Montag, 19. November 2018

Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Mittwoch, 14. November 2018

Pause

Ich war gar nicht schlecht dran, mit den Wirrsalen von Pfuhlschnepfen und Kiebitzregenpfeifern, als mich der Computer aufforderte, mich bei der Telekom "anzumelden". Das Internet war weg, das Telefon tot, die Fritz Box leuchtete verdächtig rot.
Nach insgesamt etwa drei Stunden in der Warteschlange und am Smartphone hatte ich meinen Schreibtisch aufgeräumt, zwei Fenster geputzt sowie zwei Sachen gelernt: 1. bei der Telekom wird auch geputzt, dh die Kabel gereinigt. Dabei hat es natürlich - wie schon vor etwa einem Monat - ausgerechnet wieder mich getroffen, dass der Kabelsalat meinem Router den Kopf so verdreht, dass der einfach den Geist aufgibt. 2. Mein Router ist ein Stehaufmännchen, regeneriert sich vollkommen selbständig und selbst. Während die Telekom mails schickt, die ich mangels Internet nicht empfangen kann und Passwörter, die nicht ankommen, hat die Fritz Box sich längst die neuen Zugangsdaten geholt (woher weiß ich nicht, meine Mails lesen kann er mit Sicherheit nicht) und sich neu konfiguriert. Den Durchblick habe ich nun wieder und die Sehnsucht nach Hooge kommt immer unverhofft. An einem trüben Novembernachmittag.

Dienstag, 13. November 2018

Wundpflaster

Wundert es jemanden, dass Frau Weidel Wahlkampfunterstützung aus der Schweiz bekam? Nein! Wer genau hinsieht, weiß seit langem, dass die AfD ihre Wahlplakate von derselben Firma produzieren lässt, wie eine ähnlich ätzende Partei der Schweiz. Wundern kann einen nur die Stümperhaftigkeit, mit der hier vorgegangen wurde. Einen unbescholtenen Apotheker zu beauftragen, "treuhänderisch für einen Geschäftsfreund" die Überweisungen in Tranchen zu tätigen ... da hätte ich den Helvetiern mehr Feinsinn zugetraut. Und auf der anderen Seite: warum lernen die Blauäugigen nicht(s) von den politischen Gegnern? Herr Kohl - der christliche Gott hab ihn selig - hat es doch vorgemacht, wie man Gelder einsackt, ohne die Geber zu verpfeifen.

Sonntag, 11. November 2018

100 Jahre ...



... Unabhängigkeit. Während der Rest der Welt sich in Versailles versammelt, marschiert die amtierende Regierung Polens, Präsident Duda, Premier Morawiecki und PIS Vorsitzender Kaczyński vorneweg unter massivem Polizeischutz mit Rechtsradikalen durch die Straßen der Hauptstadt. Ausländische Gäste kamen aus Ungarn, Italien (Forza Nuova) und den Niederlanden (Identitair Verzet) ...
Bild könnte enthalten: Text

Windbruch ...

... sagt Koswig, zeugt von einer ungeheuerlichen Energie. Das war vor 20 Jahren in Dithmarschen. Und wie ist es heute? Und: seine Kunst sei ein Angebot. Die Bereitschaft zu einer Auseinandersetzung. Auch die zersplitterten Bäumstrünke.

Freitag, 9. November 2018

Donnerstag, 8. November 2018

Arbeit

Ich lege eine Liste freier Wörter an und lasse sie alphabetisch sortieren. Das letzte ist "Zigerschlitz", das erste "auflandig". Ablandig ist offenbar schon vergeben. Schreiben ist viel mehr als Schreiben. Hauptsache, es geschieht etwas. Sortieren. Verschieben. Löschen. Auf Halde legen oder vergessen.

Mittwoch, 7. November 2018

Leermond

Sagen die Schweizer zum Neumond. Und im Traumausstatter ganz viel Unsicherheit auf dem Trampolin. Der Hieb aus dem Hinterhalt - die Ecke des Dirigentenpodiums im freien Fall, der erst von an meiner linken Ferse gestoppt wurde - hat doch nachhaltige Folgen. Kein physischer Schmerz.Und trotzdem die Sorge, es könnte ...

Montag, 5. November 2018

Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 4. November 2018

Nevelmaand

Ich pflege meinen Kater. Den emotionalen wie den rabenschwarzen. Ich bandagiere meine lädierte Ferse und Herr Rasputin springt auf den zweibeinigen Baum. Er kommt immer höher. Dann halten wir zusammen Siesta. Es gibt den ganzen Tag kein Tageslicht. Nur Nebel. Nur November. Nur das Laub der Kirsche leuchtet.

Samstag, 3. November 2018

Der wunde Punkt ...

... oder die Sollbruchstelle. Seit Tagen war ich nur darauf bedacht, meine Stimme zu schonen. Eine sich abzeichnende Erkältung vor mir herzuschieben. Nach dem Konzert ist immer alles möglich. Kranksein, Katerpflegen, auf die Leiter steigen und Regenrinne reinigen usw.
Dass Menschen verletzlich und sterblich sind, wussten schon die alten Griechen. Mich traf der Schlag wie Achilles an der linken Ferse. Aber er war nicht tödlich, nur blutig. Das leichtsinnigerweise hochkant in den Raum gestellte Podest für den Dirigenten fiel irgendwann um. Es trifft keine Schuld, es folgte nur der natürlichen Schwerkraft. Über hundert Sängerinnen und Sänger, darunter Kinder und Jugendliche, drängten sich zu Beginn der Anspielprobe auf die Bühne. Und ich stand mit meiner Ferse genau im richtigen Winkel. Mein erster Gedanke war: Oh, die Achillessehne! Der zweite: Oh, das Konzert! Der dritte: Oh, das Trampolin!
Nun räume ich die Terrasse auf und putze Fenster, weil ich dazu nicht auf die Leiter steigen muss. Herr Rasputin schläft auf dem Sofa.

Freitag, 2. November 2018

Abschied 4

Der endgültig Letzte. Die zweite Aufführung, 20:00 Uhr im Kulturforum, GHO - Gymnasium Heide Ost.
Karten nur noch an der Abendkasse, geöffnet ab 18:30 Uhr

Donnerstag, 1. November 2018

Abschied 3

Die erste Aufführung. Karten nur noch an der Abendkasse, geöffnet ab 18:30 Uhr:

Mittwoch, 31. Oktober 2018

Abschied 2

Feiertag. Wir feiern die Generalprobe im Tivoli. Die Letzte mit unserem Chorleiter. Mit einem riesigen Chor, Kinder, Jugendlichen, Erwachsenen, Dithmarschern, Schleswig-Holsteinern, Polen, Litauern und einer einzigen Schweizerin. Halbschweizerin, die zum Erstaunen aller plötzlich polnisch spricht. Und zwei Klavieren. Und Schlagwerk. Orff. Carmina Burana.

Dienstag, 30. Oktober 2018

Monster

Nils Högel auf allen Kanälen. Und immer wieder Mediziner, die von "Einzelfällen" und "Fehlern" im Ablauf faseln. Es geht hier um Miord, um Kapitalverbrechen und nicht um ärztliche Kunstfehler. Högel ist beileibe nicht der Erste. Er ist nur der Erste, der gesteht, der massenhaft gesteht, massenhaft getötet hat, massenhaft das löchrige Gesundheitssystem für sein sadistisches Tun genutzt hat.
Und es geht um ein kollektives Wegschauen der Damen und Herren in Weiß. Vor zwei Jahren saß ich bei Maischberger zusammen mit einem Arzt, der dafür gesorgt hatte, dass der unbequem gewordene Pfleger aus seiner Klinik "weggelobt" wurde. Damit kein Imageschaden für das Haus entstehe. Und in der freundlichen Runde sass auch die Tochter eines Opfers, das nicht zum Opfer, und die Tochter nicht zur Nebenklägerin hätte werden müssen, wenn dieser Arzt anders gehandelt hätte. Ich glaube, der läuft immer noch frei herum.

Montag, 29. Oktober 2018

Sonntag, 28. Oktober 2018

Frost 1

Ein frostiger Morgen bricht an. Mit viel Licht in der Frühe. In der Nacht, in Panik, schon im Schlafanzug, nachdem ich frierend nach dem Abschied in Heide nach Hause gekommen war und eh ich unter die warme Decke kroch, auf der der Kater bereits schnurrte - schraubte ich den Außenwasserzähler ab. Hob den kleinen Oleander in die kleine Garage. Für den großen hatte ich wahrhaftig keine Kraft mehr!
Und jetzt finde ich auf meinem morgendlichen Kontrollgang im Gemüsebeet grüne Tomaten. Die Pflanzen hatten sich selbst ausgesät. Aus den angefaulten Früchten, die ich den Sommer über übermütig quer durch den Garten schmiss. Und sind im warmen Herbst zu kräftigen Stauden herangewachsen, wie im zweiten Frühling. Das Jahr ist irre! Und der Anblick herzzerreißend. Das saftige Grün, noch mit vielen gelben Blüten durchsetzt, liegt schlaff über allen unreifen Früchten. Großen und kleinen. Bewahrte sie in der eigenen Kapitulation vor dem Tod. Ich ernte das nicht Erfrorene Unreife und lege es auf die Fensterbank. Die Sonne steigt gleich über das Dach des Nachbarn. 

Samstag, 27. Oktober 2018

Abschied 1


Der Blaukoch
Blau ist die Lieblingsfarbe von Herrn Schwarz. Vielleicht ist es auch Bläu oder Blei, so genau wissen wir es nicht, da wir uns mit Farben nicht auskennen. Wir kennen nur Töne, Tonarten, Tonschritte und Tonleitern. Die besteigen wir zu Beginn jeder Chorprobe mehrmals, von immer anderen Grundtönen aus, die uns Herr Schwarz auf den weißen Tasten des schwarzen Steinway anschlägt. Um Farbe in den Probenraum zu bekommen, legt er uns bunte Silben in den Mund: „Blaublaublau...“, „bläubläubläu...“, „bleibleibleib...“. Blei ist vielleicht keine Farbe, sondern ein Befehl? Bleib!
Aber er bleibt nicht. Er dirigiert noch die „Carmina Burana“ an Allerseelen und zieht dann mit seiner Familie weg.
Eigentlich wollte Herr Schwarz Koch werden, Blaukoch eben, und sich auf das Pochieren von Süßwasserfischen spezialisieren, Forellen, Karpfen, Saiblinge. Stattdessen hat es ihn an die Kleuker Orgel von St. Jürgen verschlagen, an den Rand des größten unbebauten Marktplatz Deutschlands, in die Nähe eines Meeres, das den halben Tag verbummelt, so dass Muscheln und Krebse sich in den Wattboden verkriechen, um zu überleben. Hier bringt er uns Singen und Hören bei. Noch bis zum letzten Tag trainiert er mit uns die richtige Lippenspannung, die richtige Position der Zungenspitze für die Zahndammlaute, und schickt uns unermüdlich, mit Steigeisen an den Füßen oder ohne, über Moll- und Durakkorde, heißt uns beim kleinsten Fehltritt innehalten und verdeutlicht, ohne je die Geduld zu verlieren, den Unterschied von einem unsauberen Halbtonschritt zu einem sauberen: „Blaublaublau...“, „bläubläubläu...“, „bleibleibleib...“. Bleib!
Nein, er bleibt nicht, sondern zieht Anfang November an einen Fluss, der immer Wasser führt. Dort hat er bis zum 3. Advent Zeit, mit dem Chor der Trinitatiskirche das Weihnachtsoratorium einzustudieren. An den wenigen freien Tagen wird er helles Wurzelgemüse putzen, Dillstängel abzupfen, den Sud mit einem Schuss Essig sprudelnd auf kochen und den Topf sofort vom Herd nehmen. Erst dann lässt er die jungen Elbhechte sorgfältig hineingleiten und zehn Minuten garziehen. Der Blaukoch kocht den Fisch nie!
Herr Schwarz wird uns fehlen. Weder Blaubeersorbet noch Rotkohl mit Rehrücken können uns über den Verlust seiner Klangfarbenlehre, seiner Blautonvorlieben, der perfekt arrangierten Subdominanten und Obertonreihen hinwegtrösten. „Blaublaublau...“, „bläubläubläu...“, „bleibleiblei...“ Blei ist natürlich eine Farbe und kein Befehl!

