Montag, 17. September 2018

Die Meldorfer Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

Hochwasser 18:50, Probe 19:30. Sonnenuntergang 19:34. Lufttemperatur 24°, Wind immer noch aus Südwest, mit Böen. Wassertemperatur am Mittag 15°, am Abend 16°!

Sonntag, 16. September 2018

Das Wasser

Das Wasser ist kalt. Aber noch nicht so kalt, dass es uns hindern würde, zu schwimmen. Die Flut läuft erst gegen Abend auf und ich fahre mit dem Fahrrad zum Deich, nachdem ich am Nachmittag in der größten Hitze angefangen habe, meinen Garten wintersicher zu machen. Noch ist alles möglich.

Samstag, 15. September 2018

Die Liebe

Die Liebe eines Katers zu der Person, die ihn füttert und streichelt, gipfelt darin, dass er ihr die Trophäen seiner frühmorgendlichen Jagd zu Füßen legt. Heute eine Wacholderdrossel. Gebrochenes Genick. Ganz viele flaumige Federn (hat sie noch um sich geschlagen?). Und die blutigen Innereien, die aus dem aufgebissenen Bauch hervorquellen. Auf dem Teppich in meinem Schlafzimmer. Vor meinem Bett. Der Kater liegt auf einem Stuhl und verfolgt aus sicherer Distanz und erhöhter Position geduldig mein Aufwachen.

Freitag, 14. September 2018

Das Wörterbuch

Ich sammle Alphabete. Wörterbücher. Bücher, deren Wörter alphabetisch angeordnet sind. Manchmal sind es auch keine Bücher. Aber doch Ordnungen. Und Alphabete-
Gestern am Wegrand gefunden (unterwegs in den dritten Stock des Hamburger Rathauses, in den langen Flur der SPD-Fraktion, wo vor dem Mikrophon die Fachsprecherin Kultur sprach):
The Critcal Dictionary of Southeast Asia von Ho Tzu Nyen. Derzeit im Kunstverein in Hamburg zu sehen. Eine "Raumgreifende Videoinstallation". Eine Auswahl aus mehreren tausend Stunden audio-visuellen Materials. Für mich Traummaterial für den Rest meines Lebens.
Aber guckt selbst, hier kann man sich durch das Alphabet klicken, oder es einfach in Gänze über einen hereinbrechen lassen
https://cdosea.org/#video/d
und hier kann man etwas lesen (in english)
http://www.vdrome.org/ho-tzu-nyen
und hier kann man etwas hören (in english: The Principle of Uncertainty / Untertitel in korean, I suppose)

Donnerstag, 13. September 2018

nackt


KUNST IN DER FRAKTION: NACKT

Andrea Cziesso – Karin Dahlke – Hadi Knütel – Sabine Reyer

Eröffnung: heute, 19.00 Uhr, Hamburger Rathaus,
SPD-Bürgerschaftsfraktion (3. Stock).

BEGRÜSSUNG
Gabi Dobusch, Vorsitzende im Kulturausschuss
Isabella Vértes-Schütter, Fachsprecherin Kultur

EINFÜHRUNG
Jürgen Havlik, Künstlerischer Leiter von Alles wird schön e.V.

Die Ausstellung kann im Anschluss noch bis zum 19. Oktober 2018, montags bis freitags, von 9.00 bis 17.00 Uhr besucht werden.

Nackt will Aufmerksamkeit wecken, nicht nur in der Werbung, auch in der Kunst. Überstrapaziert als erotische Offensive, Attacke auf das Schamgefühl, provozierter Bruch mit sozialen Erwartungen und Normen – aber ist Nackt nur Eyecatcher?

Den Künstlerinnen und Künstlern bleibt da die spannende Aufgabe, alle Facetten von Nackt zu untersuchen. Nackt ist mehr als unbekleidete Haut. Nackt ist existenziell, direkt, schutzlos, wahrhaftig. Nackt zielt auf die Essenz, das eigentlich Entscheidende, die Substanz, das Wesen.

Die Künstlerinnen und Künstler der Gruppe TSE TSE verbindet seit 1997 die Idee der Multiplikation der individuellen Möglichkeiten durch die Gemeinschaft – der Wunsch nach Kommunikation und der Entwicklung gemeinsamer Projekte. Dabei teilen sie keine Stilistik, gerade die Unterschiede in der künstlerischen Arbeit bilden ein Spannungsfeld, das die gemeinsame Auseinandersetzung mit einem Thema befruchtet.
www.andreacziesso.de l www.karindahlke.de l www.knuetel.com l www.sabinereyer.de

https://www.spd-fraktion-hamburg.de/aktuelles/termine/b/kunst-in-der-fraktion-1.html

Mittwoch, 12. September 2018

Guitar Heroes

Noch einmal, diesmal in Heide, heute Abend, 19 Uhr im Kino Lichtblick:

"Guitar Heroes in Joldelund. Internationale Bluesrockfestivals auf dem Dachboden meines Bio-Bäckers in Nordfriesland". Wer die Vorstellung im Meldorfer Kino verpasst hat, bekommt nun die einmalige Gelegenheit diesen Kult-Film über ein Kult-Festival in Heide zu sehen! Anwesend sein werden Jan Meier, der Regisseur und Gerd Lorenzen, Initiator und Macher des Festivals, im Hauptberuf Bäcker. Der Film sprüht vor Lebensfreude und Begeisterung, das "Handwerk" am Gitarrenspiel (und am Filmemachen) ist absolut sehens- und hörenswert.
https://kino-heide.de/kino/programm/city243/?scope=week

Dienstag, 11. September 2018

Regen

Es regnet. Es wird den ganzen Vormittag nicht richtig hell. Aber es ist warm. Und ich kann fast zusehen, wie das Gras wächst. Das Grün ist so intensiv, dass ich geblendet die Augen schließe. Die Meisen tummeln sich fröhlich am neuen Futterhäuschen. Irgendwie ist draußen Aufbruchstimmung, drinnen hingegen Stimmung zum Drinnenbleiben. Mittagsschlaf statt Nordsee.

Montag, 10. September 2018

Mahnwache

Hochwasser 14:05. Der Himmel ist grau, das Wasser frisch. Ein Mann sagt, das sei heute wohl das letzte Mal. Ich schaue ihn erstaunt an. Abbaden? Noch lange nicht!

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

Sonntag, 9. September 2018

Neumond

Schon wieder. Neumond. Endlich wieder Wasser. Am hellen Mittag. Springtide. Aufgewühlt. Eiskalt. Endlich wieder Wetter. Die Luft ist so milde, dass ich 5 Minuten auf dem Deich an der Sonne liegen bleibe, ehe ich mich auf den Heimweg mache.

Samstag, 8. September 2018

Das Taubennest

Zwei verliebte Turteltauben meinten, sie müssten nun im September noch ein Nest in meiner Edelkastanie bauen. Ich kann das nicht gutheißen. Erstens fangen sie es zur Unzeit damit an, zweitens tun sie es erstaunlich stümperhaft, drittens an einer so frei zugänglichen Stelle, dass Rasputin als Nesträuber ein leichtes Spiel gehabt hätte, viertens offenbar mit dem falschen Material, fünftens ohne Klebstoff, denn die Stöckchen fallen ständig in meinen wild wachsenden Rasen. Heute Mittag mache ich dem Liebestreiben in einer Regenpause entschlossen ein Ende. Zerschlage das Gestrüpp mit einem langen Bambusstock, bücke mich nach den Bestandteilen aus meiner Ligusterhecke und werfe alles in die Biotonne. Deckel zu.
Es ist Abend geworden und ich habe die Viecher nicht mehr gesichtet. Das Wetter ist endgültig nicht mehr frühlingshaft, die Böen bitterböse.

Freitag, 7. September 2018

déjà-vu

Zum wievielten Mal? Vor zwei Jahren saß ich bei Maischberger im Studio mit einem der verantwortlichen Ärzte des Klinikums Oldenburg und der Tochter einer von über Hundert durch die Hand des Pflegers Niels H. getöteten PatientInnen. Vor über zehn Jahren saß ich bei Maischberger neben dem ärztlichen Leiter der Charité als eine Betroffene - die Schwiegertochter eines auf der kardiologischen Intensivstation der Berliner Charité getöteten Patienten. Wir beide waren so platziert, dass sich unsere Knie ständig fast berühren mussten. Ich war die ganze Zeit nur darauf bedacht, jeder seiner Bewegungen aus dem Weg zu gehen und jeden Körperkontakt mit diesem Menschen zu verhindern. Er war nervös, innerlich angespannt. Versteht sich. Er konnte keine Sekunde ruhig sitzen. Und ich auch nicht!
Und? Meine Lieblingsfrage, auf die es keine Antwort gibt.
Nichts. Mittlerweile ist Gras über die Sache gewachsen.
Natürlich wurde auch die Berliner Täterin von anderen Kliniken "weggelobt" und "hochgelobt", damit die Sache aus dem einen Haus war und die weiße Weste waschmittelreklameweiß blieb. Natürlich würde man mit dem Wissen von heute womöglich anders handeln. Sicher ist das aber keineswegs. Natürlich steckt der Teufel im Detail und natürlich gibt es keine Mutter unserer Probleme. Das Böse hockt in jedem von uns. Niels H. hat so viele Patienten umgebracht, dass einem die Haare zu Berge stehen. Weggeschaut wurde so lange, dass einem auch die Haare zu Berge stehen. Aber nicht die Masse macht es. Schon bei einem einzigen durch eine Pflegekraft getöteten Patienten stehen mir die Haare (erneut) zu Berge. Schon nach einem einzigen durch bürokratische Schlamperei vertanen Tag ...
Aber hört selbst, lest selbst:
https://www.deutschlandfunk.de/mord-im-krankenhaus-er-arbeitete-umsichtig-und-gewissenhaft.1247.de.html?dram:article_id=423075

Donnerstag, 6. September 2018

Mittwoch, 5. September 2018

Frühschwimmen

Zweimal im Monat kommt nach dem Abendschwimmen das Frühschwimmen, so dass ich mir eigentlich den Weg sparen könnte und am Deich übernachten sollte. Alles ist nass. Morgennebel.

Dienstag, 4. September 2018

Das Mitbringsel

Büroklammer

Ich brauche immer lange, bis ich alle Taschen geleert und alle Krumen herausgeschüttelt habe. Es ist warm. Und mein Vater wäre heute 94 Jahre alt geworden. Er lebt seit fast 21 Jahren nicht mehr. Diese Zahlen bedeuten gar nichts.
Ich habe den ganzen Tag Zeit, meine Taschen zu leeren und die letzten Krumen zusammenzukehren. Tomaten zu ernten, Rasen zu mähen. Zum Abendhochwasser fahre ich mit dem Fahrrad an den Deich. Ich gehe ganz allein baden. Das Wasser fällt wie Seide von meinem Körper.

Das Besondere am Mitbringsel ist seine Dimension: die Übergröße ist exakt vorgegeben und nicht veränderbar. Sowie das Wesen: upcycling aus einer Fahrradspeiche.

Montag, 3. September 2018

Montag - Mahnwache

Ich kann vor Erschöpfung nicht schlafen. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen. Aber der Morgennebel ist schon zu sehen. Es ist September geworden. Das Gras ist grasgrün und steht ziemlich hoch. Für die Jahreszeit. Die Äpfel sind vorzeitig rot, die Birnen saftig. Die Meisen haben endlich das neue Futterhäuschen entdeckt und während meiner Abwesenheit halbleergepickt. Die Baselbieter Röteli am Wattenmeer blühen und blühen und blühen.

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

Sonntag, 2. September 2018

Sonntag - Das Grab

Ich sitze eine Stunde auf dem Friedhof und schaue abwechselnd in den Himmel und auf den Schleifenberg. Nomen est omen. Die Gedanken ziehen Kreise. Schleifen sich ab. Meine Geschwister haben unseren Eltern das gemeinsame Leben im Jenseits so präpariert, dass der Streit auch dort ewig weitergehen kann. Hier sorgen sie selbst dafür, dass er nie versiegt. Nur mich erreicht er nicht mehr. Ich habe meine Familie schon lange verlassen. Etwa so, wie man einen fahrenden Zug, etwa den Orient Express, oder die Transsibirische Eisenbahn, irgendwann, spontan oder geplant, an einer vorgesehenen oder unvorgesehenen Haltestelle verlässt. Der Zug fährt weiter, denn das ist seine Aufgabe. Er hat kein Ziel. Nur eine Richtung. Und die kann er jederzeit ändern. Ich steige in Liestal in den EC, der mich ohne Umsteigen nach Hamburg bringt. Ich bin auf dem Weg zurück ans Wattenmeer. Kurz vor Harburg, es ist kurz vor Mitternacht, meldet mein Smartphone, dass der letzte Zug nach Westerland ausfällt. Auf so eine App ist immer Verlass. Auf die Deutsche Bahn auch. Sie bezahlt das Taxi, das mich und zwei weitere Reisende, einen Dithmarscher und einen Nordfriesen, nach Hause bringt. Im Dunkel der Nacht schließe ich meine Tür auf - Rasputin wartet im Flur.

