Mittwoch, 25. Mai 2022

Der taktische Luxus

Farbsehschwäche ist keine Behinderung. Etwa 2 Prozent der Männer der Menschheit und etwa 0,3 Prozent der Frauen der Menschheit sollen Dichromaten sein wie Stiere, Hunde und Katzen. Sie haben nur zwei Farbpigmente. Nicht berücksichtihgt sind diversgeschlechtliche Menschen und nicht erklärt ist der nach Geschlechtern sehr ungleich verteilte Anteil.

Aber wie auch immer: Farbsehschwache sind in einem taktischen Vorteil! Sie erkennen geometrische Muster, die für Normalsichtige hinter den bunten Farben verschwinden. Zum Beispiel Militäranlagen im Gelände. Im Zweiten Weltkrieg platzierten die Alliierten farbenblinde Späher in ihren Spionageflugzeugen. Und die enttarnten dann so manch einen gut getarnten Feind.

Dienstag, 24. Mai 2022

Der visuelle Luxus

Die Brüllaffen sind nicht die lautesten Tiere, wie wir seit einer Woche wissen. Sie gehören zur Familie der Klammerschwanzaffen und haben mit uns Menschen gemeinsam, dass sie rot sehen können. Den meisten Säugetieren - wie auch Herrn Caruso! - ist dies verwehrt. Die Netzhaut dieser sogenannten Dichromaten kann nur zwei Farbpigmente unterscheiden, blau und gelb. Stiere zum Beispiel sehen nie Rot und nehmen die Welt nur in vornehmen Pastelltönen wahr! Die Brüllaffen hingegen gehören, wie wir Menschen zu den Trichromaten. Wir und die brüllenden Affen, aber auch Schimpansen, Orang-Utans und Gorillas, können neben blauen und gelben auch rote Lichtsignale empfangen. 

Neurobiologen waren lange Zeit überzeugt, dass das Rotsehenkönnen der besseren Nahrungsaufnahme dient. Als ob wir Menschen uns nur von roten Beeren ernähren würden! Nun haben die Forschenden herausgefunden, dass der visuelle Luxus nichts mit dem energetischen Überleben zu tun hat. Das Rotsehen hilft nicht bei der Jagd auf reife Früchte, sondern ermöglicht den Brüllaffen, die "Visagen" ihrer Artgenossen zu lesen. Also soziale Signale zu empfangen und zu deuten. Die "höchste Sensibilität", heißt es da, beweise der Pigment-Mix für "exakt die rötlichen Schattierungen, die die Gesichtshaut durch das darunter fließende Blut annimmt". Nett ausgedrückt für vor Scham oder Wut puterrrot Anlaufen. Das ist das Farbebekennen, das nicht einmal wir Menschen willentlich steuern können.

Mehr sehen bedeutet weniger riechen. Jedenfalls für die Brüllaffen. Mit der Farbtüchtigkeit verlor offenbar der Riechsinn für sie an Bedeutung. 

Montag, 23. Mai 2022

Die Woche der Luxusse

Im Duden bekommt das Wort Luxus keinen Plural, bei mir aber schon. Denn Verrenkungen finden wir allenthalben. Luxus stammt nämlich von lateinisch luxus ab, was verrenkt oder ausgerenkt bedeutet, aber eigentlich die unverschämte Abweichung vom Normalen, Durchschnittlichen meint. 

Ich beginne nun aus gutem Grunde die Woche der Luxusse.

Sonntag, 22. Mai 2022

Abendschwimmen

Noch trügt alles. Die Temperatur am Nachmittag im Garten. Herr Caruso verkriecht sich vor der Hitze in die Kühle des Hauses. Ich lackiere meine Fußnägel. Gelb und blau. Dichromatisch. In den Farben eines überfallenen Landes. Und lasse sie von der Sonne trocknen. Das Gelb überpinsle ich noch mit Goldpartikeln. Die Flut kommt erst am Abend und als ich um die Hausecke biege, kommt mir ein scharfer Wind entgegen. Zu spät, schon bin ich unterwegs, mit offenen Sommerschuhen, ohne Winterstrümpfe. Mit dem Lack auf den Zehennägeln verschwinden die Socken aus meinem Alltag. Das Wasser ist wärmer als die Luft und die Bojen schwimmen in unerreichbarer Ferne. Die Winterstürme, höre ich, haben das Watt aufgemischt und die Betonsockel fast bis nach Büsum verschoben.

Samstag, 21. Mai 2022

Der doppelte Sinn

Über Nacht habe ich etwas gelernt über Mimikscouting, Killeremotionen und eingestürzte Beziehungsbrücken. Schon Darwin wusste: "Bewegungen der Mimik enthüllen die Gedanken und Absichten eines Menschen mehr als Worte."  Mikroexpressionen können nicht unterdrückt werden und zeigen sich überall auf der Welt in den Gesichtern der Menschen gleich, egal welchen Alters diese sind, welcher Hautfarbe, welcher Bildung. Wir sind emotionale Wesen, ob wir es wollen oder nicht. Auch die Primäremotionen kennen alle Menschen und stellen sie mimisch identisch dar. Sie, die Emotionen, können höchstens in unterschiedlichem Tempo und unterschiedlicher Intensität hochkochen. Und wieder abkühlen.

