, 24. Juni 2019

Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 23. Juni 2019

Weiße Nächte

Ich habe im Garten lange in den blassen Himmel geguckt. Die Sterne zeigen sich nicht, solange zu viele Lichtreste über unseren Dächern liegen. Irgendwann muss ich doch eingeschlafen sein. Denn die Vögel weckten mich mit unglaublichem Krach. Der Himmel war noch undefinierbar grau. Die Sonderkonzerte finden in der Dämmerung statt. Ich habe es vergessen und erinnerte mich wieder, es war schon letzten Sommer so: mit Sonnenaufgang verstummen die Vögel schlagartig. Und die meisten Menschen verschlafen das meiste in ihrem Leben.

Samstag, 22. Juni 2019

Geburtstag

Noch läuft die Zeit rund und das Wasser am Wattenmeer täglich zweimal auf und ab. Mein Meister wäre heute 93 geworden. Seine erste Tochter hat auch heute Geburtstag. Seine zweite ist vor ihm gestorben, auch seine Frau. Und so weiter und so fort. 

Freitag, 21. Juni 2019

Sommeranfang

In der kürzesten und hellsten Nacht macht sich im Fölmliland die Schuhmacherinmutter auf den Weg zu ihrem Schuhmachergatten. Die beiden Crispins stützen sie, ich sehe es genau, jeder bietet ihr einen Arm und geleiten sie.

Donnerstag, 20. Juni 2019

Fronleichnam

Zwei Cousinen verlassen Polen mit dem neuen rumänischen Auto (Marke ist mir entfallen) und fahren von Warschau, mit kurzem Zwischenhalt beim übergroßen Jesus ("Christus-König-Statue" - die weltweit größte Christusfigur) in Świebodzin ans Wattenmeer. Nur: um das Meer zu sehen, das nicht immer da ist. Sie treffen spät, aber wohlbehalten ein.

Mittwoch, 19. Juni 2019

Hitze

Der erste Sommertag vor Sommeranfang. Vorgewittrige Schwüle. Ich verziehe mich mit dem Kater ins Haus. Und rühre mich nicht. Obwohl ich mit Autos nichts am Hut habe, denke ich über zwei Buchstaben und ihren Klang, die vergessene Göttin - Citroen DS - Déesse nach.

Dienstag, 18. Juni 2019

Dreiecksschwimmen

Seit gestern kann ich Dreiecksschwimmen. Von einer Boje zur andern und zurück zur Nacktbadestrandtreppe. Heute abend öffne ich das outdoor-Schlafzimmer. Ich muss mir ein neues Plätzchen suchen, das der Garten kleiner geworden ist. Heute früh brachte der Kater wieder eine Maus ins Haus. Bin mal gespannt, ob ich diese blutigen Geschenke fortan im Garten überreicht bekomme.

Montag, 17. Juni 2019

Mahnwache

Und zwei Wochen später ist Vollmond. Der Kater verschwand in der Woche vor Neumond. Vielleicht hat damals der verschwindende Mond Rasputins Energien weggesogen wie ein Staubsauger den Staub. Und er hat deswegen den Heimweg nicht mehr gefunden. Nun ist der Mond wieder voll und der Kater hat sich erholt. Am Mittag fahre ich zum Schwimmen. Es ist sehr heiß. Und am Abend:
18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 16. Juni 2019

Samstag, 15. Juni 2019

Unwetter

Ich dünge meinen Rasen im Morgengrauen, denn heftiger Regen ist angesagt. Dann rausche ich ab zur Probe nach Heide. Das Kalkül ist aufgegangen. Es ist viel Wasser vom Himmel gefallen, bis ich wieder zu Hause bin.

Freitag, 14. Juni 2019

Frauenstreik

in der Schweiz! Lila Mobilmachung. Schluss mit gratis. Und was sonst noch getitelt wird. Der zweite Frauenstreik nach 28 Jahren! 1981 kam die Gleichstellung von Mann und Frau in die Verfassung. 1991 gab es den ersten Streik. 2019 den Zweiten ... Weiter so! 
https://www.srf.ch/news/schweiz/zweiter-frauenstreik-lila-mobilmachung-fuer-die-gleichberechtigung

Mittwoch, 12. Juni 2019

Trampolinparty

Nach zwei Stunden Hüpfen, Haltung, Knie, Hände, Schultern ... Atmen, Konzentration und Schweiß - aber auch Überraschungseistorte und alkoholfreier Geburtstagssekt - gehen alle euphorisiert nach Hause!

Dienstag, 11. Juni 2019

Kurzzeit

Eine kurze Woche beginnt. Lange und Kürze der Zeit oder ihrer Einteilung betrifft mich aber nicht.

Montag, 10. Juni 2019

Freitag, 7. Juni 2019

Ménage ...

... à trois: während der Abwesenheit von Herrn Rasputin stellte ich jeweils abends ein Schälchen Futter vor die Tür. So wie man an Weihnachten einen Stuhl am Tisch frei hält und ein zusätzliches Gedeck auf den Tisch legt. Für einen Überraschungsgast. Egal welcher couleur. Das Futter fraß
Herr Igel. Das erkannte ich an den Ausscheidungen. Seither dreht Herr Igel (oder ist es seine Frau`) jeden Abend nach dem Eindunkeln seine Runde um unser Haus. Er bekommt nun die Reste des wählerischen Katers mit dem feinen Näschen. Meist noch was obendrauf. Igel sind wesentlich dankbarere Esser als nierenkranke Kater.

Donnerstag, 6. Juni 2019

Högel

Högel ist ein Dorf in Nordfriesland und leider auch der Name eines heute verurteilten Massen-Patienten-Mörders. Der Richter sprach in der Urteilsbegründung von unbegreiflichen Taten und unfassbarer Schuld, von etwas, das "jegliche Grenzen sprengt und jeglichen Rahmen überschreitet" und vor dem "der menschliche Verstand kapituliert" angesichts der "schieren Anzahl der Taten".
Tja. Ich denke, dass wir uns daran werde gewöhnen müssen. Dass Verantwortliche in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ihre Untergebenen machen lassen. Bis es einfach nicht mehr geht. Aber so lange schon.
Die Mörderin meines Schwiegervaters kommt demnächst frei. Ihre Vorgesetzten trugen immer und tragen noch weiße Westen!

Mittwoch, 5. Juni 2019

Tönning

Liegt auch außerhalb Dithmarschens. Wir fahren über die Eider zum laxvoxen. Zum Stimmbilden, Schönersingen, Besseratmen, Fließendatmen, Reflektorischatmen. Zum Zwerchfelltraining und Kieferentspannen, Ohrenentspannen, Wangenentspannen.

Dienstag, 4. Juni 2019

Schwarzweiß

Ich sehe die unterlegene Bürgermeisterkandidatin, die ich während ihres so volksnahen Wahlkampfs nie auf der Straße angetroffen hatte, in der Mittagssonne auf dem Fahrrad. Sie kommt mir entgegen, lächelt, wie sie immer von den schwarzweißen Beerdigungsplakaten an allen Laternenpfählen der Stadt gelächelt hatte, und telefoniert (darf sie das?).
Ich bin auf dem Weg zu meinem Steuerbüro. Ich nehme an, sie kommt von dort und hat Mittagspause. Denn knapp unterlegen ist auch unterlegen. Sie kann weiterhin ihrer bisherigen Tätigkeit nachgehen.

Montag, 3. Juni 2019

Meldorfer Mahnwache

Rasputin ist voller Zecken und riecht nach Wald, den es in Dithmarschen nicht gibt, nach Tannennadeln und Weihnachten. Um 12:01 ist Neumond und ich fahre zum Hochwasser zum ersten Mal mit H. schwimmen. Das Wasser ist warm, der Wind treibt es von West in die Bucht - und mich liebkost die erste Qualle am rechten Unterarm.

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 2. Juni 2019

Marne

Rasputin ist auf Op de Wisch wieder aufgetaucht. Hab ihn abgeholt. Er probierte als erstes die Katzenklappe aus. Raus. Rein. Trank, frass. Guckte sich um. Draußen. Drinnen. Und zog wieder los. Nachbarn begrüßen.


Zur gepflegte Nachmittagsstunde laden wir nach Marne ein:
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Samstag, 1. Juni 2019

Juni

Ich räume auf, entleere die Katzenklos, die er nie mehr benützt hat. Er war ein anständiger Kater und erledigte alles draußen. Spüle die Trinkschalen, nehme den Bewegungsmelder vom Strom und entleere den dreistöckigen Trinkbrunnen. Die größeren Becken lasse ich für die Vögel stehen, die haben eh immer darin gebadet. Was mache ich mit den vielen Gießkannen? Das übriggebliebene Futter bekommt der Igel. Ich hatte noch Katzengras ausgesät. Es hat noch nicht angefangen zu wachsen. Am Mittag fahre ich an den Deich und nehme ein Bad in der Nordsee. Wind straks von West, bis zu 32 km/h.

Freitag, 31. Mai 2019

Die Erklärung

kommt von Tobias, dem Sohn von Rasputins früherem Frauchen:

Ich muss und darf Rasputin noch ein bisschen loben: er kam 2011 aus dem Tierheim Heidelberg zu einer Frau in Leimen, bei ihr blieb er, bis sie im Mai 2017 starb. Tobias suchte dann ein neues Plätzchen für den schwarzen Kater Rasputin, so kam er zu mir nach Dithmarschen. Gerade eben hat mir Tobias am Telefon gesagt, dass seine Mutter am 30. Mai, also gestern vor zwei Jahren verstorben ist. Rasputin hat seinen Übergang über die Regenbogenbrücke exakt getimt, das nenne ich eine treue Seele!

Donnerstag, 30. Mai 2019

Tierheim

Es regnet. I. ruft an, unten auf der Bürgerweise sitze ein schwarzer Kater mit lädiertem Ohr im Graben. Es ist nicht Rasputin, aber wir bringen ihn ins Tierheim. Ich frage, ob ein anderer schwarzer Kater abgegeben wurde. Wurde nicht.
Ich muss nun annehmen, dass sich Rasputin zum Sterben irgendwo verkrochen hat. Aus vielen Gesprächen mit Nachbarn schließe ich, dass er irgendwo in den Gärten zwischen dem östlichen Teil der Flensburger, nördlich der Astrid-Lindgren-Schule und der Schleswiger liegt. Falls jemand einen leblosen schwarzen Kater findet, wäre ich dankbar um eine Nachricht.