Samstag, 1. September 2018

Samstag - Der Jazz

Willisau. Das 44. Jazzfestival. Schon seit Mittwoch. Aber ich bin erst seit gestern dabei. Heute Nachmittag eine Stunde lang non stop Fredy Studer Solo am Schlagzeug! Und dann bis in die Nacht hinein ...
... more about FS (der Luzerner sprach das Willisauerpublikum witzigerweise in perfect Englisch an) only in German: http://fredystuder.ch/images/pix_press/jnm_04_2018_pages_26_32.pdf

Freitag, 31. August 2018

Freitag - Die Schuhe

Weiterreise. Vom Bögliland ins Fölmiland. Es regnet. Angeblich regnet es in Buchsi immer. Ich bin auf Schuhsuche. Der kürzeste Weg führt immer noch vom Bahnhof über den Friedhof zum Haus der Schuhmacherheiligen, der Crispinbrüder.

Donnerstag, 30. August 2018

Donnerstag - Der Auftritt

Die Nacht im "Kreuz" verlief, wer hätte es anders erwartet, traumlos. Eingeschlafen bin ich mit Regen. Geweckt wurde ich vom Frühverkehr. Heute Abend steige ich in den Keller und erzähle von Polen.
http://www.amiet-hesse-weg.ch/de/das-leben-und-reisen-der-lina-boegli
http://www.amiet-hesse-weg.ch/de/anlaesse

Mittwoch, 29. August 2018

Mittwoch - Das Kreuz

Der Versuch einer Weiterreise. Ich bin unterwegs in die Schweiz. Ein paar Stunden Aufenthalt in Basel. Dann im schlimmsten Feierabendverkehr Umsteigen am swiss-drehkreuz Olten von Gleis 12 auf 9. Ankunft zum zNacht in Herzogenbuchsee. Untergebracht bin ich im "Kreuz", natürlich im Bögli-Zimmer. Kaum bin ich da, ergießt sich Starkregen, und ein krachendes Gewitter löst alle Spannungen auf.

Dienstag, 28. August 2018

Dienstag

Der Versuch einer Reise von Meldorf nach Weinheim. Ich fahre mit dem ersten Zug, der mich nach Hamburg bringt, um den Anschluss nicht zu verpassen. Einer davor ist schon ausgefallen. Kein Personal. Ich verbringe die Wartezeit schreibend in der Lounge am Hauptbahnhof, das ist immerhin netter als im Regen irgendwo mitten auf der Strecke. Dann gibt es eine Stellwerksstörung und erstmal steht alles still. Dann werden im Zug keine Reservierungen angezeigt und jeder setzt sich einfach hin, wo er gerade kann. Dann komme ich schließlich doch an. Mit einer Verspätung von einer Stunde mitten in den Weinbergen.

Montag, 27. August 2018

Montag - Am Wattenmeer

Der letzte Gang ans Wattenmeer in diesem Monat. Die Nordsee hat aufgefrischt. Der Wind auch. 18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

Sonntag, 26. August 2018

Der Vollmond

Die Welt am Wattenmeer ging unter heute Vormittag. Sintflutartiger Regen. Nun hat sich alles beruhigt und die Sonne scheint. Ich fahre nach Heide zur Probe. Das ist das Neue an diesem Sonntag: dass wir wieder singen. Dass die Züge wieder fahren. Dass man sich wieder vor die Tür wagen kann.

Samstag, 25. August 2018

Der Wortschatz

Aus dem Wortschatz der Bahnpendler:
Mein Zug fällt aus. Ich wollte nur unschuldigerweise am Samstag Nachmittag zur Frauenprobe nach Heide fahren. Es kommt ein BNV oder SEV. Manchmal wird auch ein Ersatzpark eingesetzt. Oder das Zugpersonal ist bei der Störungsbehebung. Heute kommt ein Taxi und der Fahrer ist altklug. Weist mich darauf hin, dass meine Bahncard nicht unterschrieben ist und er, wäre er ein Schaffner der Deutschen Bahn, sie einziehen könnte. Aber er ist Taxifahrer. Irgendein Zug steht mir Luftverlust zwischen Keitum und Morsum. Andere rasen aufgrund diverser verlegter Kreuzungen mit Verspätungen auf ihr Ziel zu. Es gibt Ausfälle wegen Parkmangel. Und Parkmangel wegen Lokstörung. Ein Ausfall kommt zB durch einfache Krankmeldung eines Lokführers zustande. Bereitschaftsdienst war vorgestern. Eine Verspätung hingegen kann auch einfach nur deshalb zustandekommen und ins Unendliche anschwellen, weil eine Lok mit Lokführer in Westerland noch tanken muss. Die Folge davon ist, wie TP Kiel mitteilt, eine Fahrzeugstörung. Eine Stilblüte der besonderen Art ist die "Verzögerung im Betriebsablauf", der bewirkt heute sage und schreibe ab sofort den Ausfall sämtlicher Züge nach Wrist (ab Elmshorn 14:19, 15:19, 16:19, 17:19, 18:23, 19:19, 20:19, 21:19). Wer noch nicht Feierabend hat, ist selber schuld.

Freitag, 24. August 2018

Der Schuppen

Der Schuppen, der am Deich seit dem letzten Sturm windschief auf den Beinen steht, ist vernagelt. Wir wollten ihn als Umkleidekabine nutzen. Aber er ist einbruchsicher stabilisiert. Wir klettern nackt über den Deich. Der Regen peitscht uns ins Gesicht. Das Wasser ist wütend und warm. Ich schwimme nur noch eine krumme Gerade und das ist halsbrecherisch genug. Und dann kommt die Sonne und wärmt und trocknet. So, als sei gar nichts gewesen.

Donnerstag, 23. August 2018

Das Fahrrad

Das Fahrrad muss wieder einmal ausgeführt werden. Das Wetter ist unbeständig. Der Himmel grau. Der Wind hartnäckig. Ich auch. Die erste Probe in Meldorf. Der Sommer ist unweigerlich vorbei. Als ich gerade nach Hause kam, ohne Rücklicht (Wackelkontakt, ich brauchte es die letzten Monate nie) um die Straßenecke bog, rief ich meinen Nachtschwärmer. Ich habe keine Ahnung, wo er sich in der Dunkelheit herumtreibt. Rasputin ist schwarz wie die Nacht. Aber bis ich die die Tür aufgeschlossen, das Fahrrad zur Nacht gebettet habe, kommt er tatsächlich schwankend mit seinen X-Beinen zur Tür herein.

Mittwoch, 22. August 2018

Der Boden

Der Boden. Unter den Füßen. Sauberer Estrich. Mit Resten von Teppichkleber. Der Boden wird heute neu verlegt. Der Kater sucht das Weite. Wie immer, wenn Handwerker da sind. Ich fahre ans Meer. Der Teppichboden war halb so alt wie ich. Und die Fluchten sind noch älter. Die Zimmerfluchten. Die Bodenfluchten. Die Katerfluchten. Die Wasserfluchten. Das ständige Auf und Ab der Tide.

Dienstag, 21. August 2018

Kein Wasser

Es läuft wie immer bei Dreiviertelmond so wenig Wasser auf, dass sich der Gang an den Deich nicht lohnt. Ich widme mich stattdessen meinem Rasen. Er lag so lange trocken und verschmäht da. Nun ist endlich wieder Zeit für den Rasenmäher gekommen. Ein lange nicht gehabtes Vergnügen! Lange nicht gehörte Geräusche. Rundum. Durch die ganze Nachbarschaft.

Montag, 20. August 2018

Die Mahnwache

Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg  18:00-18:30 Uhr Südermarkt

Zur Lage an der Marschbahn soviel:
"Guten Morgen, bitte schaut, ob Eure Züge heut fahren. Es fällt eine Menge aus. Und das wo heute Schulanfang ist ..." (04:58 Uhr)
"Ausfall 11000 : Grund: 8 eingeschlagene Notausstiegsfenster" (08:06 Uhr)
"Ausfall 4192" (07:16 Uhr)
"Ausfall 11065, 11056, 110678, 11064. Grund: Fehlender Wagenpark durch Vandalismus" (07:23 Uhr) 
"Ausfall 11058. 11015 steht mit einer Fahrzeugstörung in Lehnshallig" (09:09 Uhr)
Für den Rest des Tages gucke ich nicht mehr ins Netz sondern nur noch aus dem Fenster!

Sonntag, 19. August 2018

Der Glaube

Am Sonntag. Die Hoffnung. Am Sonntag. Die Liebe. Am Sonntag. Ausflug über den Kanal und über die Autobahn. Zu Gänsen, Hühnern, Schafen, Pferden und Schweinen. Und jetzt endlich wieder die Nordsee auf der Haut.
Und danach eben das: Kaum zu glauben (für alle, die fernsehen): https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/Kaum-zu-glauben,sendung803348.html

Samstag, 18. August 2018

Der Rasen

Das Rasen war schon. Nun folgt der Rasen: Er hat sich erstaunlich schnell von der Trockenheit erholt und ist gerade die reinste Augenweide! Das Grün frisch wie im Frühjahr, und die Rasenmäher brummelig wie eh und je. Ich verbringe den Tag im Garten, mit Äpfeln, Brombeeren und Wespen, und lasse das Hafenfest Hafenfest sein, auch auf das Schwimmen verzichte ich. Besuch ist angekündigt und ich schicke Geburtstagsglückwünsche ins Fölmliland.

Freitag, 17. August 2018

Der Herbst

Abendschwimmen. Der Halbmond steht über dem Wasser. Der Heimweg ist schon empfindlich kühl. Feucht. So fühlt sich der Herbst an. Mit Rückenwind komme ich schnell ans Ziel. Der Halbmond steht nun über meinem Garten.

Donnerstag, 16. August 2018

Das Holz

Ich fahre vor dem Hochwasser. Ich weiß, dass so viel Wasser aufläuft, dass man insgesamt fast vier Stunden Schwimmen kann. Aber soviel Zeit habe ich nicht. Das Wasser glitzert und blendet. So hell war es schon lange nicht mehr. So voll. So mild. Jetzt kann man die Sonne wieder ertragen, sagt jemand. Dann muss ich wieder zurück. Weil bereits Interessenten das geteilte Haus angucken. Den einen ist die Küche zu klein, den andern zu groß. Den einen passt das nicht, den anderen jenes. Und die letzten sagen, es ist zu viel Holz. Einfach zu viel Holz an den Decken. 

Mittwoch, 15. August 2018

Die Reise

Die Reise ans Meer. Immer wieder. Wie ein Mantra. Die immer selbe Strecke. Früher fuhr ich gelegentlich noch durch die Kartoffelfelder nach Nordermeldorf. Oder auf dem Hinweg an der Heißmangel vorbei. In diesem Jahre fahre ich zielgerichtet. Geradeaus. Durch den Speicherkoog. Hin und her. Auf meiner Reise ans Meer.
Die einzige Abwechselung, die ich mir erlaube, besteht darin, dass ich auf dem Hinweg auf dem holperigen Fahrradweg fahre. Er ist von Wurzeln zerfurcht, der Asphalt an vielen Stellen aufgeplatzt, alle Unterschriften an die Stadt halfen nichts. Nur für die Autos wurde vor ein paar Jahren ein aalglatte Fahrbahn hergestellt. Die zum Rasen einlädt. Obwohl es eine Geschwindigkeitsbeschränkung gibt. Und links und rechts sich der Nationalpark ausbreitet, reiche Vogelschutzgebiete, Rast- und Rückzugsflächen für müde Durchzügler und Dauergäste.
Zurück fahre ich immer auf der Straße. Egal zu welcher Tageszeit. Und werde immer wieder von wütenden Rasern angehupt. Ich merke mir die Kennzeichen. Und werde sie irgendwann in einem Gesamtkunstwerk verewigen.
Ich komme spät los, aber ich weiß, dass genug Wasser da ist. Der Wind kommt von West und erschwert die Reise zusätzlich. Über Friedrichskoog regnet es bereits. Ich schwimme mein ungleichschenkliges Dreieck und fahre erhobenen Hauptes zurück.

