Mittwoch, 15. August 2018

Die Reise

Die Reise ans Meer. Immer wieder. Wie ein Mantra. Die immer selbe Strecke. Früher fuhr ich gelegentlich noch durch die Kartoffelfelder nach Nordermeldorf. Oder auf dem Hinweg an der Heißmangel vorbei. In diesem Jahre fahre ich zielgerichtet. Geradeaus. Durch den Speicherkoog. Hin und her. Auf meiner Reise ans Meer.
Die einzige Abwechselung, die ich mir erlaube, besteht darin, dass ich auf dem Hinweg auf dem holperigen Fahrradweg fahre. Er ist von Wurzeln zerfurcht, der Asphalt an vielen Stellen aufgeplatzt, alle Unterschriften an die Stadt halfen nichts. Nur für die Autos wurde vor ein paar Jahren ein aalglatte Fahrbahn hergestellt. Die zum Rasen einlädt. Obwohl es eine Geschwindigkeitsbeschränkung gibt. Und links und rechts sich der Nationalpark ausbreitet, reiche Vogelschutzgebiete, Rast- und Rückzugsflächen für müde Durchzügler und Dauergäste.
Zurück fahre ich immer auf der Straße. Egal zu welcher Tageszeit. Und werde immer wieder von wütenden Rasern angehupt. Ich merke mir die Kennzeichen. Und werde sie irgendwann in einem Gesamtkunstwerk verewigen.
Ich komme spät los, aber ich weiß, dass genug Wasser da ist. Der Wind kommt von West und erschwert die Reise zusätzlich. Über Friedrichskoog regnet es bereits. Ich schwimme mein ungleichschenkliges Dreieck und fahre erhobenen Hauptes zurück.

Dienstag, 14. August 2018

Die Kuhhaut

Ich bin Mitglied einer öffentlichen fb-Gruppe "Bahnpendler Husum-Heide-Itzehoe-Hamburg". Obwohl ich nicht täglich pendle. Aber ab und zu benütze ich den Zug. Oder es will jemand vorbeikommen. Warten tue ich immer.
Heute also poetisches Zahlentheater: "Kollision mit einer Kuh zwischen Friedrichstadt und der Eiderbrücke". Man ahnt Böses! "11013 steht noch vor Friedrichstadt ..."; "11006 wird in Heide 11013. SEV von Heide ist bestellt, aber noch nicht bestätigt."; "11015 endet in Husum wegen der Streckensperrung. Fährt in den Fahrzeiten 11006 zurück nach Westerland."  "RE 11017: die Strecke ist zwischen Husum und Friedrichstadt gesperrt. Grund: Tiere im Gleis." "11008 wird noch in Heide zurückgehalten. Wartet auf Aufhebung der Sperrung." "Die Streckensperrung wurde gerade aufgehoben. Erste durchfahrende Züge 11017 ab Husum, 11008 ab Heide."
"11031 heute mit 6 Wagen, 11081 4 Wagen und 11035 6 Wagen."
"RB 11926 konnte leider nicht warten". So ist es meist.
"RE 11024 endet wegen Türstörung heute in Husum." Ach!  "Weiterfahrt mit RE 11026."
"RE 11039 fällt wegen Fahrzeugstörung bis Husum aus." Oh!
"Streckensperrung Hamburg <> Pinneberg aufgrund einer Oberleitungsstörung. Daher beginnt RE 11024 heute in Elmshorn. Zudem müssen Sie mit Verspätungen rechnen." Hmmm. "Eilmeldung: Aufgrund eines Oberleitungsschadens ist der Zugverkehr zwischen Pinneberg und Hamburg derzeit eingestellt. Hiervon betroffen sind auch die Regionalzüge von / nach Kiel, Flensburg und Westerland." Das heißt, es geht gar nichts mehr? Weder oben noch unten? Es folgen Updates im Minutentakt, lange und kurze. "Streckensperrung zwischen Pinneberg und Hamburg. (Oberleitungsschaden in Hmb-Langenfelde)." Prägnant zB so: "UPDATE STRECKE IST GESPERRT!" und jetzt, vor dem Abendregen: "Strecke Pinneberg <> Hamburg bleibt voraussichtlich bis morgen früh um 6:00 gesperrt."
Und die Kuh aus der ersten Meldung? Die Tiere im Gleis?