Mittwoch, 29. Mai 2019

Igel

Das Futter hat ein Igel aufgefressen und im Kreis auf meinen Fussabtreter gekackt. Heute abend werde ich das Schälchen wieder füllen, aber unter den Busch stellen. Ich streife durch die Gärten der direkten Nachbarn, gucke in alle verwunschenen und vergessenen Ecken. Vergeblich.

Dienstag, 28. Mai 2019

Die Suche

Ich laufe von einem Haus zum anderen und frage, ob jemand meinen Kater gesehen hat. Ob er irgendwo eingeschlossen ist. Gesehen haben ihn viele. Zum letzten Mal am Samstag. Ich ja auch. Eingeschlossen ist er nirgends. Unauffindbar! Ich bekomme widersprüchliche Bilder. Er soll am Rande meines Gesichtsfeld sein. Aber warum kommt er nicht mehr herein in mein Gesichtsfeld?
Ich stelle ihm Futter vor die Tür. Neben die Katzenklappe.

Montag, 27. Mai 2019

Mahnwache

Das böse Erwachen - schon fordert einer in der DLZ Neuwahlen!  Weil ihm das knappe Ergebnis nicht in den Kram passt. Und weil irgendeine Unterschrift in der Wahlwerbung in der Zeitung ungültig war.
Rasputin ist und war nicht da, das Futter bleibt unangetastet.

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 26. Mai 2019

Wahlsonntag

Rasputin ist nicht nach Hause gekommen. Mein erster Gedanke am Morgen: er ist gegangen!. Dann sitze ich den ganzen Tag im Wahlbüro. Es regnet immer wieder gnadenlos vom Himmel. Die eine Kandidatin gewinnt die Bürgermeisterwahl mit einem Vorsprung von 42 Stimmen. Ob es nun das kleinere oder größere Übel ist, kann niemand abschätzen. Ich bin Wahlleiterin muss den ganzen Berg Papier nach dem Auszählen noch ins Amt Mitteldithmarschen schaffen. Zum Glück habe ich einen prima Stellvertreter.

Samstag, 25. Mai 2019

Samstag

Ich habe schlecht geträumt und bin den halben Tag benommen. In anderen Ländern gilt am Tag vor der Wahl "Ruhe". Wahlkampfruhe. Keine Wahlkampftruhe. Ich weiß nicht, ob es das hierzulande auch gibt. Ich entferne Rasputin eine winzige Zecke vom Hals. Er lässt es geschehen, zu meinem großen Erstaunen. Endlich weiß ich, wie das geht. Aber ich spüre, was er denkt. "Wenn du das unbedingt jetzt tun musst, dann tu es eben!" Um 15:56 Uhr verlässt er meinen Garten. Geht spazieren, denke ich, wie immer.

Freitag, 24. Mai 2019

Oraciòn


Bild könnte enthalten: eine oder mehrere Personen und Text

Boris spielt in St. Jürgen aber ich habe Wahleinweisung.

Mit dem Programm „Oraciòn“ (Gebet) tourt der Meldorfer Gitarrist und Komponist Boris Guckelsberger (Jahrgang 1968) in diesem Jahr durch den Norddeutschen Raum.
Er verbindet in seinen Programmen die Leidenschaft und Ausdruckskraft solistischer Flamencomusik mit der Tiefe und Tonschönheit der klassischen Konzertgitarre. Dabei sind Werke von Paco de Lucía. Manolo Sanlúcar, Amir-John Haddad, Johann Sebastian Bach und Astor Piazzolla zu hören. Guckelsberger studierte bei Jürgen Braubach in HamburgKonzertgitarre und danach Musiktheorie und Komposition unter anderem bei Alfred Schnittke und Francis Corcoran (Hamburg) sowie Friedhelm Döhl (Lübeck). Das hier erworbene Wissen um Struktur und Dramaturgie macht er sich bei der Interpretation der Werke zunutze und vermittelt es unmittelbar und mitreißend an das Publikum. Er gastiert am Freitag, 24.05. um 20.00 Uhr in der St.-Jürgen-Kirche, Heide.

Donnerstag, 23. Mai 2019

Anbaden 8

Mir tun alle Knochen weh vom Trampolintraining gestern. Also fahre ich am Nachmittag an den Deich und springe ins kalte Wasser der Nordsee! Die Strandkörbe stehen, Papierkörbe sind aufgestellt, die Duschen sind installiert und die Schafe vom Nacktbadestrand ausgesperrt.

Mittwoch, 22. Mai 2019

Weniger Meldorf

In der Nacht fällt endlich Regen. Es ist unglaublich, wie dankbar der Garten, wie frisch der Kopf zu früher Stunde ist! Die Ukrainer*innen haben immerhin einen Komiker zu ihrem Staatsoberhaupt erkoren. Komiker sind per se kreativ und intelligent. Sie entlarven, sprengen Grenzen und formulieren ungeschminkt. Dazu müssen sie erstmal verstehen, was eigentlich Sache ist.

Dienstag, 21. Mai 2019

Mehr Meldorf

Heute - am Welttag der kulturellen Vielfalt für Dialog und Entwicklung (World Day for Cultural Diversity, for Dialogue and Development) - darf ich es sagen: "Mehr Meldorf geht nicht" - ist das kleinkarierte Motto einer Kandidatin im Bürgermeisterinnenwahlkampf. Was soll ich und alle hier Zugezogenen davon halten oder gar dazu sagen? Nur Meldorf zählt? Nur Meldorf nur für die Meldorferinnen und Meldorfer? Wir - gute und schlechte Ausländer*innen, oder einfach nur Sachsen und Sächsinnen, Berliner und Berlinerinnen oder Nordfriesen und Nordfriesinnen - werden aktiv ausgeschlossen. Meinen Dank für dieses Grenzenaufzeigen in einer norddeutschen Kleinstadt statte ich ab am Tag, der den Dialog der Kulturen feiert, und in ihm das (einzige?) Potential für Kreativität und eine nachhaltige Entwicklung sieht.
https://www.unesco.de/kultur-und-natur/kulturelle-vielfalt/unesco-welttag-der-kulturellen-vielfalt-2019

Montag, 20. Mai 2019

Meldorf

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 19. Mai 2019

Nordsee

Das Wasser in der Meldorfer Bucht soll laut Angaben des BSH heute 2° wärmer sein als gestern. Die messen die Temperatur irgendwo aus dem Weltraum, über Satellitenbilder der Meeresoberfläche. Auf meiner Haut spüre ich den massiven Wärmeanstieg nicht. Trotzdem schön. Ich lese in den Frankfurter Poetikvorlesungen von Sarah Kirsch, so warm ist es auf dem Deich.

Samstag, 18. Mai 2019

reset

Alles auf Null - nach 23 Tagen, in denen am Wattenmeer die Eisheiligen nonstop gewütet haben - erneutes Anbaden. Wieder kostet es ein bisschen Überwindung, in das 12° kalte Wasser zu steigen. Aber es geht. Und das Prickeln auf das Haut danach ist tatsächlich himmlisch auf Erden. In der Nacht, um 23:11 Uhr wird der Mond am Himmel droben voll. Alles im maigrünen Bereich.

Freitag, 17. Mai 2019

Das kleinere Übel

Wir können uns in Meldorf nur für das kleinere Übel entscheiden, um das größere abzuwenden. Aber auch das erweist sich als schwierig. Intellektuell sind beide Kandidatinnen dem Bürgermeisterinnenamt meiner bescheidenen Einschätzung nach, die ich aus Internet- und Wahlkampfauftritten gewinnen durfte, nicht gewachsen. Leider hat die derzeitige Amtsinhaberin bereits zum Amtsantritt vor 5 Jahren erklärt, für keine zweite Amtszeit zur Verfügung zu stehen.
Am Sonntag kann - wer 2 Stunden Zeit seines Lebens dafür hergeben will - auf OK Westküste die Gesprächsrunde vom Dienstag nachgehört und mein harsches Urteil überprüft werden:
https://www.oksh.de/wk/2019/05/15/meldorf-vor-der-buergermeister-wahl-diskussion-in-voller-ditmarsia/?fbclid=IwAR36lQbt3UukU0QtxYZnmgFX5x4d7lcqD17pQmnxIqufDHp-Lf85bKoT0N8

Donnerstag, 16. Mai 2019

Nach den Eisheiligen

Die Tomatenpflanzen müssen nun raus in die Erde. Das Wetter kippt. Es fängt an zu regnen, aber die Nächte sollen sanfter werden. Natürlich baden als erstes die Amseln in den Töpfen mit der frischen Biopflanzerde. Morgentoilette. Mal sehen, wie die Terrasse am Abend aussieht.

Mittwoch, 15. Mai 2019

Trinkbrunnen

Ich habe vor etwa zwei Monaten im Internet für Herrn Rasputin einen keramikblauen Trinkbrunnen mit Bewegungsmelder gekauft, längst bezahlt und heute endlich bekommen, sofort ausgepackt und installiert. Nun muss ich nicht mehr ständig Regenwasser von einer Gießkanne in die andere umfüllen, damit mein nierenkranker Unter- oder eher Obermieter sein Lieblingsgetränk, fließendes Regenwasser in ausreichender Menge zu sich nimmt. Es funktioniert tatsächlich!

Dienstag, 14. Mai 2019

Tielenhemme

Kontrastprogramm: Am Nachmittag Besuch im Sarah-Kirsch-Haus in Tielenhemme.
Am Abend Info-Veranstaltung mit den beiden Kandidatinnen für das Bürgermeisteramt in Meldorf. Leider kommt das leere Geschwätz der Politikerinnen nicht an die Geschichte eines ehemaligen Schulhauses am Ende Dithmarschens heran. Schade. Eine wahre Provinzposse. Demnächst mehr. 

Montag, 13. Mai 2019

Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

Sto lat, Henryko!

Donnerstag, 9. Mai 2019

Kleine Städte - große Dörfer?