Donnerstag, 25. Oktober 2018

Irrgäste

Gestern wurde in St. Peter-Ording ein männlicher Gewöhnlicher Grindwal angeschwemmt. Viereinhalb Meter lang. 800 Kilogramm schwer. Fortgeschrittene Verwesung. Wahrscheinlich schon einige Tage tot. Vor drei Wochen wurde ein Zwergwal angespült. Beides sind seltene Irrgäste an der Dithmarscher und Nordfriesischen Nordseeküste. Sie gehören eigentlich in den Nordatlantik.

Mittwoch, 24. Oktober 2018

Vollmond

Nein. Es geht mir nicht gut. Das Gesicht der Mörderin meines Schwiegervaters hat wieder Farbe gewonnen. Nichts hat sich an dieser grässlichen Fratze verändert! Diese literarische Charakterisierung sei mir hier in meinem privaten blog erlaubt. Ihr, der Kapitalverbrecherin, Vielfachmörderin (wie viel fach - wird ihr zweifelsohne beim letzten Gericht präsentiert) ist es erlaubt, im Fernsehen aufzutreten und die deutsche Rechtssprechung anzuzweifeln. Immer noch! Ich weiß, dass ihr Anwalt, der in den letzten 12 Jahren auch nur 12 Jahre älter geworden ist, ihr seit dem Urteilsspruch LEBENSLÄNGLICH Farbe in den Knast bringt, damit sie der natürlichen Alterung entgegenwirken und ihre Haare schwarz färben kann. Sie wird dies mit einem qualvollen Tod büßen müssen. Sie wird das Elend, das sie meinte beenden zu dürfen, Tausendfach am eigenen schwachen Leib erfahren dürfen. Blasenkrebs bekommen Frauen, die ihre Haare jahrzehntelang färben. Weil sich in der Blase die Gifte absetzen, die nicht ausgeschwemmt werden können. Und in der Galle setzt sich das Gift der Hybris ab. Wussten Sie das nicht, Frau Becker?

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/45_min/Wenn-Pfleger-zu-Moerdern-werden,sendung830552.html

Dienstag, 23. Oktober 2018

Der Kiefernwald

Die Entdeckung des Monats Oktober. Das Notizbuch. Francis Ponge. Der Tisch. Das Malherbarium. Im Namen der Dinge. Das Notizbuch vom Kiefernwald, übersetzt von Peter Handke. Leider vergriffen. Und nur von einem privaten Anbieter über Amazon zu einem "Mondscheinpreis" noch zu haben. Egal. Kürzlich lief der Text als Antihörspiel im Radio. Wahrscheinlich könnte ich das nun unendlich oft nachhören über die Apps, die einem in letzter Zeit ständig akustisch auferzwungen werden. Es ist die Verabschiedung vom Hören, wenn einem sofort gesagt wird: Du kannst (jederzeit, überall) NACHhören. Das Leben ist kompliziert geworden, aber die Dinge sind einfach geblieben. Das Erzählen von Francis Ponge wird als "spröde Verweigerung erzählerischer Kulinarik" bezeichnet. "Die Pinien Ponges wurzeln bei Claudel" schreibt ein Kritiker. Und ich kehre in meine Kindheit zurück. Die erste Französischstunde. La table!

Montag, 22. Oktober 2018

Mahnwache

Die Kommunalwahlen in Polen sind vorbei. Die Freude kam in der Nacht. Der Regierungspartei bleibt in den großen Städten chancenlos. Der Kandidat der Opposition hat klar den Stadtpräsidentensessel in Warschau gewonnen. Immerhin. Aber: jeder zweite in der Hauptstadt blieb zu Hause. Und jeder dritte der verbliebenen Hälfte stimmte für den rechtsnationalen Kandidaten. 

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 21. Oktober 2018

Novembersonntag

Morgennebel. Trübsinn. Der Kater kotzt höflich vor die Haustür und ich spüle das Ausgespuckte mit der Gießkanne in den Rinnstein. Irgendetwas bekommt ihm von Zeit zu Zeit nicht. Das letzte Mal hat er es noch hinter der Haustür getan und ich schimpfte und putzte einen halben Tag lang. Er ist lernfähig und achtsam. Ich auch. Ich beende meine Experimente mit Dosenfutter.

Samstag, 20. Oktober 2018

Bambusleben

Im Bambus leben nun die Stare, die im Frühjahr im Nistkasten in der Edelkastanie ausgebrütet wurden. Und noch viele mehr. Sehr zum Leidwesen von Herrn Rasputin. Er hört sie, ihr allabendliches Sonnenuntergangskonzert, so wie alle in der Nachbarschaft, kommt aber nicht an sie heran. Auf gleicher Höhe hängen noch überreife Äpfel, die ich nicht ernten kann, und um die sie sich jeden Morgen erbittert streiten.

Freitag, 19. Oktober 2018

Bodenfrost

Am Morgen so etwas wie Bodenfrost. Knapp 2 Grad über Null beim Aufstehen. Eine Stunde ein halbes Grad weniger. Die Sonne geht immer später auf. So hat die Temperatur viel Zeit, zu fallen. Das Karussell dreht sich.
Am Mittag flickt ein Techniker der Telekom meine Verbindung zur Welt.
Am Abend im Traumausstatter: DIE PAAR LEUCHTENDEN JAHRE - Erich Kästner und Mascha Kaléko. Eine Produktion der Meldorfer Theatergruppe.

Donnerstag, 18. Oktober 2018

Kaffeemühle

Ich kaufe eine Kaffeemühle mit Kegelmahlwerk. Weil ich nur noch Kaffee aus frisch gemahlenen Bohnen trinke. Akkubetrieben. Also kabellos und mit zwei freien Händen Kaffee mahlen. Vor dem ersten Gebrauch soll das Produkt zwei bis drei Stunden aufgeladen werden. Aber wie?
Im Lieferumfang enthalten ist ein Micro-USB-Ladekabel, das mit der Mühle verbunden werden kann. Der USB-Ausgang am anderen Ende, passt, sagt die Gebrauchsanweisung, an jeden Computer.

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Das Gedächtnis

Die Internetleitung ist instabil. Das Telefon funktioniert nur halbherzig. Ganze Sätze zerreissen in unverständliche Wortfetzen. Ich gehe in den Garten und grabe meine Kartoffeln aus. Ich habe sie ganz vergessen, was sie mir aber nicht übel nehmen. Im Gegenteil. Ich fülle einen Eimer mit großen Knollen. Die kleinen grab ich unter und entferne alles Unkraut.

Dienstag, 16. Oktober 2018

16. Oktober

Jeder Mensch hat seine Privatsphäre, sein ureigenes Universum, sein niemandem sonst zugängliches Hinterzimmer, das er unbeeindruckt von Einflüsterungen aller Demagogen, Tyrannen oder Schutzengel so gestaltet, wie nur er will. Oder sie.
Ich gehe jeden Tag einen Schritt weiter. Wie die Sonne. Der Sommer ist endgültig vorbei.

Montag, 15. Oktober 2018

Mahnwache

Der Kater rührt sein Frühstück nicht an. War auf der Jagd in der Nacht. Klettert seit neuestem auf den Kastanienbaum. Ich lobe den alten Herrn für sein Morgentraining. Die Brutkästen dort oben sind längst verlassen.

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 14. Oktober 2018

Notruf

Das Wasser ist so warm, dass ich beschließe bis zur Boje rauszuschwimmen. Aus der Ferne sind Martinshörner zu hören. Sie schwellen an. Kommen näher. Über den Deich schwärmen plötzlich Feuerwehrmänner. Sie winken mich und den Pastor aus dem Wasser. Wir sollen rauskommen, rufen sie. Ja, ich bin dabei, antworte ich. So schnell geht das nicht. Dann rasen mehrere Einsatzwagen über die Straße am Wasser, die normalerweise nur Fußgängern, Hunden und Fahrrädern gehört. Notarztwagen. Schweres Feuerwehrgerät. Feuerwehrboote brausen durch die Fahrrinne. Ein Kitesurfer sei in Not geraten. Aber die Hundertschaften zu Land und zu Wasser können nichts ausrichten. Einer entschuldigt sich bei mir, dass er mein Badevergnügen vorzeitig beendet habe, als ich nackt aus dem Wasser steige. Sie müssten freie Sicht haben. Ich verstehe. Freie Bahn. Obwohl ich sehe, dass sie nichts ausrichten. Und alle, die freiwillig aus dem Wasser steigen, sind quicklebendig. Gesund. Mit prickelnder Haut, geröteter Brust. Ich habe meine Tagesnorm übererfüllt. Sie ziehen ab nach Nordermeldorf. Ich nach Meldorf.

Samstag, 13. Oktober 2018

Samstag der Dreizehnte

Es ist so warm, dass Handtücher ausgebreitet werden und auf dem Deich in der Sonne gebadet wird. Ich bade im Wasser. H. kommt. Unser gemeinsames Abbaden.

Freitag, 12. Oktober 2018

Wassermassen

Das Wasser wird wieder wärmer uind läuft zu Hochform auf. Die Welt wird trockener. Das Wetter bleibt unverwüstlich. Ich wässere den Bambus. Mittlerweile tauchen vereinzelte Schwimmerinnen auf. Die Dusche tropft seit Tagen, obwohl sie nicht funktioniert. Das Wasser, denke ich, ist längst abgstellt. Die Leitung zugedreht. Aber Reste verirren sich immer noch. 

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Drachen

Viel Wind von Süden. Viel Mütter. Viel Kinder. Steigende Drachen vertreiben die Schafe. Die Menschen haben den Deich bereits wieder zurückerobert.

