... iuris wypierdalać! Das Leben von Frauen - nicht nur in Polen - wurde immer schon und wird immer noch von Männern bestimmt. Banal! Am extremsten, wenn diese Männer, die über das Leben von Frauen das Sagen haben, Männer im Ornat sind und qua freiwilligem Gelübde, sozusagen zölibatär leben. Ordo Iuris ist so etwas wie das polnische Opus Dei, und da packt uns Frauen - euch dort in Polen aber das Geschwür greift um sich, guckt Euch nur die geschleckten jungen christlichen Gesichter in D und sonstwo an - schon das Grauen. Eine Denkfabrik zum Fürchten, schreibt Der Freitag. Nicht heute Freitag. Aber es passt trotzdem.
Freitag, 22. Oktober 2021
ordo ...
Donnerstag, 21. Oktober 2021
oho!
oho! Wetter im Wechsel. Herr Caruso ist ohne tätlichen Angriff auf mich in den Transportkorb gestiegen. Nun ja, gestiegen ist euphemistisch ..., ich musste ihn schon in die Enge treiben und schubsen, nachdem die süße Verführung mit Leckerlis nicht fruchtete. Um ihn, da gibt es nichts zu beschönigen, einzusperren und zwangsweise zur Tierärztin zu verfrachten. Freiwillig würde er da nie hinfinden. Er hat andere Ziele in seinem Katerkopf, seiner Katerseele, seinem irdischen Katerdasein. Ich aber bin für seine Gesundheit verantwortlich. Also kommt er geschützt in seinem Korb, trocken unter meiner signalgrünen Regenjacke hinten auf meinem Fahrrad durch den strömenden Regen in die Praxis. Ich hingegen werde auf dem Hin- und auf dem Rückweg bis auf die Haut nass, muss gegen Hendrik oder Ignatz kämpfen, letzterer soll bereits über alle Berge sein und ersterer umso wütender. Nun denn.
Nun haben wir 2 Jahre Ruhe, mein geimpfter Kater und seine geimpfte Fahrradkurierin. Auch der Impfstoff für Katzen sei derzeit knapp, hörte ich. Alles ist knapp. Nur die Windkraft nicht. Hendrik hilft der Sonne durch die Wolken, kaum sind wir wieder zu Hause angekommen und abgestiegen.
Mittwoch, 20. Oktober 2021
o - o ...
... schon wieder Vollmond. Schon wieder ein o-lastiges zweisilbiges Wort. Mein dreisilbiger Caruso mit ausgeglichener Vokalverteilung hat sich den Magen verdorben. Vielleicht eine nicht mehr ganz frische Maus erwischt? Jedenfalls wollte er heut früh nicht fressen. Am Mittag bin ich ihm dann in den Garten nachgestiegen, um seine Ausscheidungen zu überprüfen. Unappetitlich! Aber danach schien Ruhe eingekehrt zu sein in seinem Verdauungstrakt und der Appetit war wieder da! Dafür kommt nun Unruhe draußen auf, es schüttet bereits vom Himmel, das Sturmtief stiefelt im Doppelpack an. Ignatz und Hendrik. Ohne ein einziges o. Werden über dem Dach toben die ganze Nacht.
Dienstag, 19. Oktober 2021
Onsernone ...
... ist einfach ein schöner Name für einen Ort. Einen Fluß. Ein Tal. Eine Gemeinde. Im Ticino. An der Grenze zwischen In- und Ausland. Je nachdem, auf welcher Seite man steht. Kürzlich hörte ich eine Lange Nacht zu Marlen Haushofer und musste einmal mehr über ihre "Wand" nachdenken. Die Lange Nacht brachte für mich dazu nichts neues. Aber der Roman könnte zB auch im Valle Onsernone spielen. Er kann überall spielen. Irgendwann vor langer Zeit bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass die Wand im Roman "Die Wand" nur den Zweck verfolgt, der Protagonistin einen rechtsfreien Raum zu schaffen, einen Raum, zu dem niemand außer ihr Zutritt hat. Einen Raum, in dem sie ungestraft ein Verbrechen begehen darf, nämlich den Mann zu erschießen, der eines Tages auftaucht. Wir erfahren natürlich nicht, wie, warum und woher der Mann in dieses Universum, den geschützten Raum eindringen konnte. Es ist auch nicht wichtig. Wichtig ist die Elimination des Maskulinen. Die Protagonisten fragt sich nach der Tat, warum der Mann ihre (notabene männlichen) Tiere (den Stier und den Hund) mit der Axt getötet habe. Und verschwendet keinen einzigen Gedanken daran, warum sie selbst ohne zu zögern (nein, sie macht sich sogar Vorhaltungen, dass sie zu lange braucht, die offenbar genau für diesen Fall geladene Flinte von der Hüttenwand zu holen) zum Jagdgewehr gegriffen und den Mann hingerichtet hat.