"Neues aus kleinen Städten und großen Dörfern" - Filmdoku über Meldorf (Schleswig-Holstein), Amt Neuhaus (Niedersachsen), Gerabronn (Baden-Württemberg) und Schlotheim (Thüringen).
Forschungsfilm von studio urbane landschaften b von Lilli Thalgott und der Wüstenrot Stiftung.
Vorführung heute in der Ditmarsia, 19 Uhr

Was macht das Leben in den Orten aus?
Welche Raumkulturgeschichten lassen sich erzählen?
Und wie kann die Zukunft über Raumkultur gestaltet werden? Diesen Fragen ist das Forscherteam 2018 nachgegangen: vor dem Supermarkt, in den Straßen, auf Feldwegen und in Gärten haben sie alle Sinne offengehalten, den Menschen zugehört und mit ihnen gesprochen.
Der Film „Neues aus kleinen Städten und großen Dörfern“ zeigt die Erkenntnisse anschaulich: Aus neuen Berufskombinationen entstehen wirtschaftliche Existenzen, Landschaften werden gleichzeitig zum wirtschaften und von Tieren, Pflanzen, Bewohnern und Fremden genutzt. Für unterschiedliche Lebensstile finden sich Gebäude und unscheinbare Alltagsziele werden zu besonderen Orten der Begegnung. Anhand von gefilmten Raumkulturgeschichten aus den Untersuchungsorten werden vier Perspektiven für die Zukunft kleiner Städte und großer Dörfer herausgearbeitet, die schon heute in den Gemeinden schlummern.
Die Filmvorführung ist offen für alle Interessierten. In einem Zukunftsgespräch über die eigene Gemeinde können sich die Gäste nach der Vorführung mit den Forscherinnen und Forschern austauschen und Ideen entwickeln.

https://www.wuestenrot-stiftung.de/lebensqualitaet-und-zukunftspotenziale-in-kleinen-staedten-und-grossen-doerfern-2/

Mittwoch, 8. Mai 2019

Machart

Die Machart ist ein rein schuhmacherischer Begriff und bezeichnet die Art und Weise, die Kunst des Handwerks oder demnächst des 3D-Druckers: wie eine Schuhsohle mit dem Schuhoberteil verbunden ist. Damit das Ganze an den Füßen hält. Oder infolge von Hydrolyse bald wieder, meist im ungünstigsten Moment, sich auflöst.

Dienstag, 7. Mai 2019

Haplologie

Frau lernt nicht aus: Der Duden berichtet, was sich dahinter verbirgt. Nämlich die Bewunderin (benützt das überhaupt jemand?) statt der Bewundererin. Oder die Mineralogie statt der Mineralologie. Zwei gleich oder ähnlich lautende Silben oder Phoneme werden zu einer verschmolzen. Also fällt immer die Silbe -er- weg, wenn an eine männliche Personenbezeichnung auf -erer (wie eben der Bewunderer) noch ein weibliches -in (die Bewundererein) angehängt werden sollte. Ausgerechnet im Namen dieses Phänomens, der Haplologie kommen aber die doppelten Silben -lolo- vor.
Ich beende die Arbeit mit der Sprache am Schreibtisch und gehe in den Garten. Es ist immer noch kalt!

Montag, 6. Mai 2019

Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

Sonntag, 5. Mai 2019

Samstag, 4. Mai 2019

Herr Strobel

Herr Strobel erfand die Strobelnaht resp. die Strobelmaschine, mit der die Strobelnaht am Schuh entsteht. Ich dachte, das sei ein neues Wort für mein neues Buch. Aber als ich mein altes Buch elektronisch absuchen ließ, war es dort schon drin. Im korrekten Kontext, nämlich: nicht Sohlenerneuerbar.
Gestrobelte Schuhe, sagt die Schuhwerbung, seien weicher und flexibler, weil der Schaft mit einer Kettelnaht durch die Strobelmaschine mit der Brandsohle verbunden wird. Und mit dem Schuhoberteil eine kompakte Einheit bildet. Die Laufsohle wird dann angespritzt und kann mit herkömmlichem Werkzeug nicht repariert werden. Der Schuh muss also, wenn die Laufsohle abgelaufen ist, weggeworfen werden.

Freitag, 3. Mai 2019

Domgoldschmiede

Ich befinde mich eine Stunde lang in einer faszinierenden anderen Welt voller wunderlicher Werkzeuge. In einer Silber- und Goldschmiedewerkstatt. Handstücke. Schleifsteine. Schleifscheiben. Schleifstifte. Edelsteine. Suppenlöffel (das weltweit einzige Suppelöffelmuseum!). Feilen. Goldwalzen. Fräsen. Lötkoffer. Pressen. Polierräder. Lötschere. Pinzetten (Dutzende, Hunderte!). Feilen. Zangen. Fasserhammer und unzählige andere Hämmer (fast so viele wie bei meiner Schuhmacherin) ... 

Donnerstag, 2. Mai 2019

Café R

Aus dem einst feinen finnischen, nicht nur veganen, fairen und nachhaltigen Café ist ein rundumrosarotes Café geworden. Eine Kitschbude mehr in Meldorf. Schade. Sogar der Kuchen ist rosarot. Und es regnet und regnet und regnet. Also zu Hause bleiben!

Mittwoch, 1. Mai 2019

Mai

Der Mai startet nass und kalt. Wetter zum Drinnebleiben. Der Kater ist knatschig, weil ich seine Kissen nicht auf die Gartenbank lege.

Dienstag, 30. April 2019

Der Kaiser dankt ab

Der Monat geht zuende. In Japan geht die Zeitrechnung. "Heisei" - "Frieden überall" zuende. Kaiser Akihito dankt ab, was ungefähr so ungewöhnlich ist wie der deutsche Rentnerpapst im Vatikan. Um Mitternacht Ortszeit besteigt Naruhito den Chrysanthementhron und dann beginnt "Reiwa" - die Zeit der "schönen Harmonie"!
Und dann wird erstmal gefeiert, zehn Tage keine Bank, keine Behörde, keine Schule geöffnet. Ich kenne das, Wehe dem, der zufällig dringend etwas braucht außer Harmonie.

Montag, 29. April 2019

Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

auch 18 Uhr: 
Enthüllung und feierliche Einweihung des Epitaphs Steinhausen im Dom

Danach: Probe in Heide!
Ein Hin und Her Heute.

Sonntag, 28. April 2019

Ostern Zwo

Herr Rasputin hat gestern den ganzen Tag geschlafen, also konnte er die ganze Nacht herumstreunen. Offenbar ist ihm der Bodenaktivator nicht bekommen. Oder hat er eine Maus erwischt? Jedenfalls hat er seinen Mageninhalt hinterlegt, höflicherweise, oder weil Ostern ist, vor der Haustür.

Samstag, 27. April 2019

Kartsamstag Zwo

Ich warte auf eine Regenpause, um Dünger auf die vertikutierten Rasenflächen auszubringen. Sie kommt erst am Abend. Es hüpfen schon Jungvögel herum. Der Kater ist müde.

Freitag, 26. April 2019

Karfreitag Zwo

Die Orthodoxen haben heute ihren stillen Tag. Über dem Wattenmeer zieht endlich Regen auf. Ich säe neuen Rasen an. Und verteile überall Vogelfutter und Meisenknödel, um die hungrigen Gartenspatzen, -meisen, -amseln, -drosseln, -stare, -krähen abzulenken.

Donnerstag, 25. April 2019

Anbaden Fünf

Der Regen kommt nicht. Ich fahre an den Deich. Weiter zähle ich nicht mehr. Ab sofort normaler Badebetrieb. Zwar sind die Duschen noch nicht installiert und es fehlen Strandkörbe, Papierkörbe und die Hinweisschilder auf den Nacktbadestrand. Aber die Wassertemperatur ist über 15° gestiegen.

Regentonne

Heute wird auch noch die neue Regentonne repariert. Der Regen kann kommen.

Dienstag, 23. April 2019

Nachfeiertagsbescherung

So etwas passiert immer im dümmsten Moment. Verstopfung. Überquellende Toiletten. Nicht ablaufendes Wasser in den Duschen. Die Schmutzwassergrube im Garten ist fast voll. Meine Edelkastanie hat sich vorgetastet bis zu unserer nährstoffreichen Kacke. Deshalb geht es ihr so gut! Das Rohr ist zugewachsen. Haarwurzelpfropf. Es kommt ein Handwerker nach dem andern. Ich dränge, da die Toiletten, die Waschmaschinen, die Spülmaschinen, die Duschen nicht benützt werden können. Schließlich wird das Zeug abgepumpt. Der Schacht gespült. Und am Nachmittag kehrt wieder Ruhe ein in Haus und Garten.

Montag, 22. April 2019

Ostermontag

Entgegen meiner Überzeugung singe ich im Gottesdienst in Heide. Einführung unseres neuen Kantors. Ich werde vom Interimskantor abgeholt. Kirschblütenfahrt. Anschließend Kaffee und Kuchen in der Kirche. Was an und für sich und überhaupt schon seltsam anmutet. Wieder zu Hause ziehe ich mich blitzschnell um und fahre mit himmlischem Rückenwind an den Deich. Bin mutterseelenallein im Wasser und quäle mich anschließend erbärmlich auf dem Heimweg. Das war Anbaden Vier.

Sonntag, 21. April 2019

Ostersonntag

Die Stille ist endlich da. Die Nachbarn haben bis spät in die Nacht ihr Gartenhäuschen zusammengehämmert. Urbi et orbi verpasse ich. Die Nachbarskinder suchen Ostereier und ich fahre ans  Meer. Anbaden Drei. Ich springe dreimal ins Wasser. Der Himmel, die Sonne, der Wind - alles gnädig!

Samstag, 20. April 2019

Karsamstag

Ich fahre an die Meldorfer Bucht. Anbaden Zwo. Heute soll der christliche Tag noch stiller und dunkler sein als gestern, für die Orthodoxen allerdings erst in einer Woche. Am Himmel entgegen aller biblischen Geschichten Sonne pur. Nur der Wind hält sich an die Vorgaben und schweigt.

Freitag, 19. April 2019

Karfreitag

Der Mond wird am hellen Mittag voll, 13:12 Uhr. Ostern ist paradox in diesem Jahr.
Es stört mich, dass heute eine Kunstausstellung eröffnet wird. Es störte mich vor Jahren, dass uns die Nachbarn zu ihrer Goldenen Hochzeit einluden. Um die gutnachbarschaftlichen Beziehungen nicht zu gefährden, hatten wir die Einladung angenommen. Es war natürlich Zufall und nicht zu ändern, dass das Jubiläum auf einen kirchlichen Feiertag fiel. Es stört mich heute, dass andere Nachbarn im Garten ein Gartenhaus aufstellen. Seit dem frühen Morgen hämmert und lärmt es.
Aber auch ich arbeite. Still und leise an den Gangarten. Am Abend zur Entspannung Sofia Gubaidulina im Radio. Sie holt Inspiration, Kraft und Energie für ihre Kompositionen aus der Stille. Ich gehe früh schlafen.

