Samstag, 14. November 2020

stehlen

Laut Duden bedeutet das Verb "stehlen" fremdes Eigentum, "etwas, was einem nicht gehört" in seinen Besitz bringen. Heimlich oder unbemerkt an sich nehmen. Vielleicht ist das im Englischen/Amerikanischen anders. To steal the limelight? to steal sb's heart? to steal sb's thunder? to steal a march on [the competition] im Sinne von  to be one step ahead?

Deutsch kann man höchstens jemandem die Show oder Schau stehlen (im englischen auch: to steal the scene / the show from sb), nicht aber die Wahl. Alle, die ein Wahlrecht besitzen (= ein entsprechendes Alter erreicht haben sowie die entsprechende Nationalität besitzen) können es unbenommen ausüben und sich so an der Wahl beteiligen. Man kann höchstens den Wahlzettel stehlen, oder die ganze Wahlurne, etwas Konkretes eben - aber nicht den Wahlvorgang an sich, das Abstraktum Wahl! Wo soll man das denn hinstecken?

Warum wiederholen alle unreflektiert diesen sprachlichen Unsinn? Tagaus, tagein, seit Wochen, Monaten?

Wahlen kann man fälschen, aber nicht stehlen. Wusste das dieser plötzlich Ergraute (auch da ist er nicht der Einzige in der Geschichte) nicht ?

Freitag, 13. November 2020

Freitag der Dreizehnte

Es ist der zweite und letzte in diesem Jahr. Am ersten, im März, begann diese neue Ära, die bis heute nicht zu Ende ist. Sondern im Gegenteil gerade in Schwung kommt. Lockdown, homeoffice, newspeak oder traditionell Stubenhocken, auf sich selbst zurückgeworfen und in die eigenen vier Wände eingekapselt in jedem Menschen eine potentielle Bedrohung (Virenschleuderer) sehen. Nicht schön. Und man kann es keiner/keinem verübeln, die oder der in solchen Zeiten Allmacht- oder Heilsbringerphantasien entwickelt. Irgendwo am Horizont muss doch Rettung in Sicht sein. Herr Caruso hat mir heute erlaubt, eine Zecke von seinem Genick zu entfernen. Das ging nicht ganz ohne Hinterlist (Futter vorenthalten - Rat der Tierärztin: immer mit einem nüchternen Tier in die Praxis kommen), aber ganz ohne Bissattacke. Ich frage mich allerdings, warum Mitte November immer noch Zecken unterwegs sind. Und warum die Chemiekeule, die ich ihm auf Anraten eben jener klugen Tierärztin und gegen meine innere Überzeugung verpasst hatte, die Parasiten nicht erfolgreich fernhält. Ich werde wieder - das ist die Zukunftsperspektive unserer Hausgemeinschaft - zu meinem Hausmittel greifen: Biokokosfett mild gedämpft. Er mag das oder fürchtet es zumindest nicht (wie Herr Rasputin, der nun, Gott hab ihn selig, unter einer dicken Laubdecke im Garten liegt), hat mir die Reste gerade neugierig von den Fingerkuppen geleckt.

Donnerstag, 12. November 2020

Sehnsuchtsorte

 Jetzt ist daraus unverhofft und allen Krisen zum Trotz ein Buch geworden: 

Ich blättere ganz ungläubig und staunend, mein Japsand-Sehnsuchtsort ist drin und viele andere, wunderliche Orte und Geschichten. Ich lese und gucke die halbe Nacht. Wer schon an Weihnachten denkt oder immer noch nicht alle Geschenke beisammen hat: versandkostenfrei zu beziehen beim Achter-Verlag: achter-verlag@t-online.de oder in Meldorf im Peter Panter Buchladen zum Preis von 22,50 €.

ISBN 978-3-948028-091

236 Seiten, 200 Fotos und - wie immer bei diesem Verlag: sorgfältig gestaltet, Hardcover, Fadenheftung und Lesebändchen!

Mittwoch, 11. November 2020

Schlüsselloch

Schlüssellochperspektiven oder Nadelöhraussichten: Das Wort zum Tag (nicht meine Schöpfung, sondern die des Evangelisten Markus): 

Was hilft es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und Schaden zu nehmen an seiner Seele?
Markus 8,36

Kürzlich sagte ein kluger Mensch (David Grossman) sinngemäss, alles Wesentliche der großen Weltgeschichte geschehe innerhalb der Familie, nicht in der Politik, nicht in der Wirtschaft und nicht in der Kultur. Ich bin nicht sicher, ob ich ihm wirkllich zustimmen mag, aber unter den momentanen Bedingungen (Nordseemorgennebelfelder) wäre ein Blick über den großen Teich sehr verlockend, in ein Weißes Haus (ist das wirklich weiß?), ins Schlafzimmer - oder meinetwegen an den Frühstückstisch - eines Mannes, der sich gerade vor der ganzen Welt blamiert.

Dienstag, 10. November 2020

Laub

Ich wate durch mein Laub. Zerhäcksle es mit dem Rasenmäher. Der Nachbar jagt vereinzelten Blättern in seinen Beeten mit dem Laubsauger nach. Die meisten Blätter fallen in meinen Garten. Oder auf die Straße.  Wir müssen uns ranhalten. Denn das magere Licht, das schon den ganzen Tag nur mühselig durch den Nebel sickert, wird bald von seiner Qual erlöst.

Montag, 9. November 2020

Zwischentöne

Nebel. Herr Caruso bringt schöne kugelrunde tiefrote Bluttropfen nach Hause. Eine hängt über der Katzenklappe. Die anderen tropfen vor seiner Schnauze auf den Fußabtreter, auf dem er sich auszuruhen geruht von den Strapazen auf der anderen Seite der Welt. Er scheint unverletzt, soweit ich das sehen und beurteilen kann. Also war er auf der Jagd! Hat sich Nachtisch besorgt, nach meinem liebevoll für ihn zubereiteten, aber zugegebenermassen nach striktem Diätplan abgewogenen Frühstück! Sobald es richtig hell ist, werde ich den Garten nach dem Kadaver absuchen. Noch hat er mir keine Trophäen vors Bett oder auf den Perser gelegt. 

Sonntag, 8. November 2020

Farbenspiel

Der Herbst leuchtet! Wir (Ihr) hatten(t) auch einmal einen Bundeskanzler mit einem "Riesen-Ego" (Zitat Handelsblatt). Aber sein selbsternannter Wahlerfolg war von kurzer Dauer und ging nicht um die Welt. Vielleicht muss einer, der nicht verlieren kann, tatsächlich Präsident der Vereinigten Staaten werden, um genau das zu lernen. Eine ehemalige EKD-Vorsitzende sagte nach ihrem selbstgewählten Rücktritt, sinngemäß, es könne niemand "tiefer als in Gottes Hand" fallen. Vor dem Fall steht der Aufstieg. Niemand weiß es besser, als die Boulevardmedien (nicht nur die, die sogenannten sozialen können's tatsächlich besser), wie ein Fallen effektiv ausgeschlachtet (ja, unappetitlich!) werden kann. Je höher der Höhenflug, desto tiefer der Absturz. Wir dürfen gespannt sein, wie es dem Verlierer gelingt, sein Gesicht zu retten. Denn soviel steht ihm zu! 

Ich wate derweil im Garten Eden durch Goldenes Laub. Gestern hatte ich frei und fuhr unter einem unglaublich blauen Himmel bis an die äußerste Spitze von Helmsand.