Dienstag, 31. Dezember 2019
Zwischen Zwei und Drei
Zwischen Zwei Uhr nachmittags und Drei Uhr in der Nacht (morgen früh/next year) zittert Herr Rasputin. Er frisst nicht, trinkt nicht, geht nicht mehr raus, verkriecht sich unter mein Bett oder - neu in diesem Jahr - liegt auf der zweiten Etage in der nicht eingeschalteten Sauna, in einer Ecke zusammengekauert, auf einem weichen Katerkissen und einem frischgewaschenen Katerhandtuch, damit er die Holzrippen nicht auf seinen mageren Rippen spürt. Dieses Holzhaus im Steinhaus hatte er kürzlich entdeckt, als er wieder sehr krank und sehr schutzbedürftig war. Ich hatte in den letzten Tagen versucht, seine Seele auszupolstern, träufelte Bach'sche Bio-Notfalltropfen über sein Futter in der Hoffnung, die würden sein sonst so ungebrochen stolzes Selbstbewusstsein stärken und die körpereigenen Abwehrkräfte mobilisieren. Aber nein. Seit dem ersten Kracher pünktlich um Zwei ist er nur noch ein Häufchen Elend. Es gibt keine funktionierende firewall für ein sensibles Tier an Silvester.
Montag, 30. Dezember 2019
Zwischen Sechs und Sieben
Die letzte Meldorfer Montagsmahnwache in diesem Jahr:
18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg
18:00-18:30 Uhr Südermarkt
Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg
Sonntag, 29. Dezember 2019
Zwischen Acht und Vier
Sonntag zwischen den Jahren. Für mich: zwischen den Tagen. Seit gestern ist es kalt. Das Trinkwasser für Herrn R. auf der Terrasse ist über Nacht zugefroren. Um Acht herum gibt es spektakuläre Farben am Himmel, etwa eine halbe Stunde lang. Dann geht die Sonne auf und verschwindet sofort hinter den Wolken. Grau und trübe, aber trocken. So wird es bleiben bis Vier.
Samstag, 28. Dezember 2019
Das Museum der Dinge
In Berlin gibt es das Museum der Dinge. In einem dritten OG an der Oranienstraße. Die Dinge, die mit dem Aufzug hochkommen wollen, müssen einer genauen Überprüfung standhalten. Die Besucher nicht. Die sollten lesen können und sich an die Öffnungszeiten halten. Ding ist nicht gleich Ding. Produkt nicht gleich Produkt. Kultur nicht gleich Kultur. Qualität nicht gleich Qualität. Das Museum ist strenger als eine Mutter. Lehnt strikt ab, was nicht in seine rationalen Kriterien passt. Gesteht aber gleichzeitig, dass ein Ding durchaus Modell des Alltäglichen Lebens Kleiner Leute sein kann. Zum Beispiel das Tafelservice mit falschem Goldrand, von dem nur noch zwei Teller übrig sind. Oder das nie benützte, deshalb noch vollständige Sonntagsservice mit doppeltem Goldrand. Das Museum unterscheidet zwischen individueller und kollektiver Erinnerung und gibt natürlich immer der Masse den Vorzug.
Freitag, 27. Dezember 2019
Linda
Ich legte die letzten Tage 74 km auf dem Fahrrad zurück. Nur Stadtfahrten. Auf dem Weg zu und von einem verlassenen Kater. Meist war es dunkel. Und ich sah die erstaunlichsten Dinge in verschiedenen Häusern sowie am Himmel über der Stadt. Und hab nun eine Schatztruhe voller eingesammelter Träume, von denen andere nur schätzen können. Zum Beispiel: am 25.12. um 07:33 Uhr hielt ein Auto vor dem Kartoffelautomaten an der Hafenchaussee. Ich kam aus der Promenade geschossen und fuhr quer über die Kreuzung, da weit und breit kein Mensch, kein Hund, kein Fahrzeug zu sehen war. Außer besagtem Standbild: Der Fahrer blieb im Auto sitzen. Der Weihnachtsmorgen war frisch. Die Beifahrerin stieg aus. Wer sonst. Warf Münzen ein. Hievte den 10-Kilo-Sack LINDA auf den Rücksitz, stieg wieder zu, das Auto fuhr los und bog 3 Häuser weiter auf die Auffahrt ein. Ich war da schon links abgebogen zu dem hungrigen Haustier und wunderte mich nur leise im Hinterkopf, ob wirklich zwei Menschen in der Früh des ersten Feiertags nichts anderes zu tun haben, als ihr Auto aus der Garage zu holen, drei Schritte zu fahren und zehn Kilo Kartoffeln zu kaufen ...vielleicht aber: waren sie auf dem Heimweg. Von einer Weihnachtsbescherung satt. Und wussten, dass die Kartoffeln im Keller alle sind. Und der Hunger wiederkäme. Wie ein Untoter.
Donnerstag, 26. Dezember 2019
Antumbra
Heute ist Neumond. Und in Singapur, Indien oder Indonesien können die Leute eine ringförmige Sonnenfinsternis beobachten. Wenn sie rechtzeitig in den Himmel gucken. Die Antumbra, oder der Ringschatten, ist der hellere Teil des Schattens, der jenseits des Kernschattens entsteht, also in einer größeren Entfernung zum schattenwerfenden Objekt - hier des Mondes -, das wiederum kleiner sein muss als die lichtspendende Quelle - hier die Sonne. Und dann entsteht der Ring. Oder der Feuerkranz. Um die eigentlich verfinsterte Sonne. Die bei uns noch lange nicht aufgeht. Wir am Wattenmeer haben Dunkelheit pur.
Hier in den Animationen ist das Geschehen auf der anderen Seite der Erdkugel auch für uns zu sehen:
https://www.timeanddate.de/finsternis/sonne/2019-dezember-26
Hier in den Animationen ist das Geschehen auf der anderen Seite der Erdkugel auch für uns zu sehen:
https://www.timeanddate.de/finsternis/sonne/2019-dezember-26
Mittwoch, 25. Dezember 2019
Weihnachtsfeuer
Nicht nur meine Seelenphantasie verbindet Feuer mit Heiligabend. Auch der Lauf der Welt. In Herzogenbuchsee (Buchsi im Bögli-Slang) ist gestern früh ein Brand im Kirchturm ausgebrochen. Nachdem das Feuer am Abend erneut zu lodern begann (warum auch immer) stürzte der Turm in der Nacht ein. Das dabei entstandene Loch ermöglichte der Feuerwehr schließlich, den Brand unter Kontrolle zu bringen und zu löschen. Brandwache dauert. Notre-Dame im Berner Oberaargau!
https://www.bernerzeitung.ch/region/oberaargau/erneuter-brand-im-kirchturm/story/24244027
Zur Frage nach dem Lieben Gott siehe untern (Post von gestern).
https://www.bernerzeitung.ch/region/oberaargau/erneuter-brand-im-kirchturm/story/24244027
Zur Frage nach dem Lieben Gott siehe untern (Post von gestern).
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