Donnerstag, 18. April 2019

Gründonnerstag

Einkaufstag. Ich suche ein Gardena-Verbindungsstück für meine Sickerschläuche. Es ist schnell trocken geworden, wie immer im Frühjahr, und der Bambus braucht Wasser. Ich nehme das alte Stück mit. Und in zwei meiner Lieblingsläden sagt mir ein freundlicher Mensch, dass er so etwas noch nie gesehen habe. Einen dritten gibt es hier nicht.

Mittwoch, 17. April 2019

Mein Garten am Wattenmeer

Der Kater legt mir vor Sonnenaufgang wieder einmal eine Gutenmorgentrophäe vor die Füße. Ich schimpfe halbherzig mit ihm. Denn eigentlich freue ich mich, dass es ihm gut geht und er, der einstige Großstadtstubenkater seine natürlichen Triebe in meinem Garten am Wattenmeer ausleben kann.

Dienstag, 16. April 2019

Montag, 15. April 2019

Mahnwache

auch in der Karwoche:
18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 14. April 2019

Palmsonntag

Meldorf in der Bild am (Palm-)Sonntag. Immer noch der schwule Spahn und die nackten Brüste. Tröstet über den Schnee von gestern, der tatsächlich auch am Wattenmeer fiel. Aus dem Fölmliland erreicht mich ein Foto. Tiefverschneit.

Samstag, 13. April 2019

Passionskonzert II

Wir singen ein interessantes Programm im Dom, zwei Improvisationen, 3 Standardwerke von Schüber über Dvorak zu Reger. Für die PR aber sind wir Sängerinnen und Sänger nicht zuständig. Wer sich sowas Nähnadelspitzes ausdenkt? Nur weil "O Haupt voll Blut und Wunden" auf dem Programm steht?












Donnerstag, 11. April 2019

Am Donnerstag

Es ist noch kälter. Ich vertikutiere vor der Mittagsruhe einen Teil des Rasens, zu mehr reicht die Zeit nicht. So wird mir wenigstens warm. Dem Kater versuche ich beizubringen, dass er nicht immer auf meinen Perser kotzen soll. Er kann das doch, wenn es schon sein muss, draußen erledigen. So wie alles andere auch. 

Mittwoch, 10. April 2019

Am Bahnhof

Es ist kalt. Die Sonne scheint und der Wind ist eisig. Ich weiß nun, was den Unterschied vom Bahnhof zur Haltestelle macht: die Weichen. Keineswegs die Menschen, die einst an diesem Ort mit dem schönen Namen "Schalter" beschäftigt waren und längst wegrationalisiert wurden. Die Reisenden haben nichts zu melden und dürfen dankbar sein, wenn etwas fährt und anhält und sie ein- oder aussteigen lässt.

Montag, 8. April 2019

Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 7. April 2019

Am Wattenmeer

Angebadet. Die Bedingungen waren ideal, fast windstill, sehr sonnig, die Luft sehr mild, das Wasser sehr kalt, aber sicher zweistellig. Zweischneidig. Die Badenden dreistellig. Eiserne Ladies.

Samstag, 6. April 2019

Im Garten

Den Rasenmäher in Gang gebracht. Die Batterie zeigt Ermüdungserscheinungen. Die Frage: woher krieg ich auf die Schnelle Ersatz? Gut zureden hilft auch. Herrn Rasputin von der ersten Zecke befreit. Die Frage: wo entsorgt man Zecken auf die Schnelle? Mit einem Stein erschlagen, rät die Nachbarin. Das krieg mal hin ...

Freitag, 5. April 2019

Manchmal

Manchmal fallen die Dinge vom Himmel. H. lädt jetzt schon zur Ausstellung im Sommer nach Danzig/Oliva ein. "Close your eyes". Daran gefällt mir Verdoppelung der y. So etwas gibt es in der deutschen Sprache nicht.
IMG_4885.jpg
www.hildegardskowasch.de

Donnerstag, 4. April 2019

MA

Minen-Aufklärung. Heute ist der internationale Tag der Minenaufklärung. Für eine Welt ohne Minen, ohne explosive Kriegsmunitionsrückstände und Streumunition.
Dazu hat das Genfer Zentrums für Humanitäre Minenräumung einen ein Kurzfilm gedreht (die Hintergrundmusik ist, wie leider so oft bei wichtigen und eindrücklichen Drehs unerträglich schwülstig - würde es nicht reichen, die Menschen reden zu lassen?):


Mittwoch, 3. April 2019

mager

Herr Rasputin, mein nierenkranker Kater, frisst wenig und ist mager. Er nimmt mir alles übel, was ich gegen seinen Willen tue. Auch, dass ich ihn kurz auf den Arm hebe und mit ihm so lange auf der Waage stehe, bis die unser Gewicht anzeigt. Wahrlich nur ein paar Sekunden. Er ist nicht eitel, nur eigensinnig und rast, kaum von meiner schützenden Brust befreit, die Treppe hinunter. Wie vom Teufel höchstpersönlich geritten! Nimmt einen eleganten Sprung durch seine Katzenklappe und ist weg. Gelenkig und gut in Form. So krank kann er also nicht sein! 

Dienstag, 2. April 2019

Marne

Ausflug nach Marne. Buchvorstellung. Lesung. Diskussion. Entnazifizierungsakten. Niklas Frank, der Sohn von Hans Frank, dem Schlächter von Polen. Die Mutter, Brigitte Frank bezeichnete sich gerne als "Königin von Polen" bezeichnet. Niklas verbrachte "auf der Burg", auf dem Wawel, dem einstigen Krakauer Königsschloss die ersten 6 Jahre seines Lebens. Den ganzen Krieg! Prominenz war anwesend aus der Kunst, die lokale Politik glänzte durch Abwesenheit. In Marne herrschte in der Zeit, als Frank mit seiner Familie auf dem Wawel residierte, der Bürgermeister Hans Wigger. Kein vergleichbarer Schlächter wie der Hitlerstellvertreter Frank. Ein kleiner Provinschuft eben, der alles tat, was in seiner kleinen Macht stand. Sein Foto hängt bis heute in der Ahnengalerie im Rathaus.
Niklas Frank sagt, den Deutschen fehle bis heute die Empathie für die Schuld. Die Herzen hätten sie immer noch nicht angenommen. Auf die Köpfe oder den Verstand wirkt diese Herzlosigkeit seltsamerweise wie die Beichte in der katholischen Kirche. Als Seelenreinwaschanlage.

Marne, Myrne, Merne - der Name der Stadt stamme aus dem Altsächsischen und bedeute "Siedlung am hohen Ufer", sagt das Ortsnamenlexikon von Schleswig-Holstein. In meinen Ohren klingt Marne nach einem polnischen Adjektiv im Neutrum: marny, marna, marne bedeutet schäbig, lausig, miserabel.
pójść na marne = etwas ist umsonst
marne zdrowie = schwächelnde Gesundheit, sich elend fühlen
marny grosz, marna pensja = lumpiger Lohn
marny rzemieślnik = ein mieser Handwerker
nie powiedzieć na kogoś marnego słowa = kein schlechtes Wort über jemanden verlieren

Auf dem Heimweg regnet es.

Aufzeichnung am 4.4.22019, um 19:30 Uhr auf NDR3 (TV): "Vom schwierigen Umgang mit der NS-Geschichte: Lesung in Marne"

Montag, 1. April 2019

Mahnwache

Für Aprilscherze bin ich zu alt. Ich träume nur noch selten. Aber heute Nacht träumte ich, die Hälfte der neu gepflanzten Jadebambuspflanzen sei über Nacht ausgegraben und weggetragen, also gestohlen worden. Ich sehe das Bild der verwüsteten Terrasse immer noch vor mir! Immer noch mit Dem Schrecken der Nacht. Ein Alptraum! Praktisch ist das aber kaum zu verwirklichen. Denn der Bambus steht und gedeiht im Regen, schon gut verwurzelt.

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 31. März 2019

Zeit

Herr es ist Zeit! Wofür? Ich bin den ganzen Tag out of order. Schlafe am Nachmittag auf der Gartenbank, der Kater zu meinen Füßen passt auf, dass mich keine Amseln stören.

Freitag, 29. März 2019

Geburtstag

Heiner Egge ist 70 geworden und feiert nicht: Heide (sein Geburtsort), volles Brahmshaus. Der Chefredakteur unserer Lokalzeitung. Eine Publikation aus dem Zeitungsverlag. Die Liebesgeschichte von Doris und Klaus Groth. Erzählt mit Sätzen wie "Sie verbrachten die ganzen Tage miteinander." Kaum Luft zum Atmen. Prominenz aus der Provinz. Nur ich frage mich, was mit den Nächten war. Und ist. Will ich so alt werden? Nein! 

Donnerstag, 28. März 2019

Die Form

Die Form spielt manchmal eine Rolle und manchmal nicht.
Ich toleriere Wildwuchs in meinem Garten, aber nicht auf dem Bildschirm.
Ich beschneide Sätze, ganze Geschichten. Ich reduziere Wörter zu früher Stunde auf etwas, wie ich meine, Ursprüngliches. Ein Beispiel: "Friedas Gangarten".

Mittwoch, 27. März 2019

Der Unterschied

Zwischen einem Baum und einem Zierbaum:

Baum:
meine ungestüm blühende Blutpflaume














Zierbaum:
in Form geschnittene Butpflaume des Nachbarn

Dienstag, 26. März 2019

Die Fürstin

Melinda sagte zu ihrem Enkel Peter: am liebsten lese ich Bücher ohne Handlung. Beide leben nicht mehr. Sie liest nicht mehr und er schreibt nicht mehr.

Montag, 25. März 2019

Frühlingsmahnwache

Die Blutpflaume blüht. Gestern ein paar vereinzelte Blüten, heute ist der ganze Baum in zartem Rosa explodiert. Für den Kitsch kann ich nichts, den macht die Natur alleine. Aprilwetter, Frühlingsregen. Sommergewitter.