Montag, 13. August 2018

Die Mahnwache

Man friert zuweilen schon wieder. Zieht Euch also warm an zur
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg  18:00-18:30 Uhr Südermarkt

Sonntag, 12. August 2018

Die Preisverleihung

Kaffeekränzchen am Nachmittag. Spießrutenlaufen der Lokal- und Kreispolitiker. Treppauf. Treppab. Auf das Podium in der Ditmarsia, vor ein Stehpult mit monströsem Mikrophon. Trotzdem hab ich nur die Hälfte der Worte verstanden. Aber auch auf die konnte getrost verzichtet werden. Der 10. Meldorfer Culturpreis wurde an Sabine Kramer verliehen für ihre Stahlskulptur "Dickicht und Lichtung" (mehr hier: http://juditharlt.de/wp-content/uploads/2018/02/LUUD_juni18_S.4-5.pdf), der Publikumspreis an Ute Lübbe für ihr Schwarmprojekt, hunderte Medusen aus Plastikflaschenverschnitt und Strandgut. Wo weit - wo gut? Wo waren die Vertreter der Kultur dieser Stadt an diesem Nachmittag? Fernab. Im Urlaub!

Samstag, 11. August 2018

Frequenzen 18

Um 11:57 ist der Mond leer. Oder neu. Dann beginnt ein weiterer Anlauf. Noch regnet es in Strömen.
Um 17 Uhr soll der Himmel aufklaren. Dann kommt nach längerer Pause die Welt musikalisch wieder nach Meldorf: ab 17:30 Uhr Open Air Sommer-Musik-Fest FREQUENZEN18 auf dem Rathausplatz:

• 17:30 | BANDA INTERNATIONALE
• 19:00 | Umbaupause + Rahmenprogramm
• 19:30 | OPA!
• 21:00 | Umbaupause + Rahmenprogramm
• 21:30 | 17 HIPPIES
Danach open end after-show Party mit dem Datscha-Projekt im Bornholdt

Freitag, 10. August 2018

Der Sturm

H. und ich fahren zum Schwimmen. Nach mehreren Tagen Pause. Mit dem Auto, denn anders ist kein Vorwärtskommen Richtung Westen. Die Strandkörbe liegen auf der dem Wasser abgewandten Deichseite. In Einzelteilen. Die Mülleimer ebenso. Zerlegt. Der Müll zerstreut. Das ehemalige, seit zwei Saisons sinnlos am Wegesrand stehende Kassenhäuschen ist aus dem Lot geraten, hält sich windschief gerade noch so auf den eigenen vier Ecken. Der Rest, die Wände, das Dach, das Fensterchen, sind eingedrückt, zertrümmert. Da der Besuch der Nordsee an dieser Stelle nicht mehr kostenpflichtig ist, können die Bretter ohne Gefahr für die Öffentliche Hand abgetragen werden. Wir klettern nackt über den Deich, da wir fürchten, unsere Kleider würden weggeweht. Das Badetuch binden wir an die Dusche. Sie funktioniert nicht mehr. Wahrscheinlich ist die Leitung geplatzt. Dann stehen wir auf der Badetreppe in den Tosenden Wellen und klammern uns mit beiden Händen an das Geländer. Das Wasser kommt zu uns und über uns, wir brauchen gar nichts weiter zu tun.

Donnerstag, 9. August 2018

Der Hagel

Er kommt so schnell, nicht ganz unverhofft und doch überraschend, dass es der Kater nicht mehr nach Hause schafft. Er steht eine halbe Stunde später tropfend und zitternd vor der Haustür und putzt sich. Ich öffne die Tür, obwohl das gegen unsere Abmachung verstößt. Er ist selbstständig und kann das Haus durch die Klappe jederzeit nach eigenem Willen verlassen oder betreten. Er will aber gar nicht hereinkommen. Dreht widerwillig mehrere Pirouetten um sich selbst, setzt sich schließlich auf mein Zureden hin doch Fußmatte hinter der Tür. Schleckt dann zuerst den ganzen Regenguss, der über ihn gekommen ist, aus dem Fell. Ehe er sich heißhungrig über seinen Napf hermacht. Ein außerordentlich reinlicher Kater. Ob er in Helvetien sozialisiert wurde?