Dienstag, 14. August 2018

Die Kuhhaut

Ich bin Mitglied einer öffentlichen fb-Gruppe "Bahnpendler Husum-Heide-Itzehoe-Hamburg". Obwohl ich nicht täglich pendle. Aber ab und zu benütze ich den Zug. Oder es will jemand vorbeikommen. Warten tue ich immer.
Heute also poetisches Zahlentheater: "Kollision mit einer Kuh zwischen Friedrichstadt und der Eiderbrücke". Man ahnt Böses! "11013 steht noch vor Friedrichstadt ..."; "11006 wird in Heide 11013. SEV von Heide ist bestellt, aber noch nicht bestätigt."; "11015 endet in Husum wegen der Streckensperrung. Fährt in den Fahrzeiten 11006 zurück nach Westerland."  "RE 11017: die Strecke ist zwischen Husum und Friedrichstadt gesperrt. Grund: Tiere im Gleis." "11008 wird noch in Heide zurückgehalten. Wartet auf Aufhebung der Sperrung." "Die Streckensperrung wurde gerade aufgehoben. Erste durchfahrende Züge 11017 ab Husum, 11008 ab Heide."
"11031 heute mit 6 Wagen, 11081 4 Wagen und 11035 6 Wagen."
"RB 11926 konnte leider nicht warten". So ist es meist.
"RE 11024 endet wegen Türstörung heute in Husum." Ach!  "Weiterfahrt mit RE 11026."
"RE 11039 fällt wegen Fahrzeugstörung bis Husum aus." Oh!
"Streckensperrung Hamburg <> Pinneberg aufgrund einer Oberleitungsstörung. Daher beginnt RE 11024 heute in Elmshorn. Zudem müssen Sie mit Verspätungen rechnen." Hmmm. "Eilmeldung: Aufgrund eines Oberleitungsschadens ist der Zugverkehr zwischen Pinneberg und Hamburg derzeit eingestellt. Hiervon betroffen sind auch die Regionalzüge von / nach Kiel, Flensburg und Westerland." Das heißt, es geht gar nichts mehr? Weder oben noch unten? Es folgen Updates im Minutentakt, lange und kurze. "Streckensperrung zwischen Pinneberg und Hamburg. (Oberleitungsschaden in Hmb-Langenfelde)." Prägnant zB so: "UPDATE STRECKE IST GESPERRT!" und jetzt, vor dem Abendregen: "Strecke Pinneberg <> Hamburg bleibt voraussichtlich bis morgen früh um 6:00 gesperrt."
Und die Kuh aus der ersten Meldung? Die Tiere im Gleis?

Montag, 13. August 2018

Die Mahnwache

Heute fällt die Tageslänge unter 15 Stunden. Die Sonne geht gerade auf. Man friert zuweilen schon wieder. Zieht Euch also warm an zur
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg  18:00-18:30 Uhr Südermarkt

Sonntag, 12. August 2018

Die Preisverleihung

Kaffeekränzchen am Nachmittag. Spießrutenlaufen der Lokal- und Kreispolitiker. Treppauf. Treppab. Auf das Podium in der Ditmarsia, vor ein Stehpult mit monströsem Mikrophon. Trotzdem hab ich nur die Hälfte der Worte verstanden. Aber auch auf die konnte getrost verzichtet werden. Der 10. Meldorfer Culturpreis wurde an Sabine Kramer verliehen für ihre Stahlskulptur "Dickicht und Lichtung" (mehr hier: http://juditharlt.de/wp-content/uploads/2018/02/LUUD_juni18_S.4-5.pdf), der Publikumspreis an Ute Lübbe für ihr Schwarmprojekt, hunderte Medusen aus Plastikflaschenverschnitt und Strandgut. Wo weit - wo gut? Wo waren die Vertreter der Kultur dieser Stadt an diesem Nachmittag? Fernab. Im Urlaub!

Samstag, 11. August 2018

Frequenzen 18

Um 11:57 ist der Mond leer. Oder neu. Dann beginnt ein weiterer Anlauf. Noch regnet es in Strömen.
Um 17 Uhr soll der Himmel aufklaren. Dann kommt nach längerer Pause die Welt musikalisch wieder nach Meldorf: ab 17:30 Uhr Open Air Sommer-Musik-Fest FREQUENZEN18 auf dem Rathausplatz:

• 17:30 | BANDA INTERNATIONALE
• 19:00 | Umbaupause + Rahmenprogramm
• 19:30 | OPA!
• 21:00 | Umbaupause + Rahmenprogramm
• 21:30 | 17 HIPPIES
Danach open end after-show Party mit dem Datscha-Projekt im Bornholdt

Freitag, 10. August 2018

Der Sturm

H. und ich fahren zum Schwimmen. Nach mehreren Tagen Pause. Mit dem Auto, denn anders ist kein Vorwärtskommen Richtung Westen. Die Strandkörbe liegen auf der dem Wasser abgewandten Deichseite. In Einzelteilen. Die Mülleimer ebenso. Zerlegt. Der Müll zerstreut. Das ehemalige, seit zwei Saisons sinnlos am Wegesrand stehende Kassenhäuschen ist aus dem Lot geraten, hält sich windschief gerade noch so auf den eigenen vier Ecken. Der Rest, die Wände, das Dach, das Fensterchen, sind eingedrückt, zertrümmert. Da der Besuch der Nordsee an dieser Stelle nicht mehr kostenpflichtig ist, können die Bretter ohne Gefahr für die Öffentliche Hand abgetragen werden. Wir klettern nackt über den Deich, da wir fürchten, unsere Kleider würden weggeweht. Das Badetuch binden wir an die Dusche. Sie funktioniert nicht mehr. Wahrscheinlich ist die Leitung geplatzt. Dann stehen wir auf der Badetreppe in den Tosenden Wellen und klammern uns mit beiden Händen an das Geländer. Das Wasser kommt zu uns und über uns, wir brauchen gar nichts weiter zu tun.

Donnerstag, 9. August 2018

Der Hagel

Er kommt so schnell, nicht ganz unverhofft und doch überraschend, dass es der Kater nicht mehr nach Hause schafft. Er steht eine halbe Stunde später tropfend und zitternd vor der Haustür und putzt sich. Ich öffne die Tür, obwohl das gegen unsere Abmachung verstößt. Er ist selbstständig und kann das Haus durch die Klappe jederzeit nach eigenem Willen verlassen oder betreten. Er will aber gar nicht hereinkommen. Dreht widerwillig mehrere Pirouetten um sich selbst, setzt sich schließlich auf mein Zureden hin doch Fußmatte hinter der Tür. Schleckt dann zuerst den ganzen Regenguss, der über ihn gekommen ist, aus dem Fell. Ehe er sich heißhungrig über seinen Napf hermacht. Ein außerordentlich reinlicher Kater. Ob er in Helvetien sozialisiert wurde?

Mittwoch, 8. August 2018

Der Strömungsabriss

Ein bisschen Wind bringt Abkühlung ans Wattenmeer. Aber kaum Regen. Das Wasser läuft zum Vormittag auf. Ich bleibe zu Hause. Drüben, im neuen Haus, sind zwei Malerinnen zugange. Der Kater klettert über die Dächer wie ein Wiesel. Sobald er wieder festen Boden unter den Pfoten hat, kommt er zu mir hoch, steicht mir um die Beine unter dem Schreibtisch und erwartet eine Belohnung. Ein Strömungsabriss bringt jedes Flugzeug zum Absturz. Wenn die Luftströmung zusammenbricht, geht der Auftrieb verloren und jedes fliegende Objekt erliegt der Schwerkraft. Auch eine Tante Ju. Die Frage bleibt, was den Strömungsabriss verursacht haben könnte.

Dienstag, 7. August 2018

Das Martinsloch

Das Martinsloch gibt es nur einmal. Es gibt andere Öffnungen in den Felsen der Schweizer Alpen, in anderen geordneten oder ungeordneten geometrischen Formen, Spalten, Brüche, Ecken, Rhomben, Rauten ... Aber das kugelrunde Loch in den Tschingelhörnen oberhalb des Luftkurortes Elm ist einmalig. Der Heilige Martin soll es einst im Zorn über die Schlechtigkeit der Menschen in den Stein gehauen haben. Ein Faustloch. Ein Faustpfand.
Dort also, unterhalb dieser magischen runden Öffnung, durch die im Frühjahr die Sonne nach dem langen Winter zum ersten Mal - sowie im Herbst vor demselben zum letzten Mal - die Elmer Kirchturmspitze trifft, ist die "Tante Ju" wie ein Stein senkrecht vom Himmel gefallen und zerschellt. Auf 2540 Metern über Meer, an der Westflanke des Piz Segnas, ziemlich genau auf der Grenze zwischen den Kantonen Graubünden und Glarus. Unter Martins ewigem Zornesauge!

Montag, 6. August 2018

Die Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

Sonntag, 5. August 2018

Die Tomate

Die Tomaten aus dem Baselbiet kranken, jedenfalls die Vorreiter, die ersten, die reif werden, haben alle einen faulen Fuß. Eine zuerst nur dunkle Stelle am unteren Ende der eiförmigen Frucht, die sich kontinuierlich hocharbeitet. Ich ernte sie und übergebe sie dem Gemüsebeet. Lebenddünger.
Heute wolkig und kühl. Erfrischend.

Samstag, 4. August 2018

Der Absturz

Der Absturz - die Abstürze:
Um 16:50 Uhr stürzt die "Tante Ju", wie sie im Volksmund genannt wird, am Bergfuß des Piz Segnas in der Nähe von Flims im Kanton Graubünden ab. Ein Oldtimer der Ju-Air, eine Junker JU52 HB-HOT, Baujahr 1939, die das ganze Wochenende für Erlebnisreisen im Tessin im Einsatz sein sollte. Die "Tante Ju" bietet 17 Passagieren Platz, sowie zwei Piloten und einer Flugbegleiterin. Der Flug war ausgebucht. Für den Absturz könnte, sagen Fachleute, die Hitze verantwortlich sein. Aber das seien derzeit nur Spekulationen. Warme Luft ist dünner und beeinträchtigt die Leistung der Maschine Sie kann weniger schnell steigen und der Kurvenradius ist größer. Kleinflugzeuge müssten diesen Leistungsverlust kompensieren, indem sie das Gewicht der Zuladung reduzieren.  

Am Vormittag, kurz vor 10 Uhr stürzte in einem unzugänglichen Waldstück bei Hergiswil rund zehn Kilometer südlich von Luzern ein Kleinflugzeug ab. Das Umland fing Feuer. Ein Löschhubschrauber musste zuerst gegen die Flammen eingesetzt werden, ehe Bergungskräfte zur Unglücksstelle vordringen konnten. Für eine vierköpfige Familie kam jede Hilfe zu spät, teilte die Polizei in Nidwalden mit.

Bereits am 27. Juli ist um 16:45 Uhr eine vierplätzige Robin bei einem Rundflug von ca 3300 Metern über Meer auf den Mont-Durand-Gletscher im Wallis abgestürzt. Das Alarmsystem des Flugzeugs hatte Alarm ausgelöst, Rettungskräfte der Air Zermatt rückten aus, konnten aber nur noch den Tod des Piloten und seiner drei Passagiere feststellen. In der Robin saßen der Sohn des Piloten, sowie sein dänischer Schulfreund und dessen Mutter. Die Schweizer wollten aus Dankbarkeit der Gastfamilie, bei welcher der Pilotensohn sein Austauschjahr in Dänemark verbracht hatte, die Schönheit der Schweizer Alpen vor Augen führen.

Freitag, 3. August 2018

Der Durst

Der Durst - die Dürste:
Eine Kuh trinkt pro Tag 50 bis 100 Liter Wasser. In der Schweiz hat es seit April nicht mehr richtig geregnet, die Wasserquellen in den Bergen sind längst versiegt. Deshalb wird das Vieh auf den Alpweiden aus der Luft mit Wasser versorgt. Armeehubschrauber bringen das Wasser gänzlich unentgeltlich für die betroffenen Bauern in die Höhe. Die Flüge werden über das laufende Budget der Armee bezahlt und als Trainigsflüge für die Piloten verbucht. Das Wasser wird den Schweizer Seen entnommen. Zum Beispiel kürzlich dem Walensee, als eine Alp oberhalb von Weesen angeflogen wurde.

Donnerstag, 2. August 2018

Der August

Der August - die Augusta, die Augustine oder die Augusts? Der dumme August tritt im Zirkus auf. Aber meine Wäscheleine gehört im August traditionsgemäß der Schweiz. Ich berichte hier mit einem Tag Verspätung davon. Die Hitze verzögert Denken, Sprechen, Schreiben, Festhalten, Bearbeiten und so weiter. Der Monat soll seinen Namen nach dem römischen Kaiser Augustus bekommen haben - aber natürlich nur oder vor allem in den lateinischen Sprachen. Nicht im Polnischen. Und nicht in einigen helvetischen Dialekten. Wo er in Bezug zur Ernte steht, nicht zur Geschichte. 

