Mittwoch, 28. Oktober 2020

Zu Hause bleiben ...

... auf immer und ewig. Ich war vorsorglich noch einmal beim Zahnarzt. Zur Kontrolle. Und zur Prophylaxe. Wer weiß, wie lange wir überhaupt noch den Mund aufsperren dürfen. Wie lange wir und überhaupt noch gefallen lassen müssen, dass jemand die hintersten dunklen Ecken dieser Höhle ausleuchtet. Überall sonst, auch in der ausgestorbenen Meldorfer Innenstadt muss eben dieser Mund, auch die Nase übrigens, ob sie läuft oder nicht, bedeckt werden. Nach den Maronen fällt nun das Laub. Und Regen. Herr Caruso kommt tropfnass und hungrig nach Hause.

Dienstag, 27. Oktober 2020

Fensterputzen

 Für eine bessere Perspektive in den Winter. Ich steige auf die Leuter, säubere die Regenrinne, räume die Terrasse auf, ernte haufenweise Spätzünder. Grüne Baselbieter Röteli. Ich muss die Tomaten im Frühjahr ünberdüngt haben. Mit dem ökologischen Schafsdünger von Süderoog. Sehr gut gemeint und sehr dumm gelaufen. Nun habe ich Ende Oktober eine Handvoll grüne Tomaten und lege sie zum Nachreifen aufs Fensterbrett im Wohnzimmer. Draußen hole ich alle Altweibersommernetze herunter. Setze meinen Fenstersauger ein. Kaum bin ich fertig, fängt es an zu regen.

Montag, 26. Oktober 2020

Schmuddelwetter

Auch der Montag verspricht Zuhausebleiben. Unser Chorleiter hat jahreszeitlich bedingte Erkältungssymptome. Wer hat die nicht? Bei diesem Schmuddelwetter! Aber in Zeiten des hohen C ist die allgemeine Verwirrtheit groß.

Ich verstehe aber nicht, warum man/frau Kunstwerke massakriert und Politiker oder Wissenschaftler mit Morddrohungen überzieht.

Sonntag, 25. Oktober 2020

Inzidenzirrtümer

Es ist schon schwer zu verstehen, in Zeiten der allgemeinen Verunsicherung, dass das RKI Dithmarschen aufgrund der vom zuständigen Gesundheitsamt übermittelten Zahlen rot einfärbt und der Kreis sofort richtigstellt, dies entspreche nicht der "tatsächlichen Infektionslage" sondern sei leider das Resultat "technischer Übermittlungsprobleme". Ein Stau auf der Fallzahlenübermittlungsautobahn. Und der Kreis betont: maßgeblich sind die Zahlen des Kreises nicht des Robert Koch-Instituts!

Ich habe die Wunderwaffe (WarnApp) schon vor Wochen wieder ausgeschaltet und komplett deinastalliert. Eine kluge Maßnahme, wie sich im Nachhinein herausstellte, da sie angeblich eh nicht warnt, bzw nicht im richtigen Moment und nicht die richtigen Kontakte.

Das Dithmarscher Landesmuseum hat "vorsorglich", und weil die Museumsleiterin die Ansicht vertritt, das Museum als öffentliche Einrichtung habe auch eine gesellschaftliche "Vorbildfunktion", das heutige Benefiz-Konzert mit Boris Guckelsberger abgesagt. Also wieder ein Sonntag zu Hause.

Donnerstag, 22. Oktober 2020

Die letzte Marone

Nun sind sie plötzlich alle unten. Der Sturm in der Nacht fegte alle Kapseln, noch volle, schon leere, reife, unreife, halbreife runter. Und die Saharaluft heute begleitet meine Erntearbeit. Ich fülle 7 60L-Biomüllsäcke und schwitze. Das Müllauto kommt freundlicherweise erst, als ich fertig bin. Auch die Raben und Dohlen sind schlagartig verschwunden. Sie krächzten noch tief in der Nacht im Baum, als ob sie ahnten (natürlich wussten sie es bereits), dass dieser Tisch bald nicht mehr gedeckt sein wird. Ich entzog ihnen nämlich erbarmungslos die letzten 2 Kilo stark stärkehaltiges Futter. Ich muss ja auch von etwas leben.

Dienstag, 20. Oktober 2020

Toshio Hosokawa

passt natürlich viel besser zum Reiskocher und meinem allabendlichen Maronenmarathon als die Spanierin de Alvear. Hosokawa wird demnächst 65 und sagt, der Klang entstehe aus dem Schweigen und gehe wieder dorthin zurück. Das sei in der Musik so wie in der Kalligraphie - so einen Vergleich können nur Asiaten ziehen und verstehen: Der Kalligraph bestimme einen Punkt in der Luft und bewege von diesem Punkt ausgehend den Pinsel, der irgendwann kurz das Papier berühre bevor er sich wieder auf den langen Weg zurück zu jenem Punkt in der Luft aufmache. Nur Spuren dieser Bewegung, sagt der Komponist Hosokawa, seien auf dem Papier zu sehen: "Der sichtbare Teil der Bewegung auf dem Papier ist genau so wichtig wie der unsichtbare Teil in der Luft."

Montag, 19. Oktober 2020

Feld

Im Feld. Gefallen. In Warschau wird das National-Fußballstadion ( PGE Narodowy *) zum Feldlazarett (szpital polowy - Feldspital) umgewidmet. Es wurde zur Fußball EM 2012 errichtet und überstrahlt seither Tag und Nacht vom Weichselufer aus die ganze Stadt mit seiner glasfaserverstärkten Dachkonstruktion. Feldspital hingegen ist ein veralteter Begriff. Und nun taucht er mitten in einer Metropole, mitten in einem monströsen modernen Bau wieder auf. In diesem Fußballstadion fanden schon Buchmessen und Popkonzerte statt, aber auch eine Weltklimakonferenz. Damit ist es nun erstmal vorbei. Wie viele  Betten finden Platz an einem Ort, der lt Eigentümer 58.145 Sitzplätze für Fußballspiele, 72.900 Plätze für Musikveranstaltungen, 4.600 Premium Sitzplätze, 69 VIP-Logen mit insgesamt 800 Plätzen, 109 Behindertenplätze sowie 900 Plätze für Medien freihält?

* Polska Grupa Energiczna - Nationalstadion. Der (Sponsoren-)Vertrag mit dem Energieunternehmen soll bis zum 10.10.2020 Gültigkeit gehabt haben.