Mittwoch, 10. Oktober 2018

Süderholmer Moor

Statt schwimmen spazieren. Im Süderholmer Moor. Mit dem Fahrrad durchs Fieler Moor. Immer weiter nach Norden. Und am Abend zurück. Lauter Mohren. Fast kein Wind. Viel Sonne, die irgendwann auch genug hat und untergeht.

Dienstag, 9. Oktober 2018

Neumond

Die Nächte sind schwarz wie mein Kater. Ich liege wach und versuche mir vorzustellen, wie ich das Unaussprechliche in Worte fasse. Ein Kapitel ist abgeschlossen. Und das nächste hat noch nicht begonnen. Dazwischen liegt die Unendlichkeit.

Montag, 8. Oktober 2018

Mahnwache

Abbaden 8. Ein Teil der Strecke zum Deich ist kurzzeitig gesperrt, da ein Fernsehteam Filmaufnahmen macht. Ich drängle mich vorbei, muss zum Wasser, sonst ist es weg. Immer noch Arbeiten am Fahrradweg. Immer noch hupen mich Autos an, weil ich auf der Straße fahre.

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg 


Sonntag, 7. Oktober 2018

7

Erntedank. Der Himmel ist wieder getrennt vom Wasser. Der Horizont wieder sichtbar. Mittelplate wieder an ihrem Platz. Sonntag. Das Siebente Abbaden. Nordwind. Am neuen Fahrradweg wird gearbeitet. Bzw. herumgestanden. Offenbar hat das Kleine Gerät gerade keine Kraft mehr und wird von einem Großen Gerät (Tanklaster), das quer über der Fahrbahn steht, gesäugt. Ich umrunde die unsonntäglich Gewandeten großräumig.
Im Wasser der Pastor. Er schwimmt zu seiner Sandbank. Ihn scheint die (immerhin noch zweistellige) Wassertemperatur nicht im geringsten zu kümmern. Ich hingegen habe kaum Fett auf den Rippen und steige nach 7 Minuten erfrischt aus dem Meer.

Samstag, 6. Oktober 2018

Die Rückkehr der Schafe

Sie begrüßen mich von weitem: die Schafe! Schwarze und nicht schwarze. Hinkende und nicht Hinkende. Stehen wieder auf dem Deich, der ihnen, den An- und Zugezogenen gehört, aber im Sommer von Textillosen bevölkert wird. Mein Abbaden Nummer Sechs. Es ist ein Kollege da, der eBikefahrer aus Brunsbüttel. Fast kein Wind und das Licht so milchig, dass der Himmel ins Meer überzugehen droht oder umgekehrt. Das Meer in den Himmel. Nicht die kleinste Welle. Aber gute 13°. Sehr erfrischend. Die Duschen stehen noch, aber es kommt kein Wasser mehr. Man fürchtet wohl Frost. Oder arbeitet vor. Oder weiß: Schafe waschen sich nicht, sie müssten sich ja ausziehen.

Freitag, 5. Oktober 2018

Schönwetter

Die Sonne überrascht bereits wie nach langen Wintertagen. Ich kann am Nachmittag Rasen mähen! Noch wächst er. Das gibt Mut am Vormittag. Denn das Wasser ist zu früh dran. die Flut läuft noch im Morgennebel auf und ich befasse mich am Schreibtisch mit Konkurrenzvegetation.

Donnerstag, 4. Oktober 2018

Schietwetter

Wie's im Buche steht. Ich koche die erste Maronensuppe. Über's Jahr hab ich vergessen, wie anstrengend das Schälen ist. Ich verteile Eimerweise Fallobst. Und verlange die Eimer leer zurück.

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Feiertag

Ich backe Kuchen, koche Birnen und Äpfel ein, sammle Maronen vom Boden auf. Landunter auf den Halligen. Auch an meiner Badestelle war sicherlich landunter. Aber das Hochwasser kam vor Sonnenaufgang und ging im Laufe des Vormittags. Mittagsspaziergänger berichten vom Müll, der an den Deich gespült wurde und den die meisten Feiertagsausflüger überhaupt nicht beachten. Geschweige denn mitnehmen.

Dienstag, 2. Oktober 2018

Maronen

Die Maronen sind alle auf einen Schlag zum Monatsersten reif geworden und fallen massenhaft vom Baum. Auf meinen Kopf. Vor meine Füße. Auf die Straße. Auf den Rasen. Rasputins Spielplatz. Ich komme nicht nach mit dem Entfernen der stachligen Hüllen. Schließlich braucht der Kater seinen Auslauf" Und plötzlich ist kein Durchkommen mehr. Und am Gartenzaun plötzlich die personifizierte Chuzpe. Eine filmreife Szene. Wieder was gelernt über die Untiefen (dies ist ein Antagonym, ein Janus-Wort!) der menschlichen Existenz.

Montag, 1. Oktober 2018

Meldorfer Mahnwache

Sie kollidiert mit dem Hochwasser, mit dem Monatsanfang, mit dem Regen, mit den Herbstferien und mit der Extraprobe in Heide. Trotzdem findet sie statt:
18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 30. September 2018

EXTRA zum Monatsende

wiebitte? wardawas?

Abbaden 5, das vorerst letzte

Allmählich wird die Kälte knackig. Die Haut prickelt, wenn ich aus dem Wasser steige, wenn ich zur Dusche laufe, zum Fahrrad (meiner Umkleidekabine) zurück, das Badetuch aus dem Fahrradkorb fingere, die Thermoskanne aufschraube, eine windgeschützte Stelle suche, dampfenden Tee einschenke ... Im Sommer baden kann jede/r. Anstrengend ist derzeit nur der Westwind. Und der erst halbfertige Fahrradweg (immer noch rumpelig). In der Nacht kommt Regen, sagen die Frösche.

Samstag, 29. September 2018

Abbaden 4

Die Kältewellen fahren erst durch meinen Körper, als ich längst wieder angezogen bin. Am Schreibtisch bin ich beim Schulp angelangt. Wieder. Das Gerücht, mein Kater sei totgefahren worden, hält sich, wie jedes solche, hartnäckig gegen jede Vernunft. Rasputin erfreut sich bester Gesundheit, ist übermütig und gefräßig. Hat sich an meine Schwimmausflüge gewöhnt und guckt aus seinem grünen Versteck gerne den Spatzen und Meisen am neuen Futterhäuschen zu. Ich glaube, das ist für ihn wie Fernsehen für die Menschen.

Freitag, 28. September 2018

Composing

Vom dritten Abbaden (der Wind ist immer noch heftig, die Wellen auch, das Licht phänomenal). direkt in den TRaumausstatter. Composing. Fotos von Uwe Peters. Mein Nachbar, über den ich so wenig weiß.
TOP Schleswig Holsteiner:

https://www.ndr.de/wellenord/sendungen/binnenland_und_waterkant/Meldorf-Annelise-und-Uwe-Peters,topsh2178.html

Donnerstag, 27. September 2018

Die Vorhut

Abbaden 2. Kaum Sonne, aber viel Wärme. Viel Wind. Orkanböen bis Stärke 7. Ich kämpfe mich durch. Hab kein Auge für die Arbeiter am Straßenrand. Sie sind beim Teeren. Auch nicht für das grüne Auto des weißhaarigen Pastors, der mir entgegen kommt. Ich wundere mich immer wieder, wie er seine lange Mähne trocknet. Er muss einen Föhn im Auto haben! Angeblich schwimmt er jeweils eineinhalb Stunden. Da bleibt kein Auge trocken. Das Wasser ist wärmer als kürzlich, aber aufgebracht! Wild! Schleudert mir seine Ernte (Haferkörner!) an die Brust. Hoch aufgelaufen. Auch eine Stunde nach Hochwasser noch. Wieder daheim warten die ersten beiden reifen Kastanien auf mich. Die Vorhut.

Mittwoch, 26. September 2018

Regenbogenzeit

Rückkehr zur Poesie oder Poetik. Das Wetter begünstigt die Farben am bedeckten Himmel. Der Herbst findet nicht nur im Wald statt. Es ist kalt, regnerisch und sonnig zugleich. Sturmböen peitschen einen Regenbogen nach dem anderen über den Zenit. Vor grauem Hintergrund treten die Regenbogenfarben deutlicher hervor, wahrer Kitsch!

Dienstag, 25. September 2018

Das gelbe Meer

Am Deich, auf der dem Wasser abgewandten Seite, blüht Löwenzahn. Nicht vereinzelt, sondern ein ganzes gelbes Meer. Ich traue meinen Augen nicht, was hier passiert ist in den paar Tagen, in denen das Schwimmen, auch nur ein Ausflug im Trockenen an den Deich unmöglich war. Temperatursturz um mindestens 15° Celsius, heute früh beim Aufstehen fast Bodenfrost, der Mond wurde voll um 04:52 Uhr, als mein Lichtwecker zu wecken begann und der Kater zu meinen Füßen selig weiter schlief. Am Mittag Hochwasser, Sonne, kalter Wind aus Südwest, Abbaden und: dieses gelbe Meer auf der Deichinnenseite.

Montag, 24. September 2018

Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 23. September 2018

Der erste Saunatag

Das Wetter kippt. Die Stimmung kippt. Der Wind kippt. Orkantrunken. Auch der Kater ist knatschig. So oft wie heute hat er die Klappe noch nie durchschritten. Immer wieder geht er raus und guckt, ob der Rasen trocken ist, oder seine Freundinnen irgendwo zu sehen sind. Kommt dann sofort unverrichteter Dinge zurück. Und meint, jedesmal von mir getröstet werden zu müssen mit gefüllten Knabberkissen in Herzform (für ein glänzendes Fell). Wir müssen beide mit jeder Jahreszeit dazulernen. Es ist unbefriedigend, dass die Badesaison direkt in die Sturmsaison übergeht. Irgendwie fehlt etwas. Ohne Abbaden kein Winter. Auf dem Markt Kohlvergnügen mit den Kohlregentinnen. Ich stelle die Sauna an.

Samstag, 22. September 2018

Der erste Herbsttag

Auf dem Kalender. Vor dem Fenster nach wie vor Unentschlossenheit. Mal Sonne. Mal Regen. Mal Wind. Mal Ruhe. Mal Hagel. Mal Sturm. Abbaden war noch nicht. Aber Schwimmen fällt aus.

Freitag, 21. September 2018

Der erste Herbststurm

Die Äpfel kommen von selbst vom Baum und die unreifen Maronen auch. Zuhauf. Immer wieder sintflutartiger Regen und ungestümer Wind. Noch unentschlossen. Erst nach Sonnenuntergang donnert es und der Kater verzichtet auf seine Fridayafternoonparty.

Donnerstag, 20. September 2018

Der letzte Sommertag

Schwimmen, Rasenmähen, Birnen ernten, aussortieren, gebrochene Äste abschneiden. Noch nie trugen die jungen Bäume so schwer. Für die Äpfel reicht die Zeit nicht.