Die Feindseligkeitstriade (Ärger, Verachtung, Ekel), sagte lächelnd der Dozent gegen Mitternacht auf meinem Bildschirm unter dem Dach, sorgt unter anderem dafür, dass wir Menschen töten. Und erst jetzt im Morgengrauen tut sich mir der doppelte Sinn dieses Satzes auf.

Freitag, 20. Mai 2022

Vorankündigung

Kultur zugunsten der Ukraine

Musik, Theater und Lesungen. Ein buntes Programm erwartet die Besucher am Freitag, den 27. Mai, ab 19.30 Uhr in der Ditmarsia. Nichts Ungewöhnliches für das Kulturzentrum in der Domstadt, doch diese Veranstaltung hat einen ernsten Hintergrund. Unter dem Titel „Meldorf hilft“ hat der Verein Region:Meldorf aktiv ein Programm auf die Beine gestellt, dessen Erlös zu 100 Prozent der Ukrainehilfe zugute kommen wird.
Zu Gast sein wird Andrej Mucha aus Burg. Der gebürtige Ukrainer war noch einen Tag vor Kriegsbeginn in seiner Heimat. Mittlerweile unterstützt er seine Landsleute nicht nur durch die Organisation von Hilfstransporten, sondern kümmert sich hier vor Ort gemeinsam mit anderen um rund 50 ukrainische Flüchtlinge in der Region Burg. Seine Erzählungen über die Kultur in seiner Heimat, die aktuelle Situation und seine Hoffnungen werden den Auftakt der Benefizveranstaltung bilden.
„Die weiteren Akteure ins Boot zu holen, war nicht schwer“, berichtet Horst-Walter Roth, Vorsitzender des Vereins. „Alle haben, ohne lange zu überlegen, zugesagt und teilweise sogar einen eigens auf das Thema zugeschnittenen Beitrag kreiert.“ Zu den Künstlern, die alle ohne Gage auftreten werden, zählen: Paul Nancekievill (Klavier), Kolja Martens (Gesang), Uwe Eschner und Axel Meyer (Gitarren), die Meldorfer Theatergruppe (szenische Lesung), Thessa Marie-Ebsen und Eve Nehls (Gesang), Judith Arlt (Lesung), Boris Guckelsberger (Gitarre), Chörchen & Dithmarscher Kneipenchor (Gesang) sowie Dirk Becker (Lesung). Ehrenamtliche Unterstützung gibt es zudem von den Ton- und Lichttechnikern in der Ditmarsia, die von der Stadt Meldorf an diesem Abend kostenfrei zur Verfügung gestellt wird.
„Seit dem 24. Februar ist die Welt nicht mehr wie vorher“, sagt Horst-Walter Roth. „Der russische Präsident Putin hat einen Angriffskrieg vom Zaun gebrochen und versucht, die Ukraine systematisch zu zerstören. Unzählige Menschen verlieren ihre Heimat, ihre Angehörigen, ihr eigenes Leben. Sie alle brauchen Hilfe.“
Da bei der Benefizveranstaltung auf einen Eintritt verzichtet wird, hofft der Verein auf klingende Münzen und knisternde Scheine im Spendentopf. Die Einnahmen werden von Alexander Rose und seinem Hoelp-Team über eine kooperierende polnische Hilfsorganisation einer vertrauenswürdigen Verwendung zugeführt. Neben den Spenden der Besucher fließen auch die Einnahmen aus dem Getränkeverkauf dem guten Zweck zu. Die Firma Edeka Maron sowie Ralf Uhlenberg und Brunhilde Fitzek vom Deichhaus stellen diese kostenlos zur Verfügung. „Wir freuen uns auf eine Veranstaltung, die trotz des ernsten Hintergrundes eine positive Botschaft haben wird“, meint Horst-Walter Roth.  

© DLZ Andrea Hanssen, Foto: Jan Klabunde

Donnerstag, 19. Mai 2022

Das erste Gewitter

Ich habe Glück und komme vor dem Regen nach Hause und gehe erst nach dem Regen wieder weg. Ich bekomme 80 L Bio-Gärtnertomatenpflanzerde und ein Säckchen Spezialdünger. Morgen werden die Pflänzchen in die Töpfe und die Erde gesetzt, ein paar zerrupfte Brennesselblätter dürfen ihnen als Fußbodenheizung dienen. Heute ist erstmal noch Bach angesagt, Bach zum inhalieren, Bach zum ersten und zweiten, Bach for ever.