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Samstag, 23. März 2019

Retourkutsche

Alles umgekehrt. Von der großen weiten Welt zurück in die Wattenmeereinsamkeit. Der Kater ist glücklich und immer noch gefräßig.
Die Retourkutsche kommt aus dem französischen "retour" für zurück. Im 19. Jahrhundert war das die regelmäßig hin- und herfahrende Kutsche im normalen Liniendienst. Heute, wo es keine Kutschen mehr gibt, wird eine kleinere oder größere Vergeltungsmaßnahme so bezeichnet.

Freitag, 22. März 2019

"Hooger Nüsse" in Leipzig

Afghanistan und Hallig Hooge - Poesie im Wattenmeer 

Eine Hallig ist eine Marschinsel. Nicht oder nur wenig geschützt, wird sie bei Sturmflut überschwemmt. Dann ist Landunter – im wahrsten Sinne des Wortes. Hooge ist die zweitgrößte der zehn Halligen im Nordfriesischen Wattenmeer und als einzige von einem Steindeich umgeben. Alle 100 Meter haben die Deicharbeiter eine Nummer
in den Stein gemeißelt, 110 insgesamt.
Diesem Rhythmus folgt die Erzählerin und Protagonistin. Sie ist von Beruf Aerokartografin und hat ihre Dunkelkammer im Taunus für unbestimmte Zeit verlassen. Ihr geschultes Auge sieht die Landschaft, die Menschen und ihre Beziehungen als geometrisches Muster im Auf und Ab der Tide. Als die Zeitläufte auch noch eine afghanische
Familie nach Hooge bringen, prallen mehrere Welten aufeinander – im Kopf und in der Wirklichkeit.
Menschen aus den Bergen und der Wüste treffen auf das Wasser und die Hooger. Ein außergewöhnlicher Text – streng strukturiert in einzelnen literarischen Schritten. Jede der 110 Textseiten besteht aus 100 Wörtern, jedes Wort
entspricht genau einem Meter auf der Deichlinie rund um die Hallig Hooge.
Judith Arlt hat ihr Jahr auf der Hallig Hooge als Halligschreiberin und Deutschlehrerin einer afghanischen Familie literarisch verarbeitet. Sie wird am Klavier begleitet von Sebastian Schwarze-Wunderlich, Kantor in Riesa, Opernsänger, Mitglied der St. Jürgen Blues Band, Crossovermusiker.

19 Uhr
Gohliser Schlößchen, Menckestr. 23, 04155, Leipzig (Nord)

https://www.leipziger-buchmesse.de/ll/veranstaltungen/32920

Donnerstag, 21. März 2019

Bahnfahrt

Ich fahre in die große weite Welt. In der Nacht wurde der Mond voll. Das heißt wir haben Tag- und Nachtgleiche. Frühlingsanfang war gestern. Also müsste nun am Sonntag Ostern sein, will man der Regel glauben, dass Ostern auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond fällt. Ist aber in diesem Jahr anders, wir haben ein Osterparadoxon, genauer gesagt eine positive Äquinoktial-Paradoxie.
Der Kater ist nicht glücklich, sondern gefräßig. Er hat seine eigene große Welt! Für ihn stimmt am Himmel alles, aber im Haus wird es nun öde. Keine, die jederzeit und umsonst Streicheleinheiten verteilt. 

Mittwoch, 20. März 2019

Frühlingsanfang

Ich habe noch einiges zu tun. Packen. Gedanken sortieren. Farben sortieren. Muskeln sortieren. Catsitter instruieren. Kater mit Samthandschuhen anfassen! Den Jadebambus gießen, denn es soll nun warm werden. Das Fahrrad aus der Werkstatt abholen. Mit neuem Sattel! Das blaue Leihfarrad zurückbringen. Zum Trampolintrainig.

Dienstag, 19. März 2019

Wäschleine

Ich räume auf. Die Sonne scheint. Endlich kommt die Waschmaschine wieder einmal an die Reihe. Spanne neue Wäscheleinen.

Montag, 18. März 2019

Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg 
Probe in Heide. Die Zuversicht wächst. Das Konzert naht.

Sonntag, 17. März 2019

Quantensprung

Neue Wörter. Lymphesizing (Yin-Yang ua). Schjulterblattheber. Latissimus Dorsi (Rückenmuskel). Zehenreflexoren. Tibialis posterior. Am Mittag ein bisschen Sonne. Kalter Wind.

Freitag, 15. März 2019

Die Gärtnerin

So ist das sprachlich korrekt: da der Gärtner erkrankt ist, kommt heute die Gärtnerin und macht alles fertig. Es regnet in Strömen. Seit zwei Wochen, seit die Gärtner in den Garten eingefallen sind, regnet es gefühlt ununterbrochen. Auch ich werde tropfnass auf dem Heimweg von Unaufschiebbarem.

Donnerstag, 14. März 2019

Probenfrei

Jeder zweite Donnerstag ist Domchorprobenfrei. Das hat den Vorteil, dass niemand verregnet wird.

Mittwoch, 13. März 2019

13

Ich reduziere meine ausgewählten Texte auf 13. Ich muss meine "Hooger Nüsse" knacken. Spalten, fragmentieren, neu zusammensetzen. Werner hat mir Visitenkarten entworfen, schlicht, aber doppelseitig. Doppelzüngig. Auf der Rückseite ein lupenreines Nusszitat, das an den Rändern der Lupe logischerweise unleserlich wird. Der doppelseitige Druck kostet die Hälfte des einseitigen. Das ist die Janusköpfigkeit einer Finanzstruktur, die ich nicht verstehe.

Dienstag, 12. März 2019

Blauer Dienstag

Der Dienstag ist mein Montag, blue monday. Seit einigen Wochen wache ich auf wie nach einer Weltreise. Dabei fahre ich am Montag abend nur nach Heide zur Chorprobe.

Montag, 11. März 2019

Mahnwache

Schnee und Regen. Sturm und Ruhe.
18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg 
News aus Fukushima - 8 Jahre danach (es kann niemanden wirklich wundern, dass das Gift am Ende uns allen gehört):
https://www.n-tv.de/mediathek/videos/panorama/An-der-Fukushima-Ruine-wird-der-Platz-knapp-article20896468.html 

Sonntag, 10. März 2019

homeday

Ich versuche zu frühstücken auf der neuen Terrasse. Hänge zuversichtlich Wäsche auf. Muss bald alles wieder reinräumen.

Samstag, 9. März 2019

Spaziergang am Meer

Sturm und Hochwasser. Regenpause und Schreibtischpause. Noch kein Schwimmwetter. Surfwetter. Neoprenwetter. Graupause (Blaupause ist verpönt, eine "Imponiervokabel").

Freitag, 8. März 2019

So etwas wie Sonne

Aber kalt! Kurze Siesta auf der Gartenbank, die wieder an ihren angestammten Platz zurückgekehrt ist. Herr Rasputin bevorzugt den Platz auf der Fensterbank. Es sind ihm immer noch zuviele Fremde im Garten!

Donnerstag, 7. März 2019

Immer noch Regen

Und Sturm. Immer noch Gärtner. Der Rasen säuft ab, aber der wird sich schon wieder erholen. Ich habe so etwas wie einen Trampolinkater. Hat nix mit Herrn Rasputin zu tun. Endorphinkater.

Mittwoch, 6. März 2019

Neumond

Manchmal treffe einen das Neue überraschend oder in einer unerwarteten Form. Sagt die Neumondpost. Oder das Neumondposting. Der Neumondpostillon. Ich werde mehrmals nass bis auf die Haut. Ich habe zweimal 500 neue Visitenkarten bestellt, 500 solche und 500 andere, weil ich mich nicht entscheiden konnte, welche mir besser gefallen. Nun stecke ich die einen in die eine Tasche und die anderen in die andere. Und greife mal nach links, mal nach rechts. Der Vorrat reicht für den Rest meines Lebens.

Dienstag, 5. März 2019

Jiuzhaigou

Oder Jadebambus. Meine neuen Gartenbewohner. Werden gerade eingepflanzt. Junge Halme bekommen im Sommer "Sonnenbrand", die Halme färben sich rot, im Herbst braun. Im Winter, erklärt der Bambusgärtner, können sie die Blätter stark einrollen. Als "Verdunstungsschutz", denn unsere feuchtigkeitszehrenden klimatischen Verhältnisse machen ihnen zu schaffen. In ihrem Ursprungsland liegen sie im Winter tief unter Schnee begraben und schlafen. Auch wenn es aussehe, als wären sie abgestorben, tröstet mich der Bambusgärtner, leben sie im Frühjahr wieder auf. Nie zu früh die Hoffnung verlieren. Im Moment gießt es in Kübeln. Bestes Bambuspflanzwetter.

Montag, 4. März 2019

Montagsmahnwache

Ich mache mich an meine Arbeit. Ein Gärtner ist da. Buddelt die Terrasse auf. Am Nachmittag kommt ein zweiter und bringt Bambuspflanzen.
18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 3. März 2019

Regen

und keiner traut sich vor die Tür. Ich backe Kuchen und höre nebenher ein Feature über Geflüchtete aus Syrien in einem Dorf hier in der norddeutschen Pampa. Zwei Dinge fallen mir wie ein akustisches déja-vu auf:
Erstens das Lachen der Mutter. Ich kenne dieses Lachen gut von der afghanischen Mütter auf Hooge. Ich glaube nicht, dass ich es je richtig verstanden habe. Auch die Featureautorin versteht es nicht, und alle ihre Gesprächspartnerinnen verstehen es nicht.
Zweitens die Übergriffigkeit der Erzieherinnen, die meinen, einer alleinerziehenden Mutter von vier kleinen Kindern (der Vater sitzt zur Zeit der Aufnahme mit dem ältesten Sohn noch in der Türkei fest) verbieten zu dürfen, aus diesem Kaff wegzuziehen, nur weil sie - die Erzieherinnen - die Kinder im Kindergarten endlich im Griff haben!

Samstag, 2. März 2019

Tatsächlich

sind meine Kreuzschmerzen innerhalb einer Woche fast ganz verschwunden. Auch der Kater ist nach einem Monat wieder fit. Die neuen Nachbarn hat er noch nicht gesichtet, aber bereits gerochen!

Freitag, 1. März 2019

Garten

Dieser Frühlingsanfang dient nur der Ordnung in den Büchern der Behörden: den weltweiten Statistiken. Dem Dreimonatsrhythmus in der Meteorologie. Aber irgendwann im März bricht immer die Erde auf und bringt Verborgenes wieder hervor. Bei mir treffen die langersehnten Gärtner ein. Herr Rasputin erlegt die erste Amsel dieses Frühlings und verspeist sie, bzw das, was ihm schmeckt, höflicherweise unter dem Rhododendron. Schade um den Vogel, aber gut für den Kater.

