Donnerstag, 31. August 2017
erfolgt
Mission completed. Ich fahre ein letztes Mal zum Abendschwimmen, zum Sonnenuntergangsschwimmen. Bin Mutterseelenallein. Das Wasser ist gnädig und sanft, wärmer als die Luft. Die Rückfahrt ist kalt. Sobald die Sonne weg ist, wird es tatsächlich Herbst. Der Himmel tröstet über das Wetter, bunt aufgetürmt und mehrschichtig. Was Wolken ausmachen! Nächstes Jahr fahre ich mit Bleistift und Papier zum Schwimmen, nehme ich mir vor, und schreibe ein Horizonttagebuch. Das Licht am Fahrrad funktioniert, ich habe es den ganzen Sommer über nie gebraucht. Der Abpfiff dieser entsetzlichen Präfixsammlung erfolgt kurz vor Mitternacht. Ich schlafe dann schon, mir sitzt das Fieber der Nordsee im Blut, in den Füßen, in den Waden, auf der Brust, in den Armen und im Kopf.
Mittwoch, 30. August 2017
erheischen
Ästhetisch erbauender als das Buddeln nach Eisbergen in Krankenhausarchiven und auf Friedhöfen ist das erhaschen, ersuchen, erspüren, ergreifen, errichten des Verschwindens. Die kreative Sicht auf Naturereignisse. Darüber berichtete ich bereits am 29.11.16 http://amwattenmeer.blogspot.de/search?q=glacier. Julia Calfees Requiem für den Läntagletscher. Auch im Graubünden. Aber etwa 50 km Luftlinie nordwestlich vom Pizzo Cengalo. Das von Julia Calfee gespeicherte Tröpfeln des Gletschereises ist nicht verantwortlich für den jüngsten Bergsturz über Bondo.
Es gibt weltweit mittlerweile Versuche, das Verschwinden der Gletscher zu beweinen. So wie die Barockdichter den Tod ihrer Kinder beweinten, beschwören heute Ton- und Bildkünstler die Veränderung eines Aggregatzustandes, das Tauen! Zum Beispiel Paul Walde: Requiem for a Glacier https://www.indiegogo.com/projects/requiem-for-a-glacier#/
Oder das Ensemble Tétraflûtes: Gletscher-Requiem - Requiem des glaciers
https://vimeo.com/201130259
Hier eine Vorankündigung, wer einen der beschränkten Plätze im Luzerner Gletschergarten ergattern will, kann sich heute schon anmelden:
Ein Klagelied des schmelzenden Gletschers.
Ein Multimediales Konzert mit dem Ensemble Tétraflûtes:
Dienstag, 21. November 2017 um 18:30 Uhr im Gletschergarten Luzern.
Werke von: Andreas Zurbriggen, Doina Rotaru, Dorothea Hofmann, Dai Fujikura, Joseph Lauber
Videoproduktion: Stephan Hermann
Ausführende: Ensemble Tétraflûtes
Platzzahl beschränkt, Anmeldung empfohlen. Alle Informationen im Überblick finden Sie im Flyer Gletscher-Requiem (PDF)
Es gibt weltweit mittlerweile Versuche, das Verschwinden der Gletscher zu beweinen. So wie die Barockdichter den Tod ihrer Kinder beweinten, beschwören heute Ton- und Bildkünstler die Veränderung eines Aggregatzustandes, das Tauen! Zum Beispiel Paul Walde: Requiem for a Glacier https://www.indiegogo.com/projects/requiem-for-a-glacier#/
Oder das Ensemble Tétraflûtes: Gletscher-Requiem - Requiem des glaciers
https://vimeo.com/201130259
Hier eine Vorankündigung, wer einen der beschränkten Plätze im Luzerner Gletschergarten ergattern will, kann sich heute schon anmelden:
Ein Klagelied des schmelzenden Gletschers.
Ein Multimediales Konzert mit dem Ensemble Tétraflûtes:
Dienstag, 21. November 2017 um 18:30 Uhr im Gletschergarten Luzern.
