Dienstag, 11. August 2015
Dienstagabend an der Meldorferbucht
Niedrigwasser wie auf der Hallig. Kein Wattknistern, dafür frischer Teer. Kein Sonnenuntergang, dafür frischer Wind. Wolken geschichtet. G. und ich erzählen uns die Geschichten der letzten drei Wochen.
Dienstag in Meldorf
Endlich den Sickerschlauch ausgelegt. Der Bambus hat gelitten, er steht schon so dicht, dass der Regen kaum noch zu den Wurzeln gelangt. Rasen gemäht. Pilze eingesammelt. Der Rasen ist feucht, der Bambus trocken. Der Apfelbaum trägt schwere Früchte. Seine Äste hängen zu Boden. Die Brombeeren hängen zu Boden. Die Clematis hängt zu Boden. Schwer von dem Violett, das ich nicht mag, das aber trotzdem schön ist. Der Floks blüht. Ich habe von der Hallig durchstochene Fußsohlen mitgebracht. Mein letzter Spaziergang am Sonntag Nachmittag führte mich über den Süddeich. Das Gras war gerade abgemäht worden und ich lief barfuß über harte trockene Stoppeln. Es piekste andauernd ziemlich heftig. Schmerzhaft. Trotzdem wollte ich die Schuhe nicht anziehen, die ich in den Händen hielt. Ich wollte den Boden spüren, wie er war. Jetzt, wo ich die Schuhe wieder an den Füßen trage in der Stadt, spüre ich, wo es weh tut.
Montag, 10. August 2015
Montagnachmittag in Meldorf
Die Frage stellt sich gar nicht, wo ich zu Hause was anfangen soll. Der Schornsteinfeger - ach was: der "Bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger" - steht noch vor der Mahnwache vor meiner Tür und erklärt Dinge, mit denen ich wenig anfangen kann. Ich beeile mich, die Heizungsanlagen einzuschalten. Das ist nicht nur ein Knopfdruck, sondern eine intellektuelle und technische Herausforderung nach drei Wochen Halligleben. Ich drehe sämtliche Heizkörper im Haus auf, bevor ich die Fenster zum Lüften aufsperren kann, damit die Brenner auf Schornsteinfegertouren kommen. Draußen herrschen gerade um die 30 Grad. Auch am Wattenmeer. Drinnen ein Vielfaches mehr. Ein Vielfaches Meer!
223. Mahnwache in Meldorf
18:00 - 18:30 Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg.
Ich kann ab Schlüttsiel bis Husum im Auto mitfahren und muss dort trotzdem auf die NOB warten. Im Zug treffe ich meinen Lieblingsschaffner, der sich wundert. In seiner Wahrnehmung komme ich aus der falschen Richtung. Die Zivilisation hat mich wieder.
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg.
Ich kann ab Schlüttsiel bis Husum im Auto mitfahren und muss dort trotzdem auf die NOB warten. Im Zug treffe ich meinen Lieblingsschaffner, der sich wundert. In seiner Wahrnehmung komme ich aus der falschen Richtung. Die Zivilisation hat mich wieder.
Halligmontagmorgenrot
Ich weiß nicht, warum ich am Montag abreise. Aber ich tue es. Ungern. Alle anderen reisten am Samstag ab. Mir wurde ein Wochenende geschenkt. Nur der Himmel weiß wofür. Das Wasser läuft auf, also lässt mich die Hallig ziehen. Der Hafenmeister wird mich mit dem halben Gepäck zur Fähre bringen. Die andere Hälfte lasse ich zurück. Der Wind kommt immer noch aus Ost, aber kraftlos. Ich sehe es an den Fahnen vor den Fenstern. Wolken. Grau. Trübe. Es gab keinen richtigen Sonnenaufgang, dafür Morgenrot!
Sonntag, 9. August 2015
Hallignachtbaden
Ich gehe zum ersten Mal nachts schwimmen. Allein. Der Wind kommt von Osten, die Wellen auch. Ich kann nicht warten, bis das Tageslicht ganz verschwunden ist. Ich habe keine Geduld und ich weiß, dass mir das Wasser davonläuft. Ich sehe das Meer nicht leuchten. Aber ich sehe den Horizont leuchten. Die Nordsee ist nachts noch wärmer als tagsüber.
Halligsonntagmittagspause
Ich kann es immer noch nicht lassen - die Sonnenuhr muss auch noch herausgeputzt werden. Ein präzises Wunderwerk! Statt Mittagspause steige ich auf die Leiter, lärme und streiche noch einmal exakt eine Stunde am leeren Anleger. Eine himmlische Ruhe. Ablaufendes Wasser. Fast kein Wind. Strahlend blauer Himmel. Kein Farbklecks an der falschen Stelle. Bin hochzufrieden!
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