Donnerstag, 28. Februar 2019

Lynchmord

Buchvorstellung: 20 Uhr im Traumausstatter
Dietrich Stein, Lynchmord in der Südermarsch. Der Tod Adolf Bauers in Rösthusen bei Marne.
ISHZ Beiheft 8.


Pressetext:
In den frühen Morgenstunden des 10. Juli 1932 schwang sich Adolf Bauer auf sein Fahrrad, um von Marne in Dithmarschen durch die Südermarsch nach St. Michaelisdonn zu fahren. Doch er sollte dort nie ankommen: Mitglieder der Marner SS lauerten dem jungen Instrukteur der KPD bei Rösthusen auf, jagten ihn über eine Weide und prügelten auf ihn ein. Schließlich erstickten sie den diskussionsfreudigen jungen Mann – der ihnen auf politischen Veranstaltungen oft Paroli geboten hatte und intellektuell weit überlegen war – im wässrigen Schlamm eines Grabens.
Zu Beginn der NS-Diktatur wurden die Voruntersuchungen zum Fall eingestellt. Die Beteiligten hatten nichts mehr zu befürchten und machten politisch Karriere. 1948 wurde den Tätern zwar der Prozess gemacht, und es kam zu Verurteilungen, die in den Revisionsverfahren jedoch wieder kassiert wurden. Dann geriet Adolf Bauer in Vergessenheit …
Der Historiker und Pastor iR Dietrich Stein hat nun den Fall erforscht und anhand von wiederentdeckten Quellen und Prozessakten die Vorgänge jener Nacht im politisch so turbulenten wie gewalttätigen Sommer 1932 rekonstruiert. Seine Darstellung zeichnet ein lebendiges Bild der Umbruchzeit von der Weimarer Demokratie in die NS-Diktatur. Sie ist nicht nur der Menschenwürde Adolf Bauers verpflichtet, sondern kann auch für die Gegenwart zeigen, wohin es führt, wenn Hass und Gewaltbereitschaft die politische Auseinandersetzung beherrschen.



Mittwoch, 27. Februar 2019

Dienstag, 26. Februar 2019

Morgennebel

Eiskalt. Frost. Nebel. Im Radio werden gerade zweistellige Tagestemperaturen versprochen.

Montag, 25. Februar 2019

Mahnwache

Nachtfrost. Es soll aber bis zum Abend warm werden.
18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 24. Februar 2019

Sonne

Der Kater genießt das Leben an der Sonne. Die Nachbarskinder auch. Wenn es zu bunt (zu laut) wird, zieht sich Herr Rasputin vornehm ins Haus zurück.

Samstag, 23. Februar 2019

Beinlängendifferenz

Ich hatte immer ein kürzeres Bein bzw. einen sogenannten Hüftschiefstand. Das wurde mir schon in der Schule regelmäßig von den Schulärzten bestätigt. Eine Zeitlang trug ich Schuheinlagen. Aber die Füße wuchsen und die Einlagen nicht. Mehr wurde nicht unternommen. Heute lerne ich auf dem Trampolin leichter zu schwingen. Die Beinlängendifferenz am Boden durch Dehnung des kürzeren Beins auszugleichen, das Becken auszurichten, die entsprechenden Muskelverspannungen zu lösen.  Es ist nie zu spät ...

Freitag, 22. Februar 2019

Freitagsmarkt

Auf facebook werden wir Meldorfer bzw. "Ihr Meldorfer" kollektiv und pauschal beschimpft, weil wir nicht alle am Freitag vormittag auf dem Wochenmarkt einkaufen. Tja, was soll ich dazu sagen? Ich stellte den notorischen Oberbeschimpfer unter den Marktbesckickern vor längerer Zeit einmal in einem Kommentar zur Rede. Danach hat er mich aus seiner "Freundesliste" eliminiert. Seither grüßt er mich in der Gehstraße nicht mehr. Ich soll nun also am Freitagvormittag an seinen Honigstand treten und seinen Tagesumsatz retten? Ich beziehe meinen Honig von der Hallig Süderoog, wer einmal Süderooger Honig gegessen hat, wird keinen andern mehr aufs Brot streichen wollen und schränkt den Konsum gerne ein, bis die neue Ernte da ist. Save the face!

Donnerstag, 21. Februar 2019

Muttersprachen

Heute ist der Tag der Muttersprachen. Im Polnischen ist die Muttersprache die Vatersprache. Das Vaterland ist wie im Deutschen auch das Vaterland. Eigentlich ist es logisch, dass die Sprache und das Land demselben Elternteil zugeordnet werden.
Ich hatte schon mal geschrieben, dass ich allein den Plural von Heimat kenne. Mit der Vervielfältigung der Heimat oder der Heimatländer einher geht der Verlust einer einzigen Mutter- oder Vatersprache.

Mittwoch, 20. Februar 2019

Schmiedeschraubstock

Der alte, entsetzlich schwere Schraubstock meines Schwiegervaters hat nun Wohnrecht auf Lebenszeit in Großenrade gefunden. Im Atelier von Dieter Koswig.

Dienstag, 19. Februar 2019

44

Die Zahlenmystik geht weiter. Ich mochte nicht aufstehen heut früh und schlief eine Runde weiter. Und träumte, dass ich eine viel befahrene Straße entlang ging, mich an Baustellenabsperrungen vorbei, gefährlich nah an der Fahrbahn, drängen musste. Etwas, was ich überhaupt nicht mehr gewohnt bin. Ich suchte etwas (ein Haus oder einen Ort, eine Veranstaltung, ein Laden, ein Büro ...) und jemand, den ich nicht kannte, aber ansprach, hatte mir gesagt, es sei an der Hausnummer 44 zu finden. Für diese Auskunft war ich im Traum ganz dankbar und lief getrost geradeaus.
Gerade wird der Mond voll. 

Montag, 18. Februar 2019

Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 17. Februar 2019

Sonntag

Sonntag mit Sonne. Wann kam das zum letzten Mal vor? Das bereits zweite Frühstück im Garten. Etwas frisch, aber mit Mütze, Decke und Schal geht es. Meine Schwimmschwester ruft an und frohlockt: Bald gehen wir wieder schwimmen!

Samstag, 16. Februar 2019

Birigt Vanderbeke

liest heute abend 20 Uhr im Traumausstatter aus "Alle, die vor uns da waren".
Pressetext: Unsere Zukunft speist sich aus unserer Vergangenheit. Die Erzählerin dieses autobiografischen Romans, mittlerweile selbst Großmutter, spürt den Fäden und Verbindungen zwischen den Generationen nach: Was bewog die eigene Großmutter, Ostende zu verlassen und ihrem 14-jährigen Sohn Gaston, der sich der deutschen Wehrmacht angeschlossen hatte, nach Deutschland zu folgen? Wie hielt sie, die nie wieder nach Belgien zurückkehrte, das Leben in der Fremde aus? Und wie können diese Erinnerungen in Zeiten, die erneut von Flucht und Vertreibung geprägt sind, Trost und Hilfe sein?
Im abschließenden Teil ihrer beeindruckenden Roman-Trilogie umkreist Birgit Vanderbeke Fragen, die weit zurückführen und doch aktueller nicht sein könnten.

Freitag, 15. Februar 2019

Schlüsselübergabe

zur Monatsmitte (stimmt natürlich ausgerechnet in diesem Monat nicht!). Es gibt Schlüsselerlebnisse und Schlüsselübergaben. Ich suche den ganzen Tag den zweiten Briefkastenschlüssel und merke erst spät am Abend, dass ich ihn ja die ganze Zeit in der Hand halte. Mit Blindheit geschlagen wie eine Schlüsselblume. Wenn das keine Poesie ist!

Donnerstag, 14. Februar 2019

Garagenräumen

Von der Sonne verführt, erledige ich heute ganz viel Liegengebliebenes. In einer Garage, die kein Auto kennt, sammelt sich nebst Gartengeräten nur Unsinn an.

Mittwoch, 13. Februar 2019

Mittwoch, der Dreizehnte

Ich lerne Erstaunliches über die Fingernägel von Gitarristen! Jeder und jede hat seine Schwachstellen, Sollbruchstellen. Bei mir ist es eher die Kehle oder die Ferse. Ein Gitarrist braucht nicht nur die Finger, wie etwa ein Pianist, oder ein Trompeter, sondern vor allem die Nägel.

Dienstag, 12. Februar 2019

Brassbandschuhe

Ich bin immer wieder versucht, die Berge von alten mails einfach zu löschen. Ein Knopfdruck und das Postfach wäre leer und ich befreit von elektronischer Last. Mit handgeschriebenen Briefen ging ich früher sorgsamer um. Aber ich finde immer wieder Goldgruben und vergessene Schätze. Heute die Brassbandschuhe aus dem Jahr 2011!

Montag, 11. Februar 2019

Meldorfer Mahnwache

Sonne am Morgen!
18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 10. Februar 2019

Direkte Demokratie

Die Schweizer wähnen sich immer als die Glückseligsten der Glückseligen. Aber ist es ein Glück, in einer direkten Demokratie zu leben, in der nur 37,4% sich an dieser Demokratie aktiv beteiligen, indem sie zB ihr Stimmrecht ausüben?
Die Zersiedelungsinitiative der Grünen ist also heute von diesen 37,4% haushoch abgeschmettert worden. Das war anders nicht zu erwarten. Und nun werden die Häuser weiterhin wie Wildwuchs überall, wo noch ein Plätzchen frei ist, in den Himmel schießen. Ich habe Japan vor Augen. Das Japan, das ich aus dem Shinkansen gesehen habe. Betonlastig zugebaut und übereiandergetürmt. So ist das in kleinen Ländern.