Mittwoch, 8. August 2018

Der Strömungsabriss

Ein bisschen Wind bringt Abkühlung ans Wattenmeer. Aber kaum Regen. Das Wasser läuft zum Vormittag auf. Ich bleibe zu Hause. Drüben, im neuen Haus, sind zwei Malerinnen zugange. Der Kater klettert über die Dächer wie ein Wiesel. Sobald er wieder festen Boden unter den Pfoten hat, kommt er zu mir hoch, steicht mir um die Beine unter dem Schreibtisch und erwartet eine Belohnung. Ein Strömungsabriss bringt jedes Flugzeug zum Absturz. Wenn die Luftströmung zusammenbricht, geht der Auftrieb verloren und jedes fliegende Objekt erliegt der Schwerkraft. Auch eine Tante Ju. Die Frage bleibt, was den Strömungsabriss verursacht haben könnte.

Dienstag, 7. August 2018

Das Martinsloch

Das Martinsloch gibt es nur einmal. Es gibt andere Öffnungen in den Felsen der Schweizer Alpen, in anderen geordneten oder ungeordneten geometrischen Formen, Spalten, Brüche, Ecken, Rhomben, Rauten ... Aber das kugelrunde Loch in den Tschingelhörnen oberhalb des Luftkurortes Elm ist einmalig. Der Heilige Martin soll es einst im Zorn über die Schlechtigkeit der Menschen in den Stein gehauen haben. Ein Faustloch. Ein Faustpfand.
Dort also, unterhalb dieser magischen runden Öffnung, durch die im Frühjahr die Sonne nach dem langen Winter zum ersten Mal - sowie im Herbst vor demselben zum letzten Mal - die Elmer Kirchturmspitze trifft, ist die "Tante Ju" wie ein Stein senkrecht vom Himmel gefallen und zerschellt. Auf 2540 Metern über Meer, an der Westflanke des Piz Segnas, ziemlich genau auf der Grenze zwischen den Kantonen Graubünden und Glarus. Unter Martins ewigem Zornesauge!

Montag, 6. August 2018

Die Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

Sonntag, 5. August 2018

Die Tomate

Die Tomaten aus dem Baselbiet kranken, jedenfalls die Vorreiter, die ersten, die reif werden, haben alle einen faulen Fuß. Eine zuerst nur dunkle Stelle am unteren Ende der eiförmigen Frucht, die sich kontinuierlich hocharbeitet. Ich ernte sie und übergebe sie dem Gemüsebeet. Lebenddünger.
Heute wolkig und kühl. Erfrischend.

Samstag, 4. August 2018

Der Absturz

Der Absturz - die Abstürze:
Um 16:50 Uhr stürzt die "Tante Ju", wie sie im Volksmund genannt wird, am Bergfuß des Piz Segnas in der Nähe von Flims im Kanton Graubünden ab. Ein Oldtimer der Ju-Air, eine Junker JU52 HB-HOT, Baujahr 1939, die das ganze Wochenende für Erlebnisreisen im Tessin im Einsatz sein sollte. Die "Tante Ju" bietet 17 Passagieren Platz, sowie zwei Piloten und einer Flugbegleiterin. Der Flug war ausgebucht. Für den Absturz könnte, sagen Fachleute, die Hitze verantwortlich sein. Aber das seien derzeit nur Spekulationen. Warme Luft ist dünner und beeinträchtigt die Leistung der Maschine Sie kann weniger schnell steigen und der Kurvenradius ist größer. Kleinflugzeuge müssten diesen Leistungsverlust kompensieren, indem sie das Gewicht der Zuladung reduzieren.  

Am Vormittag, kurz vor 10 Uhr stürzte in einem unzugänglichen Waldstück bei Hergiswil rund zehn Kilometer südlich von Luzern ein Kleinflugzeug ab. Das Umland fing Feuer. Ein Löschhubschrauber musste zuerst gegen die Flammen eingesetzt werden, ehe Bergungskräfte zur Unglücksstelle vordringen konnten. Für eine vierköpfige Familie kam jede Hilfe zu spät, teilte die Polizei in Nidwalden mit.