Mittwoch, 1. August 2018

Die Wand

Die Wand - die Wände: Es gibt gläserne Wände, wie zB bei Marlen Haushofer. Oder Steinwände. Holzwände. Sichtwände, Trennwände, Schutzwände. Vor elf Jahren wurde der Stein aufgestemmt, ein Stahl-T-Träger eingesetzt, damit das Ganze sich aufrecht hält, und die Öffnung hübsch verkleidet. Nun wird das Hübsche entfernt, mit einfachen Handgriffen, der Stein nicht wieder aufgemauert, sondern Holz und Wolle und wasweißich verfüllt. Die Wand trennte einst zwei Häuser, die aneinandergebaut sind wie siamesische Zwillinge. Dann war sie offen und das Haus vereint. Heute wird sie wieder zugebaut. Und die Häuser gehen ihrer eigenen Wege wie mein Kater. Er hasst offenbar Handwerker und verzieht sich zu den Nachbar.
Die Tide hingegen hat sich gegen uns verschworen. Manchmal läuft sie in Riesenschritten durch den Tag, so dass hechelnd man kaum hinterherkommt. Und jetzt, wo wir alle sehnlichst darauf warten, dass das Hochwasser wieder einmal am Abend kommt, oder meinetwegen am frühen Morgen, direkt nach Sonnenaufgang, dümpelt es vor sich hin. Gestern HW 15:48, heute 16:19. Dazwischen liegen ganze einunddreißig Minuten! Glühende Hitze! Und manchmal reichen die Schritte über eine Stunde hinüber, zum Beispiel am 21.6.: Abendhochwasser um 19:53, am 22.6. um 21:01 = eine Stunde und acht Minuten! Oder am 23. April: HW 18:59, am 23. April: 20:20 = eine Stunde und einundzwanzig Minuten. Dafür braucht derzeit das Wasser etwa drei Tage und wir krepieren in der Mittagshitze.

Dienstag, 31. Juli 2018

Der heißeste Tag

Der heißeste Tag des Jahres, sagen alle, obwohl das Jahr gerade mal zur guten Hälfte um ist. Plötzlich reden sie auch von Dürre. Und von Katastrophe. Das Klima wird angeheizt. Ich fahre nicht zum Deich. Ich würde das nicht überleben. Ende der Badesaison mitten im Sommer!

Montag, 30. Juli 2018

Meldorfer Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

Sonntag, 29. Juli 2018

Nevelmaand

Ich bin mit den Gedanken anderswo. Der Köper schwitzt, der Kopf raucht. Herbst im kleinen SASS, im plattdeutschen Wörterbuch. Harvst. Und Herbstzeit Harvsttiet - beide mit 5 Konsonanten in Folge). Aber mir gefällt der Nevelmaand, dieser Nebelmonat, den keiner kennt und den ich brauche. Nicht nur für die Vorstellung von etwas erfrischend Feucht-Kühlem auf der Haut. Der Deich ist gesprenkelt mit bunten Menschen, das Wasser gesprenkelt mit dunklen Köpfen im Gegenlicht. Ich kann sie nicht alle fragen, ob sie ein poetisches Wort für den Monat November kennen.

Samstag, 28. Juli 2018

Das erste Gewitter

Ich habe vergessen, wann der letzte Regen fiel. Erleichterung. Abkühlung. Ein lange nicht gehörtes Geräusch: Regen, fallen, prasseln. Mal stark, mal schwach. Die Blitze sind weit weg, ebenso das Grollen. Der Garten atmet auf, die Luft atmet auf, das Haus atmet auf. Alles Wohltuende ist schnell vorbei. Die Regentonne wird trotzdem voll. Das Aufatmen hält an. Der Kater geht auf Regenpirsch. Er macht seinen Kontrollgang bei jedem Wetter. Kommt zum ersten Mal nass nach Hause.

Freitag, 27. Juli 2018

Blutmond

Er hat uns alle gefoppt. Wir standen zu Dutzenden, Hunderten auf dem Deich im warmen ablandigen Abendwind. Ich erwischte das letzte Sonnenuntergangslicht über Büsum und die andern starrten alle in die entgegengesetzte Richtung. Vergeblich! Eine gute halbe Stunde zähle ich heranfahrende Autos und mit monströsen Aufnahme- und Sichtgeräten bewaffnete Väter. Nichts. Nörgelnde Kinder. Blendende Autos. Die Rückfahrt erwies sich als leuchtendes Martyrium. Noch nie habe ich so viele Autos zum und vom Deich durchfahren sehen. Eine Frau winkte mir vom gegenüberliegenden Straßenrand zu und fragte, ob ich den Mond gesehen habe. Nein! Rief ich fröhlich. Aber vielleicht kommt er ja noch! Sie brach in schallendes Gelächter aus. Ich war bereits zu weit entfernt, um nachzufragen, was es da zu lachen gäbe. Tatsächlich sah ich den Mond erst, als ich die Bahnlinie überquert hatte, also wieder in meinem fernen Osten angekommen war. Die Nachbarn standen auf der Straße und zeigten mit ausgestreckten Armen in den Himmel. "Da! Da! Da! ist er". Ich sah ihn vor dem Schlafengehen noch lange allmählich aus dem Erdschatten treten und sein angestammtes kaltes Licht wieder gewinnen. Die Fahrt ans Meer war trotzdem nicht umsonst.Der Kater allerdings nimmt es mir offenbar übel, dass ich ihn so spät noch verlassen habe.

Donnerstag, 26. Juli 2018

Die letzte Nacht

Ich wollte draußen schlafen. Weil es drin zu warm ist. Und weil Herr Rasputin nunmehr die Nächte auch außerhalb des Hauses zu verbringen pflegt. Ich hatte alles bereit, mein outdoorbett, mein Sommeroutdoorschlafsack, den leichteren, nicht den dicken, angeblich arktische Kälte abwehrenden. Ich wollte nur noch die Zähne putzen. Wie man das in der zivilisierte Welt tut. Da kommt er die Treppe hoch. Weil er meine Absichten kennt. Und mit seinen kreuzt. Er legt sich erwartungsvoll schnurrend auf mein Bett.
Er verbrachte die ganze Nacht zu meinen Füßen. Will auch jetzt in der Früh nicht fressen, nicht einmal aufstehen, auch keinen kurzen Blick in Nachbars Garten werfen, wo sonst so viele Vögelchen seine Aufmerksamkeit stundenlang fesseln können. Nein, er scheint erschöpft, dick und satt. Muss offensichtlich verdauen. Weiß der Himmel - der war sternenklar und vorvollmondhell - was er noch vor Mitternacht erbeutet, zerlegt und aufgefressen hat.

Mittwoch, 25. Juli 2018

Die erste Maus

Ich dachte, ich müsste den Kater füttern, eh er auf seine nächtliche Streife geht. Ich müsste ihn stärken für das Katzendating. Ich bürstete ihn von allen Seiten am Nachmittag. Trotz unerträglicher Hitze. Damit er, der Neue, in der Nacht eine gute Figur abgibt. Lächerliche Menschengedanken, wird sich der räkelnde Kater gedacht haben, der meine Gedanken natürlich längst lesen kann!
Am Abend setze ich ihm einen Geflügelcocktail vor, Ente und Truthahn, den er restlos und ohne sich zu bedanken, wegputzt, ehe er, ohne sich noch einmal umzusehen, das Haus verlässt. Ich hinter ihm her, nicht zur Kontrolle, sondern zur Gießkanne. Zum Gartenschlauch. Zur Arbeit.
Unverhofft treffen wir eine halbe Stunde später an der Ostseite wieder aufeinander, laufen uns fast in die Arme, resp eher in die Beine. Ich stolpere über ihn, den Schwarzen, in der Dämmerung. Und staune: Mein Untermieter, Herr Rasputin geht nicht etwa fremd! Wildert nicht in fremden Gärten! Ist überhaupt nicht auf der Suche nach seiner Herzensdame. Oh nein, er bewacht mein Haus! Sein Revier! Macht Jagd auf Wühlmäuse und anderes Getier! Ich will sehen, was er in der Schnauze hat, aber er zeigt es mir nicht, verzieht sich unter den Rhododendron und macht sich, ich sehe es doch, genüsslich über seine Beute her. Ich ziehe mich zurück zu meinem Gartenschlauch. Wozu hab ich zehn Kilo vom besten Bio-Trockenfutter bestellt?

Dienstag, 24. Juli 2018

Hitze

Die Hitze wird schwer. Das Hochwasser kommt kurz vor Mittag. Der Wind hat sich verabschiedet. Der Weg zum Wasser glüht. Die Luft brennt auf der Haut. Die Nordsee ist braun und flockig, träge, fast spiegelglatt. Die Grenze am Horizont verschwindet. Ich weiß nicht mehr wo der Himmel anfängt und das Meer aufhört.

Montag, 23. Juli 2018

Meldorfer Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

Sonntag, 22. Juli 2018

Hitze

Gestern war es so unerträglich heiß und vorgewittrig schwül, dass sogar das Abendschwimmen ausfiel. Auch mein Ausflug nach Todenbüttel. Mein Kreislauf macht schlapp, der Blutdruck bestimmt unter Null. Kein Regen. Keine Entladung. Keine Abkühlung. Aber nun ist das Sonntagmorgenhochwasser da und Frieden am Deich. Wenig Wasser. Wenig Wind. Dreiviertelmond.

Samstag, 21. Juli 2018

Zuversicht

Rasputin hat die erste Nacht außer Haus verbracht. Ich übe mich in Gelassenheit. Dass er mittlerweile den Heimweg kennt. Dass er mittlerweile den Mechanismus der Katzenklappe versteht. Dass er mittlerweile weiß, wo er Futter und Streicheleinheiten bekommt.
Um halb sieben ist er einfach wieder da. Kommt frohgemut die Treppe hoch, begrüßt mich und legt sich zu meinen Füßen, fängt an, sich ausgiebig zu putzen. Ist also nicht einfach an seinem vollen Futternapf interessiert, den ich direkt hinter die Klappe gestellt habe.
Nun bin ich guter Dinge. Die Redensart, lese ich zum Aufwachen, kommt aus dem Mittelalter und bezieht sich nicht, wie man meinen könnte, auf das wie auch immer geartete „Ding“. Sondern kommt, wie so vieles, aus dem Mittelhochdeutschen. Aus der Sprachgeschichte. Das "Gedinge" bedeutete einst das „zuversichtliche Erwarten“. Etwas, was heute kaum noch einer kennt, und die, die es wieder beherrschen wollen, müssen es sich mühselig in teuren Selbstfindungs- und Persönlichkeitstrainingskursen wieder aneignen. Ich habe Rasputin und bin nun optimistisch, dass er nicht mehr wegläuft. Wohin auch? 

Freitag, 20. Juli 2018

Marktandacht

Marktandacht. Mit Schostakowitsch. Tanz! Dann Nilsson, Rathaus, Wasserverband. Alles vor  Dienstschluss. Man wird von einem zum anderen geschickt. Weil keiner sich zuständig fühlt. Ich installiere einen Außenwasserzähler. Das macht nun jeder zweite Hausbesitzer, erklärte mir die Dame im Büro mürrisch. Ich hätte den Zähler genehmigen lassen müssen, bevor ich ihn anschaffe. Erklärt sie. Was machen Sie nun, fragt sie gereizt, wenn ich ihn nicht genehmige? Dann bringe ich ihn zu Nilsson zurück! Gebe ich bereitwillig zur Antwort. Nun geht es Schlag auf Schlag. Den Kassenzettel habe ich ja noch, triumphiere ich. Denn den wollte sie gesehen haben. Als ob nur rechtmäßig erstandene Gartenwasseruhren genehmigt und angeschraubt werden dürfen. So sehen die kleinen Machtkämpfe an einem Freitag vor dem heißesten Wochenende des Jahres in Meldorf aus. 

Donnerstag, 19. Juli 2018

Trennung

Manchmal ist die Linie am Horizont zum Hochwasserzeitpunkt messerscharf gezogen. Dann ist das Unten eindeutig vom Oben getrennt. Das Wattenmeer vom Himmel über dem Wattenmeer, das aufgelaufene Wasser von den herbeigeeilten Wolken, der Schein vom Sein. Dann ist die Welt in Ordnung und der Traum von der Wirklichkeit geschieden.

Mittwoch, 18. Juli 2018

Kälte

Starker Wind von West. Das Hochwasser kommt zeitlich angenehm am frühen Abend bei mildem Licht. Und mit ihm die Kälte vom offenen Meer. Kein Mensch weit und breit. Und wir zwei, H und ich. Ich mit Fahrrad, H mit Auto. Sie ist unruhig, weil sie glaubt, den Herd zu Hause nicht ausgeschaltet zu haben, Natürlich hat sie ihn ausgeschaltet. Wie immer. Ich schwimme nur zur Boje hin und wieder zurück. Die Wellen klatschen mir ins Gesicht und das Anziehen ist die reinste Zitterpartie.

Dienstag, 17. Juli 2018

Bäume

Den Bäumen geht es gut. Die Apfelernte dürfte üppig ausfallen, wie die Birnenernte und die Maronenernte und die Brombeerenernte in meinem Garten. Die Bäume, sagen die, die es wissen, sind "ausgeruht" vom letzten Jahr, da sie wenig oder gar nichts getragen haben. Wir dürfen uns also freuen und werden den Winter überstehen.