Mittwoch, 19. September 2018

Der Fahrradweg

Auf dem Weg zum Frühstücksschwimmen. Nun darf ich auch hin zum Deich auf der Straße fahren. Tatsächlich wird die Holperstrecke neu gemacht. Und dürfen mich die Autos nicht mehr anbellen.

Dienstag, 18. September 2018

Der Sonnenuntergang

Sonnenuntergangsschwimmen. Bestimmt das letzte in diesem Jahr. Umso wichtiger. Noch lange kein Abbaden. Aber die Tage werden unerbittlich kürzer. Rückenwind auf dem Heimweg. Umso besser.

Montag, 17. September 2018

Die Meldorfer Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

Hochwasser 18:50, Probe 19:30. Sonnenuntergang 19:34. Lufttemperatur 24°, Wind immer noch aus Südwest, mit Böen. Wassertemperatur am Mittag 15°, am Abend 16°!

Sonntag, 16. September 2018

Das Wasser

Das Wasser ist kalt. Aber noch nicht so kalt, dass es uns hindern würde, zu schwimmen. Die Flut läuft erst gegen Abend auf und ich fahre mit dem Fahrrad zum Deich, nachdem ich am Nachmittag in der größten Hitze angefangen habe, meinen Garten wintersicher zu machen. Noch ist alles möglich.

Samstag, 15. September 2018

Die Liebe

Die Liebe eines Katers zu der Person, die ihn füttert und streichelt, gipfelt darin, dass er ihr die Trophäen seiner frühmorgendlichen Jagd zu Füßen legt. Heute eine Wacholderdrossel. Gebrochenes Genick. Ganz viele flaumige Federn (hat sie noch um sich geschlagen?). Und die blutigen Innereien, die aus dem aufgebissenen Bauch hervorquellen. Auf dem Teppich in meinem Schlafzimmer. Vor meinem Bett. Der Kater liegt auf einem Stuhl und verfolgt aus sicherer Distanz und erhöhter Position geduldig mein Aufwachen.

Freitag, 14. September 2018

Das Wörterbuch

Ich sammle Alphabete. Wörterbücher. Bücher, deren Wörter alphabetisch angeordnet sind. Manchmal sind es auch keine Bücher. Aber doch Ordnungen. Und Alphabete-
Gestern am Wegrand gefunden (unterwegs in den dritten Stock des Hamburger Rathauses, in den langen Flur der SPD-Fraktion, wo vor dem Mikrophon die Fachsprecherin Kultur sprach):
The Critcal Dictionary of Southeast Asia von Ho Tzu Nyen. Derzeit im Kunstverein in Hamburg zu sehen. Eine "Raumgreifende Videoinstallation". Eine Auswahl aus mehreren tausend Stunden audio-visuellen Materials. Für mich Traummaterial für den Rest meines Lebens.
Aber guckt selbst, hier kann man sich durch das Alphabet klicken, oder es einfach in Gänze über einen hereinbrechen lassen
https://cdosea.org/#video/d
und hier kann man etwas lesen (in english)
http://www.vdrome.org/ho-tzu-nyen
und hier kann man etwas hören (in english: The Principle of Uncertainty / Untertitel in korean, I suppose)

Donnerstag, 13. September 2018

nackt


KUNST IN DER FRAKTION: NACKT

Andrea Cziesso – Karin Dahlke – Hadi Knütel – Sabine Reyer

Eröffnung: heute, 19.00 Uhr, Hamburger Rathaus,
SPD-Bürgerschaftsfraktion (3. Stock).

BEGRÜSSUNG
Gabi Dobusch, Vorsitzende im Kulturausschuss
Isabella Vértes-Schütter, Fachsprecherin Kultur

EINFÜHRUNG
Jürgen Havlik, Künstlerischer Leiter von Alles wird schön e.V.

Die Ausstellung kann im Anschluss noch bis zum 19. Oktober 2018, montags bis freitags, von 9.00 bis 17.00 Uhr besucht werden.

Nackt will Aufmerksamkeit wecken, nicht nur in der Werbung, auch in der Kunst. Überstrapaziert als erotische Offensive, Attacke auf das Schamgefühl, provozierter Bruch mit sozialen Erwartungen und Normen – aber ist Nackt nur Eyecatcher?

Den Künstlerinnen und Künstlern bleibt da die spannende Aufgabe, alle Facetten von Nackt zu untersuchen. Nackt ist mehr als unbekleidete Haut. Nackt ist existenziell, direkt, schutzlos, wahrhaftig. Nackt zielt auf die Essenz, das eigentlich Entscheidende, die Substanz, das Wesen.

Die Künstlerinnen und Künstler der Gruppe TSE TSE verbindet seit 1997 die Idee der Multiplikation der individuellen Möglichkeiten durch die Gemeinschaft – der Wunsch nach Kommunikation und der Entwicklung gemeinsamer Projekte. Dabei teilen sie keine Stilistik, gerade die Unterschiede in der künstlerischen Arbeit bilden ein Spannungsfeld, das die gemeinsame Auseinandersetzung mit einem Thema befruchtet.
www.andreacziesso.de l www.karindahlke.de l www.knuetel.com l www.sabinereyer.de

https://www.spd-fraktion-hamburg.de/aktuelles/termine/b/kunst-in-der-fraktion-1.html

Mittwoch, 12. September 2018

Guitar Heroes

Noch einmal, diesmal in Heide, heute Abend, 19 Uhr im Kino Lichtblick:

"Guitar Heroes in Joldelund. Internationale Bluesrockfestivals auf dem Dachboden meines Bio-Bäckers in Nordfriesland". Wer die Vorstellung im Meldorfer Kino verpasst hat, bekommt nun die einmalige Gelegenheit diesen Kult-Film über ein Kult-Festival in Heide zu sehen! Anwesend sein werden Jan Meier, der Regisseur und Gerd Lorenzen, Initiator und Macher des Festivals, im Hauptberuf Bäcker. Der Film sprüht vor Lebensfreude und Begeisterung, das "Handwerk" am Gitarrenspiel (und am Filmemachen) ist absolut sehens- und hörenswert.
https://kino-heide.de/kino/programm/city243/?scope=week

Dienstag, 11. September 2018

Regen

Es regnet. Es wird den ganzen Vormittag nicht richtig hell. Aber es ist warm. Und ich kann fast zusehen, wie das Gras wächst. Das Grün ist so intensiv, dass ich geblendet die Augen schließe. Die Meisen tummeln sich fröhlich am neuen Futterhäuschen. Irgendwie ist draußen Aufbruchstimmung, drinnen hingegen Stimmung zum Drinnenbleiben. Mittagsschlaf statt Nordsee.

Montag, 10. September 2018

Mahnwache

Hochwasser 14:05. Der Himmel ist grau, das Wasser frisch. Ein Mann sagt, das sei heute wohl das letzte Mal. Ich schaue ihn erstaunt an. Abbaden? Noch lange nicht!

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

Sonntag, 9. September 2018

Neumond

Schon wieder. Neumond. Endlich wieder Wasser. Am hellen Mittag. Springtide. Aufgewühlt. Eiskalt. Endlich wieder Wetter. Die Luft ist so milde, dass ich 5 Minuten auf dem Deich an der Sonne liegen bleibe, ehe ich mich auf den Heimweg mache.

Samstag, 8. September 2018

Das Taubennest

Zwei verliebte Turteltauben meinten, sie müssten nun im September noch ein Nest in meiner Edelkastanie bauen. Ich kann das nicht gutheißen. Erstens fangen sie es zur Unzeit damit an, zweitens tun sie es erstaunlich stümperhaft, drittens an einer so frei zugänglichen Stelle, dass Rasputin als Nesträuber ein leichtes Spiel gehabt hätte, viertens offenbar mit dem falschen Material, fünftens ohne Klebstoff, denn die Stöckchen fallen ständig in meinen wild wachsenden Rasen. Heute Mittag mache ich dem Liebestreiben in einer Regenpause entschlossen ein Ende. Zerschlage das Gestrüpp mit einem langen Bambusstock, bücke mich nach den Bestandteilen aus meiner Ligusterhecke und werfe alles in die Biotonne. Deckel zu.
Es ist Abend geworden und ich habe die Viecher nicht mehr gesichtet. Das Wetter ist endgültig nicht mehr frühlingshaft, die Böen bitterböse.

Freitag, 7. September 2018

déjà-vu

Zum wievielten Mal? Vor zwei Jahren saß ich bei Maischberger im Studio mit einem der verantwortlichen Ärzte des Klinikums Oldenburg und der Tochter einer von über Hundert durch die Hand des Pflegers Niels H. getöteten PatientInnen. Vor über zehn Jahren saß ich bei Maischberger neben dem ärztlichen Leiter der Charité als eine Betroffene - die Schwiegertochter eines auf der kardiologischen Intensivstation der Berliner Charité getöteten Patienten. Wir beide waren so platziert, dass sich unsere Knie ständig fast berühren mussten. Ich war die ganze Zeit nur darauf bedacht, jeder seiner Bewegungen aus dem Weg zu gehen und jeden Körperkontakt mit diesem Menschen zu verhindern. Er war nervös, innerlich angespannt. Versteht sich. Er konnte keine Sekunde ruhig sitzen. Und ich auch nicht!
Und? Meine Lieblingsfrage, auf die es keine Antwort gibt.
Nichts. Mittlerweile ist Gras über die Sache gewachsen.
Natürlich wurde auch die Berliner Täterin von anderen Kliniken "weggelobt" und "hochgelobt", damit die Sache aus dem einen Haus war und die weiße Weste waschmittelreklameweiß blieb. Natürlich würde man mit dem Wissen von heute womöglich anders handeln. Sicher ist das aber keineswegs. Natürlich steckt der Teufel im Detail und natürlich gibt es keine Mutter unserer Probleme. Das Böse hockt in jedem von uns. Niels H. hat so viele Patienten umgebracht, dass einem die Haare zu Berge stehen. Weggeschaut wurde so lange, dass einem auch die Haare zu Berge stehen. Aber nicht die Masse macht es. Schon bei einem einzigen durch eine Pflegekraft getöteten Patienten stehen mir die Haare (erneut) zu Berge. Schon nach einem einzigen durch bürokratische Schlamperei vertanen Tag ...
Aber hört selbst, lest selbst:
https://www.deutschlandfunk.de/mord-im-krankenhaus-er-arbeitete-umsichtig-und-gewissenhaft.1247.de.html?dram:article_id=423075

Donnerstag, 6. September 2018

Mittwoch, 5. September 2018

Frühschwimmen

Zweimal im Monat kommt nach dem Abendschwimmen das Frühschwimmen, so dass ich mir eigentlich den Weg sparen könnte und am Deich übernachten sollte. Alles ist nass. Morgennebel.

Dienstag, 4. September 2018

Das Mitbringsel

Büroklammer

Ich brauche immer lange, bis ich alle Taschen geleert und alle Krumen herausgeschüttelt habe. Es ist warm. Und mein Vater wäre heute 94 Jahre alt geworden. Er lebt seit fast 21 Jahren nicht mehr. Diese Zahlen bedeuten gar nichts.
Ich habe den ganzen Tag Zeit, meine Taschen zu leeren und die letzten Krumen zusammenzukehren. Tomaten zu ernten, Rasen zu mähen. Zum Abendhochwasser fahre ich mit dem Fahrrad an den Deich. Ich gehe ganz allein baden. Das Wasser fällt wie Seide von meinem Körper.

