Sonntag, 31. Oktober 2010

Der erste Augenschein

Ich konnte eine Stunde länger schlafen und darf das Bett verlassen. Betrachte die Bescherung. Schon im Bad eröffnet sich eine neue Perspektive auf die massive Hecke, die in der Achse der früheren Grenze durch unseren Garten die Grundstücke der Nachbarn auf der anderen Straßenseite teilt. Ins Wohnzimmer fällt jetzt auch bei Herbstnebel deutlich mehr Licht. Noch mehr Licht. Und beim Teekochen erscheint mir nun der graue Himmel noch größer. Noch viel größer. Vor der halben Garage liegt ein beachtlicher Haufen gefällter Schattenspender und Blickversteller. Sowie die in handliche Teile zersägten Gegenstücke zum schwimmenden Oval.

Samstag, 30. Oktober 2010

Das Alter der gefällten Pappel

Der Baumfäller kommt um acht. Es wird gerade hell, aber W. erlaubte mir nicht, das Haus zu verlassen. Im Garten sei es nass und kalt. Er bringt mir das Foto der gefällten Pappel ans Bett und fragt mich, wie alt sie war.
Ich kann nicht zählen, wundere mich aber über den Querschnitt. Der Baum vor etwa zwanzig Jahren als kugelrunder dünner Stamm angefangen zu wachsen und endete in einem schwimmenden Oval.

Freitag, 29. Oktober 2010

Der dritte Tag im Bett

Ich habe nun auch noch die Stimme verloren. Meinen Auftritt am Ersten Mindener Literaturfest musste ich absagen.
Hier kann man im Programmheft blättern und sich im Geiste vorstellen, was man alles nicht hört:
http://www.buezminden.de/index.php?option=com_content&view=article&id=386:fr-2910-0111-1-mindener-literaturfestival&catid=5:literatur&Itemid=10

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Der erste Tag im Bett

Am Nachmittag wurden meine Knie weich und ich begann zu zittern vor Kälte. Hab mir zwei Wärmflaschen gemacht und bin unter drei Decken gekrochen. W. kam, tröstete und kochte Tee.

Dienstag, 26. Oktober 2010

Das erste Kratzen

Das erste Kratzen im Hals am Morgen verheißt nichts Gutes. Da die Sonne den ganzen Tag schien und der Wind nach den Anstrengungen der letzten Tage endlich seines Tobens müde geworden war, füllte ich mindestens ein halbes Dutzend Laubsäcke. Dabei schwitzte und fror ich abwechselnd. Zwischendurch kam der Baumfäller und begutachtete die Bäume, die Schatten auf das Dach werfen. Um den Vogelbeerbaum tut es mir Leid, sagte ich schniefend. Die Nase läuft seit dem Nachmittag. Auch das verheißt nichts Gutes.

Montag, 25. Oktober 2010

Gartenrotschwanz

NABU und LBV haben den Gartenrotschwanz zum Vogel des Jahres 2011 gekürt. NABU gilt im deutschen Volksmund als Abkürzung für Naturschutzbund, geht aber eigentlich auf die englische Nature And Biodiversity Conservation Union zurück. LBV heißt der Landesbund für Vogelschutz in Bayern. In unserem unaufgeräumten Garten zeigten sich im Sommer vereinzelte Gartenrotschwänze. Meist Männchen streckten unvermutet und neugierig vor meinem Küchenfenster ihre kohlrabenschwarze Köpfe mit dem schneeweissen Überaugenstreif aus der Koniferenhecke. Und das war es dann schon. Zum Brüten konnte ich die unscheinbareren Weibchen nicht überreden. Ich werde mir über den kalten Winter weitere Listen aushecken müssen, um sie anzulocken.