Werke von: Andreas Zurbriggen, Doina Rotaru, Dorothea Hofmann, Dai Fujikura, Joseph Lauber
Videoproduktion: Stephan Hermann
Ausführende: Ensemble Tétraflûtes
Platzzahl beschränkt, Anmeldung empfohlen. Alle Informationen im Überblick finden Sie im Flyer Gletscher-Requiem (PDF)
Dienstag, 29. August 2017
enthemmt
Gestern Nachmittag traf eine mail von "guestbooking" der DW, englischer Dienst mit dem Betreff "Television Interview Request August 28th, 2107" ein. Zukunftsvision? Nein. Jahreszahlendreher. Corey schreibt: "I am looking for the daughter in law of one or the murdered patients of Niels H."
Als erstes googelte ich Niels H., den ich leider kenne, mit dem ich aber nichts zu tun habe. Tatsächlich gab es am Vormittag eine Pressekonferenz, auf der "die Spitze des Eisberges" - 84 bis 90, je nach Quelle, von Niels H. getötete Patienten - präsentiert wurde. So etwas re-aktiviert, re-elektrisiert die gefräßige Presse immer sofort (siehe zB hier: http://www.tagesspiegel.de/politik/niels-h-soll-90-patienten-getoetet-haben-der-totmacher/20250326.html).
Als zweites antwortete ich Corey: "My father-in-law has been murdered by Irene B.", und verwies auf mein Buch.
Machen Sprache, Geschlecht, Buchstaben und Initialen irgendeinen Unterschied? Nein. Eisbergspitzen gibt es überall. Man muss sie nur erkennen wollen. Genauso wie das enthemmte Töten in Kliniken an sich. Das Krankenhaus ist der perfekte Tatort der neuesten Neuzeit.
Corey ließ nicht locker. Er oder sie (als drittes googelte ich ein zweites Mal: ich wollte wissen, ob Corey ein Frauen- oder Männervorname ist - ich traue aber getreu meinem angeborenen und dankt "dieser Sache" übersteigerten Misstrauen dem Ergebnis nicht) wollte mich tatsächlich am Abend im Berliner Studio der DW an der Voltastraße haben.
Als viertes antwortete ich Corey ein zweites (und letztes, wie ich mir fest vornahm) Mal: "I'm living by the Wadden Sea, about 400 km from Berlin and this evening, during your English shows, I must swim at high tide".
Da wir hier nicht immer Wasser im Meer haben, richtet sich mein Leben seit zehn Jahren nach der Tide. Das ist meine einzige kleine Freiheit, die ich aus "dieser Sache" (wie der Vorsitzende Richter im Honeckersaal des Berliner Amtsgerichts während des Prozesses gegen Irene B. zu sagen pflegte) gewonnen habe.
Als erstes googelte ich Niels H., den ich leider kenne, mit dem ich aber nichts zu tun habe. Tatsächlich gab es am Vormittag eine Pressekonferenz, auf der "die Spitze des Eisberges" - 84 bis 90, je nach Quelle, von Niels H. getötete Patienten - präsentiert wurde. So etwas re-aktiviert, re-elektrisiert die gefräßige Presse immer sofort (siehe zB hier: http://www.tagesspiegel.de/politik/niels-h-soll-90-patienten-getoetet-haben-der-totmacher/20250326.html).
Als zweites antwortete ich Corey: "My father-in-law has been murdered by Irene B.", und verwies auf mein Buch.
Machen Sprache, Geschlecht, Buchstaben und Initialen irgendeinen Unterschied? Nein. Eisbergspitzen gibt es überall. Man muss sie nur erkennen wollen. Genauso wie das enthemmte Töten in Kliniken an sich. Das Krankenhaus ist der perfekte Tatort der neuesten Neuzeit.