Montag, 16. Juli 2018

Meldorfer Mahnwache mit Nachklang im Dom

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg

20:00 Uhr: Klangsynthesen. Anne Michael spielt Werke von Philipp Glass, William Byrd, John Cage, Johann Sebastian Bach, Arvo Pärt sowie eigene Kompositionen an der Orgel und mit elektronischen Klangmaschinen. Meldorfer Dom

Sonntag, 15. Juli 2018

Bökerbus

Der Kater ist schon seit einer Stunde auf Streife. Zuerst etwas ungläubig, dass die Klappe tatsächlich aufgeht, wenn er sie anstupst. Dann etwas erschrocken, dass er draußen und ich drinnen bin. Und ade!
Ich stehe in der Küche und koche Tee, mache verschlafen das Radio an, höre vom blauen Bücherbus, dem Bökerbus, der einmal im Monat am Montag durch die nordfriesische Geest tourt, zweimal bei meinem Bäcker in Joldelund vorbeikommt, für die, die am Vormittag keine Zeit haben, noch einmal kurz vor Feierabend am Nachmittag. Dazwischen bedient er Haselund, Löwenstedt, Vollstedt, Norstedt, Drelsdorf, Högel und Goldebek. Die Leser kommen mit Taschen, Körben oder auch mal mit der Schubkarre und transportieren den Monatsvorrat an Lesestoff nach Hause.
https://www.ndr.de/info/sendungen/die_reportage/Harry-Potter-in-Joldelund,sendung784166.html

Samstag, 14. Juli 2018

Erster Spaziergang

Puh ist das aufregend. Einen Kater, einen schon älteren Herrn, in die Welt zu entlassen. Die Vorzeigeklappe ist eingebaut, aber Rasputin muss erst lernen, damit umzugehen. Sein Chip ist schon gespeichert und die Klappe öffnet sich nur noch für ihn, aber er muss trotzdem aktiv seinen Willen kundtun, das Haus wieder betreten zu wollen. Uff! Zweimal war er zwei Stunden weg und kam wieder, betrat das Haus aber über die offene Terrassentür. Wie bring ich's meinem Kater bei?

Freitag, 13. Juli 2018

Neumond

Es ist bitterkalt am Deich! Niemand wird es glauben wollen, wie wir, der harte Kern von Nacktschwimmerinnen, mitten im Juli bei Mitttagshochwasser am Wattenmeer schlottern. Ich fahre sofort zurück und krieche zu Hause unter die Bettdecke. Neumond und Freitag der Dreizehnte!

Donnerstag, 12. Juli 2018

Satz

Wer will schon einen Satz verstehen wie "Ich kenne die Schnittstelle rückwärts gebrochener Herzen"? Die Straße zum Deich ist gesperrt, wird ausgebessert, und das zur besten Schwimmzeit. Die Sonne trügt. Der Wind schürft. Die Haut. Auf. 

Mittwoch, 11. Juli 2018

Pause

Ich habe am Schreibtisch und mit dem Kater zu tun. Schwimmpause. Meteorologisch ist der Mittwoch höchst unfreundlich. Die Fahnen zu den "Hooger Nüssen" sind da. Unmöglich formatiert. Ich muss in erster Linie Wörter zählen, denn es geht nur um die Form! Strenge und Treue.

Dienstag, 10. Juli 2018

Wind

Das Wasser ist sanft, gekräuselt und eiskalt. Der Wind plötzlich ablandig.

Montag, 9. Juli 2018

Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montagsmahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 8. Juli 2018

Sonntag

Die Edelkastanie verliert ihre Samenfäden. Jedes Jahr aufs Neue frage ich mich, wozu sie soviel Überfluss produziert. Für den ich keinen Platz in der Biotonne finde. Das ist natürlich absurdes Denken. Woher soll ein Baum eine Vorstellung von organisierter Müllabfuhr und deutscher Mülltrennung haben? Die Fäden zerfallen zu Staub. Und ich verteile die Pulverberge unter den Büschen und in den unordentlichen Rabatten. Der Wind ist eisig und die Sonne glühend. Ich versuche den schwarzen Rasputin an die rote Leine zu nehmen, die ich mit ihm bekommen habe. Vergeblich. Er sucht sofort das Weite im oberen Stockwerk. Also muss er den Garten und die Amseln weiterhin hinter Glas genießen.

Samstag, 7. Juli 2018

Mittelalter

Nein, ich mag das überhaupt nicht. Und verstehe nicht, warum die Leute dort hinlaufen. Unverkleidet oder verkleidet. Auch ich!
Auflaufen wie das Wasser in der Meldofer Bucht, nur den ganzen Tag. Zulaufen. Markttreiben nennen die Meldorfer, was in Heide Marktfrieden heißt. Und in diesem Jahr dort nicht, aber hier schon stattfindet. Seltsam. Weder gibt es etwas zu kaufen noch etwas zu bestreiten. Der Wind ist den ganzen Tag bitterböse. Auch er. Kein Schwimmen. Keine Zeit. Das Hochwasser läuft in den Abend.

Freitag, 6. Juli 2018

Deich

Der Deich gehört mir. Und es ist natürlich leichtsinnig, bei so unruhigem Wasser mutterseelenallein bis zur Boje hinauszuschwimmen. Kein Mensch zu sehen, kein Vogel zu hören. Nur der Wind. Und das Salz im Wasser. Knirscht zwischen den Zähnen. 

Donnerstag, 5. Juli 2018

Urte

Urte ist Teil eines Gesellschaftsspiel, bei dem sich zweimal Vier Spieler mit je zwei Buchstaben bewaffnet (eine Karte beidseitig beschriftet) gegenüberstehen. Da gilt es Wörter wie eben "Urte", "Rita" oder "Leib" bzw "Laib" für das lachende Publikum lesbar darzustellen.
Urte ist auch ein Frauenname, der für schlechte Laune sorgt, sagen die, die eine solche kennen. Ich kenne keine.
Leichter Regen und eiskalter Wind. Wir ziehen und auf dem Parkplatz aus und klettern nur mit dem Badetuch bekleidet, über den Deich. Das Wasser ist warm aber wild. Verteilt Ohrfeigen. Kein Licht am Horizont.

Mittwoch, 4. Juli 2018

Schwimmen

Abendhochwasser. Mildes Licht. Klare Kontraste. Das Wasser ist dunkler als der Himmel. Der Horizont eine scharfe Linie. Und darüber schwebt die Ölplattform. Die Bohrinsel. Mittelplate. Ich schwimme mein ungerades Dreieck und radle mit Rückenwind nach Hause.

Dienstag, 3. Juli 2018

Schreibtisch

Ich musste ihn leerräumen von sämtlichen Wörtern, damit der neue Hausherr sein Sonnenbad nehmen kann. Er darf noch nicht raus, muss sich zuerst an mich, das Haus und die Nordseeluft durch den Fensterspalt gewöhnen. Die nächste Stufe der Eskalation wird sein: eine weiche Decke auf dem harten Schreibtisch.

Montag, 2. Juli 2018

Mahnwache

Auch im zweiten Halbjahr, immer montags:
18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montags Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 1. Juli 2018

Singen

Halbjahreswechsel. Wir singen das ganze Wochenende. Wir haben herausgefunden, dass über all die Jahre an allen Probesonnabendnachmittagen und Probesonntagnachmittagen die Sonne schien. Schönstes Wetter, Hochwasser und wir schlagen das Notenbuch auf. Orff, Carmina Burana. Obszönes und weniger Obszönes. Staccato bis an die Schmerzgrenze. Tempo, immer mehr Tempo. Dann wieder laszives legato. Flore fusus gremio Phebus novo more riusm dat, hoc vario iam stipatur flore Zephyrus nectareo spirans it odore, certatim pro bravio curramus in amore...

Samstag, 30. Juni 2018

fake pics

trompe-l'Œil. Auf unser Auge dürfen wir uns nicht verlassen!
Gestern Abend um 21:20 Uhr erhoben sich wieder Helgolands hoher Funkmast und der Leuchtturm am Horizont hinter der Seebrücke von St. Peter-Ording. Wieder eine Fata-Morgana-Wetterlage! Brechnungserscheinungen. Luftspiegelungen. Der 50 km entfernte Felsen bzw sein Oberland stand als deutlich sichtbarer Streifen am Übergang von Wasser und Himmel. Diesmal nicht kopfüber, wie vor drei Wochen, unter einer spiegelnden Sprungschicht. Sondern aufrecht. Erhoben, erhaben, über der Erdkrümmung. Der Spuk dauerte immerhin 40 Minuten. Dann ging die Sonne unter und der Fels begab sich wieder dorthin, wo er hin gehörte: aus unserem Blickfeld, unter den Horizont:

Freitag, 29. Juni 2018

Farbe

Kürzlich las ich, dass das Wasser die Farbe der Umgebung annimmt. Ein Chamäleon? Die nehmen die Energie des Lichts auf. Das Wattenmeer ist meist so trübe wie der Wattboden. Scheint irgendwie logisch. Richtig. Heute aber verschmolz es am Horizont mit dem Himmel. Büsum war nicht mehr greifbar für das Auge, Friedrichskoog nicht, die alles beherrschenden Pfeile der Windmühlen nicht, Mittelplate in der Mitte des Aussicht nicht. Am Himmel Wattebäusche. Auf dem Wasser Schaumkronen. Viel Wind, hinterlistig. Er änderte seine Richtung, während ich mein Dreieck schwamm. Ich trat hin und zurück gegen ihn an.

Donnerstag, 28. Juni 2018

Vollmond

Nach langer Pause habe ich die Nacht wieder im Garten verbracht. Klarer stahlblauer Himmel, fast die ganze Nacht. Die Sterne schwach und kraftlos im Mondlicht. Sie kommen nicht an gegen die Konkurrenz. Es wird überhaupt nicht richtig dunkel. Das ist die kürzeste oder hellste Nacht. Trotzdem schlafe ich ein. Die Sonne weckt mich. Der Himmel hat seine Stahlblau zurückgewonnen. Alles ist nass um mich herum. Aber der Schlafsack hält dicht.
Ich frage mich, wie das ist, wenn Rasputin da ist und ich im Garten schlafe.

Mittwoch, 27. Juni 2018

Morgennebel

Es fühlt sich nach Herbst an. Feucht. Dicker Nebel. Am Nachmittag soll es wieder heiß werden. Tropisch. Ich habe einen kleinen, zarten Gingkobaum geschenkt bekommen und suche den Garten nach dem richtigen Platz ab. Junge Bäumchen brauchen Schutz und lieben Halbschatten. Je älter die Bäume werden, desto mehr Sonne wollen sie. Aber ich kann ihn doch nicht dauern umpflanzen! Nach dem geänderten Sonnendurst ausrichten! Lauter Geschenke! Lauter Fragen. Lauter Gedanken. Am Morgen Schriebtisch. Am Mittag Nordsee. As usual. Am Nachmittag Hecke. Alles zu seiner Zeit.

Dienstag, 26. Juni 2018

Rasputin

Rasputin sollte schon vor einem Jahr zu mir kommen. Manche Dinge brauchen Zeit. Rasputin ist ein älterer Herr, EHK (Europäischer Kurzhaarkater), Freigänger, geimpft, kastriert usw.
Ich fahre allein zum Schwimmen und gewöhne mich an den Gedanken. Noch ist das Wasser kalt. Und der Deich leer. Nur die Schafe äugen verärgert über den Zaun und verstehen nicht, warum ihnen der Zugang versperrt bleibt. Auch für sie scheint der Sommer vorbei.

Montag, 25. Juni 2018

Meldorfer Mahnwache

Noch immer Herbst, kalt und grau.
18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montags Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 24. Juni 2018

Johanni

Pünktlich zum Sommeranfang ist es kalt geworden. Die Nordsee hat sich auf den Stand von meinem Anbaden Anfang Mai abgekühlt. Die Heizung schaltet auf Winterbetrieb. Ich bleibe am Schreibtisch kleben. Der Wind ist gemein. Ein Schauer jagt den nächsten. Die Bauernregel sagt: "Regnet's am Johannistag, regnet es danach noch 14 Tag." Die Alternative, die es immer gibt, hingegen: "Bleibt es an Johanni trocken und warm, macht das den Bauern nicht arm." Interessant die Negativumformung der Schönwetterfolgen.

Samstag, 23. Juni 2018

Infrarot

Das aufsteigende Licht. Die Erleuchtung am Himmel über Island. Raben und Krähen sehen anders als Menschen, habe ich gestern gelernt. Das ist nicht weiter erstaunlich. Erstaunlich ist, dass Kolkraben, zum Beispiel, Infrarotlicht sehen können und deshalb in ganz anderen Lichtverhältnissen leben als wir. Und wir gar nicht ahnen, was die Viecher alles sehen.
Weiter habe ich gestern Abend gelernt, dass die Camera Obscura Infrarot Licht nicht schluckt. So wie es das menschliche Auge tut. Oder die Kamera meines Smartphones. Oder andere, moderne, handelsübliche, digitale Fotoapparate. So ein unzeitgemäßes Ding wie die Camera Obscura zeigt dem Menschen, was am Himmel über dem berühmtesten Wasserfall Islands wirklich ist. Grelles Licht, das sich im Wasser auf der Erde spiegelt. Mit einem dunklen Schweif, der sich womöglich auch spiegelt. Wir sind von Wesen und Quellen und Energie umgeben, von denen wir keine Ahnung haben.

