Sonntag, 15. September 2019

Springflut

Es nieselt. Ungefähr Windstärke 6 oder 7. Wir fahren zwei Stunden vor Hochwasser. Das Wasser soll einen Halben bis zu einem Dreiviertelmeter höher auflaufen als normal. Vollmondspringflut. Klettern übern Deich. Ziehen uns im Schutz eines Strandkorbs aus. Rennen durch den Regen ins Wasser. Können schon unten an der Badetreppe nicht mehr stehen. Sind ganz allein. Nur jenseits des Hafens in Nordermeldorf tummeln sich die Surfer. Wassertemperatur lt BSH 14°. Wieder zu Hause stelle ich zum ersten Mal in dieser Saison die Sauna an.

Wort zum Sonntag

In meinem neuen Text habe ich ein archaisches Bild für die Unumkehrbarkeit des Klimanotstandes gefunden: Ein Jäger steigt in den Glarner Alpen herum, um einen Gemsbock zu schießen. Aus den Hörner will er Stockgriffe schnitzen, das Fell modisch färben und das Fleisch verkaufen. Ein Bergsturz (Gletschereis schmilzt, Gesteinsmassen verlieren den Halt, Permafrostschäden reißen ungeahnte Klüfte auf ...) bringt ihn nicht um, sondern versperrt ihm den Heimweg. Copyright: Judith Arlt - wehe dem, der mir das klaut!

Samstag, 14. September 2019

Vollmond

Eine schlaflose Nacht. Der Mond stand prall am Himmel, als ich spät heimfuhr. Glühte kalt. Immerhin! Das Universum existiert noch. Die Klänge aus Danksagmüllers "Sounding Climate" sind mir in die Knochen gefahren. Es war kein "schönes" Konzert im Meldorfer Dom, es war überhaupt kein Konzert, sondern eine Hirnwäsche. Das tönerne Scheppern unseres Raubbaus. Das Anstieg der Weltbevölkerung. Die Anstieg des Ausstoßes von Giften. Der Regen im Jahr 1950 (klang als einziger einigermaßen "heimisch" oder vertraut - ich hätte aber gerne als Vergleich den Regen aus dem Jahr 2018 gehört, bzw die Stille der Dürre). Die Entwicklung der Feuchtigkeit in einer Kirche (klang als Lückenbüßer, irgendwie mussten die 45 angekündigten Veranstaltungsminuten voll werden). Richtig ärgerlich war die viel zu tief hängende Leinwand. Natürlich sollte man sehen, was darauf projiziert wurde. Das war ein Teil des Kunstwerks, die Zahlen, die sich auch optisch, nicht nur akustisch, überschlugen. Jede/r verrenkte sich, wie er oder sie konnte. Ich bezahlte es mit Kreuzschmerzen, die mich auch nicht schlafen ließen. Und vollkommen unverständlich war mir der lieblos gestaltete, achtlos mitgeschnittene Kommentar. Natürlich "versteht" keiner, um was es da eigentlich geht, wenn man es ihm nicht vorbetet. Aber ich bin eine Wortfrau. Auch Sprache ist dazu da, gestaltet zu werden. Auch Sprache kann Stimmung evozieren. Eine Gänsehaut zum Beispiel! Nicht nur elektronic aus der Steckdose. Ich hätte mir mehr Ehrlichkeit gewünscht. Eine richtige Computerstimme. Ungerührtes Erklären. Meinetwegen auch Dozieren (Besserwissen). Aber um Himmels willen keine Gewissenserkundung, keine moralischen Fragen. Nein, wir können nicht mehr umkehren. Wir wollen es nicht! Aber: wir hätten im Kino - statt im Dom - sitzen können, in einem Raum, der dafür eingerichtet ist, dass alle sehen, was man ihnen zeigen will. Gute Lautsprecher gibt es dort auch.

Freitag, 13. September 2019

Sonifikation 2

Heute ist in Meldorf Tag der Nachhaltigkeit. Freitag der Dreizehnte. So wurde schon letzte Nacht der Dom angestrahlt. Ressourcen müssen aufgebraucht werden. Am Mittag fahre ich zum Deich. Der Wind ist heftig, die Sonne wärmt. Das Wasser wild. Und zur Guten Nacht - Sonifikation 2:
21:30 Sounding Climate. Video- und Klanginstallation im Meldorfer Dom  mit Franz Danksagmüller. Konzert zum Klimawandel. Wie kling der Anstieg von CO2 in der Atmosphäre? Wie die Erderwärmung? Wie die Entwicklung des Dow Jones? Wir dürfen gespannt sein! Zu hören sind aber keine herkömmlichen Instrumente sondern nur computergenerierte, rein digitale Klänge. 

Donnerstag, 12. September 2019

Sonifikation 1

Beim Schwimmen ist es ruhig. Nur der Wind pfeift und die Wellen schlagen ein ums ander Mal über dem Kopf zusammen. Klatsch. Klatsch.
Auf dem Heimweg gibt es irgendwo hinter dem Horizont einen lauten Knall. Und davor eine Feuerkugel. Heller als Tageslicht!
So klingt das Universum. Oder Weltraumschrott! Ein verglühender Mini-Asteroid? Ein "natürliches Objekt", das in die Erdatmosphäre eingedrungen ist. Ein etwas größerer Meteorit, mehrere Millimeter groß.
Der Kater schläft selig, als ich nach Hause komme.

Mittwoch, 11. September 2019

Südwestwind

Natürlich schwimmen wir noch.Wieder treibt der Wind die Wellen vor sich her. Wieder treiben die Wellen H. ab. Richtung Büsum. Ich versuche geradewegs hinaus zu schwimmen. Richtung Bohrinsel. Oder wenigstens bis zur Boje. Hoffnungsloses Unternehmen. Ich wünschte mir, ruft mir H. atemlos hinterher, denn gerade klatscht eine Welle über ihrem Kopf zusammen, dass mich das Wasser einmal in die andere Richtung triebe. Brächte. Nach Helmsand.

Dienstag, 10. September 2019

Die Blaugrüne Mosaikjungfer

ist eine meiner Gartenbewohnerinnen. Schon gestern jagte Herr Rasputin ihr gnadenlos nach. Ich schimpfte ihn in den Regenpausen aus. Er solle die grazilen Geschöpfe in Ruhe lassen. Heute nun erwischte er sie, weil ich nachlässig war im Jagen des Jägers. Sie zitterte und schlug lange mit den Flügeln, die er ihr mit Hingabe ausriss. Er ließ erst ab, als sich nichts mehr bewegte. Kam nach Hause und machte sich über seinen gut gefüllten Futternapf her. Satt wird ein Kater von einer Blaugrünen Mosaikjungfer nicht!
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/libellen/24350.html