Samstag, 20. April 2024

adaptieren

Ich habe Reisepläne, bin aber, wie allgemein bekannt, des Reisens längst gründlich entwöhnt. Und so kommt es, dass mir die einfachsten Dinge die größen Schwierigkeiten bereiten. Lange, lange, eine geschlagene Ewigkeit lang vor Abfahrt des Zuges. Einfach nur im Kopf.  

Ich lerne, dass es verschiedene Steckdosen auf der Welt gibt. Was uns "normal" scheint, ist Typ C. Zwei Löcher. Angeblich gilt C für Europa. Wie ich aber weiß, gilt C nicht für die Schweiz. Die Schweiz gehört nicht zu Europa. Sie verbaut in die Wände ihrer Häuser Steckdosen mit drei Löchern. 

Ich habe vor, in ein Land zu reisen, in dem nicht überall und nicht immer Strom fließt. Auch Wasser übrigens nicht. Das ist die erste Herausforderung: ohne Strom und ohne Steckdose auszukommen. Vielleicht auch ohne tägliches Warmduschen. Die zweite Herausforderung ist, rechtzeitig vor der Abreise einen Adapter zu besorgen. Wo es Wände gibt, in denen Stromleitungen unter oder über Putz den Strom leiten, haben die Steckdosen am Ende der Leitung 3 Löcher. Aber natürlich nicht die helvetischen. Das wäre ja ein wahres Kinderspiel. Déjà vu! Nein, es soll sogar zwei verschiedene dreilöchrige Steckdosen geben, nämlich Typ D (ein etwas dickeres Loch oben, darunter, rechts und links wie in einem mehr oder minder gleichschenkligen Dreieck, zwei kleinere) und Typ M (drei identisch angeordnete Löcher wie Typ D nicht identischen Durchmessers). Die dritte Herausforderung ist es, den Bauch entscheiden zu lassen. Reisen oder nicht reisen?

Freitag, 19. April 2024

Zikadenstürme

Vor etwa 14 Jahren schrieb ich einen kryptischen Text, der ein Ereignis, das erst 11 Jahre später stattfinden sollte, vorwegnahm. Nur im Titel. Und in Andeutungen mittendrin. Damals war das eine kleine, von niemandem anerkannte Utopie. Heute ist sie biologisch überholt oder übertrumpft: die letzte größere Zikaden–Welle, der Zikadensturm der Magicicada septendecim, Brut X (Great Eastern Brood). 

Während bei uns Eiszeit herrscht, steht in 17 US-Bundesstaaten gerade eine doppelte Zikadeninvasion bevor - und eine solche gab es zum letzten Mal vor 221 Jahren, also 1803. Die Zikaden brauchen eine Bodentemperatur von nachts mindestens 18°, vorher getrauen sie sich nicht an die Luft. Wer immer die Zikadengesänge in den nächsten Wochen hört, wird sie in seinem Leben nicht noch einmal in dieser Lautstärke vernehmen können. Also passt auf und speichert das Ereignis. Die neue Population der Magicicada tredecim, Brut XIX (Great Southern Brood) schlüpft nach 13 Jahren Larvalstadium gleichzeitig mit der neuen Population der Magicicada septendecim, Brut XIII (Northern Illinois Brood) nach 17 Jahren Larvalstadium. Insektenforscher rechnen mit Schwärmen von mehreren Billionen gehäuteten Nymphen. Die fortpflanzungswilligen Männchen umwerben sie mit lautstarkem Zirpen. Je lauter desto bulliger! Vom Rasenmäher des Nachbarn bis hin zur Flugzeugturbine übertönen sie alles. Die Forscher empfehlen menschlichen Bewohnern in den von Begattungsstürmen betroffenen Gebieten Ohrstöpsel, um Hörschäden vorzubeugen. 

Hier kann man verfolgen, wo es gerade am lautesten ist: https://cicadas.uconn.edu/

Donnerstag, 18. April 2024

weiß

Erster Bodenfrost! Gestern hab ich "Herr Schwarz und Frau Weiß", das Bilderbuch, das auf Farben ganz verzichtet, in meinem Bücherregal unter S wie Sch gefunden und heute, weil Donnerstag ist, flugs verschenkt.

Mittwoch, 17. April 2024

Rasentreten

Erstes Rasentreten. Erster klirrender Morgen, aber nur Fastfrost. Erste Sonne. Später Regen.

