Ich wollte bloß Äpfel holen in der ganzen Garage. Zwei waren frisch angebissen.
Ich wundere mich nicht. Und räume gedankenlos, wenn ich schon hier stehe, endlich die Kiste mit Schwiegervaters Zimmermannswerkzeug weg, die ich kürzlich am Boden hatte stehen lassen. Ich hatte eine seiner Holzraspeln gebraucht. Und dann kam der Baumfäller und ich musste in Eile das Bambuswindspiel vom Vogelbeerbaum herunter holen und legte es kurzerhand auf die Zimmermannswerkzeugkiste am Boden.
Bevor ich also die Kiste an ihren Platz hieven kann, muss ich das Windspiel hochheben. Aus den einzelnen Bambusröhren rieseln meine getrockneten Kürbiskerne vom letzten Jahr, die ich im Frühjahr nicht in die Erde gesetzt hatte. Nun wundere ich mich. Zuerst über das Geräusch, dann über die Bescherung am Boden. Von wegen Nikolaus, Stiefel vor der Tür, Überraschungseier. Die Kürbiskerne (ich habe immer Unmengen davon) lagen seit dem letzten Herbst in einer Plastikschale auf dem Weinregal, das wir vom Vorbesitzer geerbt haben und seither zweckentfremden. Die Schale ist leer. Das ist doch sehr verwunderlich. Denke ich plötzlich laut. Auch die diversen kleinen Blumentöpfchen, in denen ich diverse Samen aus dem Garten gesammelt und im ehemaligen Weinregal zum Trocknen aufgebahrt hatte, sind leer. Wunder über Wunder im Winter. Jemand hat nicht nur unsere Äpfel angeknabbert, sondern Hamsterverstecke angelegt. Wo allerdings die Malven-, Mohn- oder Wickensamen hingekommen sind, sehe ich auf den ersten Blick nicht.
Welches hungrige Tier am Wattenmeer ist so klein, dass es bei geschlossenen Türen und Toren in unsere Garage hineinkommt - und wieder hinaus, oder hockt es vielleicht irgendwo unter den Gartenstühlen, den Liegestühlen, den Gartentischen, zwischen der Gartengrillkohle oder hinter den alten Fahrrädern, dem Rasenmäher, dem Vertikutierer, und beobachtet still mein Wundern?
Welches hungrige kleine Tier am Wattenmeer ist so schlau, getrocknete Kürbiskerne in Bambusröhren zu verstecken?
Auf einem Weinregal herumliegende Äpfel anzubeißen, ist keine große Kunst. Die würde ich jeder grauen Wühlmaus zutrauen.
Aber Kürbiskerne von eben diesem Regal von Menschenbrusthöhe herunterzuholen, keinerlei verräterische Spuren zu hinterlassen, sie in den einzelnen Holzröhren eines mächtigen Bambuswindspiels zu verstauen, das nicht mehr im Sturm am Baum klappert, sondern vollkommen unnütz auf einer Kiste voller Zimmermannswerkzeug am Boden einer ganzen Garage liegt, in der trotzdem kein Platz mehr für ein Auto ist ...
Dienstag, 7. Dezember 2010
Montag, 6. Dezember 2010
Blitzeis
Die Welt am Wattenmeer ist spiegelglatt. Über Nacht ist alles gefroren. Mein Achillessehnengeplagter Professor hat einen Termin beim Chirurgen und zerbricht sich nun den Kopf, wie er mit heilen Knochen an die Oesterstraße kommen soll. Sogar Nikolaus weigert sich heute, seinen Dienst anzutreten.
Sonntag, 5. Dezember 2010
Frühlingsgefühle
In der Nacht fiel nochmals soviel Schnee, dass ich ihm nicht mehr Herr werde. Gegen Mittag fängt es an zu regnen und zu tauen. Es tropft von allen Seiten, aus allen Richtungen. In der Dämmerung schaufle ich einen Kanal frei zu den zwei Gullys, den einen bei den kahlen Ahornbäumen, den andern an der Ecke unseres Eckgrundstücks. Damit das Wasser ablaufen kann, eh es wieder gefriert. Und laufe dann selbst mit dem Salzeimer in der Hand den Bürgersteig auf und wieder ab.
Samstag, 4. Dezember 2010
Schneedach 6
Freitag, 3. Dezember 2010
Herbstfrüchte
Wir sind eingeschneit. Schnaufend, schwitzend schaufle ich die paar Meter von der Haustür bis zum blauen Gartentor frei. Nur für den Briefträger. Heute beneide ich ihn nicht. Der Professor hat von der letzten Dienstreise wandernde Schmerzen in Wade und Ferse (Achillodynie) mitgebracht. Auch ihn beneide ich nicht. Keiner von uns verlässt das Haus.
Ich taue eine Portion Maronen auf und rasple 2 Möhren, schneide das Innere des Wirsings klein, brate alles mit Zwiebeln und Tofu an, blanchiere derweil die großen Wirsingblätter in Salzwasser, breite sie anschließend auf einem Holzbrett aus, lasse sie auskühlen, fülle sie mit der Maronen-Gemüsemasse, rolle sie auf, lege sie behutsam wie rohe Eier in eine gebutterte Auflaufform und schiebe sie in den Ofen neben den Kartoffelgratin, der schon eine halbe Stunde vor sich hin schmort.
Ich taue eine Portion Maronen auf und rasple 2 Möhren, schneide das Innere des Wirsings klein, brate alles mit Zwiebeln und Tofu an, blanchiere derweil die großen Wirsingblätter in Salzwasser, breite sie anschließend auf einem Holzbrett aus, lasse sie auskühlen, fülle sie mit der Maronen-Gemüsemasse, rolle sie auf, lege sie behutsam wie rohe Eier in eine gebutterte Auflaufform und schiebe sie in den Ofen neben den Kartoffelgratin, der schon eine halbe Stunde vor sich hin schmort.
Donnerstag, 2. Dezember 2010
Schnee in allen Stockwerken
Mittwoch, 1. Dezember 2010
flateratelabern
Noch ein Jugendwort, das zur Auswahl stand dieses Jahr: flateratelabern. Bitte so (nicht anders, nämlich: flatratelabern) geschrieben. Noch ein eingedeutschtes Kunstwort, das mir nur wegen der unkompliziert friedlichen Koexistenz fremder Sprachen in der Schreibweise so gut gefällt. Man könnte sich nämlich auch einfach auf das Deutsche und die Deutsche Leitkultur berufen und lesen: FLATE-RATE-LABERN. Dann müsste man sich allerdings fragen, wo denn hier der Tippfehler herkommt, was für eine flate (vielleicht flaute? oder flache? faire?) Rate da gemeint ist. Statt neudeutsch stotternd sich die Zunge zu brechen: FLÄT-REIT-LABERN. Labern ist klar wie Kloßbrühe. Aber der Rest? Umsonst und draußen. Quasseln ohn' Unterlass. Quasseln ohn' Punkt und Komma.
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