Immer wieder sintflutartige Schauer. Immer wieder Sturmböen. Der Starennistkasten ist vom Kastanienbaum gefallen. Materialermüdung. Der Holzstab, durch den die Schrauben in die Rinde getrieben wurden, einst, vor Jahren, ist morsch und der ständigen Erschütterungen in luftiger Höhe müde. Die Schrauben sitzen noch am Stamm. Der schwere Holzkasten liegt auf den Wurzeln im Gras.
Samstag, 31. Juli 2021
Freitag, 30. Juli 2021
Feuerring
Der Pazifik hingegen ist von einem Vulkangürtel umgeben, dem sogenannten Feuerring. Es ist die geologisch aktivsten Zone der Erde. Dort kommt es nicht zu seichten Sommerlandunter sondern aufgrund seismischer Erschütterungen immer wieder zu handfesten Ereignissen: See- oder Erdbeben, gefolgt von Tsunamis. Oder eben Eruptionen von flüssiger Lawa, Asche, Gasen, Gesteinen. Phreatomagnetische Eruption, heftige Dampfexplosionen bei Kontakt von Magma und Wasser. Lahare, Schlamm- und Schuttströme, pyroklastische Surges ... Nun ist auf Lembata in Indonesien der Lewotolo ausgebrochen und hat nebst allem anderen Unheil auch einen Wald in Brand gesetzt:
Donnerstag, 29. Juli 2021
Sommerlandunter
Mitten im Sommer. Windgeschwindigkeiten zwischen stark, steif und stürmisch, zwischen 6, 7 und 8 Beaufort. Tagsüber immer wieder Warnung vor Böen, Starkregen und Gewittern. Dazwischen Sonnenschein und schwüle Hitze. Ein ziemlich unerträgliches Gemisch. Herr Caruso ist der beste Wetterfrosch. Wenn er gar nicht vor die Tür will, sich am Nachmittag sogar auf mein Bett unters Dach zurückzieht, dann ist nicht gut Kirschen essen. In einer Regenpause ernte ich Blutpflaumen. Noch ziemlich sauer. Aber der Sturm holt sie vom Baum und der Regen peitscht sie auf. Und in der nächsten Pause muss ich dringend meine dicken Freilandtomatenstauden retten. Auch so geht der Tag um. Natürlich ohne Ausflug an und in die Nordsee. Sie ist auf dem Weg zu mir, läuft einen Meter über Normal auf. Sommerlandunter auf den Halligen.
Mittwoch, 28. Juli 2021
Buchenwald
Auch schützenswerte alte Schweizer Buchenwälder gehören neu zum Weltnaturerbe. Die Buchen am Solothurner Bettlachstock und die Buchen im Tessiner Valle di Lodano. Lob der Bäume!
Aber Buchenwald ist ein zwiespältiges Wort, jedenfalls für mich, in allen grammatischen Geschlechtern. Der Buchenwald in den Karpaten (gehört mit dem transnationalen Buchenurwald auch der Unesco). Das KZ Buchenwald auf dem Ettersberg (das nur durch ein im Bauhausstil gestaltetes Tor mit der Inschrift "Jedem das Seine" betreten werden konnte). Die Gedenkstätte Buchenwald.
Die Buchen am Bettlachberg sind bis zu 200 Jahre alt. Sie wachsen weitgehend unbeeinträchtigt in einem kantonalen Naturreservat. Die Buchen im Tessin hingegen sind behütet von den Seitenarmen des Maggiatals. Schön, nicht? In der Begründung der Unesco heißt es (sinngemäß und stichwortartig): relativ ungestörte ("undisturbed"), komplexe Buchenwälder, die ein breites Spektrum ökologischer Muster und Prozesse unter einer Vielzahl von Umweltbedingungen offenbaren. Auch diese Bäume hab ich schon in natura bewundert!
Dienstag, 27. Juli 2021
Quanzhou
Quanzhou - eine Stadt am Meer. Eine Quellenstadt. Eine Mündungsstadt. Eine Stadt an einer Meerenge. Eine Marco Polo Stadt. Eine Stadt an einer Wasserstraße. Eine Stadt an der Taiwan- oder Formosastraße, die das Ostchinesische mit dem Südchinesischen Meer verbindet. Quanzhou - nach Marco Polo "der größte Hafen im Osten". Eine Stadt auf der Liste der UNESCO-Welterbestätten, seit heute oder gestern.