Corey ließ nicht locker. Er oder sie (als drittes googelte ich ein zweites Mal: ich wollte wissen, ob Corey ein Frauen- oder Männervorname ist - ich traue aber getreu meinem angeborenen und dankt "dieser Sache" übersteigerten Misstrauen dem Ergebnis nicht) wollte mich tatsächlich am Abend im Berliner Studio der DW an der Voltastraße haben.
Als viertes antwortete ich Corey ein zweites (und letztes, wie ich mir fest vornahm) Mal: "I'm living by the Wadden Sea, about 400 km from Berlin and this evening, during your English shows, I must swim at high tide".
Da wir hier nicht immer Wasser im Meer haben, richtet sich mein Leben seit zehn Jahren nach der Tide. Das ist meine einzige kleine Freiheit, die ich aus "dieser Sache" (wie der Vorsitzende Richter im Honeckersaal des Berliner Amtsgerichts während des Prozesses gegen Irene B. zu sagen pflegte) gewonnen habe.
Montag, 28. August 2017
einmal noch: Meldorfer Mahnwache
18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg
Sonntag, 27. August 2017
entgletschern
Die ganze Nordflanke des Piz Kesch im Engadin ist heute entgletschert, sagen die Schweizer Permafrostforscher, und dies sei einer der Gründe für den Bergsturz 2014 gewesen. Gleichzeitig betonen sie aber, dahinter stehe genauso wie aktuell am Piz Cengalo, eine "mehrere tausend
Jahre lange Entwicklung, die durch vorstoßende und abschmelzende
Gletscher geprägt" sei. Irgendwann kommt jede Entwicklung zu ihrem Finale. Irgendwann ist die Entgletscherung vollzogen. Es gibt derzeit Felsbewegungen in der Moosfluh an der Flanke zum Aletschgletscher. In der Ostflanke am Jungfraujoch steigen die Permafrosttemperaturen. Beobachtet werden u.a. ständig das Matterhorn, der Schafberg bei Pontresina, der Gemsstock bei Andermatt und der Kärpf in meinem herrlichheimatlichen Glarus! Deutsche Experten sagen voraus, dass bis zum Jahr 2080 der Permafrost auf der Zugspitze verschwunden sein könnte.
Permafrost wird gefährlich ab einer Temperatur von -1,5°. Darunter kittet er den Fels, darüber löst er ihn auf. Ironie des Schicksals: Südhänge sind heute stabiler, da es dort immer schon weniger Permafrost gab. Das SLF in Davos hat eine "Permafrosthinweiskarte" erstellt, die aber wenig aussagekräftig ist, da sie auf bloßen Vermutungen basiert, weil die Untergrundtemperaturen sich ständig verändern. Eine "zuverlässige Fels-Stabilitäts-Karte herzustellen" sei ein Ding der Unmöglichkeit, sagen die Davoser Schnee- und Lawinenforscher.
Wir wissen es aus anderen Bereichen des Lebens: absolute Sicherheit gibt es nicht. Soweit das Wort zum heutigen Sonntag.
Permafrost wird gefährlich ab einer Temperatur von -1,5°. Darunter kittet er den Fels, darüber löst er ihn auf. Ironie des Schicksals: Südhänge sind heute stabiler, da es dort immer schon weniger Permafrost gab. Das SLF in Davos hat eine "Permafrosthinweiskarte" erstellt, die aber wenig aussagekräftig ist, da sie auf bloßen Vermutungen basiert, weil die Untergrundtemperaturen sich ständig verändern. Eine "zuverlässige Fels-Stabilitäts-Karte herzustellen" sei ein Ding der Unmöglichkeit, sagen die Davoser Schnee- und Lawinenforscher.
Wir wissen es aus anderen Bereichen des Lebens: absolute Sicherheit gibt es nicht. Soweit das Wort zum heutigen Sonntag.