Das Besondere am Mitbringsel ist seine Dimension: die Übergröße ist exakt vorgegeben und nicht veränderbar. Sowie das Wesen: upcycling aus einer Fahrradspeiche.

Montag, 3. September 2018

Montag - Mahnwache

Ich kann vor Erschöpfung nicht schlafen. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen. Aber der Morgennebel ist schon zu sehen. Es ist September geworden. Das Gras ist grasgrün und steht ziemlich hoch. Für die Jahreszeit. Die Äpfel sind vorzeitig rot, die Birnen saftig. Die Meisen haben endlich das neue Futterhäuschen entdeckt und während meiner Abwesenheit halbleergepickt. Die Baselbieter Röteli am Wattenmeer blühen und blühen und blühen.

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

Sonntag, 2. September 2018

Sonntag - Das Grab

Ich sitze eine Stunde auf dem Friedhof und schaue abwechselnd in den Himmel und auf den Schleifenberg. Nomen est omen. Die Gedanken ziehen Kreise. Schleifen sich ab. Meine Geschwister haben unseren Eltern das gemeinsame Leben im Jenseits so präpariert, dass der Streit auch dort ewig weitergehen kann. Hier sorgen sie selbst dafür, dass er nie versiegt. Nur mich erreicht er nicht mehr. Ich habe meine Familie schon lange verlassen. Etwa so, wie man einen fahrenden Zug, etwa den Orient Express, oder die Transsibirische Eisenbahn, irgendwann, spontan oder geplant, an einer vorgesehenen oder unvorgesehenen Haltestelle verlässt. Der Zug fährt weiter, denn das ist seine Aufgabe. Er hat kein Ziel. Nur eine Richtung. Und die kann er jederzeit ändern. Ich steige in Liestal in den EC, der mich ohne Umsteigen nach Hamburg bringt. Ich bin auf dem Weg zurück ans Wattenmeer. Kurz vor Harburg, es ist kurz vor Mitternacht, meldet mein Smartphone, dass der letzte Zug nach Westerland ausfällt. Auf so eine App ist immer Verlass. Auf die Deutsche Bahn auch. Sie bezahlt das Taxi, das mich und zwei weitere Reisende, einen Dithmarscher und einen Nordfriesen, nach Hause bringt. Im Dunkel der Nacht schließe ich meine Tür auf - Rasputin wartet im Flur.

Samstag, 1. September 2018

Samstag - Der Jazz

Willisau. Das 44. Jazzfestival. Schon seit Mittwoch. Aber ich bin erst seit gestern dabei. Heute Nachmittag eine Stunde lang non stop Fredy Studer Solo am Schlagzeug! Und dann bis in die Nacht hinein ...
... more about FS (der Luzerner sprach das Willisauerpublikum witzigerweise in perfect Englisch an) only in German: http://fredystuder.ch/images/pix_press/jnm_04_2018_pages_26_32.pdf

Freitag, 31. August 2018

Freitag - Die Schuhe

Weiterreise. Vom Bögliland ins Fölmiland. Es regnet. Angeblich regnet es in Buchsi immer. Ich bin auf Schuhsuche. Der kürzeste Weg führt immer noch vom Bahnhof über den Friedhof zum Haus der Schuhmacherheiligen, der Crispinbrüder.

Donnerstag, 30. August 2018

Donnerstag - Der Auftritt

Die Nacht im "Kreuz" verlief, wer hätte es anders erwartet, traumlos. Eingeschlafen bin ich mit Regen. Geweckt wurde ich vom Frühverkehr. Heute Abend steige ich in den Keller und erzähle von Polen.
http://www.amiet-hesse-weg.ch/de/das-leben-und-reisen-der-lina-boegli
http://www.amiet-hesse-weg.ch/de/anlaesse

Mittwoch, 29. August 2018

Mittwoch - Das Kreuz

Der Versuch einer Weiterreise. Ich bin unterwegs in die Schweiz. Ein paar Stunden Aufenthalt in Basel. Dann im schlimmsten Feierabendverkehr Umsteigen am swiss-drehkreuz Olten von Gleis 12 auf 9. Ankunft zum zNacht in Herzogenbuchsee. Untergebracht bin ich im "Kreuz", natürlich im Bögli-Zimmer. Kaum bin ich da, ergießt sich Starkregen, und ein krachendes Gewitter löst alle Spannungen auf.

Dienstag, 28. August 2018

Dienstag

Der Versuch einer Reise von Meldorf nach Weinheim. Ich fahre mit dem ersten Zug, der mich nach Hamburg bringt, um den Anschluss nicht zu verpassen. Einer davor ist schon ausgefallen. Kein Personal. Ich verbringe die Wartezeit schreibend in der Lounge am Hauptbahnhof, das ist immerhin netter als im Regen irgendwo mitten auf der Strecke. Dann gibt es eine Stellwerksstörung und erstmal steht alles still. Dann werden im Zug keine Reservierungen angezeigt und jeder setzt sich einfach hin, wo er gerade kann. Dann komme ich schließlich doch an. Mit einer Verspätung von einer Stunde mitten in den Weinbergen.

Montag, 27. August 2018

Montag - Am Wattenmeer

Der letzte Gang ans Wattenmeer in diesem Monat. Die Nordsee hat aufgefrischt. Der Wind auch. 18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

Sonntag, 26. August 2018

Der Vollmond

Die Welt am Wattenmeer ging unter heute Vormittag. Sintflutartiger Regen. Nun hat sich alles beruhigt und die Sonne scheint. Ich fahre nach Heide zur Probe. Das ist das Neue an diesem Sonntag: dass wir wieder singen. Dass die Züge wieder fahren. Dass man sich wieder vor die Tür wagen kann.

Samstag, 25. August 2018

Der Wortschatz

Aus dem Wortschatz der Bahnpendler:
Mein Zug fällt aus. Ich wollte nur unschuldigerweise am Samstag Nachmittag zur Frauenprobe nach Heide fahren. Es kommt ein BNV oder SEV. Manchmal wird auch ein Ersatzpark eingesetzt. Oder das Zugpersonal ist bei der Störungsbehebung. Heute kommt ein Taxi und der Fahrer ist altklug. Weist mich darauf hin, dass meine Bahncard nicht unterschrieben ist und er, wäre er ein Schaffner der Deutschen Bahn, sie einziehen könnte. Aber er ist Taxifahrer. Irgendein Zug steht mir Luftverlust zwischen Keitum und Morsum. Andere rasen aufgrund diverser verlegter Kreuzungen mit Verspätungen auf ihr Ziel zu. Es gibt Ausfälle wegen Parkmangel. Und Parkmangel wegen Lokstörung. Ein Ausfall kommt zB durch einfache Krankmeldung eines Lokführers zustande. Bereitschaftsdienst war vorgestern. Eine Verspätung hingegen kann auch einfach nur deshalb zustandekommen und ins Unendliche anschwellen, weil eine Lok mit Lokführer in Westerland noch tanken muss. Die Folge davon ist, wie TP Kiel mitteilt, eine Fahrzeugstörung. Eine Stilblüte der besonderen Art ist die "Verzögerung im Betriebsablauf", der bewirkt heute sage und schreibe ab sofort den Ausfall sämtlicher Züge nach Wrist (ab Elmshorn 14:19, 15:19, 16:19, 17:19, 18:23, 19:19, 20:19, 21:19). Wer noch nicht Feierabend hat, ist selber schuld.

Freitag, 24. August 2018

Der Schuppen

Der Schuppen, der am Deich seit dem letzten Sturm windschief auf den Beinen steht, ist vernagelt. Wir wollten ihn als Umkleidekabine nutzen. Aber er ist einbruchsicher stabilisiert. Wir klettern nackt über den Deich. Der Regen peitscht uns ins Gesicht. Das Wasser ist wütend und warm. Ich schwimme nur noch eine krumme Gerade und das ist halsbrecherisch genug. Und dann kommt die Sonne und wärmt und trocknet. So, als sei gar nichts gewesen.

Donnerstag, 23. August 2018

Das Fahrrad

Das Fahrrad muss wieder einmal ausgeführt werden. Das Wetter ist unbeständig. Der Himmel grau. Der Wind hartnäckig. Ich auch. Die erste Probe in Meldorf. Der Sommer ist unweigerlich vorbei. Als ich gerade nach Hause kam, ohne Rücklicht (Wackelkontakt, ich brauchte es die letzten Monate nie) um die Straßenecke bog, rief ich meinen Nachtschwärmer. Ich habe keine Ahnung, wo er sich in der Dunkelheit herumtreibt. Rasputin ist schwarz wie die Nacht. Aber bis ich die die Tür aufgeschlossen, das Fahrrad zur Nacht gebettet habe, kommt er tatsächlich schwankend mit seinen X-Beinen zur Tür herein.

Mittwoch, 22. August 2018

Der Boden

Der Boden. Unter den Füßen. Sauberer Estrich. Mit Resten von Teppichkleber. Der Boden wird heute neu verlegt. Der Kater sucht das Weite. Wie immer, wenn Handwerker da sind. Ich fahre ans Meer. Der Teppichboden war halb so alt wie ich. Und die Fluchten sind noch älter. Die Zimmerfluchten. Die Bodenfluchten. Die Katerfluchten. Die Wasserfluchten. Das ständige Auf und Ab der Tide.

Dienstag, 21. August 2018

Kein Wasser

Es läuft wie immer bei Dreiviertelmond so wenig Wasser auf, dass sich der Gang an den Deich nicht lohnt. Ich widme mich stattdessen meinem Rasen. Er lag so lange trocken und verschmäht da. Nun ist endlich wieder Zeit für den Rasenmäher gekommen. Ein lange nicht gehabtes Vergnügen! Lange nicht gehörte Geräusche. Rundum. Durch die ganze Nachbarschaft.

Montag, 20. August 2018

Die Mahnwache

Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg  18:00-18:30 Uhr Südermarkt

Zur Lage an der Marschbahn soviel:
"Guten Morgen, bitte schaut, ob Eure Züge heut fahren. Es fällt eine Menge aus. Und das wo heute Schulanfang ist ..." (04:58 Uhr)
"Ausfall 11000 : Grund: 8 eingeschlagene Notausstiegsfenster" (08:06 Uhr)
"Ausfall 4192" (07:16 Uhr)
"Ausfall 11065, 11056, 110678, 11064. Grund: Fehlender Wagenpark durch Vandalismus" (07:23 Uhr) 
"Ausfall 11058. 11015 steht mit einer Fahrzeugstörung in Lehnshallig" (09:09 Uhr)
Für den Rest des Tages gucke ich nicht mehr ins Netz sondern nur noch aus dem Fenster!