Samstag, 9. Februar 2019

Tristis est anima mea

„Tristis est anima mea usque ad mortem; sustinete hic et vigilate mecum“ - „Meine Seele ist betrübt bis an den Tod, bleibet hier und wachet mit mir“: So spricht nach dem Matthäusevangelium Jesus im Garten Gethsemane zu seinen Jüngern.
Dieser Responsorientext zum Gründonnerstag bildet die Grundlage des Konzertprogramms des Palestrina-Ensembles:"Tristis est anima mea" kommt zur Aufführung in dem Vertonungen von Johannes Kuhnau, von Giovanni del Palestrina, von Orlando di Lasso und von Carlo Gesualdo.
Im direkten Vergleich können die Zuhörer erleben, wie die einzelnen Komponisten diese bewegenden Worte vertont haben.
Dazwischen ertönen zur Auflockerung Motetten von Heinricht Schütz, Johann Christoph Friedrich Bach, Johann Hermann Schein, und Johann Sebastian Bach - sowie die Sonata in d-moll von Antonio Caldara für Violoncello und Truhenorgel.
Es singt das Palestrina-Ensemble unter der Leitung von Andreas Koller.
Violoncello: Thomas Stöbel 
Truhenorgel: Matthias Lücke

Sonnabend, 9. Februar 2019, 19 Uhr, Citykirche St.Ansgar, Holtenauer Straße 91, Kiel
Sonntag, 10. Februar 2019, 17 Uhr, Meldorfer Dom, Nordermarkt 3, Meldorf

Freitag, 8. Februar 2019

Niereninsuffizienz

am Freitagmorgen! Kein schönes Wort. Soll ich jetzt mit dem Kater jede Woche zur Dialyse fahren? Ich fahre am Nachmittag allein im strömenden Regen in die Tierarztpraxis und hole Medikamente. Streue ihm liebevoll Pülverchen übers Nassfutter, probiere ein neues Trockenfutter. Aber er ist für Experimente gerade gar nicht zu haben und will nur in Ruhe gelassen werden. Und ich kann ihm das nicht einmal verübeln.

Donnerstag, 7. Februar 2019

Glühbirnen

Wenn Glühbirnen platzen, liegt es entweder am Alter oder an der Spannung in der Luft. Passiert natürlich immer im dümmsten Moment und in finsterster Nacht. Aber sobald es am Morgen wieder hell wird, kann gründlich gelüftet werden. Dann gelingt der Tausch problemlos.

Mittwoch, 6. Februar 2019

Kater

Ein aus der Narkose erwachender Kater ist erheiternd und erschreckend zugleich. Der Instinkt treibt ihn immer wieder zum Futternapf, aber die Beine tragen ihn wie einen Besoffenen nicht. Die Kaumuskeln funktionieren nicht, 4 extrahierte Zähne unterstützen den Vorgang auch nicht mehr. Seltsamerweise findet er aber den Weg aufs Katzenklo, was ja nicht unbedingt im Einklang mit der Natur des Tieres steht.

Dienstag, 5. Februar 2019

Das Jahr des Schweins

Agathatag. Chinesisches Frühlingsfest. Das Jahr des "glücklichen und zufriedenen Erd-Schweins" beginnt. Frieda in der Schweiz hat Geburtstag. Rasputin ist krank.

Montag, 4. Februar 2019

Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg 
18:40 Tierarzt
22:03 Neumond

Sonntag, 3. Februar 2019

Sonntag

Fast hat man vergessen wie das ist. Sonne pur, blauer Himmel, fast windstill. Wie sich das gehört für einen Februartag. Wäsche zum Trocknen draußen aufhängen. Den Kater durch das Wohnzimmer auf die Terasse scheuchen und in den Garten entlassen.

Samstag, 2. Februar 2019

Neue Schuhe, neue Liebe

Darstellung des Herrn. Volkstümlich Mariä Lichtmess. Kerzenweihe. Blasiussegen. Ende der Weihnachtszeit. Das geht schon ganz schön drunter und drüber. Im Bauernkalender beginnt heute das Bauernjahr. Gleichzeitig endet das Dienstboten- und Knechtsjahr. Der Bauer sollte noch die Hälfte des Winterfutters für die Tiere in der Scheune haben. Bis zum Agathatag hatte das Gesinde Zeit, sich eine neue Arbeitsstelle zu suchen bzw. Urlaub zu machen. Schöne Aussichten! Manche bekamen als Lohn ein Paar Schuhe! Und die Redensart "neue Schuhe, neue Liebe" soll auf den Umstand zurückgehen, dass zu Lichtmess die Belegschaften rochierten und Liebschaften unter Dienstboten so kein natürliches, sondern ein abruptes Ende fanden. 

Freitag, 1. Februar 2019

Februar

Ab heute sind wieder die Schuhe an der Reihe. Druntas, Gaudis, Chillis und wie sie alle heißen,. Meine neueste Errungenschaft: Umadum. Das ist österreichisch mundartlich für rundherum, ringsherum, an allen Seiten. Dh der Umadum-Schuh passt rund um den Fuß. Ich bekam aber anfangs von meinem linken Umadum Blasen an der eh lädierten Ferse.

Donnerstag, 31. Januar 2019

144 / 280

Nochmals Zahlensymbolik. Zur Erquickung der geretteten Herzen. Zum Monatsende. Wie die Zeit vergeht ...
Das Signum Quartett mit "Tweet between the lines". Eine Aufnahme von vorgestern aus dem Sendesaal Bremen. Sehr einleuchtend die Notenschrift.
Die vier Musiker sammeln über Twitter kurze Kompositionen mit entweder 140 - oder seit neuestem 280 Zeichen. Also auch hier: quantitatives Schaffen, Schöpfen, Erschaffen. Mathematik (Zählwerk) ist überall.
 

Mittwoch, 30. Januar 2019

News

Kurz vor Monatsende hat es "Meldorf" nun in die Viertelstunden-Takt-Nachrichten des NDR geschafft: "mutmaßliche", "islamistische" "Terrorzelle" "ausgehoben". In Epenwöhren. Und in Meldorf. Im Morgengrauen haben die Beamten 3 Typen aus dem warmen Betten direkt in ihre kalten Dienstwagen verfrachtet. Die beiden Bürgermeister zeigen sich verblüfft. Keiner hat von nix gewusst. Den einen ruft die Printpresse aus einer Besprechung, die andere das Fernsehen. Angeblich wollten die drei Männer, die angeblich aus dem Irak stammen, aus angeblich übriggebliebenen Silvesterraketen Schwarzpulver gewinnen. Angeblich hatten sie kein Geld für ein Schießgewehr. Aber - soviel wurde sofort bekannt gegeben - angeblich hatten sie die Absicht "viele Menschen zu töten". Mit Silvesterböllern. Toller Ansatz! Mein Kater ist auch dafür, dass die Dinger endlich verboten werden.

Dienstag, 29. Januar 2019

Frauen

Die Chordamen erzählten gestern Abend bei der Montagsprobe mit leuchtenden Augen vom Sonntagsgottesdienst mit dem letzten Kandidaten. Tüpfelchen auf das i war die begleitende Ehefrau. Die nämlich ist - nach eigener Aussage - schwanger! Unsere Sopranistinnen schwelgen im Glück!
Vor zwei Wochen noch war eine nur mögliche - weder bestätigte noch beabsichtigte - Schwangerschaft das Totschlagargument gegen die beiden Kandidaten - eine Kandidatin und ein Kandidat, die sich gemeinsam auf die Stelle bewerben. Was, wenn SIE schwanger wird? Dann müssen wir mit IHM  ... der Tenor in den Frauenstimmen war eindeutig: DAS wollen wir nicht!
Ich bin kurz vor Mitternacht kopfschüttelnd eingeschlafen und gerade eben kopfschüttelnd wieder aufgewacht.

Montag, 28. Januar 2019

Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 27. Januar 2019

Anschaffung

Ich kaufe mir ein Trampolin!
Und alle denken an Akrobatik, an wilde Sprünge und Pirouetten. Dabei geht es nur um eine ganzheitliche Hinwendung an den eigenen Körper. Um den winzig kleinen Moment, in dem wir beim Training beim Schwingen die Schwungmatte verlassen und die Schwerelosigkeit überwinden.
Vor lauter Vorfreude gehe ich in den Garten und entleere gehorsam die Regentonne.

Samstag, 26. Januar 2019

Schnee

Er kam und ging über Nacht. Ich ging nach Mitternacht noch mit dem Kater und barfuß in dem frischen Weiß spazieren - und jetzt ist alles dahin.
Ich fahre nach Heide und höre mir den letzten Kandidaten für die Kantorenstelle auf der Orgel an.
12:00 Uhr Orgelmatinee mit Franz Spenn, St. Jürgen. Eintritt frei

Freitag, 25. Januar 2019

Gärtner

Der Gärtner kommt und guckt sich den Garten an. Der Boden ist fest gefroren. Wir müssen Zäune ziehen, Platten begradigen, Bambuspflanzen auf die Terrasse setzen. Er guckt mich strafend an, weil meine Regentonne nicht leer ist. Sobald es taut, sagt er mit erhobenem Zeigefinger, und es soll tauen übers Wochenende, bevor es wieder kalt wird, müsse ich sie auskippen.

Donnerstag, 24. Januar 2019

Zählen

Wir probieren tatsächlich Nystedts "Immortal Bach" - ich singe in Chor 3. Wenn die andern 4 Chöre pünktlich und deutlich ihre Einsätze singen würden, hätte ich meine auch ganz sicher. So aber muss ich zählen. Zählen. Zählen. Mit dem wackelnden Kopf, dem müden Hirn, nicht mit dem Mund! Mit den Fingern, den Zehen, dem Beinen, Schuhen, Spitzen, Fersen ...

Mittwoch, 23. Januar 2019

Zahlen

Warum gibt es nicht einmal andeutungsweise eine formale Revolution in der Literatur? Etwa so wie die Zwölftontechnik in der Musik?
Anton Webern soll "mathematisch" komponiert haben. Webern gilt als Schönbergs Lieblingsschüler, Alban Berg der vom Meister am meisten kritisierte (und sei es auch nur für ausufernde Briefe: "Fassen Sie sich kürzer ... Ein Brief muss im Telegrammstil gehalten sein") und Hanns Eisler als renitentester. Trotzdem verkündete letzterer eine Lobrede anl.Schönbergs 80. Geburtstag - selbstredend 3 Jahre nach des Komponisten Tod - in der stalinistischen DDR. Sie hob an mit den schönen Worten: "Ich brauche nicht das chinesische Sprichwort Wer seinen Lehrer nicht ehrt, ist schlechter als ein Hund, um hier festzustellen, dass Schönberg einer der größten Komponisten nicht nur des 20. Jahrhunderts war ..."
Angeblich wurde Eisler später gefragt, woher er das Sprichwort habe. Und der abtrünnige Schönbergschüler soll wahrheitsgetreu geantwortet haben: "Natürlich selbst erfunden."
Das nennt man heimzahlen.