Onsernone. Die Wand, sagte die Autorin, die sie meine, sei "eigentlich ein seelischer Zustand, der nach außen plötzlich sichtbar wird." Ich google ein bisschen. Finde das Onsernonetal und einen Eintrag auf fembio.org:
"Vielleicht ist dem Publikum allerdings gerade Haushofers brisantestes
und damals zweifellos skandalös bahnbrechendes Werk vorenthalten
geblieben. Hans Weigel, in den 1950er Jahren der mächtigste Mann im
österreichischen Literaturbetrieb, riet Haushofer von der Publikation
ab, woraufhin sie das Manuskript offenbar vernichtete. Später bekannte
Weigel, dass der Roman „großartig geschrieben“ war, „er war lebendig,
plastisch, er hatte alles was ein Roman haben soll“ (zitiert nach
Strigl, S. 179). Warum also wollte er ihn dann aber partout nicht
veröffentlicht sehen? Es war der Inhalt, der dem Herrn missfiel: Einige
Frauen tun sich zusammen, töten einen „besonders widerlichen Mann“ – und
kommen damit davon (zitiert nach ebd.). Das konnte er natürlich nicht
durchgehen lassen." https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/marlen-haushofer/
Montag, 18. Oktober 2021
Obolus ...
... ist etymologisch mit Obelisk verwandt, aber der Duden verbietet die Schreibweise mit "e" in der zweiten Silbe, dafür erlaubt er zwei Pluralformen: der Obolus, die Obolusse oder die Obolus (kleine Münzen, keine Geldspende). Immer mit doppel-o: o-o! Die Obolusse erinnern phonetisch eher an Autobusse als Obelisken, aber beide wecken in mir (warum, weiß nur der Himmel) die Erinnerung an Berlin. Griechisch obolós - mit drei o-o-o! - ist aber (immer noch nach Duden) eine mundartliche Form von obelós - der (Brat-)Spieß. Die ersten Obolusse, so vermuten die Gelehrten, hatten die Form spitzer Metallstücke. Und eigneten sich deshalb - dies meine höchstpersönlich eigene Schlussfolgerung schlecht als Charonspfennig - den Obolus, den man Toten zwischen die Lippen legt für Charon, den Fährmann, der sie über den Styx schippern soll. Und sie eignen sich auch nicht als Augendeckelbeschwerer. Die Münzen, die Toten auf die Augen gelegt werden, haben nämlich weder mit dem Styx noch mit dem Obelisken etwas zu tun, sondern sind rein praktischer Natur: sie sollen verhindern, dass die Augen wieder aufspringen und so die Totenruhe gestört wird. Weil alles Lasterhafte durch die aufgerissenen Augen wieder in den Leichnam einfließen könnte.
Sonntag, 17. Oktober 2021
Obdach ...
... ist ein Regenwort. Ein Sonntagswort. Ein Wort zum verregneten Sonntag. Heute findet kein Sonnenaufgang statt. Aber Herr Caruso hat bei mir Obdach gefunden und ist mittlerweile, nachdem das Rückgabe- oder Rückforderungsrecht ungenutzt nunmehr seit genau einem Monat verstrichen ist, Hauptwohnsitznehmer in meinem Haus. Oder besser: Hauptliegeplatznehmer. Er liegt nach wie vor immer noch am liebsten auf seinem Kissen vor der Küchentür, zieht sich aber, wenn Besuch kommt oder aus anderen Gründen das Treiben tagsüber unten zu bunt wird, schon mal gerne auf mein Bett im oberen Stock zurück.
Auch Obdach ist ein veraltetes Wort und wird höchstens noch in Amtsstuben in den Mund oder in die Hand genommen. Landläufig ist eher sein Gegenteil bekannt, oder sichtbar. Menschen, die kein Obdach haben, obdachlos sind, Obdachlose. Die Verkörperung eines universellen schlechten Gewissens. Um Obdachose sollten wir (alle!) uns eigentlich kümmern, ihnen Obdach (vorübergehende Unterkunft) - und nicht nur einen einmaligen Obolus (siehe morgen) - gewähren, da sie sich offenbar (siehe gestern) in einer Notsituation befinden. Und so beißt sich die Katze oder der Kater in den Schwanz.
Nicht jede oder jeder Obdachlose hat das Glück eines Herrn Caruso, der nachts Freigang genießt und tagsüber sich sein Plätzchen zum Schlafen unter meinem Dach nach Lust und Laune aussuchen kann. Und darüberhinaus alle 4 Stunden geweckt und gefüttert wird.
Samstag, 16. Oktober 2021
offenbar ...
... - bedeutet was ?
Der heutige Lehrtext zur Tageslosung sagt: "Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi." (2. Korinther 5,10)
Der Duden sagt, das Adjektiv offenbar bedeute "offen zutage tretend, klar ersichtlich", das Adverb offenbar aber das genaue Gegenteil, nämlich "dem Anschein nach, wie es scheint". Das Verb offenbaren hingegen zieht so etwas wie eine Enthüllung nach sich, da wird man oder frau sozusagen splitternackt ausgezogen und etwas, was bisher "verborgen" oder "nicht bekannt" war, wird offen gezeigt. Sich offenbaren geht dann offenbar noch einen Schritt weiter in die Untiefen der Psyche und besagt, jemandem vertraulich seine Probleme schildern ...
Was will also der Korintherbrief von uns? Dass unser Leben offenbar macht - offen legt! -, dass wir gelogen haben, aufrichtig waren, fleißig oder faul? Oder dass wir offenbar - gewiss ist es allerdings keineswegs! - Lügner oder Lügnerinnen sind, aufrichtige oder unaufrichtige, fleißige oder faule Zeitgenossen? Oder dass wir heulend und zeternd das Innerste nach außen kehren und lautstark - offen! - unsere persönliche Pein beklagen?