Donnerstag, 22. Juni 2017

Gewitter

Der erste Sommertag. Mein Meister wäre heute 91 Jahre alt geworden. Auf fb ist ein schönes neues altes Foto aufgetaucht. Rauchende Literaten! Szymborska sagte, sie könne ohne Zigaretten keine Gedichte schreiben. Und Konwicki sagte, er rauche nur im Sitzen. Die meisten Raucher tun es heutzutage im Stehen. Im Gehen. Gehetzt vor die Tür. Mein Meister setzte sich auf eine Parkbank, nachdem das Rauchen in allen öffentlichen Innenräumen verboten war. In der wirklichen Welt Starkregen, Blitz und Donner, Sirenen und am Nachmittag schon wieder drückende Hitze. Aber da ist das Wasser in der Meldorfer Bucht bereits wieder weg.

Mittwoch, 21. Juni 2017

Sonnenwende

Der längste Tag hebt an und mich versetzt mein wichtiges Werkzeug. Der Rechner blockiert meinen Schreibbeginn um fast zwei Stunden mit einem update. Und dann muss ich zum Schwimmen. Weil die Meldorfer Bucht vollläuft. Und danach das Wasser wieder weg ist. So komme ich nicht zum Arbeiten aber an die frische Luft, an einen menschen- und schafleeren grünen Deichabschnitt und in die kalte Nordsee.

Dienstag, 20. Juni 2017

Sommer

Jeder Satz hier ist gemacht. Jedes Wort Literatur und unverbindlich. Wertlos. Sinn- und Sonnenentleert. Ich fabriziere hier eine Kunstfigur und lauter Fakenews. "Ich entnehme Deinem blog, dass ..." ist absoluter nonsense. Aber solche Sätze erreichen mich immer wieder. Mündlich. Schriftlich. Zum Beispiel "... Du gut aus Warschau zurückgekommen bist." Als ob ich hier meine Gefühle auskippen und meine Gedanken aufstapeln würde.

Montag, 19. Juni 2017

Meldorfer Mahnwache

wie immer montags:
18:00-18:30 Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 18. Juni 2017

Sonntagsmatinée

Ich wurde vorhin im Dom gefragt, ob ich im blog etwas über die Orgelmatinée schreiben werde. Natürlich nicht. Nicht so, wie das der Fragende sich vielleicht wünschte oder vorstellte. Rusinek unterscheidet in seinem Buch über Szymborska das Aristotelische Verständnis von Literatur vom Platonischen. Das eine (das letztere) ist zweckgebunden in Bezug auf die Wirklichkeit, das andere ist frei von jeglichem realitätsnahen Zwang. Natürlich ist seine Chefin, vor allem im Alter, immer wieder kritisiert worden, sie sei kindlich, oder kindisch. Lange vor dem Absturz der polnischen Präsidentenmaschine warf ihr eine Kritikerin vor, ihr Gedicht "Identyfikacja" (Identifizierung) sei unglaubwürdig, denn wen würde schon das Schicksal ereilen, einen seiner Nächsten bei einem Flugzeugabsturz zu verlieren? Dies sei reine mediale Exotik! Nun, die Realität hat in diesem Falle das Gedicht eingeholt. Ohne die Poetin um Erlaubnis zu bitten. 
Also: Anne Michael spielte heute eine wunderbare Orgelmatinée. Von Bach bis Elgar. Sie ist eine der Bewerberinnen für die Nachfolge des noch amtierenden Meldorfer KMD und - ich gestehe es hier unumwunden - meine höchstpersönliche Favoritin für dieses Amt. Punkt. Ihre Mitbewerberin, Vera Klaiber, die vor einer Woche die sonntägliche Orgelmatinée im Dom  bestritt, ist auch ok. Fachlich wie menschlich. Aber der große Unterschied zwischen den beiden Musikerinnen ist das Kreative. Die Lust am Spiel. Der Wind! Der Mut zu einem großen oder kleinen Wurf. Wie sagte heute eine Zuhörerin: "Ich wusste gar nicht, dass die Orgel solche Töne von sich geben kann". Voilà! That's it. Die Überraschung. Etwas zu hören (oder zu sehen, zu fühlen, zu lesen ...), was man noch nicht kannte. Die Erweiterung unseres so unendlichen Horizonts über Dithmarschen.

Samstag, 17. Juni 2017

Samstag vor dem Sonntag

Wer wissen will, wie eine poetische Seele im Alltag funktioniert, dem sei das Buch des Ersten Sekretärs (einen Zweiten gab es nie!) der polnischen Nobelpreisträgerin (vor ihr gab es einen Ersten, einen Zweiten, einen Dritten, sie ist die Vierte und die Erste Frau) Wisława Szymborska empfohlen, leider derzeit nur polnisch erhältlich: Michał Rusinek, Nic zwyczajnego. O Wisławie Szymborskiej". Allein die Tatsache, dass Rusinek das Buch erst 4 Jahre nach dem Tod seiner Chefin veröffentlichte, verdient höchsten Respekt.

Freitag, 16. Juni 2017

Freitag vor dem Sturm

Die amtlichen Warnungen vor Windböen überschlagen sich. Ich habe einen neuen Gast im Garten: Bachstelzen (musste natürlich nachgucken). Vielleicht nistet sie (oder nistete) tatsächlich in meiner Halbhöhle, die seit Jahren, wie ich meinte, unbeachtet von der Vogelwelt in der Edelkastanie auf hängt. Sie trippelt im Gras herum, ziemlich aufgeregt oder unruhig, wippt ständig mit dem langen Schwanz. Schwarzes Lätzchen, vornehme Gestalt.