Dienstag, 22. Januar 2019

77

Ich klebe an Zahlen. Lebe von Zahlen. Dieses Berliner "Credo" von Pärt - aufgebläht zu einer 77-minütigen Meditation - übertrifft Nystedts "Immortal Bach" und ein etwa 14,4-faches. Take your time:

Montag, 21. Januar 2019

Blutmond

Den kupferroten Mond konnte ich nur kurz vor sechs Uhr kurz sehen. Irgendwann in der Nacht stand er noch blendend hell am Himmel. Und dann zog sich der Himmel über Dithmarschen zu.

Am Abend as usual: 18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 20. Januar 2019

Frost

Ein frostiger Sonntag. Ich versuche wieder zu mir zu kommen. Denke über Senkerwurzeln nach, die eine Mischform sind von Pfahlwurzeln und Horizontalwurzeln. Spaziergang durch die Feldmark zum Sonnenuntergang und Mondaufgang.

Samstag, 19. Januar 2019

Itzehoe

Fortbildung. Mit Salatteller. As usual. Schiedspersonen bestrafen nicht, sondern haben eine "Genugtuungsfunktion". Die Sprache aller Fachleute ist immer wieder schön. Das Wetter auch. Und wir sitzen in der Kantine des LLUR.

Freitag, 18. Januar 2019

Nullachtfuffzn

Wieder etwas gelernt. Kriegsvokabular. Das sich in den Alltag eingeschlichen hat.
1908 soll im deutschen Heer eine neue Waffe, ein Maschinengewehr eingeführt worden sein. 1915 wurde es dann überprüft (auf seine Kriegstauglichkeit?) und verbessert. Und erhielt die Typenbezeichnung 08/15. Ein Standard-Schießeisen, in Serie produziert, bereits etwas veraltet. Das ist 08/15!

Donnerstag, 17. Januar 2019

Nordermeldorf

Spaziergang am Deich. Fast kein Wind. Fast warme Sonne. Fast kein Wasser. Viele Vögel, die im Watt herumstochern und - ein gefundenes Fressen - ihren Hunger stillen.

Mittwoch, 16. Januar 2019

Der Schrank

Kürzlich war ich noch stolz darauf, den Plural von Heimat nicht nur zu kennen, sondern auch zu besitzen. Nun habe eine meiner Heimaten verloren. Eine mehr. Das Verlieren ist immer auch ein Gewinn. Ich gewinne an Einsicht, An Lebenserfahrung.
Herr Kaczyński wird keine ruhige Minute mehr haben in seinem Leben in seinem Heimatland. Denn ewig dauert auf Erden nichts, auch eine absolute Mehrheit in politischen Gemengelagen nicht. Er bewegt sich ja jetzt schon nur schwerst bewacht und geschützt. Nicht einmal ans Grab seines Bruders kommt er ohne Polizeikolonne. Angeblich nimmt er alle Mahlzeiten allein zu sich. Der kleine Mann wird seinen Lebensabend im Schrank verbringen müssen. Dort, wo mein Kater die Silvesternacht verbrachte. Vor Angst zitternd. Der kleine Mann kennt das Schrankgefühl schon. Angeblich hockte er in der Nacht vom 12. auf den 13.12.1981 in Mutters Kleiderschrank.

Dienstag, 15. Januar 2019

Nienawiść - Hass

Wisława Szymborska
NIENAWIŚĆ

Spójrzcie, jaka wciąż sprawna,
Jak dobrze się trzyma
w naszym stuleciu nienawiść.
Jak lekko bierze wysokie przeszkody.
Jakie to łatwe dla niej - skoczyć, dopaść.

Nie jest jak inne uczucia.
Starsza i młodsza od nich równocześnie.
Sama rodzi przyczyny,
które ją budzą do życia.
Jeśli zasypia, to nigdy snem wiecznym.
Bezsenność nie odbiera jej sił, ale dodaje.
Religia nie religia -
byle przyklęknąć na starcie.
Ojczyzna nie ojczyzna -
byle się zerwać do biegu.
Niezła i sprawiedliwość na początek.
Potem już pędzi sama.
Nienawiść. Nienawiść.
Twarz jej wykrzywia grymas
ekstazy miłosnej.
Ach, te inne uczucia -
cherlawe i ślamazarne.
Od kiedy to braterstwo
może liczyć na tłumy?
Współczucie czy kiedykolwiek
pierwsze dobiło do mety?
Zwątpienie ilu chętnych porywa za sobą?
Porywa tylko ona, która swoje wie.
Zdolna, pojętna, bardzo pracowita.
Czy trzeba mówić ile ułożyła pieśni.
Ile stronic historii ponumerowała.
Ila dywanów z ludzi porozpościerała
na ilu placach, stadionach.
Nie okłamujmy się:
potrafi tworzyć piękno.
Wspaniałe są jej łuny czarną nocą.
Świetne kłęby wybuchów o różanym świcie.
Trudno odmówić patosu ruinom
i rubasznego humoru
krzepko sterczącej nad nimi kolumnie.
Jest mistrzynią kontrastu
między łoskotem a ciszą,
między czerwoną krwią a białym śniegiem.
A nade wszystko nigdy jej nie nudzi
motyw schludnego oprawcy
nad splugawioną ofiarą.
Do nowych zadań w każdej chwili gotowa.
Jeżeli musi poczekać, poczeka.
Mówią, że ślepa. Ślepa?
Ma bystre oczy snajpera
i śmiało patrzy w przyszłość
- ona jedna.

[wiersz z tomu Koniec i Początek, wyd. a5, 1993 r.
Rękopis ze zbiorów Fundacji Wisławy Szymborskiej]

Montag, 14. Januar 2019

Paweł Adamowicz

Bürgermeister von Gdańsk/Danzig seit über 20 Jahren ist seinen Verletzungen heute nachmittag erlegen. RIP.

Mahnwache

Was gestern Abend in Danzig geschah, ist vielleicht nur der Anfang. Oder das Ende des Anstands in einer angeblich katholischen, christlich geprägten Gesellschaft. Der Mob übernimmt, angestachelt und aufgehetzt von Predigern und Politikern, die nur ein Ziel kennen: Rache zu nehmen und Andersdenkende an den Galgen zu bringen!
https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-01/polen-danzig-buergermeister-pawel-adamowicz-messerangriff

In Meldorf heute abend: 18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 13. Januar 2019

"Von tiefen Tönen und anderen Tieren"

Benefizkonzert für den Wiederaufbau des letzten Sommer abgebrannten Waldorf-Kindergartens:
Duo Fondamento aus Rendsburg
Anne Gayed (Cello)
Christian Gayed (Kontrabass)

„Von tiefen Tönen und anderen Tieren“, so lautet der Titel einer Reise durch Musik und Poesie für Kinder ab 5 Jahren und Junggebliebene.
Die Musiker freuen sich besonders darüber, wenn viele Kinder in den ersten Reihen mit dabei sind um die Musik ganz nah zu erleben. Das Benefiz-Programm gestaltet einen abwechslungsreichen Reigen von Texten und Musik, ausgehend von Kinder- und Tiergedichten von Christian Morgenstern, Hermann Hesse, Wilhelm Busch und Joachim Ringelnatz. Den musikalischen Kontrapunkt bilden Duos von Camille Saint-Saëns, Giacomo Rossini, Christian Gayed selbst sowie anderen Komponisten. 
St. Nicolai-Kirche zu Wöhrden, 15 Uhr

Eintritt frei, freundliche Spenden zugunsten des Waldorfkindergartens sind willkommen

Im Anschluss zum Sonnenuntergang Spaziergang übern Deich! 

Samstag, 12. Januar 2019

"Blinde Weide ...

... schlafende Frau". Herr Rasputin wartet geduldig auf dem Fensterbrett auf sein Frühstück. Draußen ist nichts zu holen zur Zeit. Außer dreckigen Pfoten und einem nassen Fell. Beides mag er genausowenig wie ich. Das Aufstehen ist grau. Im Radio läuft Murakami, s.o. Ich kenne den Text bereits. Fast auswendig. So sehr verinnerlicht. Der Autor feiert heute seinen 70. Geburtstag. Auch Japaner werden älter, denke ich, während ich den Kater füttere.

Freitag, 11. Januar 2019

Vorstellungsproben

Marathon. Emotional und musikalisch. Ein Nachfolger für den Heider Kantor wird gesucht und die Kandidaten stellen sich vor. Müssen mit uns eine Probeprobe durchziehen. Die Damen liegen flach vor dem Vorzeigeschwiegersohn und ich bleibe kühl. Das ist mir zu perfekt arrangiert. Ein bisschen Unruhe sollte diese jungen Menschen umtreiben, die sich auf ihre Lebensstelle ausgerechnet in the middle of nowhere bewerben. Ich komme jeden Abend später ins Bett.

Donnerstag, 10. Januar 2019

Komm süßer Tod

Der Himmel brennt in der Früh nach einer eiskalten Nacht. Dass das Universum für uns Irdische noch so viel Farbe bereithält, hätten wir Norddeutsche kaum noch zu hoffen gewagt. Am Abend schon wieder Probe und Vorbereitung auf Vorostern, schon wieder Stabat Mater. Aber Schubert. Und in Meldorf. Und Nystedt, Immortal Bach, oh ja!

Mittwoch, 9. Januar 2019

Ruhe

Nach dem Sturm. Die Halligen liegen wieder trocken. Auch hier auf dem Festland kann man wieder atmen und vor die Tür treten. Der Kater hat sich beruhigt und weicht nicht mehr von meiner Seite.

Dienstag, 8. Januar 2019

Sturm im Wasserglas

Unwetter überm Dach und im Kopf. Erkältung auf der Brust. Letztes Jahr hing ich an meiner Pinnwand ein Zitat von Ludwig Börne: "Trost gibt der Himmel. Von den Menschen erwartet man Beistand." Ein pinnwandträchtiges Zitat für dieses Jahr hat sich noch nicht eingefunden, aber die Altgläubigen stecken ja noch im letzten fest, ganz zu schweigen von den Fuzzis, den Anhängern des Konfuzianismus. Also Musik. Gestern abend probten wir in Heide die ersten Takte eines mir bislang unbekannten Stabat Mater. Antonio Caldara (1670-1736) - schön: