Mittwoch, 7. November 2012

Bach im Radio

Vor einer Woche, am Vorabend der polnischen Zaduszki, während weltweit Halloween gefeiert wurde, lag ich krank im Bett und hörte im polnischen Radio 2 (Dwójka) Bachs Johannespassion. Die Aufzeichnung einer Aufführung während des diesjährigen Festivals Wratislavia Cantans. Gesungen vom Tavener Consort, mit dem Breslauer Barockorchester (Wrocławska Orkiestra Barokowa), unter der Leitung von Andrew Parrot.
Erstaunt hatte mich nicht nur, dass zu Allerheiligen die Passionsgeschichte präsentiert wurde. Erstaunt hatte mich vielmehr, dass das Verhältnis von Chor zu Orchester umgekehrt zur üblichen Aufführungspraxis war. Den Chorpart sangen 4 (vier!) Sänger, unterstützt von den 4 (vier!) Solisten. Das Orchester bestand aus mindestens doppelt so vielen Musikern. Bach soll angeblich einen Dreifachchor gefordert haben. Parrot erklärt dies mit "finanziellen, an die Maezene gerichteten Appellen", so eine pompöse Ausstattung habe es wahrscheinlich nie gegeben.
Aber Parrots minimalistische Besetzung ist auch nichts neues. Der Basler Bachkantatenchor führt Bach nur mit höchstens zwei Sängern (sic!, meist wird auch der Alt von mindestens einem Mann vertreten) pro Stimme auf. Immer schon.   

Dienstag, 6. November 2012

verdreht gewachsen

Windschief leitet sich nicht vom Wind, sondern von winden (drehen, verdrehen) ab Sagt der Duden "Unnützes Sprachwissen, Erstaunliches über unsere Sprache", der u.a. mit Volksetymologien aufräumt. Ein windschiefer Baum ist nicht vom Wind schief geweht, sondern verdreht gewachsen. Ob die Mitarbeiter der Dudenredaktion je an der sturmwindgeplagten Nordseeküste waren und die dort wenigen Bäume mit den eigenen Augen betrachtet, mit dem eigenen Verstand beurteilt haben?

Montag, 5. November 2012

86. Mahnwache in Meldorf

18:00-18:30 Südermarkt
Mahnwache gegen Atomkraft

Die Fische vor der Küste Fukushimas sind nach wie vor verseucht, der Meeresboden gibt weiter Radioaktivität ab und wahrscheinlich wird immer noch verstrahltes Wasser aus den Reaktoren ins Meer geleitet.
http://www.n-tv.de/politik/Fische-strahlen-unvermindert-article7578776.html

Sonntag, 4. November 2012

Der dornige Arganbaum

Der Arganbaum, auch Ziegenbaum oder Eisenholzbaum genannt, ist einer der ältesten Bäume der Welt. Heute wächst er nur noch im Südwesten Marrokkos. Er liebt wüstenähnliche, trockene Regionen, verträgt als eine der wenigen Pflanzen direkte Sonnenglut. Auf der Suche nach Wasser kann er seine Wurzeln bis zu 30 Meter in den Sand treiben. Tausende von sehr scharfen Dornen schützen ihn vor Tierfrass. Nur Dromedare nagen an Arganblättern. Eine dicke Hornhaut in ihrem Maul schützt sie vor Verletzungen. Im Schatten der riesigen Arganbaumkronen wachsen Gräser und Getreide, von denen die Berber leben können.
Das Sammeln und Verarbeiten der Arganfrüchte war von jeher Sache der Berberfrauen. Das Öl, das aus den Fruchtkernen gewonnen wird, gilt als eines der wertvollsten überhaupt. Es findet nicht nur in der Küche Verwendung, sondern wirkt auch als Schönheitsmittel und Medizin. Es soll vor Krebs und Falten schützen.
Wie ich darauf komme?
Ich kaufte gestern eine neue Antiaging- oder Ewigjung-Gesichtscreme meiner Lieblingskosmetiklinie. Auf der Verpackung ist das marrokanische Gold aufgemalt und verschriftet als "bio olejek arganowy". Ich musste zuerst ins Wörterbuch gucken, bevor ich es mir zum Schlafengehen mit den eigenen sanften Fingerspitzen in die Wangen tätscheln mochte. Danach träumte ich tatsächlich von wiederkäuenden Dromedaren.

Samstag, 3. November 2012

Die seltenen Erden

Die japanische Regierung hatte knapp 15 Milliarden Yen für den Wiederaufbau des Nordosten des Landes nach dem Erdbeben und dem Tsunami vom 11. März 2011 bereitgestellt. 20 Monate später leben immer noch über 300 000 Menschen in Notunterkünften. Einem amtlichen Prüfungsbericht zufolge sind die Gelder zum Teil in ganz andere Projekte geflossen. So in den Straßenbau auf der Insel Okinawa (im Süden!), in den Export von Ausrüstung zur Katastrophenprävention nach Südostasien und in den Ankauf seltener Erden.
Was wollen die Japaner mit seltenen Erden? Frage ich mich. Die verseuchten Gebiete zuschütten?

Freitag, 2. November 2012

Die friedliche Erde

Ich wohne zwischenzeitlich am Rande des ältesten Friedhofs von Warschau (siehe blog vom 6. Mai diesen Jahres, Sonntagmorgen) und schlage zum Sonnenaufgang im Duden die Etymologie nach. Friedhof stammt nicht vom Wort Frieden ab, sondern leitet sich vom Althochdeutschen frīthof ab, dem eingefriedeten (abgegrenzten) Vorhof oder Hinterhof einer Kirche. Sag ich doch! 

Donnerstag, 1. November 2012

Das zügige Stilllegungsverfahren

Das Kernkraftwerk Brunsbüttel wird abgerissen. Für das Kraftwerk Krümmel soll ein zügiges Stilllegungsverfahren in Gang gebracht werden, sowie nachfolgend der Rückbau. Ich werde so schnell wie möglich nach Hause zurückkehren. Zuerst muss die Friedhofsreisewelle abflauen. In Polen sind heute (Allerheiligen) und morgen (Allerseelen) mehr Leute unterwegs als zu Weihnachten, Ostern oder vor den grossen Ferien.