Freitag, 22. Juni 2018

Die kürzeste Nacht

Das war es also, mit dem aufsteigenden Tageslicht. Mein toter polnischer Meister wäre heute 92 Jahre alt geworden, seine am gleichen Kalendertag geborene Tochter ist entsprechend jünger. Die kürzeste Nacht habe ich unter Dach und Fach verbracht - so wie die letzten ungefähr zwei Dutzend Nächte auch. Sintflutartiger Regen verhindert alles herrlicheinsame Schlafen an frischer Luft, unter freiem Himmel, mit garantiertem Vogelweckruf.
Ich fahre nun unverdrossen zum Morgenhochwasser an den Deich. Die Regenradarprognose sieht einigermassen positiv aus. Irgendwie muss der Tag ja beginnen.

Donnerstag, 21. Juni 2018

Sommeranfang

Ich fahre nach Großenrade. Verbringe den Tag im Atelier von Dieter K. Mehr dazu an anderer Stelle. Wir hatten uns für den Sommeranfang verabredet, weil uns das ein erfolgversprechender Tag nach der Wochenmitte schien. Ute hat uns Schweizer Reis als Verpflegung mitgegeben, leicht süß, mit weißen Johannisbeeren, Himmlisch! So etwas, sage ich, habe ich in der Schweiz nie gegessen! Wir sitzen lange, nachdem wir lange in alle Ecken geguckt haben. Wärmen die klammen Fingen an den Teeschalen. Draußen geht immer wieder die Welt unter.

Mittwoch, 20. Juni 2018

"Für immer und ewig"

Während meiner Lieblingsbeschäftigung - Säubern des Bürgersteigs - gefunden: ein Stück Papier, ordentlich zusammengefaltete, wie sich bei näherer Betrachtung herausstellt. 
Jetzt liegt es auf meinem Küchentisch und sieht aus wie ein Stück Knäckebrot. Perforiert und zum Reinbeißen.
Aus Neugier übergab ich das Papier nicht sofort der blauen Mülltonne. Ich faltete es auseinander. War gefasst auf einen Einkaufszettel oä (= oder ähnlich) Schnödes. Was man eben so verliert, wenn man unterwegs ist.
Was aber zum Vorschein kam übertraf meine kühnsten Vorstellungen. Das Leben am Straßenrand ist viel reicher als die ganze Weltliteratur! Ein Liebesbrief! Handschriftlich! In Blau. Auf kariertem Untergrund.
An: "Mein lieber Ehemann". Datiert vom "7.2.2018". Ist also schon ein bisschen herumgekommen und hat gelitten unter Wind und Wetter. Der Fundort entspricht nicht notwendigerweise dem Tatort!
Wer den Brief vermisst und wieder haben will, melde sich.

Dienstag, 19. Juni 2018

Ausflug

Schon wieder Itzehoe. Aber in einer anderen Sache. Und rechtzeitig zur Kirschenernte bin ich wieder zurück. Die Vögel mögen in diesem Jahr keine Früchte, keine Beeren. Sie verschmähen alles. Kirschen, Johannisbeeren, Felsenbirnen. Es ist drückend heiß. Und ein elender Westwind bläst mir ständig die Zweige ins Gesicht. Nach getaner Arbeit fahre ich mit schwarzen Fingerbeeren an den Deich, kämpfe mich gegen den Elenden, den Ewigheutigen, den Fahrradfeind. Wildes Wasser. Hohes Wasser. Noch eine Stunde nach Höchstwasserstand ist die halbe Badetreppe überflutet. Ich bin allein und kämpfe mich nun bei ablaufendem Wasser gegen die Fluten auf die Badeboje zu. H. kommt plötzlich im weißen Handtuch übern Deich gelaufen. Nach dem Schwimmen essen wir im Windschatten eines umgestürzten Strandkorbs selbstgebackenen finnischen Beerenkuchen.

Montag, 18. Juni 2018

Meldorfer Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montags Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 17. Juni 2018

Sonntag

Unfreundliches Wetter, immer wieder Regengüsse. Die Kirschen sind reif, aber irgendwie wollen die Amseln sie nicht. Also backe ich Kuchen. Sie sind schon zu reif, zu schwarz. Koche Marmelade. In H's Garten entdecke ich einen Ginkobaum. Am Wattenmeer! Ich fahre mit, an den Deich. Mit dem Auto, das in der Garage neben dem Ginkobaum zu Hause ist. Das Wasser sagenhaft, die Wellen tragfähig. Nur der Wind böse und kalt. 

Samstag, 16. Juni 2018

Samstag

Im LLUR (Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume) Itzehoe. Schiedsleute, Bezirksvereinigung. Jahreshauptversammlung. Kurze Schulung. Geht alles so glatt über die Bühne, dass ich pünktlich zum Hochwasser um 15:30 Uhr an der Meldorfer Bucht in die kalten Fluten steige und mein Dreieck schwimme. 

Freitag, 15. Juni 2018

Orgelnacht

18:00-22:00 Uhr St. Jürgen Heide. Orgelnacht im Rahmen der offenen Kirche.
Eröffnet wird sie um 18 Uhr mit einer Komposition von Traugott Fünfgeld (*1971) für Orgel und Bläser. An der Orgel Sebastian Schwarze-Wunderlich, vor den Bläsern Gunda Köster. Sie wetteifern tapfer miteinander durch die Jahrhunderte.
19:00 Uhr: Peter Heeren spielt eigene Kompositionen sowie das Magnificat quarti toni von Hans Leo Hassler (1564-1612)
20:00 Uhr: Gunnar Sundebo spielt Buxtehude, Bach, Scheidemann und Mendelssohn-Bartholdy.
21:00 Uhr: Anne Michael spielt eigene Improvisationen sowie Bach und Alexandre Guilmant (1837-1911)
Vier Konzerte an einem Abend. Umsonst und drinnen. Von hochkarätigen Meistern, Komponisten und Interpreten.
Um eine Spende zugunsten des Orgelbauvereins wird gebeten.

Donnerstag, 14. Juni 2018

Hanebüchen

Der Wind ist fahrradfeindlich. Aber ich fahre. Und trotze. Und schwimme. Die Wellen sind menschenfeindlich. Aber mich brechen sie nicht. Man kann jede Geschichte, ob erfunden oder nicht, erstunken oder erlogen, jede Aussage, jeden vollständigen Satz als hanebüchen bezeichnen. Das bedeutet dann, dass das Gesagte der Geschriebene empörend, unverschämt, derb, klobig, grob oder unglaubwürdig ist. Hanebüchen ist aber ein Handwerkerwort. Gehört in mein Zimmermannsalphabet. Kommt vom Holz der Hagebuche, das sehr knorrig ist aber nach Belieben beschnitten werden kann. Davon leitet sich der helvetische "Hag" (=Zaun) ab. Überhaupt beanspruchen die Alemannen den Baum für sich. So soll eine Siedlung Haganbuah oder später Haganbuochon schon um 850 existiert haben. Das Geschlecht "Hagenbuch" trott erstmals 1130 urkundlich auf. Auch im Volksliedschatz kommt die Hagebuche vor, als Adjektiv; "wenn eine tannigi Hose hät und hegebuechigi Strümpf ...."! Waldbekleidungsaccessoires!

Mittwoch, 13. Juni 2018

Neumond

Ich habe eine Mitfahrgelegenheit. Der Wind ist immer noch fahrradunfreundlich. Tobt von Nordwest auf den Deich zu. Wühlt das Wasser auf. Peitscht uns Schaumkronen mitten ins Gesicht. Frech und vorlaut. Endlich Wellen! Endlich Erfrischung. Endlich Zittern vor Kälte.
Am Abend trotze ich den Amseln in meinem eigenen Garten zwei Kilo frische Früchte ab. Felsenbirne, Sauerkirsche und schwarze Kirschen. Es ist alles anders in diesem Jahr. Die Natur beeilt sich, ihr Pensum zu absolvieren. Die Kirschen sind winzig, die Felsenbirnen alle auf einmal reif, so dass auch die Vögel verwirrt sind und nicht mehr wissen, wo sie anfangen sollen zu picken. Ich nutze diesen gap (nicht Gag) für mich. Diesen Hiatus in ihrem Fressverhalten. Meine Nachbarin füttert die Vögel mit Aldiäpfeln und Lidlpapayas, was sogar die Raben und Tauben mittlerweile verschmähen. Auch die bevorzugen nur noch local food.

Dienstag, 12. Juni 2018

Schlagfittich

Wilder Wind und immer wieder Sprühregen. Kein Ausflug an den Deich. Kein Schlafen im Garten. Schlagfittiche waren im Mittelalter Gänse- oder Entenflügel - die Flügel der Gefiederten eben, die man schlachtete und aufaß. Um sie zu fangen, musste man sie an den Flügeln festhalten.
Bei den Menschen ist das anders. Wenn man die am Schlafittchen festhält, will man sie weder schlachten noch aufessen. Da Schlafittchen ist ja auch kein Flügel. Menschen können nicht selber fliegen. Sie können sich nur in ein Fluggerät setzen. Das Schlafittchen ist der Jackenzipfel, vielleicht war es mal das Revers, die aufgeschlagene obere Vorderkante eines Sakkos, Mantels oder Blazers. Also Kleidungsstücke für den maskulinen Teil der Menschheit. Ergo sind nur Männer böse Buben, die frau schon mal am Schlafittchen packen muss, um ein Wörtchen mit ihnen zu reden.

Montag, 11. Juni 2018

Kühler Montag

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
MMM - Meldorfer Montags Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 10. Juni 2018

Regen

Wie wohltuend! Eigentlich wollten wir mit dem Auto zum Hochwasser an den Deich fahren. Aber wir kämen ja nicht trockenen Fußes ins Wasser! So bleibe ich still sitzen in meinem leeren Wohnzimmer und sinniere über Bachs Kantate BWV 18 "Gleich wie der Regen und Schnee vom Himmel fällt" - die natürlich in die Vorfrühlings- bzw Endwinterzeit gehört. Aber haben Jahrezeiten überhaupt noch eine Berechtigung oder Zukunft? Aus der protestantischen Kirche Trogen/CH:

Samstag, 9. Juni 2018

Regen

Regen! Endlich Regen und alles atmet auf. Der Garten, die Vögel, die Luft. Ich war so müde, als ich am Abend vom Schwimmen zurückkam, dass ich auf jedes Experiment nur noch verzichten wollte. Die Vorstellung, dass ich mitten in der Nacht vom Regen aus meinem Gartenbett vertrieben würde, war so grauenvoll, dass ich aus purem Mitgefühl noch den Bambus wässerte und das Gemüsebeet, dann alles in die Garage räumte, was sich in die Garage räumen lässt und mich zum Schlafen ins Haus zurückzog. So wie das alle Menschen in unseren Breitengraden zu dieser Zeit tun.
Ich schlief traumlos, nur das Knie regte ab und zu eine andere Position an. Der Regen muss wie eine Katze gekommen sein. Ich hörte ich ihn nicht und stelle nun verwundert fest, dass die Regentonne bereits randvoll ist. Es sprüht immer noch angenehm vom Himmel. Ich laufe durch das halbleere Haus und sperre alle Fenster auf. Regen! Endlich Regen und alles atmet auf. Auch das Haus und der Staub und die gepackten Umzugskisten.

Freitag, 8. Juni 2018

Hitze

Heute ist Welttag der Ozeane. Am Wattenmeer ist es noch immer heiß. Vom frühen Morgen an. Natürlich wird der Welttag mit dem Thema "Meeresmüll" gefeiert. Auch die Antarktis ist voller Plastik, falls noch irgendjemand die Illusion hat, das Zeug bliebe da liegen, wo wir es hinschmeißen.
Welttag der Ozeane. Ich fahre am Morgen zur Marktandacht. Die neue Kantorin improvisiert im Orgelnachspiel über EG 140, Brunn alles Heils, dich ehren wir. Kühles Plätschern kommt von der Empore herunter. Wie wohltuend. Wer den Text nachverfolgen will, kann es hier tun: http://www.liederdatenbank.de/song/1353. Die Meldorfer Improvisation hingegen ist gottseidank nirgends abrufbar. Wie wohltuend! In dieser unsäglichen Welt des permanenten Multiplizierens.
Welttag der Ozeane. Auf facebook finde ich ein Foto von Martin Stock. Wie wohltuend! Manchmal lohnt es sich, die Mittagsstunde zu vertrödeln. Niedrigstes Niedrigwasser an der Meldorfer Bucht. Tiefblaues "Wellenspiel" auf meinem Bildschirm. Wie wohltuend!
Welttag der Ozeane. Der Nationalpark Wattenmeer verweist auf die "Refill-Aktion": Wasserflaschen nicht wegwerfen, sondern wieder auffüllen. Hier gibt es eine interaktive Karte mit den Refill-Stationen im ganzen Land: https://refill-deutschland.de/ Meldorf ist (noch?) nicht dabei.
Welttag der Ozeane. Das Hochwasser kommt erst am Abend. Als ich verschwitzt, die Hitze lässt ja nicht nach, den Deich erreiche, gehen die letzten Nacktschwimmer gerade nach Hause. Denen wird es immer irgendwann zu kalt. Am Textilstrand hingegen tummeln sich Kind und Kegel. Ich schwimme mein Dreieck, ziehe etwas Langärmliges über das Kurzärmlige und mache mich frohgemut auf den Heimweg. Der Wind hat nachgelassen. Wolken besetzen den Himmel. Wie wohltuend. Kühle statt Kitsch zum Tageslichtende.