Quanzhou - eine Stadt, deren Name niemand ausserhalb Chinas korrekt aussprechen kann, auch ich nicht. Aber ich war schon einmal in Quanzhou, stumm wie immer in jenem Land, ließ mich herumführen und auf dem Gemüsemarkt begaffen und besuchte das Marinemuseum. Im oberen Stock tropfte es von der Decke. Daran kann ich mich noch lebhaft erinnern, als sei es gestern gewesen. Die Wasserlachen am Boden inspirierte mich zu einer kleinen literarischen Reise in das Innere. Abgesehen davon gibt es in jenem Museum die weltweit einzige und deshalb größte Sammlung chinesischer Holzschiffsmodelle.
Quanzhou - war für mich der Ausgangspunkt für eine Sammlung von Bruder-Wang-Geschichten, die, zu meiner eigenen Verblüffung - eben püfend aus der Schublade gezogen - recht umfangreich und unveröffentlicht ist.
more sea here / Meer siehe hier (Übersetzung und Rechtschreibung JA!): http://www.china.org.cn/china/2021-07/27/content_77654871.htm
Montag, 26. Juli 2021
Mondumarmen
Mondumarmenwollen hat Tradition bei den Dichtern und Denkern. Der Mond übt seine unheilvolle oder heilvolle Kraft beständig aus. Die Auswirkungen auf uns Irdische, die sogenannte "Mondsucht" ist aber allein das Resultat unserer physischen oder psychischen Disposition, der Empfänglichkeit von Seele und Leib.
Nazar Hontschar (Hončar) - ich berichtete bereits, vor 11 oder 12 Jahren im Herbst - ist beim Schwimmen gestorben. Ich dachte immer, weil das so schön zu ihm gepasst hätte, er sei ertrunken beim Versuch, den Mond zu umarmen, einsam an jenem See, in jenem verlassenen Steinbruch, in jener gottverlassenen Nähe von jenem Užgorod (Uschgorod), das seinen Namen von dem Fluss Už (Usch) hat, der natürlich vor den über Hunderttausend Užgoroderinnen und Užgoroder dort sein geschlängeltes Bett bezog, von der karpatischen Wasserscheide herab, in jenem Transkarpatien, jenem Zwischenland, einem Dreieck zwischen der Ukraine, Ungarn und der Slowakei. Direkt an der slowakischen Grenze wohl, wo auch die Už das eine Land verlässt und ins andere hineinfließt, träge und schwer auf dem Weg zur Donau und ans Schwarze Meer, direkt an dieser Grenze wollte Nazar einfach nur schwimmen. Sich abkühlen, erholen, ausruhen. For ever young!
Den Mond konnte Nazar an jenem frühen Abend oder späten Nachmittag nicht sehen, denn es war heiß und der Himmel fahl, vollkommen farblos im Tageslicht. Das Unglück nahm seinen unsichtbaren Lauf. Der Mond befand sich in seiner allerletzten abnehmenden Phase. Drei Tage vor Neumond, am 21. Mai 2009, versagte Nazars Herz plötzlich.
Erst nach seinem Tod diagnostizierten die Ärzte eine ischämische Kardiomyopathie.
Ich weiß nicht, warum ich gerade heute an Nazar denken muss.
postscriptum nun (10:01 Uhr) weiß ich es: für Sigi, unseren besten Tenor!
Sonntag, 25. Juli 2021
Springtide
Am Nachmittag stapeln sich die Badelustigen am Deich. Und in der Meldorfer Bucht. An den Badetreppen. Vor den Duschen. Es fügt sich gerade alles zum Besten: Wetter, Wochenende, Wasserstand. Die Springverzögerung beschert uns fast doppelt soviel Badezeit wie beim durchschnittlich mittleren Hochwasser. Fast ein Halber Meter höher auflaufendes Wasser bedeutet eine zusätzliche Stunde vor dem Erreichen des Scheitelpunktes sowie eine danach. Zeit ist relativ - so wie alles andere auch - am Wattenmeer. Sie kann schnell oder langsam laufen, schneller oder langsamer, je nach der hin- und herbewegten Masse. Schwerstarbeit.