Sonntag, 19. August 2018

Der Glaube

Am Sonntag. Die Hoffnung. Am Sonntag. Die Liebe. Am Sonntag. Ausflug über den Kanal und über die Autobahn. Zu Gänsen, Hühnern, Schafen, Pferden und Schweinen. Und jetzt endlich wieder die Nordsee auf der Haut.
Und danach eben das: Kaum zu glauben (für alle, die fernsehen): https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/Kaum-zu-glauben,sendung803348.html

Samstag, 18. August 2018

Der Rasen

Das Rasen war schon. Nun folgt der Rasen: Er hat sich erstaunlich schnell von der Trockenheit erholt und ist gerade die reinste Augenweide! Das Grün frisch wie im Frühjahr, und die Rasenmäher brummelig wie eh und je. Ich verbringe den Tag im Garten, mit Äpfeln, Brombeeren und Wespen, und lasse das Hafenfest Hafenfest sein, auch auf das Schwimmen verzichte ich. Besuch ist angekündigt und ich schicke Geburtstagsglückwünsche ins Fölmliland.

Freitag, 17. August 2018

Der Herbst

Abendschwimmen. Der Halbmond steht über dem Wasser. Der Heimweg ist schon empfindlich kühl. Feucht. So fühlt sich der Herbst an. Mit Rückenwind komme ich schnell ans Ziel. Der Halbmond steht nun über meinem Garten.

Donnerstag, 16. August 2018

Das Holz

Ich fahre vor dem Hochwasser. Ich weiß, dass so viel Wasser aufläuft, dass man insgesamt fast vier Stunden Schwimmen kann. Aber soviel Zeit habe ich nicht. Das Wasser glitzert und blendet. So hell war es schon lange nicht mehr. So voll. So mild. Jetzt kann man die Sonne wieder ertragen, sagt jemand. Dann muss ich wieder zurück. Weil bereits Interessenten das geteilte Haus angucken. Den einen ist die Küche zu klein, den andern zu groß. Den einen passt das nicht, den anderen jenes. Und die letzten sagen, es ist zu viel Holz. Einfach zu viel Holz an den Decken. 

Mittwoch, 15. August 2018

Die Reise

Die Reise ans Meer. Immer wieder. Wie ein Mantra. Die immer selbe Strecke. Früher fuhr ich gelegentlich noch durch die Kartoffelfelder nach Nordermeldorf. Oder auf dem Hinweg an der Heißmangel vorbei. In diesem Jahre fahre ich zielgerichtet. Geradeaus. Durch den Speicherkoog. Hin und her. Auf meiner Reise ans Meer.
Die einzige Abwechselung, die ich mir erlaube, besteht darin, dass ich auf dem Hinweg auf dem holperigen Fahrradweg fahre. Er ist von Wurzeln zerfurcht, der Asphalt an vielen Stellen aufgeplatzt, alle Unterschriften an die Stadt halfen nichts. Nur für die Autos wurde vor ein paar Jahren ein aalglatte Fahrbahn hergestellt. Die zum Rasen einlädt. Obwohl es eine Geschwindigkeitsbeschränkung gibt. Und links und rechts sich der Nationalpark ausbreitet, reiche Vogelschutzgebiete, Rast- und Rückzugsflächen für müde Durchzügler und Dauergäste.
Zurück fahre ich immer auf der Straße. Egal zu welcher Tageszeit. Und werde immer wieder von wütenden Rasern angehupt. Ich merke mir die Kennzeichen. Und werde sie irgendwann in einem Gesamtkunstwerk verewigen.
Ich komme spät los, aber ich weiß, dass genug Wasser da ist. Der Wind kommt von West und erschwert die Reise zusätzlich. Über Friedrichskoog regnet es bereits. Ich schwimme mein ungleichschenkliges Dreieck und fahre erhobenen Hauptes zurück.

Dienstag, 14. August 2018

Die Kuhhaut

Ich bin Mitglied einer öffentlichen fb-Gruppe "Bahnpendler Husum-Heide-Itzehoe-Hamburg". Obwohl ich nicht täglich pendle. Aber ab und zu benütze ich den Zug. Oder es will jemand vorbeikommen. Warten tue ich immer.
Heute also poetisches Zahlentheater: "Kollision mit einer Kuh zwischen Friedrichstadt und der Eiderbrücke". Man ahnt Böses! "11013 steht noch vor Friedrichstadt ..."; "11006 wird in Heide 11013. SEV von Heide ist bestellt, aber noch nicht bestätigt."; "11015 endet in Husum wegen der Streckensperrung. Fährt in den Fahrzeiten 11006 zurück nach Westerland."  "RE 11017: die Strecke ist zwischen Husum und Friedrichstadt gesperrt. Grund: Tiere im Gleis." "11008 wird noch in Heide zurückgehalten. Wartet auf Aufhebung der Sperrung." "Die Streckensperrung wurde gerade aufgehoben. Erste durchfahrende Züge 11017 ab Husum, 11008 ab Heide."
"11031 heute mit 6 Wagen, 11081 4 Wagen und 11035 6 Wagen."
"RB 11926 konnte leider nicht warten". So ist es meist.
"RE 11024 endet wegen Türstörung heute in Husum." Ach!  "Weiterfahrt mit RE 11026."
"RE 11039 fällt wegen Fahrzeugstörung bis Husum aus." Oh!
"Streckensperrung Hamburg <> Pinneberg aufgrund einer Oberleitungsstörung. Daher beginnt RE 11024 heute in Elmshorn. Zudem müssen Sie mit Verspätungen rechnen." Hmmm. "Eilmeldung: Aufgrund eines Oberleitungsschadens ist der Zugverkehr zwischen Pinneberg und Hamburg derzeit eingestellt. Hiervon betroffen sind auch die Regionalzüge von / nach Kiel, Flensburg und Westerland." Das heißt, es geht gar nichts mehr? Weder oben noch unten? Es folgen Updates im Minutentakt, lange und kurze. "Streckensperrung zwischen Pinneberg und Hamburg. (Oberleitungsschaden in Hmb-Langenfelde)." Prägnant zB so: "UPDATE STRECKE IST GESPERRT!" und jetzt, vor dem Abendregen: "Strecke Pinneberg <> Hamburg bleibt voraussichtlich bis morgen früh um 6:00 gesperrt."
Und die Kuh aus der ersten Meldung? Die Tiere im Gleis?

Montag, 13. August 2018

Die Mahnwache

Heute fällt die Tageslänge unter 15 Stunden. Die Sonne geht gerade auf. Man friert zuweilen schon wieder. Zieht Euch also warm an zur
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg  18:00-18:30 Uhr Südermarkt

Sonntag, 12. August 2018

Die Preisverleihung

Kaffeekränzchen am Nachmittag. Spießrutenlaufen der Lokal- und Kreispolitiker. Treppauf. Treppab. Auf das Podium in der Ditmarsia, vor ein Stehpult mit monströsem Mikrophon. Trotzdem hab ich nur die Hälfte der Worte verstanden. Aber auch auf die konnte getrost verzichtet werden. Der 10. Meldorfer Culturpreis wurde an Sabine Kramer verliehen für ihre Stahlskulptur "Dickicht und Lichtung" (mehr hier: http://juditharlt.de/wp-content/uploads/2018/02/LUUD_juni18_S.4-5.pdf), der Publikumspreis an Ute Lübbe für ihr Schwarmprojekt, hunderte Medusen aus Plastikflaschenverschnitt und Strandgut. Wo weit - wo gut? Wo waren die Vertreter der Kultur dieser Stadt an diesem Nachmittag? Fernab. Im Urlaub!

Samstag, 11. August 2018

Frequenzen 18

Um 11:57 ist der Mond leer. Oder neu. Dann beginnt ein weiterer Anlauf. Noch regnet es in Strömen.
Um 17 Uhr soll der Himmel aufklaren. Dann kommt nach längerer Pause die Welt musikalisch wieder nach Meldorf: ab 17:30 Uhr Open Air Sommer-Musik-Fest FREQUENZEN18 auf dem Rathausplatz:

• 17:30 | BANDA INTERNATIONALE
• 19:00 | Umbaupause + Rahmenprogramm
• 19:30 | OPA!
• 21:00 | Umbaupause + Rahmenprogramm
• 21:30 | 17 HIPPIES
Danach open end after-show Party mit dem Datscha-Projekt im Bornholdt

Freitag, 10. August 2018

Der Sturm

H. und ich fahren zum Schwimmen. Nach mehreren Tagen Pause. Mit dem Auto, denn anders ist kein Vorwärtskommen Richtung Westen. Die Strandkörbe liegen auf der dem Wasser abgewandten Deichseite. In Einzelteilen. Die Mülleimer ebenso. Zerlegt. Der Müll zerstreut. Das ehemalige, seit zwei Saisons sinnlos am Wegesrand stehende Kassenhäuschen ist aus dem Lot geraten, hält sich windschief gerade noch so auf den eigenen vier Ecken. Der Rest, die Wände, das Dach, das Fensterchen, sind eingedrückt, zertrümmert. Da der Besuch der Nordsee an dieser Stelle nicht mehr kostenpflichtig ist, können die Bretter ohne Gefahr für die Öffentliche Hand abgetragen werden. Wir klettern nackt über den Deich, da wir fürchten, unsere Kleider würden weggeweht. Das Badetuch binden wir an die Dusche. Sie funktioniert nicht mehr. Wahrscheinlich ist die Leitung geplatzt. Dann stehen wir auf der Badetreppe in den Tosenden Wellen und klammern uns mit beiden Händen an das Geländer. Das Wasser kommt zu uns und über uns, wir brauchen gar nichts weiter zu tun.

Donnerstag, 9. August 2018

Der Hagel

Er kommt so schnell, nicht ganz unverhofft und doch überraschend, dass es der Kater nicht mehr nach Hause schafft. Er steht eine halbe Stunde später tropfend und zitternd vor der Haustür und putzt sich. Ich öffne die Tür, obwohl das gegen unsere Abmachung verstößt. Er ist selbstständig und kann das Haus durch die Klappe jederzeit nach eigenem Willen verlassen oder betreten. Er will aber gar nicht hereinkommen. Dreht widerwillig mehrere Pirouetten um sich selbst, setzt sich schließlich auf mein Zureden hin doch Fußmatte hinter der Tür. Schleckt dann zuerst den ganzen Regenguss, der über ihn gekommen ist, aus dem Fell. Ehe er sich heißhungrig über seinen Napf hermacht. Ein außerordentlich reinlicher Kater. Ob er in Helvetien sozialisiert wurde?

Mittwoch, 8. August 2018

Der Strömungsabriss

Ein bisschen Wind bringt Abkühlung ans Wattenmeer. Aber kaum Regen. Das Wasser läuft zum Vormittag auf. Ich bleibe zu Hause. Drüben, im neuen Haus, sind zwei Malerinnen zugange. Der Kater klettert über die Dächer wie ein Wiesel. Sobald er wieder festen Boden unter den Pfoten hat, kommt er zu mir hoch, steicht mir um die Beine unter dem Schreibtisch und erwartet eine Belohnung. Ein Strömungsabriss bringt jedes Flugzeug zum Absturz. Wenn die Luftströmung zusammenbricht, geht der Auftrieb verloren und jedes fliegende Objekt erliegt der Schwerkraft. Auch eine Tante Ju. Die Frage bleibt, was den Strömungsabriss verursacht haben könnte.