Bereits am 27. Juli ist um 16:45 Uhr eine vierplätzige Robin bei einem Rundflug von ca 3300 Metern über Meer auf den Mont-Durand-Gletscher im Wallis abgestürzt. Das Alarmsystem des Flugzeugs hatte Alarm ausgelöst, Rettungskräfte der Air Zermatt rückten aus, konnten aber nur noch den Tod des Piloten und seiner drei Passagiere feststellen. In der Robin saßen der Sohn des Piloten, sowie sein dänischer Schulfreund und dessen Mutter. Die Schweizer wollten aus Dankbarkeit der Gastfamilie, bei welcher der Pilotensohn sein Austauschjahr in Dänemark verbracht hatte, die Schönheit der Schweizer Alpen vor Augen führen.

Freitag, 3. August 2018

Der Durst

Der Durst - die Dürste:
Eine Kuh trinkt pro Tag 50 bis 100 Liter Wasser. In der Schweiz hat es seit April nicht mehr richtig geregnet, die Wasserquellen in den Bergen sind längst versiegt. Deshalb wird das Vieh auf den Alpweiden aus der Luft mit Wasser versorgt. Armeehubschrauber bringen das Wasser gänzlich unentgeltlich für die betroffenen Bauern in die Höhe. Die Flüge werden über das laufende Budget der Armee bezahlt und als Trainigsflüge für die Piloten verbucht. Das Wasser wird den Schweizer Seen entnommen. Zum Beispiel kürzlich dem Walensee, als eine Alp oberhalb von Weesen angeflogen wurde.

Donnerstag, 2. August 2018

Der August

Der August - die Augusta, die Augustine oder die Augusts? Der dumme August tritt im Zirkus auf. Aber meine Wäscheleine gehört im August traditionsgemäß der Schweiz. Ich berichte hier mit einem Tag Verspätung davon. Die Hitze verzögert Denken, Sprechen, Schreiben, Festhalten, Bearbeiten und so weiter. Der Monat soll seinen Namen nach dem römischen Kaiser Augustus bekommen haben - aber natürlich nur oder vor allem in den lateinischen Sprachen. Nicht im Polnischen. Und nicht in einigen helvetischen Dialekten. Wo er in Bezug zur Ernte steht, nicht zur Geschichte. 

Mittwoch, 1. August 2018

Die Wand

Die Wand - die Wände: Es gibt gläserne Wände, wie zB bei Marlen Haushofer. Oder Steinwände. Holzwände. Sichtwände, Trennwände, Schutzwände. Vor elf Jahren wurde der Stein aufgestemmt, ein Stahl-T-Träger eingesetzt, damit das Ganze sich aufrecht hält, und die Öffnung hübsch verkleidet. Nun wird das Hübsche entfernt, mit einfachen Handgriffen, der Stein nicht wieder aufgemauert, sondern Holz und Wolle und wasweißich verfüllt. Die Wand trennte einst zwei Häuser, die aneinandergebaut sind wie siamesische Zwillinge. Dann war sie offen und das Haus vereint. Heute wird sie wieder zugebaut. Und die Häuser gehen ihrer eigenen Wege wie mein Kater. Er hasst offenbar Handwerker und verzieht sich zu den Nachbar.
Die Tide hingegen hat sich gegen uns verschworen. Manchmal läuft sie in Riesenschritten durch den Tag, so dass hechelnd man kaum hinterherkommt. Und jetzt, wo wir alle sehnlichst darauf warten, dass das Hochwasser wieder einmal am Abend kommt, oder meinetwegen am frühen Morgen, direkt nach Sonnenaufgang, dümpelt es vor sich hin. Gestern HW 15:48, heute 16:19. Dazwischen liegen ganze einunddreißig Minuten! Glühende Hitze! Und manchmal reichen die Schritte über eine Stunde hinüber, zum Beispiel am 21.6.: Abendhochwasser um 19:53, am 22.6. um 21:01 = eine Stunde und acht Minuten! Oder am 23. April: HW 18:59, am 23. April: 20:20 = eine Stunde und einundzwanzig Minuten. Dafür braucht derzeit das Wasser etwa drei Tage und wir krepieren in der Mittagshitze.