Die Wahlvorbereitungen laufen in unserem Provinznest bereits auf Hochtouren. Ich nehme einen Termin im Wahlbüro wahr, das unter der Woche ein Besprechungsraum in einer Kinderbetreuungseinrichtung der Stadt ist. Halbmond (zunehmend). Statt baden (ungünstige Nipptide) werde ich wohl am Nachmittag Rasen mähen müssen. Vor dem Regen morgen.
Dienstag, 14. September 2021
Montag, 13. September 2021
... erzeuget ...
...ward: der aus dem Geist, aus dem Geist erzeuget ward. Probe in Heide. Für eine Chorvesper am Volkstrauertag. Also Busspsalm 130. Oder Luthers Nachdichtung. Aus tiefer Not ... de profundis ... rufe oder schreie ich zu Dir. Ich bin zum ersten Mal seit eineinhalb Jahren mit dem Zug unterwegs. ... der aus dem Geist, aus dem Geist erzeuget ward... Und wie immer, wenn ich den öNV nutze, bin ich so rechtzeitig vor Ort, dass ich noch fröhlich durch die Innenstadt spazieren kann. Düster und öde wie überall und alles derzeit.
Sonntag, 12. September 2021
eine ...
... Welt oder eine zweite. Vor 6 Jahren, es war ein Samstagabend, starb meine Mutter in Liestal als ich gerade auf Hooge von der Fähre und damit an Land ging. Als Ende März meine Schwester mitten in der Karwoche tot vom Stuhl fiel, war ich gerade beim Anbaden an der Meldorfer Bucht in der ziemlich kalten Nordsee. Vieles bricht im diesseitigen Leben rechtzeitig auseinander. Dafür sei der Vorsehung, dem Wind oder dem Wetter Dank!
Samstag, 11. September 2021
Einsturz ...
... und Einblick. Weil mich vor zwanzig Jahren die Bilder der einstürzenden Türme tage- und nächtelang überall, wo ich war und hinblickte, verfolgten und unter sich begruben, beschloss ich damals, den Fernseher aus meinem Leben zu verbannen. Ich wollte von Bildern nicht mehr länger terrorisiert werden.
Freitag, 10. September 2021
Einblatt ...
... oder Eindorn. Ein Blatt oder einen Dorn. Einfangen! Gestern, an diesem warmen Septembernachmittag, als wir uns im kühlen Wald versammelt hatten, um Werners Asche der Erde zu übergeben, sprachen nach der Zeremonie einige Weggefährten, Freunde, Freundinnen, Familienmitglieder des Grafikers. Unsere frühere Bürgermeisterin sagte, ohne den Grafiker wäre sie wahrscheinlich nie Bürgermeisterin geworden. "Oh ja!", entfuhr es mir unkontrolliert. Denn auch ich gehör(t)e zu denjenigen (wozu ich immer unumwunden stand und stehe), die sich von einem ästhetisch ansprechenden Wahlplakat eher umgarnen und einfangen lassen als von einem uninspirierten Dithmarscher Bauernkopp (sorry!). Wie auch immer.
Ich bin heute müde und muss über vieles nachdenken. Noch einmal zum Deich zum Baden fahren. Was bedeuten die Strukturen und Mechanismen, die auf dem platten Land, in unserer öden Kohl-Provinz, auf unseren Kohl-Straßen, in unserem Kohl-Köpfen funktionieren? Lassen sie sich auf das Große Ganze, auf die Landes oder gar Weltpolitik übertragen? Hier ist damals eine Frau mit dem Parteibuch der Grünen (nota bene unterstützt von den Roten, der SPD) gewählt und ein Mann der Schwarzen CDU nicht gewählt worden. Weil die Grüne den besseren Grafiker beauftragt hatte. Ha! Beendet hat sie ihre Amtszeit als Parteilose, weil ihr die Grünen unterwegs in den Rücken gefallen waren und sie das denen nicht verzieh! Für eine zweite Amtszeit stand sie von Anfang an nie zur Verfügung. Das wiederum habe ich ihr nie verziehen. Wie auch immer.
Ich glaube, der tote Grafiker hat auch für ihre Nachfolgerin gesorgt.
Was also sagt uns das? Wir bildergläubigen Ungläubigen? Unbelehrbaren? Idioten?
Donnerstag, 9. September 2021
Einbaum ...
... Oder zwei Bäume. Ein weiterer schwieriger Tag. Mit schweren Gedanken. Boris holt mich um 13:30 Uhr ab. 14 Uhr Waldfriedhof. Anschließend Westerwohld. Am Abend Stapel.
Unser erster Auftritt seit Beginn der Pandemie, seit der Premiere am 7.3.2020 - im Andenken an Werner, unseren Freund, Fotografen und Grafiker:
TEXT & TANGOim Ohlsenhaus in Stapel, Beginn 19:30 Uhr
Judith Arlt liest aus „friedas gangarten“ und Boris Guckelsberger spielt Tangokompositionen von Astor Piazzolla und Roland Dyens.
111 Seiten mit je 111 Wörtern braucht Judith Arlt in „friedas gangarten“ um die letzten Tage der Fölmlis als Schuhmacher literarisch zu begleiten und unseren Schuhkonsum kritisch zu beleuchten.
Boris Guckelsberger eröffnet die Veranstaltung mit dem
„Tod des Engels“ (Muerte del ángel) und schließt sie mit dem Gruß an den toten
Vater (Adiós Nonino).
Mittwoch, 8. September 2021
ein ...
... schwieriger Tag vor dem anderen. Ich fühle mich krank. Herr Caruso lag zu meinen Füßen, als ich aufwachte. Als ob er mich verstehen würde in meiner Not und mir etwas von seiner Wärme freiwillig abgeben wollte. Es kratzt im Hals trotz der täglichen Einsingübungen. Leichte Kopfschmerzen. Man kann sich auch einfach erkälten bei dem Wetter auf dem Weg in die Nordsee und zuück. Ich fahre heute trotzdem noch einmal. Reizklima. Denn vielleicht ist es schon das letzte Mal. Ich habe am Schreibtisch, im Haus, in der Küche und im Garten zu tun. Aber meine Seele braucht frische Luft. Gestern hat mir der Nachbar mit seiner neuen Maschine das ganze Schnittgut der Blutpflaume zerhäckselt - was für ein ohrenbetäubender Lärm und trotzdem große Dankbarkeit!