Dienstag, 16. April 2024

Stromausfall

Seit einigen Tagen - Nächten, Morgen - quäle ich mich mit einem Behelfswecker, den mir U. freundlicherweise ausgeliehen hat. Kein Ersatz für meinen Lichtwecker! Sondern ein praktisches Uhrenradio. Mein Kopf wird arg strapaziert bei den Versuchen, die Weckzeit nach meinen Wünschen einzustellen. Kaum habe ich die Uhrzeit eingestellt, geht um 23 Uhr das Display automatisch aus und bis 6 Uhr nicht mehr an! In der Nacht sehe ich nicht, wie spät es ist. Wenn die Zeit um 6 Uhr wieder an meinem Bett steht, bin ich längst aufgestanden. Mürrisch, weil meiner Seele die gewohnte Lichtdusche ganz offensichtlich fehlt.

Heute ärgere ich mich zusätzlich, weil plötzlich alles weg ist. Die Uhr läuft, steht aber gerade auf 00:11 (wie erst ich im Laufe des Tages erfahre, ist es ab 05:45 aufgrund von Erdschlüssen zu mehreren Stromausfällen in Meldorf gekommen) und ich nehme mir vor, die störrische Leihgabe bei der nächsten Gelegenheit zurückzugeben.

Am Abend fange ich nochmals von vorne an. Ich muss vor 23 Uhr wissen, wie spät es ist. Also erstens die Uhrzeit von meinem Smartphone ablesen und eingeben. 20:03 Uhr. Zweitens den richtigen Wochentag bestimmen. Dienstag. Drittens die 20 Plätze für Radiosender über die automatische Sendersuche belegen lassen (so viele Sender kann man hier in der Provinz überhaupt nicht ungestört hören, aber egal). Viertens sich für Weckzeit und Weckart entscheiden: Alarm oder Radio, sowie Wecktage bestimmen: MO-FR oder SA-SO oder sowohl als auch. Fünftens, wenn bei viertens die Wahl auf Radio fiel, den Lieblingsaufwachsender (kein Gelaber bitte) suchen: Beim Durchklicken höre ich plötzlich meine eigene Stimme! Ich halte verblüfft inne. Die Stimme, meine eigene, spricht oder liest gerade von einer verlorenen Schuhsohle. Ich hocke auf dem Bettrand und reibe ungläubig die Augen: Frequenz 105,20 - klar und deutlich. OK Westküste Heide! Aus einem temporären Radiowecker! Am frühen Abend! Richtig! Dienstags ab 20 Uhr gibt es "Lesungen" (meist ab Konserve), heute abend die Wiederholung von Text & Tango! Unsere Lesung mit Boris vom 7.3.2020 - die allerletzte öffentliche Veranstaltung vor Corona! Wir saßen dichtgedrängt in einem Saal zusammen, umarmten und küssten uns alle zur Begrüßung und zum Abschied, im Publikum u.a. Ehrengästen die frisch gebackene (gerade mal 7 Tage alte) Schuhfrau i.R. aus Menznau ... unmittelbar vor Maskenpflicht und lockdown und all den anderen Unbillen (die es lt Duden im Plural nicht gibt). Ich starre auf dieses kleine schwarze handliche Kästchen, das, wie der Umkarton verspricht, "besonders einfach" zu bedienen ist.

Montag, 15. April 2024

frischbacken

Montag ist immer ein guter Tag, um anzufangen. Womit auch immer. Vormittags soll die Sonne scheinen, am Nachmittag Regen in Strömen fallen. Also einmal noch rundum Rasen mähen, möglichst kurz vor der Mittagsruhe. Und dann Kronos. Witold Gombrowicz. Das letzte Werk. Oder das posthum Entzifferte und Veröffentlichte. Ein intimes Tagebuch, dessen Manuskript der Autor für so unverzichtbar erachtete, dass er seiner späteren Witwe ein Jahr vor seinem Tod auftrug, es, sollte überraschend Feuer im Haus ausbrechen, in die Hand zu nehmen und hinaus zu rennen. Nichts sonst müsse sie retten (doch, die Verlagsverträge, handlich vorsortiert). 

Tagsüber kann ich in dicken Büchern lesen, denn sie liegen auf dem Tisch, abends im Bett nur noch dünne, zB Marek Nowakowski, Trampolin!

Sonntag, 14. April 2024

altbacken

Altbacken ist das Wort, das seit zwei Tagen in meinem Kopf herumgeistert. Altbacken - auf der Zunge oder im Bauch ist es meist Brot. Aber so etwas kenne ich nicht. Mein Joldelunder 1000-Körner-Brot kann per se nicht albacken sein oder werden. Aber was ist altbacken im Kopf? Da wird mir mulmig zumute.

Den ganzen Sonntag viel Wind, wenig Mut, viel Sonne. Wenig Tat: Die Fenster nach Osten habe ich schon vor Sonnenaufgang vom Saharastaub der letzten Tage befreit.