Mittwoch, 12. Juni 2024

Dienstag, 28. Mai 2024

offline

Ich fahre weg. Nach Jahren, Jahrzehnten endlich Urlaub. Wie er im Bilderbuch steht.  Mit Koffer (viel zu schwer), Ticket, händi und ein bisschen Reisefieber. So long. Hebet's guet, wie die Helvetia auf dem Kleinbasler Brückenkopf sagen würde, wenn sie sich tatsächlich noch von der Stelle rühren wollte und lesen und schreiben könnte.

Montag, 27. Mai 2024

Garten

Ich beschäftige mich am späten Nachmittag noch ein bisschen mit dem Garten. Das Gewitter gestern nachmittag und der Regen in der Nacht haben gut getan. Der Rasen ist gesund und kräftig geworden. Am Morgen graste ein Hase, aber nicht zuverlässig und nicht gleichmäßig. Nun habe ich den Duden online konsultiert und verstehe immer noch nicht, warum die beiden Wörter auf "-ässig" nicht gleich geschrieben werden.

Sonntag, 26. Mai 2024

Gewitter

Rechtzeitig schwimme ich mein Dreieck in der Meldorfer Bucht. Das Wasser ist gnädig, über eine Stunde vor Hochwasser bereits brusthoch. Warm. Ruhig. Die Ruhe vor dem Sturm. Auf dem Deich ist es heiß und windstill. Die Sonnenanbeterinnen strömen in Latschen und mit Thermoskannen herbei. Von Süden dräuen mahnend dunkle Wolken. Wir fahren rechtzeitig los und bald schon prasselt der Regen auf die Windschutzscheibe. G. hat mich mit dem Auto mitgenommen.

Samstag, 25. Mai 2024

Erleichterung

Ich putze das Haus von oben bis unten und entleere zum Schluss den Staubsauger, der ohne Staubsaugerbeutel auskommt. Schraube die Teile auseinander, entleere den Staubbehälter direkt in die schwarze Mülltonne und siehe da: es krabbeln mehrere Spinnen heraus, mit staubbedeckten Häuptern. Sie überleben also! Dann klopfe ich den Filter aus und wasche ihn sorgsam unter fließendem Wasser. Wenn er sauber ist, muss er 24 Stunden trocknen, bevor die Hausfrau ihn wieder benützen darf. Das erleichtert mich unheimlich, und ganz unerwartet, nimmt viel Schwere von der Seele, den ganzen Ballast der Zeit. Ich lege das tropfnasse Teil an die frische Luft, auf den Gartentisch, an die Mittagssonne, wie eine Pflanze, die genährt werden will.

Freitag, 24. Mai 2024

Verzweiflung

Der letzte Arbeitstag. Die Verzweiflung greift von allen Seiten. Ich habe nicht einmal den Mut, ans Meer zu fahren. Es ist zu heiß und ich bin zu fahrig. Ich sammle stattdessen meine Gedanken und versuche sie zu ordnen. Nach Farbe, nach Größe, Länge und Breite, nach Gewicht. Dasselbe funktioniert auch mit Buchstaben und mit ganzen Wörtern. Mit vollständigen Sätzen und vollgeschriebenen Seiten. Mit numerierten Kapiteln, titellosen Geschichten und mit sämtlichen Romanen der Weltliteratur, allen geschriebenen und ungeschriebenen.

Donnerstag, 23. Mai 2024

Blumenmond

Maivollmond: Blumenmond oder Vesakh, je nach dem, wo wir uns in der Welt gerade befinden. Bei den nordamerikanischen Ureinwohnern oder unter den Theravada-Buddhisten in Südostasien.

Angeblich wurde Buddha an einem Maivollmondtag geboren - und ist Jahre später, nach seinen Wanderungen durch Lehre und Stille bis hin zur Erleuchtung, an einem eben solchen Maivollmondtag gestorben. Also heute. Und auch heute ist also der Tag, an dem sich alle Katzen dieser Welt, also auch meine Herren Rasputin und Caruso, für immer und ewig den Fluch nicht gezeigter Trauer auf sich geladen haben sollen.

Das Leben in seiner Fülle ist kompliziert. Nicht vergossene Tränen können nie wieder nach-vergossen werden. Das Leben ist eben weder eine Regentonne noch eine Gießkanne. Am Wattenmeer hat es aufgehört zu regnen, die Luft ist rein und ich radle zum Hochwasser an die Meldorfer Bucht, schwimme mein besinnliches Dreieck, eingedenk des hoffentlich nun bis zur Unkenntlichkeit verdünnten Universalreinigers. Am Abend, wenn der Maivollmond über den Horizont im Osten steigt, bitte zur atmosphärischen Reinigung Einkehr halten, für den Weltfrieden meditieren und die Figur eines stehenden (ich besitze mehrere, leider allesamt Sitzende) Buddhas mit klarem Wasser übergießen. Dann wird alles gut!