Dienstag, 7. August 2018

Das Martinsloch

Das Martinsloch gibt es nur einmal. Es gibt andere Öffnungen in den Felsen der Schweizer Alpen, in anderen geordneten oder ungeordneten geometrischen Formen, Spalten, Brüche, Ecken, Rhomben, Rauten ... Aber das kugelrunde Loch in den Tschingelhörnen oberhalb des Luftkurortes Elm ist einmalig. Der Heilige Martin soll es einst im Zorn über die Schlechtigkeit der Menschen in den Stein gehauen haben. Ein Faustloch. Ein Faustpfand.
Dort also, unterhalb dieser magischen runden Öffnung, durch die im Frühjahr die Sonne nach dem langen Winter zum ersten Mal - sowie im Herbst vor demselben zum letzten Mal - die Elmer Kirchturmspitze trifft, ist die "Tante Ju" wie ein Stein senkrecht vom Himmel gefallen und zerschellt. Auf 2540 Metern über Meer, an der Westflanke des Piz Segnas, ziemlich genau auf der Grenze zwischen den Kantonen Graubünden und Glarus. Unter Martins ewigem Zornesauge!

Montag, 6. August 2018

Die Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

Sonntag, 5. August 2018

Die Tomate

Die Tomaten aus dem Baselbiet kranken, jedenfalls die Vorreiter, die ersten, die reif werden, haben alle einen faulen Fuß. Eine zuerst nur dunkle Stelle am unteren Ende der eiförmigen Frucht, die sich kontinuierlich hocharbeitet. Ich ernte sie und übergebe sie dem Gemüsebeet. Lebenddünger.
Heute wolkig und kühl. Erfrischend.

Samstag, 4. August 2018

Der Absturz

Der Absturz - die Abstürze:
Um 16:50 Uhr stürzt die "Tante Ju", wie sie im Volksmund genannt wird, am Bergfuß des Piz Segnas in der Nähe von Flims im Kanton Graubünden ab. Ein Oldtimer der Ju-Air, eine Junker JU52 HB-HOT, Baujahr 1939, die das ganze Wochenende für Erlebnisreisen im Tessin im Einsatz sein sollte. Die "Tante Ju" bietet 17 Passagieren Platz, sowie zwei Piloten und einer Flugbegleiterin. Der Flug war ausgebucht. Für den Absturz könnte, sagen Fachleute, die Hitze verantwortlich sein. Aber das seien derzeit nur Spekulationen. Warme Luft ist dünner und beeinträchtigt die Leistung der Maschine Sie kann weniger schnell steigen und der Kurvenradius ist größer. Kleinflugzeuge müssten diesen Leistungsverlust kompensieren, indem sie das Gewicht der Zuladung reduzieren.  

Am Vormittag, kurz vor 10 Uhr stürzte in einem unzugänglichen Waldstück bei Hergiswil rund zehn Kilometer südlich von Luzern ein Kleinflugzeug ab. Das Umland fing Feuer. Ein Löschhubschrauber musste zuerst gegen die Flammen eingesetzt werden, ehe Bergungskräfte zur Unglücksstelle vordringen konnten. Für eine vierköpfige Familie kam jede Hilfe zu spät, teilte die Polizei in Nidwalden mit.

Bereits am 27. Juli ist um 16:45 Uhr eine vierplätzige Robin bei einem Rundflug von ca 3300 Metern über Meer auf den Mont-Durand-Gletscher im Wallis abgestürzt. Das Alarmsystem des Flugzeugs hatte Alarm ausgelöst, Rettungskräfte der Air Zermatt rückten aus, konnten aber nur noch den Tod des Piloten und seiner drei Passagiere feststellen. In der Robin saßen der Sohn des Piloten, sowie sein dänischer Schulfreund und dessen Mutter. Die Schweizer wollten aus Dankbarkeit der Gastfamilie, bei welcher der Pilotensohn sein Austauschjahr in Dänemark verbracht hatte, die Schönheit der Schweizer Alpen vor Augen führen.

Freitag, 3. August 2018

Der Durst

Der Durst - die Dürste:
Eine Kuh trinkt pro Tag 50 bis 100 Liter Wasser. In der Schweiz hat es seit April nicht mehr richtig geregnet, die Wasserquellen in den Bergen sind längst versiegt. Deshalb wird das Vieh auf den Alpweiden aus der Luft mit Wasser versorgt. Armeehubschrauber bringen das Wasser gänzlich unentgeltlich für die betroffenen Bauern in die Höhe. Die Flüge werden über das laufende Budget der Armee bezahlt und als Trainigsflüge für die Piloten verbucht. Das Wasser wird den Schweizer Seen entnommen. Zum Beispiel kürzlich dem Walensee, als eine Alp oberhalb von Weesen angeflogen wurde.

Donnerstag, 2. August 2018

Der August

Der August - die Augusta, die Augustine oder die Augusts? Der dumme August tritt im Zirkus auf. Aber meine Wäscheleine gehört im August traditionsgemäß der Schweiz. Ich berichte hier mit einem Tag Verspätung davon. Die Hitze verzögert Denken, Sprechen, Schreiben, Festhalten, Bearbeiten und so weiter. Der Monat soll seinen Namen nach dem römischen Kaiser Augustus bekommen haben - aber natürlich nur oder vor allem in den lateinischen Sprachen. Nicht im Polnischen. Und nicht in einigen helvetischen Dialekten. Wo er in Bezug zur Ernte steht, nicht zur Geschichte. 

Mittwoch, 1. August 2018

Die Wand

Die Wand - die Wände: Es gibt gläserne Wände, wie zB bei Marlen Haushofer. Oder Steinwände. Holzwände. Sichtwände, Trennwände, Schutzwände. Vor elf Jahren wurde der Stein aufgestemmt, ein Stahl-T-Träger eingesetzt, damit das Ganze sich aufrecht hält, und die Öffnung hübsch verkleidet. Nun wird das Hübsche entfernt, mit einfachen Handgriffen, der Stein nicht wieder aufgemauert, sondern Holz und Wolle und wasweißich verfüllt. Die Wand trennte einst zwei Häuser, die aneinandergebaut sind wie siamesische Zwillinge. Dann war sie offen und das Haus vereint. Heute wird sie wieder zugebaut. Und die Häuser gehen ihrer eigenen Wege wie mein Kater. Er hasst offenbar Handwerker und verzieht sich zu den Nachbar.
Die Tide hingegen hat sich gegen uns verschworen. Manchmal läuft sie in Riesenschritten durch den Tag, so dass hechelnd man kaum hinterherkommt. Und jetzt, wo wir alle sehnlichst darauf warten, dass das Hochwasser wieder einmal am Abend kommt, oder meinetwegen am frühen Morgen, direkt nach Sonnenaufgang, dümpelt es vor sich hin. Gestern HW 15:48, heute 16:19. Dazwischen liegen ganze einunddreißig Minuten! Glühende Hitze! Und manchmal reichen die Schritte über eine Stunde hinüber, zum Beispiel am 21.6.: Abendhochwasser um 19:53, am 22.6. um 21:01 = eine Stunde und acht Minuten! Oder am 23. April: HW 18:59, am 23. April: 20:20 = eine Stunde und einundzwanzig Minuten. Dafür braucht derzeit das Wasser etwa drei Tage und wir krepieren in der Mittagshitze.

Dienstag, 31. Juli 2018

Der heißeste Tag

Der heißeste Tag des Jahres, sagen alle, obwohl das Jahr gerade mal zur guten Hälfte um ist. Plötzlich reden sie auch von Dürre. Und von Katastrophe. Das Klima wird angeheizt. Ich fahre nicht zum Deich. Ich würde das nicht überleben. Ende der Badesaison mitten im Sommer!

Montag, 30. Juli 2018

Meldorfer Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

Sonntag, 29. Juli 2018

Nevelmaand

Ich bin mit den Gedanken anderswo. Der Köper schwitzt, der Kopf raucht. Herbst im kleinen SASS, im plattdeutschen Wörterbuch. Harvst. Und Herbstzeit Harvsttiet - beide mit 5 Konsonanten in Folge). Aber mir gefällt der Nevelmaand, dieser Nebelmonat, den keiner kennt und den ich brauche. Nicht nur für die Vorstellung von etwas erfrischend Feucht-Kühlem auf der Haut. Der Deich ist gesprenkelt mit bunten Menschen, das Wasser gesprenkelt mit dunklen Köpfen im Gegenlicht. Ich kann sie nicht alle fragen, ob sie ein poetisches Wort für den Monat November kennen.

Samstag, 28. Juli 2018

Das erste Gewitter

Ich habe vergessen, wann der letzte Regen fiel. Erleichterung. Abkühlung. Ein lange nicht gehörtes Geräusch: Regen, fallen, prasseln. Mal stark, mal schwach. Die Blitze sind weit weg, ebenso das Grollen. Der Garten atmet auf, die Luft atmet auf, das Haus atmet auf. Alles Wohltuende ist schnell vorbei. Die Regentonne wird trotzdem voll. Das Aufatmen hält an. Der Kater geht auf Regenpirsch. Er macht seinen Kontrollgang bei jedem Wetter. Kommt zum ersten Mal nass nach Hause.

Freitag, 27. Juli 2018

Blutmond

Er hat uns alle gefoppt. Wir standen zu Dutzenden, Hunderten auf dem Deich im warmen ablandigen Abendwind. Ich erwischte das letzte Sonnenuntergangslicht über Büsum und die andern starrten alle in die entgegengesetzte Richtung. Vergeblich! Eine gute halbe Stunde zähle ich heranfahrende Autos und mit monströsen Aufnahme- und Sichtgeräten bewaffnete Väter. Nichts. Nörgelnde Kinder. Blendende Autos. Die Rückfahrt erwies sich als leuchtendes Martyrium. Noch nie habe ich so viele Autos zum und vom Deich durchfahren sehen. Eine Frau winkte mir vom gegenüberliegenden Straßenrand zu und fragte, ob ich den Mond gesehen habe. Nein! Rief ich fröhlich. Aber vielleicht kommt er ja noch! Sie brach in schallendes Gelächter aus. Ich war bereits zu weit entfernt, um nachzufragen, was es da zu lachen gäbe. Tatsächlich sah ich den Mond erst, als ich die Bahnlinie überquert hatte, also wieder in meinem fernen Osten angekommen war. Die Nachbarn standen auf der Straße und zeigten mit ausgestreckten Armen in den Himmel. "Da! Da! Da! ist er". Ich sah ihn vor dem Schlafengehen noch lange allmählich aus dem Erdschatten treten und sein angestammtes kaltes Licht wieder gewinnen. Die Fahrt ans Meer war trotzdem nicht umsonst.Der Kater allerdings nimmt es mir offenbar übel, dass ich ihn so spät noch verlassen habe.