Samstag, 26. August 2017
entgeistert
Als ich vor ungefähr genau einem Jahr auf Hooge aus meinem Mammutmanuskript las, unterbrach mich mittendrin ziemlich rüde eine seit einigen Jahren auf Hooge residierende Frau. Sie fand, und drückte das auch unverblümt entgeistert so aus, was sie höre, sei "so" oder "zu" "bedrohlich". Daraufhin entspann sich erfreulicherweise eine fruchtbare Diskussion über die Aufgabe von Literatur oder Kunst überhaupt. U.a. wurde ich bzw. mein Text verteidigt von zwei zufällig auf der Hallig anwesenden Schweizer Gästen. Und der australischen Erzieherin.
Was dieser Tage in Bondo im graubündnernisch-malerischen Bergell (siehe zB hier: Bericht von gestern https://www.nzz.ch/panorama/kurzmeldungen/felssturz-im-bergell-erneuter-erdrutsch-in-bondo-ld.1312746) passiert, ist ungefähr das, was ich beschreibe: ins Tal purzelnde Dreitausender. Fürs Wattenmeer habe ich entsprechende Wasservisionen. So what?
Heute: Hafenfest im Meldorfer Speicherkoog im Rahmen der Nationalparkwoche bei idealen Wetterbedingungen. Fast windstill, die Flut läuft erst am Nachmittag auf, auch heute wieder mindestens einen halben Meter über MHW, dh die Zeit zum Schwimmen verlängert sich insgesamt um eine gute Stunde, nach meiner Prognose steht man und frau am Badestrand Elpersbüttel von 15 bis 18 Uhr brusthoch in der Nordsee!
10:00 Uhr Wattwanderung
14:00 Uhr Hafenfest für groß und klein
ab 18:30 STAY live
https://www.nordseetourismus.de/veranstaltungen/meldorf/e-meldorfer-hafenfest
Was dieser Tage in Bondo im graubündnernisch-malerischen Bergell (siehe zB hier: Bericht von gestern https://www.nzz.ch/panorama/kurzmeldungen/felssturz-im-bergell-erneuter-erdrutsch-in-bondo-ld.1312746) passiert, ist ungefähr das, was ich beschreibe: ins Tal purzelnde Dreitausender. Fürs Wattenmeer habe ich entsprechende Wasservisionen. So what?
Heute: Hafenfest im Meldorfer Speicherkoog im Rahmen der Nationalparkwoche bei idealen Wetterbedingungen. Fast windstill, die Flut läuft erst am Nachmittag auf, auch heute wieder mindestens einen halben Meter über MHW, dh die Zeit zum Schwimmen verlängert sich insgesamt um eine gute Stunde, nach meiner Prognose steht man und frau am Badestrand Elpersbüttel von 15 bis 18 Uhr brusthoch in der Nordsee!
10:00 Uhr Wattwanderung
14:00 Uhr Hafenfest für groß und klein
ab 18:30 STAY live
https://www.nordseetourismus.de/veranstaltungen/meldorf/e-meldorfer-hafenfest
Freitag, 25. August 2017
entmannen
Der Westwind ist so stark, dass das Wasser über die Badetreppe aufläuft. Schwimmen ist schwierig bei dem Wellengang, aber schaukeln schön. Zum Präfix ent- entbietet der Duden ungefähr zwei Kilometer Erklärungen. Ich zitiere hier nur die erste: "ent-: 1. drückt in Bildungen mit Verben aus, dass etwas wieder rückgängig gemacht, in den Ausgangszustand zurückgeführt wird." Punkt. Als Beispiele nennt er dazu die Alltagsverben (Hand aufs Herz, wer benützt sie nicht täglich? mein Rechtschreibprogramm hingegen beanstandet sie alle drei!) "entbürokratisieren, entnuklearisieren, entproblematisieren." Wer selbst nachlesen will, bitte hier: http://www.duden.de/rechtschreibung/ent__befreien_von
Natürlich sind heute nur Frauen ohne Männer (= entmannte Weiber?) am Badestrand Elpersbüttel anzutreffen. Und ich bin die Jüngste.
Natürlich sind heute nur Frauen ohne Männer (= entmannte Weiber?) am Badestrand Elpersbüttel anzutreffen. Und ich bin die Jüngste.
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