Donnerstag, 7. Januar 2016

Rok temu - vor einem Jahr

starb in Warschau mein Meister, Tadeusz Konwicki. Heute wurde von seinen Nachbarn diese Tafel enthüllt. Die erste gute Nachricht des Jahres aus Warschau! Dziękuję Wam, Sąsiadom!





Mittwoch, 6. Januar 2016

Untergang

Ich wage mich zum ersten Mal aufs Fahrrad und fahre über die Hallig. Der Wind ist noch scharf, aber die Sonne lockt. Die Fethinge sind zugefroren. Besser kann das Schilf nicht abgemäht werden rund herum. Der erste Haufen für das Biikebrennen wird aufgeschichtet.
Foto mit freundlicher Genehmigung von hier entliehen: https://www.facebook.com/hallighooge/?fref=ts

Dienstag, 5. Januar 2016

Übergang

von fließend zu fest, von Blau zu Eis, von eben zu erhaben. Die Kälte hellt die Welt auf. Das Wasser läuft nicht mehr ab. Bereits nach nach zwei Frosttagen bilden sich Berge.

Montag, 4. Januar 2016

Geordnete Schieflage

An alles muss ich mich gewöhnen. Auch an die Geometrie des Seins. Die geordnete Schieflage. Daran, dass vor meinem Fenster tagelang nichts geschieht. Nichts sich ändert. Nur das Licht. Nichts die Sicht versperrt. Nur die Dunkelheit. Am Tag gucke ich, in der Nacht lausche ich. Dazwischen schweige ich. Ich bin hier, seit Mutter tot ist. Ich werde nie wieder in der Muttersprache sprechen.  

Sonntag, 3. Januar 2016

Windschattenfrei

Über Nacht ist die Kälte gekommen. Und der Sturm tost. Über meinem Kopf, über meinem Dach, über meinem Schlaf. Sein Brummen ist bereits nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken. Und die Gänse, die vor zwei Tagen in jugendlichem Leichtsinn angeflogen kamen, hocken nun frierend im Windschatten meiner Warft. Den gibt es nicht wirklich. Wohin man sich auch wendet, bläst es einem eisig ins Gesicht.

Samstag, 2. Januar 2016

Luftmassengrenze

Angeblich ist es im Westen schmuddelig und warm und im Osten kalt. Bei uns treibt der eisige Wind aus dem kalten Osten alles Wasser aus dem Wattenmeer und katapultiert Schiffe und Fähren aus dem Faltfahrplan. Wassermassengrenzen.

Freitag, 1. Januar 2016

Neujahr auf Hooge

Zwischen Himmel und Erde. An einem fließenden Übergang. Zwischen Ebbe und Flut. Fast kein Wind. Das Wasser läuft spiegelglatt auf und ordnet die Sicht. Zwischen Licht und Schatten. Zwischen der Spitze von Pellworm und einer Buhne vor Hooge.
Der Nebel kommt pünktlich mit dem Sonnenuntergang Er ist gefräßig, steigt behende in den Himmel und holt sich alle Sterne. Nach der Neujahrsandacht in der Kirche ist die Dunkelheit bereits undurchdringlich wie eine Wand. Sich hier zurechtfinden. Mit einer Taschenlampe in der Hand und einer rot blinkenden Fußfessel auf dem Fahrrad.