Donnerstag, 7. Juni 2018

Hitze

Ich schlafe erst ein, wenn die Sterne über mir leuchten. Also praktisch nie. Denn der Himmel wird nicht mehr dunkel. Trotzdem werde ich von den Vögeln aufgeweckt. Die Nächte werden immer kürzer. Die Hitze immer länger. Probe am Abend zu Hochwasserzeit. Ich kann den ganzen Tag keinen klaren Gedanken fassen. Gieße meine Kartoffeln. Und die Weinbergzucchinis, die Tomaten, den Bambus, den neuen Rasen. Eine Stunde am Morgen. Eine Stunde am Abend. Die Amseln klauen mir das trockene Gras aus den Baselbieter Röteli Töpfen, welches ich zum Mulchen verteile. Damit die Erde nicht so schnell austrocknet. Sie trocknet natürlich trotzdem mehr als schnell aus.
Auf Eiderstedt ist indessen wieder eine Helgolandfatamorgana zu sehen. Bei leichtem Ostwind entstand am frühen und sehr klaren Abend eine spiegelnde Sprungschicht am Horizont. Vom Deich bei Westerhever erkannten die Schutten einen deutlichen "Strich" weit draußen, von bloßem Auge. Helgoland nach oben gespiegelt. Später drehte der Wind auf Nord und zeigte Helgoland noch einmal, diesmal richtig herum. Und die Mühlen der Offshorewindparks nordwestlich der Insel. Mit der Abkühlung nach Sonnenuntergang, also jetzt, verschwinden diese Bilder wieder. Und es bleibt nur der Himmel.

Mittwoch, 6. Juni 2018

Hitze

Es gibt Eis am Deich, so heiß ist es noch nach Feierabend und Ladenschluss. Der Wind kommt wieder aus Ost. Der Himmel voller spitzer, gegeneinander gerichteter Pfeile. Flugzeuge.

Dienstag, 5. Juni 2018

Hitze

Endlich Wasser in der Meldorfer Bucht. Aufgepeitscht von West.
Die Krone der Schöpfung: Eine Rose, mit einem Stamm dicker als mein Bein, wächst in einen Apfelbaum hinein und hinauf, über ihn hinaus, ergießt ihre Blüten über seine Äste und Blätter und noch unreifen Früchte. Wo ist nun das Paradies abgeblieben? Wo die Schlange und ihre Verführungen? Die blendendweiße, dornige Schleier. Deckt alles ab. 

Montag, 4. Juni 2018

Mahnwache

18:00-18:30 Uhr Südermarkt
MMM - Meldorfer Montags Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 3. Juni 2018

Donnerwort

" O Ewigkeit, du Donnerwort" heißt die Bachkantate zum heutigen ersten Sonntag nach Trinitatis. Es hat in der Nacht leicht geregnet und die Temperaturen sind freundlicherweise etwas zurückgegangen.
Wir - die Dithmarscher Fangemeinde - fahren erst am Abend nach Heide in die Kirche. Zum 15-jährigen Bestehen von jazzcoast.di wird um 18:30 Uhr in St. Jürgen ein Konzert gegeben mit: Nils Landgren (Posaune), Ingolf Burkhardt (Trompete), Roland Cabezas (Gitarre)  und Sebastian Schwarze-Wunderlich (Orgel)! Leider komplett ausverkauft. Wer keine Karte hat ... - oh, Ewigkeit, Du Donner Wort!

Samstag, 2. Juni 2018

Reisemärchen

Frau will einfach nur von A nach B. Oder von X nach Y.  Von Meldorf nach Neumünster. Von M nach N. Die DB verarscht mich allerdings schon im Internet, da sie mir die naheliegendste Verbindung nicht anzeigt. Dann bedeutet es erfahrungsgmäß nichts, wenn ich vor Verlassen des Hauses um 05:55 nochmals den virtuellen "Streckenmanager" befrage. Es ist mir oft genug passiert, dass in der Viertelstunde, die ich zu Fuß bis zum Bahnhof brauche, die Eisenbahnwelt an der ganzen Westküste in sich zusammenkracht und der Zug "leider" ausfällt. Ist ja Samstag. Frisch der Morgen. Keiner muss zur Arbeit. Die Wochentagspendler sollen mal ihren verdammten Schlaf nachholen.

Freitag, 1. Juni 2018

Kohlmärchen

Dithmarschen. Kohlland. Aber warum wird so wenig über den Biokohlbauern berichtet und so ausführlich über die Schädlinge, gegen die der konventionelle Kohlbauer sein ganzes Gift verspritzen muss?
https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/Kohlanbau-der-Superlative,wiegehtdas440.html

Donnerstag, 31. Mai 2018

Meldorfer Wunder

Wunderbar im Garten geschlafen. Mit der Venus und anderen blassen Sternen an einem Himmel, der nie ganz dunkel wird. Und dann schlägst Du irgendwann doch die Augen wieder auf und über dir ist nun ein noch hellerer Himmel. Und ein paar verzweigte Zweige, vollbehängt mit winzigen, knallgrünen Knöpfchen. Kirschen.

Mittwoch, 30. Mai 2018

Meldorfer Qualle

Es hat mich wieder eine gestreift. In der linken Achselhöhle. Eine Stammschwimmerin behauptet, da alle von Quallen reden, würden wir uns alle nun einbilden, von Quallen berührt worden zu sein. Ein Stammschwimmer sagt, das Schlimmste kommt noch! Tröstlich, das Eine wie das Andere. Das Wasser sieht aus wie Brühe und riecht auch so. Faulig. Allmählich wird es zu warm. Ich fahre nach Hause und mähe meinen vertrockneten Rasen. Die Schattenseite hat sich prächtig regeneriert. So hat alles sein Gute. Dann regnet es 5 Minuten lang dicke Tropfen aus ganz heiterem Himmel. 

Dienstag, 29. Mai 2018

Meldorfer Vollmond

In der Nacht fing es an zu tröpfeln, als ich mich in den Garten legen wollte. Also blieb ich drinnen. Schon nach wenigen Nächten draußen, ist das ungewohnt. Wasser kam kaum vom Himmel. Und vom Mond war nichts zu sehen. Er ist ja auch erst jetzt, am Nachmittag, nach dem Schwimmen, voll und natürlich nicht zu sehen vor lauter Hitze.

Montag, 28. Mai 2018

Meldorfer Gewitter

Ich wollte im vorderen Garten schlafen. Weil ich am Nachmittag soviel kühlen Schatten fand mit einem Buch unter dem Apfelbaum neben dem Bambus ... aber in der Nacht ist die Nordseite ausgeleuchtet wie eine Theaterbühne. Von drei Straßenlaternen, die die Stadt nicht ausknipst. Weil sie an Kreuzungen stehen. Den Mond hingegen verdeckte mein eigenes Hausdach. Schlafen kann ich nur bei natürlichem Licht. Gegen 01:30 Uhr blendeten mich zudem die Widerscheine der Blitze aus Südosten. Das aufkommende Grollen vertrieb mich. Ich gab mein Außenlager auf und muss im Innenbett sofort wieder eingeschlafen sein. Denn am Morgen die Überraschung: die Regentonne ist voll!
Und am Abend wie immer am Montag:
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg
18:00-18:30 Uhr Südermarkt 

Sonntag, 27. Mai 2018

Meldorfer Gartenidyll

Ich schlafe nun immer im Garten. Soweit der Himmel es mir erlaubt.

Haruki Murakami im Vorwort zur deutschen Ausgabe von "Blinde Weide, schlafende Frau": "Um mich so einfach wie nur möglich zu fassen: Einen Roman zu schreiben bedeutet eine Herausforderung für mich, Kurzgeschichten zu schreiben ein Vergnügen. Wenn das Schreiben eines Romans dem Pflanzen eines Waldes gleicht, dann gleicht das Schreiben von Kurzgeschichten dem Anlegen eines Gartens. Die beiden Formen ergänzen einander und fügen sich zu einer Landschaft, die mir kostbar ist. Die grünen Baumkronen werfen ihren wohltuenden Schatten auf die Erde, und der Wind rauscht in ihrem zeitweise leuchtend goldenen Laub. Im Garten knospen indessen Blumen, bunte Blüten, locken Bienen und Schmetterlinge an und erinnern uns an den leisen Übergang von einer Jahreszeit zur anderen." Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe, zitiert aus der Taschenbuchausgabe 2008, 3. Aufl., btb-Verlag in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München, S. 9 [damit hoffe ich, den EU-DSGVO gerecht geworden zu sein].

Samstag, 26. Mai 2018

Meldorfer Morgennebel

Tagsüber sieht der Garten, das Haus, das Dach, der Himmel, die Wolken - die ganze Welt! -  anders aus als in der Nacht. Ich suche, rastlos, seit einigen Tagen und Nächten einen Schlafplatz. Im Rasen. Muss tagsüber probeliegen und nachts Geborgenheit finden. Der Mond ist gerade kooperativ. Sprich hell. Taghell. Die Straßenlampen werfen bis nach Mitternacht künstliche Schatten. Der Himmel ist blass und die Sterne werden erst gegen Morgen wirklich hell. Und dann erscheint schon bald wieder das Licht am Horizont im Osten. Es ist absolut ruhig. Trotzdem wache ich mehrmals auf, will sogar ins Haus zurück, weil mir kalt ist. Um 4 Uhr fangen die Vögel an zu singen, verstummen aber bald wieder. Oder ich höre auf zuzuhören. Bin plötzlich so tief und fest in den Schlaf gesunken, dass ich den Sonnenaufgang verschlafe und mich erst der hartnäckige Ruf eines hungrigen Käuzchens im Nachbargarten um genau 05:46 weckt! Ich schlage die Augen auf und sehe Morgennebel.

Freitag, 25. Mai 2018

Meldorfer Knick

Blogger teilt mir Folgendes mit:

"Gemäß den Gesetzen der Europäischen Union ist es erforderlich, dass du [damit bin ich gemeint, nicht DU, der DU dies liest] Besucher [damit bist DU gemeint, der DU dies liest] aus der Europäischen Union über die in deinem Blog verwendeten Cookies und erfassten Daten informierst. In vielen Fällen schreiben diese Gesetze auch vor, dass du dir eine entsprechende Einwilligung einholst.

Wir möchten dir entgegenkommen und haben deinem Blog einen Hinweis hinzugefügt. Darin wird erklärt, wie Google bestimmte Blogger- und Google-Cookies, darunter Cookies für Google Analytics und AdSense, sowie andere von Google erfassten Daten verwendet.

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Donnerstag, 24. Mai 2018

Meldorfer Kipp

Und dann kippt die Sache mit dem Wasser und ich fahre am Morgen. Mutterseelenallein am Deich. Nur Touristen joggen im weißen Hemd. Der Ostwind nimmt mir nicht nur die Luft zum Atmen sondern auch das Wasser zum Schwimmen. Gerade mal kniehoch.

Mittwoch, 23. Mai 2018

Meldorfer Mitte

Hört dieser Ostwind nie auf? Diese scharfe Kälte und die brennende Sonne den ganzen Tag. Ich komme nicht nach mit Gießen und bin todmüde nach Hause gekommen nach dem Abendschwimmen.

Dienstag, 22. Mai 2018

Meldorfer kurz

Das Radio sagt, heute beginne wieder eine kurze Woche. Ich verstehe das nicht. Für mich dauert jede Woche gleich lang. Aber natürlich kommt die Biokiste erst heute, statt gestern und werden die Mülltonnen am Freitag statt am Donnerstag geleert. Das alles ändert aber gar nichts an der Reihenfolge und Anzahl der Tage dieser Woche. Das Hochwasser wandert in den Abend.