Donnerstag, 26. Juli 2018

Die letzte Nacht

Ich wollte draußen schlafen. Weil es drin zu warm ist. Und weil Herr Rasputin nunmehr die Nächte auch außerhalb des Hauses zu verbringen pflegt. Ich hatte alles bereit, mein outdoorbett, mein Sommeroutdoorschlafsack, den leichteren, nicht den dicken, angeblich arktische Kälte abwehrenden. Ich wollte nur noch die Zähne putzen. Wie man das in der zivilisierte Welt tut. Da kommt er die Treppe hoch. Weil er meine Absichten kennt. Und mit seinen kreuzt. Er legt sich erwartungsvoll schnurrend auf mein Bett.
Er verbrachte die ganze Nacht zu meinen Füßen. Will auch jetzt in der Früh nicht fressen, nicht einmal aufstehen, auch keinen kurzen Blick in Nachbars Garten werfen, wo sonst so viele Vögelchen seine Aufmerksamkeit stundenlang fesseln können. Nein, er scheint erschöpft, dick und satt. Muss offensichtlich verdauen. Weiß der Himmel - der war sternenklar und vorvollmondhell - was er noch vor Mitternacht erbeutet, zerlegt und aufgefressen hat.

Mittwoch, 25. Juli 2018

Die erste Maus

Ich dachte, ich müsste den Kater füttern, eh er auf seine nächtliche Streife geht. Ich müsste ihn stärken für das Katzendating. Ich bürstete ihn von allen Seiten am Nachmittag. Trotz unerträglicher Hitze. Damit er, der Neue, in der Nacht eine gute Figur abgibt. Lächerliche Menschengedanken, wird sich der räkelnde Kater gedacht haben, der meine Gedanken natürlich längst lesen kann!
Am Abend setze ich ihm einen Geflügelcocktail vor, Ente und Truthahn, den er restlos und ohne sich zu bedanken, wegputzt, ehe er, ohne sich noch einmal umzusehen, das Haus verlässt. Ich hinter ihm her, nicht zur Kontrolle, sondern zur Gießkanne. Zum Gartenschlauch. Zur Arbeit.
Unverhofft treffen wir eine halbe Stunde später an der Ostseite wieder aufeinander, laufen uns fast in die Arme, resp eher in die Beine. Ich stolpere über ihn, den Schwarzen, in der Dämmerung. Und staune: Mein Untermieter, Herr Rasputin geht nicht etwa fremd! Wildert nicht in fremden Gärten! Ist überhaupt nicht auf der Suche nach seiner Herzensdame. Oh nein, er bewacht mein Haus! Sein Revier! Macht Jagd auf Wühlmäuse und anderes Getier! Ich will sehen, was er in der Schnauze hat, aber er zeigt es mir nicht, verzieht sich unter den Rhododendron und macht sich, ich sehe es doch, genüsslich über seine Beute her. Ich ziehe mich zurück zu meinem Gartenschlauch. Wozu hab ich zehn Kilo vom besten Bio-Trockenfutter bestellt?

Dienstag, 24. Juli 2018

Hitze

Die Hitze wird schwer. Das Hochwasser kommt kurz vor Mittag. Der Wind hat sich verabschiedet. Der Weg zum Wasser glüht. Die Luft brennt auf der Haut. Die Nordsee ist braun und flockig, träge, fast spiegelglatt. Die Grenze am Horizont verschwindet. Ich weiß nicht mehr wo der Himmel anfängt und das Meer aufhört.

Montag, 23. Juli 2018

Meldorfer Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

Sonntag, 22. Juli 2018

Hitze

Gestern war es so unerträglich heiß und vorgewittrig schwül, dass sogar das Abendschwimmen ausfiel. Auch mein Ausflug nach Todenbüttel. Mein Kreislauf macht schlapp, der Blutdruck bestimmt unter Null. Kein Regen. Keine Entladung. Keine Abkühlung. Aber nun ist das Sonntagmorgenhochwasser da und Frieden am Deich. Wenig Wasser. Wenig Wind. Dreiviertelmond.

Samstag, 21. Juli 2018

Zuversicht

Rasputin hat die erste Nacht außer Haus verbracht. Ich übe mich in Gelassenheit. Dass er mittlerweile den Heimweg kennt. Dass er mittlerweile den Mechanismus der Katzenklappe versteht. Dass er mittlerweile weiß, wo er Futter und Streicheleinheiten bekommt.
Um halb sieben ist er einfach wieder da. Kommt frohgemut die Treppe hoch, begrüßt mich und legt sich zu meinen Füßen, fängt an, sich ausgiebig zu putzen. Ist also nicht einfach an seinem vollen Futternapf interessiert, den ich direkt hinter die Klappe gestellt habe.
Nun bin ich guter Dinge. Die Redensart, lese ich zum Aufwachen, kommt aus dem Mittelalter und bezieht sich nicht, wie man meinen könnte, auf das wie auch immer geartete „Ding“. Sondern kommt, wie so vieles, aus dem Mittelhochdeutschen. Aus der Sprachgeschichte. Das "Gedinge" bedeutete einst das „zuversichtliche Erwarten“. Etwas, was heute kaum noch einer kennt, und die, die es wieder beherrschen wollen, müssen es sich mühselig in teuren Selbstfindungs- und Persönlichkeitstrainingskursen wieder aneignen. Ich habe Rasputin und bin nun optimistisch, dass er nicht mehr wegläuft. Wohin auch? 

Freitag, 20. Juli 2018

Marktandacht

Marktandacht. Mit Schostakowitsch. Tanz! Dann Nilsson, Rathaus, Wasserverband. Alles vor  Dienstschluss. Man wird von einem zum anderen geschickt. Weil keiner sich zuständig fühlt. Ich installiere einen Außenwasserzähler. Das macht nun jeder zweite Hausbesitzer, erklärte mir die Dame im Büro mürrisch. Ich hätte den Zähler genehmigen lassen müssen, bevor ich ihn anschaffe. Erklärt sie. Was machen Sie nun, fragt sie gereizt, wenn ich ihn nicht genehmige? Dann bringe ich ihn zu Nilsson zurück! Gebe ich bereitwillig zur Antwort. Nun geht es Schlag auf Schlag. Den Kassenzettel habe ich ja noch, triumphiere ich. Denn den wollte sie gesehen haben. Als ob nur rechtmäßig erstandene Gartenwasseruhren genehmigt und angeschraubt werden dürfen. So sehen die kleinen Machtkämpfe an einem Freitag vor dem heißesten Wochenende des Jahres in Meldorf aus. 

Donnerstag, 19. Juli 2018

Trennung

Manchmal ist die Linie am Horizont zum Hochwasserzeitpunkt messerscharf gezogen. Dann ist das Unten eindeutig vom Oben getrennt. Das Wattenmeer vom Himmel über dem Wattenmeer, das aufgelaufene Wasser von den herbeigeeilten Wolken, der Schein vom Sein. Dann ist die Welt in Ordnung und der Traum von der Wirklichkeit geschieden.

Mittwoch, 18. Juli 2018

Kälte

Starker Wind von West. Das Hochwasser kommt zeitlich angenehm am frühen Abend bei mildem Licht. Und mit ihm die Kälte vom offenen Meer. Kein Mensch weit und breit. Und wir zwei, H und ich. Ich mit Fahrrad, H mit Auto. Sie ist unruhig, weil sie glaubt, den Herd zu Hause nicht ausgeschaltet zu haben, Natürlich hat sie ihn ausgeschaltet. Wie immer. Ich schwimme nur zur Boje hin und wieder zurück. Die Wellen klatschen mir ins Gesicht und das Anziehen ist die reinste Zitterpartie.

Dienstag, 17. Juli 2018

Bäume

Den Bäumen geht es gut. Die Apfelernte dürfte üppig ausfallen, wie die Birnenernte und die Maronenernte und die Brombeerenernte in meinem Garten. Die Bäume, sagen die, die es wissen, sind "ausgeruht" vom letzten Jahr, da sie wenig oder gar nichts getragen haben. Wir dürfen uns also freuen und werden den Winter überstehen.

Montag, 16. Juli 2018

Meldorfer Mahnwache mit Nachklang im Dom

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg

20:00 Uhr: Klangsynthesen. Anne Michael spielt Werke von Philipp Glass, William Byrd, John Cage, Johann Sebastian Bach, Arvo Pärt sowie eigene Kompositionen an der Orgel und mit elektronischen Klangmaschinen. Meldorfer Dom

Sonntag, 15. Juli 2018

Bökerbus

Der Kater ist schon seit einer Stunde auf Streife. Zuerst etwas ungläubig, dass die Klappe tatsächlich aufgeht, wenn er sie anstupst. Dann etwas erschrocken, dass er draußen und ich drinnen bin. Und ade!
Ich stehe in der Küche und koche Tee, mache verschlafen das Radio an, höre vom blauen Bücherbus, dem Bökerbus, der einmal im Monat am Montag durch die nordfriesische Geest tourt, zweimal bei meinem Bäcker in Joldelund vorbeikommt, für die, die am Vormittag keine Zeit haben, noch einmal kurz vor Feierabend am Nachmittag. Dazwischen bedient er Haselund, Löwenstedt, Vollstedt, Norstedt, Drelsdorf, Högel und Goldebek. Die Leser kommen mit Taschen, Körben oder auch mal mit der Schubkarre und transportieren den Monatsvorrat an Lesestoff nach Hause.
https://www.ndr.de/info/sendungen/die_reportage/Harry-Potter-in-Joldelund,sendung784166.html

Samstag, 14. Juli 2018

Erster Spaziergang

Puh ist das aufregend. Einen Kater, einen schon älteren Herrn, in die Welt zu entlassen. Die Vorzeigeklappe ist eingebaut, aber Rasputin muss erst lernen, damit umzugehen. Sein Chip ist schon gespeichert und die Klappe öffnet sich nur noch für ihn, aber er muss trotzdem aktiv seinen Willen kundtun, das Haus wieder betreten zu wollen. Uff! Zweimal war er zwei Stunden weg und kam wieder, betrat das Haus aber über die offene Terrassentür. Wie bring ich's meinem Kater bei?

Freitag, 13. Juli 2018

Neumond

Es ist bitterkalt am Deich! Niemand wird es glauben wollen, wie wir, der harte Kern von Nacktschwimmerinnen, mitten im Juli bei Mitttagshochwasser am Wattenmeer schlottern. Ich fahre sofort zurück und krieche zu Hause unter die Bettdecke. Neumond und Freitag der Dreizehnte!

Donnerstag, 12. Juli 2018

Satz

Wer will schon einen Satz verstehen wie "Ich kenne die Schnittstelle rückwärts gebrochener Herzen"? Die Straße zum Deich ist gesperrt, wird ausgebessert, und das zur besten Schwimmzeit. Die Sonne trügt. Der Wind schürft. Die Haut. Auf.