Montag, 21. Mai 2018

Meldorfer Pfingstmontag

Flohmarkt, Flut und Mahnwache gleichzeitig. Der Ostwind ist immer noch scharf. Die Sonne brennt tagsüber ganz schön. Am Abend das Wasser gnädig kalt, eiskalt erfrischend!
18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Meldorfer Montags Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 20. Mai 2018

Meldorfer Zugausfall

Pfingsten und alle wollen irgendwohin fahren. Ich nach Witzwort. Zur offenen Tür + Buchvorstellung. Quetsche Verlag. Gemalt - gekocht - gegessen - das Kochbuch der besonderen Art. Siehe hier: http://www.quetsche-witzwort.de/?Veranstaltungen
Der eine Zug fällt aus, der andere kommt verspätet, eine uralte Regionalbahn, völlig verdreckt und überfüllt. So macht das Reisen mit der Bahn Spaß. Am Nachmittag, auf der Rückfahrt, plauderte der Schaffner aus dem Nähkästchen. Und mir stehen die Haare zu Berge. Jeder zweite Zug fiel + fällt heute aus. Ich eile nach Hause, um mit dem Fahrrad an den Deich zu kommen, bevor das Wasser gegangen ist.

Samstag, 19. Mai 2018

Meldorfer Samstag

Ich muss ans Wasser, Wetter hinoderher. Der Wind auf dem Heimweg bringt mich fast um. Das Wasser dagegen nimmt mich wie immer freundlich auf. Die Trockenheit kostet mich Stunden. Ich komme nicht nach. Mit gießen. Der Bambus will Wasser, das Gewächshaus der Nachbarin will Wasser, meine Baselbieter Röteli wollen Wasser, der frisch angesäte Rasen will Wasser. Ixch weiß nicht wohin mit meinen Kürbissen.

Freitag, 18. Mai 2018

Donnerstag, 17. Mai 2018

Meldorfer kalt

Temperatursturz. Kälteeinbruch. Die verspäteten Eisheiligen hechten atemlos durch den Norden! Nach der Domchorprobe steht am Himmel über der Bahn eine hauchdünne Sichel. Immer noch kein Regen. Wieder kein Schwimmen. Alle defekten Ziegel rund ums Haus sind erneuert. Alles Holz hat eine Pflegelasur bekommen. Das Gerüst ist abgebaut, zerlegt und weggefahren. Auch im Innern finden Umwälzungen statt. Ich falle todmüde ins Bett.

Mittwoch, 16. Mai 2018

Meldorfer heiß

Vorgewittrige Stimmung und aufkommender Sturm. Staub. Blüten. Handwerker. Der Gärtner bringt nochmals Pflanzerde und Bodenaktivator. Meine Nachbarin sagt, nichts, was wir dem Garten entnehmen (wegschneiden, ausgraben, vertikutieren) dürfe wirklich aus ihm entfernt werden. Alles müsse irgendwo seinen neuen Platz, seine erneute zweite Wiederverwendung und -verwertung finden. Und sei es auf dem Kompost. Ich hatte etwa 15 Säcke voller Moos - wo soll ich damit hin? Der Gärtner bringt Öko-Pflanzerde und nimmt das Moos mit. Was ist schlecht daran?
Der Wind macht mich heute mutlos. Und die Trockenheit. Ich habe keine Kraft, an den Deich zu fahren.

Dienstag, 15. Mai 2018

Meldorfer Neumond

Fast zeitgleich mit dem Hochwasserstand in der Meldorfer Bucht wird der Mond neu. Am Deich ist schon Sommerbetrieb. Heute Kalte Sophie und wir tummeln uns im Wasser. Es ist trübe, morastig, der Wattboden aufgewühlt und weich!
Ich zitiere die Schutzstation Wattenmeer zum Thema "Fata Morganas im Nationalpark Wattenmeer":

"Fata Morganas im Nationalpark Wattenmeer
Vergangene Woche war die Luft über dem Wattenmeer oft mehr als 10 Grad wärmer als das Wasser. Hierdurch kam es immer wieder zu interessanten Luftspiegelungen und anderen Effekten.
So war manchmal nach dem Sonnenuntergang noch minutenlang ihr Licht als leuchtender Streifen auf dem Horizont zu sehen. Brechungserscheinungen hatten es um die Erdkrümmung herum geleitet. Der gleiche Effekt führte auch dazu, dass vom Westerheversand hinter Süderoog deutlich Amrum mit seinen Dünen zu erkennen war. Eigentlich kann man aber bei klarem Wetter nur die Spitze des Wittdüner Leuchtturms sehen. Die Brechung hatte hier die Insel scheinbar über den Horizont gehoben.
Manchmal gab es auch eigenartige Mischungen aus Spiegelungen an Luftschichten und seltsamen Stauchungen.
Ganz typisch für den Mai, wenn sehr warme Luft über dem noch kalten Wasser liegt."


Und ich war dabei, als die Mittelplate an Himmelfahrt abhob!

Montag, 14. Mai 2018

Meldorfer Mahnwache

Bonifatius. Der vorletzte Eisheilige. Wieder verspricht der Tag hochsommerliche Hitze. Die Baselbieter Röteli sind seid gestern in den Töpfen an der Südwand.
18:00-18:30 Uhr Südermarkt
MMM - Meldorfer Montags Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 13. Mai 2018

Meldofer Sonntag

Am morgen setze ich alle Bären auf den Sperrmüllhaufen, sauber abgepackt in Stofftaschen. Eine Stunde später sind sie verschwunden. Gut so, denke ich. Entweder haben sie aus eigener Kraft endlich das Weite gesucht und genießen die Freiheit. Oder sie haben nun einen neuen Chef, einen neuen Bärenflüsterer und Bärenversteher. Oder eine neue Chefin. Am Mittag ist der Deich übervölkert wie ein Strand am Mittelmeer. Scharfer Ostwind, habe mächtig zu kämpfen auf dem Heimweg.

Freitag, 11. Mai 2018

Meldorfer Sperrmüll

Niemand arbeitet heute. Es hat immer noch nicht geregnet. Ich lege den Sickerschlauch aus. Der Bambus ist schon so dicht, dass ich mich kaum noch darin bewegen kann. Ich entrümpele das halbe Haus. Das kostet mich unheimlich viel Kraft. Trotz des Bades in der Nordsee. Sie wird wieder kälter.

Donnerstag, 10. Mai 2018

Meldorfer Himmelfahrt

Endlich wieder Hochwasser. Zwar läuft das Wasser nur zögerlich auf, aber die Zeit passt wieder in den Rahmen des Tageslichts. Ich fahre an die Meldorfer Bucht. Die Ölplattform ist zum Greifen nah, hat aber die Bodenhaftung verloren und schwebt am Horizont gerade gen Himmel. Ebenso die Bäume vor Friedrichskoog. Nur die Windmühlen haben noch Fundament unter den Füßen. Die ganze Nordsee ist gestreift wie ein Zebra. Dunkel bei Büsum, hell im Westen. Sandig. Leicht windig. Das Wasser kühl. Aber die Duschen sind angeschlossen und drei Strandkörbe stehen am Nacktbadestrand. Zu sehen ist kein Mensch.

Mittwoch, 9. Mai 2018

Meldorfer Allerlei

Es will und will und will bei uns nicht regnen. In der Ferne, vor meinem Fenster, im Nordosten hängen graue Schleier. Irgendwo im Riesenwohld oder bei Albersdorf regnet es in Strömen. Und ich krepiere hier mit den Staren, Amseln und dem Bambus im Blütenstaub.

Dienstag, 8. Mai 2018

Meldorfer hilfreich

Mein Apfelbaum blüht. Immer wieder schön. Die Tomaten haben die erste Nacht außer Haus verbracht. Immer wieder schön. Gestern habe ich den Hasen gesichtet, aber er war noch nicht an meinen Weinbergzucchinis, die ich beim VEN (Verein zur Erhaltung der Nutzplanzenvielfalt) erstanden, auf dem Fensterbrett vorgezogen und vor ein paar Tagen der Freiheit meines Gemüsebeets übergeben habe. Es handelt sich um "gerippte oder glatte, rankende und buschige Sorten". Mal sehn. Überraschungen sind immer wieder schön. In die Blutpflaume, über dem frisch angesäten Rasenstück, habe ich alte CD's eingefädelt und aufgereiht. Der Wind bewegt sie und sie verscheuchen mit ihrem entsetzlichen Blitzen und Wetterleuchten tatsächlich erfolgreich (bisher) alle gefräßigen Rabenvögel. Das ist nicht schön. Aber gut für den Rasen.

Montag, 7. Mai 2018

Meldorfer Montagsmahnwache

Der Tag verspricht hochsommerliche Hitze. Die Sonne ist soeben aufgegangen. Der Kater nach der gestrigen Wahl schläft noch. Aber meine Baselbieter Röteli dürfen tagsüber schon auf die Terrasse, wie kleine Kinder oder Hunde.
18:00-18:30 Uhr Südermarkt
MMM - Meldorfer Montags Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 6. Mai 2018

Meldorfer Stimme

Kontrastprogramm. Wir haben die Wahl. Das Wetter ist prächtig. Ich verbringe den ganzen halben Tag im Wahllokal. Zuerst zählen wir leere Stimmzettel, dann zählen wir ausgefüllte Stimmenzettel. Sortieren aus. Zählen nochmals und nochmals und nochmals. Bis alles stimmt und stimmt und stimmt.

Samstag, 5. Mai 2018

Meldorfer Anbaden

Heute, am 5.5. um 17:05 angebadet in der Meldorfer Bucht. Fast windstill und sanfte Sonne, Wassertemperatur geschätzt 14°, Luft angenehme 24°! 

Freitag, 4. Mai 2018

Meldorfer Klänge

Szenenwechsel. Ich träumte, ich müsste ein Orgelkonzert geben. Ich wurde ausgelost, teilte mit mein Orgellehrer mit, bei dem ich gerade mal eine einzige Unterrichtsstunde an der Orgel absolviert hatte. Das brachte ich vor, aber niemand hörte auf mich. Dass ich nicht wisse, wie Hände und Füße zu koordinieren seien, keine Orgelschuhe besäße, überhaupt nicht in der Lage sei, öffentlich... Wurde von allen Umstehenden (es waren viele da, der Traum sozusagen übervölkert) mit einem müden Lächeln quittiert. ... und ich kein einziges Stück am Stück, also von Anfang bis zum bitteren Ende zu spielen in der Lage ... Vergeblich!
Es kostete mich viel Kraft, den Neulandtraum im Schlaf zu beenden und aufzuwachen. Dann aber, als mir das endlich gelungen war, sprang ich sofort aus dem Bett. Als ob dort eine Orgel, eine ganze Kirche, ein Konzertdom verborgen wäre. Der Traum als Aufstehhilfe!

Donnerstag, 3. Mai 2018

Meldorfer Ästhetik

Das Unsichtbare ist immer interessanter als das Sichtbare:
Pfusch am Bau von vor 40 Jahren. Da fehlt ein Stück Abdeckplane und die Feuchtigkeit zieht seither fröhlich nach oben. In den Himmel hoch ...
Es klopft und staubt den ganzen Tag. Mein Todenbütteler Landschaftsgärtner bringt ein Baugerüst und nimmt Moossäcke und alte Gartenmöbel mit.

Mittwoch, 2. Mai 2018

Meldorfer Maurer

Wetterwechsel. Der Regen hat in der Nacht nachgegeben. Der Feiertag ist um. Auch der Vollmond nimmt nun wieder ab. Mein Todenbütteler Landschaftsbaugärtner kommt mit seinem Gesellen, der sich um meine Wetterwand kümmert. Die Probleme mit abplatzenden Ziegelsteinen und bröselndem Mörtel in den Fugen bezeichnete vor Jahren ein ortsansässiger Maurer als "rein ästhetisch".

Dienstag, 1. Mai 2018

Meldorf Woche

Regen. Starkregen. Weltuntergang. Das Meldorfer Maifeuer war schon im Winter abgesagt worden, da es, wie es hieß "nicht mehr zu schultern" sei. Feuer brannten in der Nacht in Privatgärten und rund um die Domstadt. Irgendwo wurde auch getanzt. In den Mai. Mir sitzt noch Joldelund in den Knochen. Die Meldorfwoche hat begonnen, während ich in Joldelund der Weltklasse des Bluesrocks lauschte. Sie wird enden, wie der Name schon sagt, wenn die Woche um ist. Dann sitze ich im Wahlbüro. Das Programm ist "abgespeckt" und ich esse schon lange kein Fleisch mehr. 

Montag, 30. April 2018

Meldorfer Mahnwache

Die Vollmonnacht führt mich sicher über die Eider, zurück nach Dithmarschen ...
MMM - Meldorfer Montags Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg
18:00-18:30 Uhr Südermarkt

Sonntag, 29. April 2018

Guitar Heroes Festival in Joldelund SO

Joldelund proudly presents ... Sonntagsmatinée mit Billy Walton (USA): Solo Acoustic

Billy Waltons providing ground was Long Beach Island. There he was chaperonded from gig to gig by his Mom, too young to drive around and enter the clubs on his own. He always was up for a jam and looking to learn some tricks.

Gerd's Juke Joint, Bahnhofstr. 1, Joldelund ("in the middle of fu.... nowhere"!)
Einlass 11:00 Uhr - Beginn 11:30 Uhr
Tickets nur noch an der Tageskasse: 15 €