18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg
Danach wird der Mond voll und geht bei uns um 21:00 etwas "angeknabbert" auf, wie die Himmelsbeobachter voraussagen. Eine partielle Mondfinsternis findet statt, die leider auch bei klarem Himmel über Dithmarschen kaum zu sehen ist, da der Mond bei uns zu spät übern Horizont kommt. Um 21:18 tritt er bereits wieder aus dem Kernschatten der Erde, da steigt er gerade schräg vor meinem Fenster im Südosten über die Dächer der Nachbarn.
Die alles entscheidende Montagsfrage: Lohnt es sich, zum Sonnenuntergang resp. Mondaufgang an Deich fahren, um das schnelle Verschwinden eines Schattens am Himmel zu beobachten?
Montag, 7. August 2017
Sonntag, 6. August 2017
entledigt
Ich bin erledigt, aber nicht entledigt. Ich entledige mich einer Sache, eines Auftrags, meiner Sorgen usw. Meiner alten Schuhe oder einer von Läusen befallenen Zimmerpflanze.
Ich entledige mich eines Mitwissers oder einer Mitwisserin - oder ich erledige einen Mitwisser, eine Mitwisserin. Erfordert beides raffinierte, intrigante oder eben kriminelle Energie.
Bevor ich das Duell mit dem steifen Wind von West aufnehme, gucke ich in den Duden: entledigen hat etymologisch tatsächlich mit ledig zu tun; erledigen is slightly different (if you know what I mean). Mittelhochdeutsch geht erledigen (= frei machen, in Freiheit setzen) ebenso wie entledigen (= frei machen) auf ledig zurück: einer Sache oder einer Person ledig sein = frei von etwas, besonders von Verantwortung oder von jemandem sein. Ledig sein oder bleiben. Jemanden seiner Sünden ledig sprechen. Usw.
mhd ledic ist etymologisch wahrscheinlich (sagt immer noch der Duden) verwandt mit Glied und bedeutet also eigentlich gelenkig. Flexibel würde man heute sagen. Ledig = flexibel. Es ist Zeit für mich und mein täglich Bad in der Nordsee.
Ich entledige mich eines Mitwissers oder einer Mitwisserin - oder ich erledige einen Mitwisser, eine Mitwisserin. Erfordert beides raffinierte, intrigante oder eben kriminelle Energie.
Bevor ich das Duell mit dem steifen Wind von West aufnehme, gucke ich in den Duden: entledigen hat etymologisch tatsächlich mit ledig zu tun; erledigen is slightly different (if you know what I mean). Mittelhochdeutsch geht erledigen (= frei machen, in Freiheit setzen) ebenso wie entledigen (= frei machen) auf ledig zurück: einer Sache oder einer Person ledig sein = frei von etwas, besonders von Verantwortung oder von jemandem sein. Ledig sein oder bleiben. Jemanden seiner Sünden ledig sprechen. Usw.
mhd ledic ist etymologisch wahrscheinlich (sagt immer noch der Duden) verwandt mit Glied und bedeutet also eigentlich gelenkig. Flexibel würde man heute sagen. Ledig = flexibel. Es ist Zeit für mich und mein täglich Bad in der Nordsee.
Samstag, 5. August 2017
erledigt
Es gibt dumme und dümmere Sprüche. Deutschlernende haben den Vorteil, dass sie unbedarft an die ihnen fremde Sprache herangehen. Das geht anderen nicht anders mit anderen Sprachen. Risiken und Nebenwirkungen sind bekannt. Hier ein Paradebeispiel:
"Wenn man jemanden, der nicht verheiratet ist, ledig nennt, nennt man dann einen Verheirateten erledigt?" (Zitat von fb, Deutsch mit Spaß - Hervorhebung von mir, ebenso Korrektur der Grammatik.)
"Wenn man jemanden, der nicht verheiratet ist, ledig nennt, nennt man dann einen Verheirateten erledigt?" (Zitat von fb, Deutsch mit Spaß - Hervorhebung von mir, ebenso Korrektur der Grammatik.)
Freitag, 4. August 2017
Donnerstag, 3. August 2017
Mittwoch, 2. August 2017
erschließen
Morgenschwimmen. Es gibt immer einen Tag in der Woche, an dem das Ritual kippt. Wenn die Flut am Abend zu spät aufläuft, kommt sie am Morgen zum Zug. Für die Tagesschwimmerinnen. Eine Frau fragt heute morgen besorgt, ob ich gestern abend wirklich ganz alleine da war: "Du könntest ja gestohlen werden ..."
Ich kann nicht gestohlen werden.
Ich kann nicht einmal ertrinken.
Der Unterschied von verbaler und nonverbaler Kunst erschließt sich mir, wenn ich die "Wort-Vitrine" love letters (2001) von Bethan Huws und das "gemalte Video" The Greeting (1996) von Bill Viola vergleiche: love letters (2001) spielt höchstens noch mit der Bedeutung des englischen Wortes "letter" (= Buchstabe oder Brief) - und hält ansonsten die Buchstaben des Alphabet hinter Glas unter Verschluss. The Greeting präsentiert die wortlose Begegnung dreier Frauen (inspiriert von Pontormos Heimsuchung Mariä aus dem Jahr 1529). Die in der realen Welt 45 Sekunden dauernde Szene hat Viola auf 10 tonlose Minuten aufgebläht. Im wahrsten Sinne des Wortes! Wir sehen die Figuren sprechen, hören sie aber nicht. Wir erfahren aus ihren Blicken und Gesten viel mehr als uns ihre Worte je vermitteln könnten. "Die genaue Bedeutung des Geschehens kreist als mehrdeutige, spekulative Geste im Raum" (Bill Viola).
Hier ein Auszug, 27 Sekunden der 10 Minuten: https://www.youtube.com/watch?v=Dg0IyGUVXaQ
Ich kann nicht gestohlen werden.
Ich kann nicht einmal ertrinken.
Der Unterschied von verbaler und nonverbaler Kunst erschließt sich mir, wenn ich die "Wort-Vitrine" love letters (2001) von Bethan Huws und das "gemalte Video" The Greeting (1996) von Bill Viola vergleiche: love letters (2001) spielt höchstens noch mit der Bedeutung des englischen Wortes "letter" (= Buchstabe oder Brief) - und hält ansonsten die Buchstaben des Alphabet hinter Glas unter Verschluss. The Greeting präsentiert die wortlose Begegnung dreier Frauen (inspiriert von Pontormos Heimsuchung Mariä aus dem Jahr 1529). Die in der realen Welt 45 Sekunden dauernde Szene hat Viola auf 10 tonlose Minuten aufgebläht. Im wahrsten Sinne des Wortes! Wir sehen die Figuren sprechen, hören sie aber nicht. Wir erfahren aus ihren Blicken und Gesten viel mehr als uns ihre Worte je vermitteln könnten. "Die genaue Bedeutung des Geschehens kreist als mehrdeutige, spekulative Geste im Raum" (Bill Viola).
Hier ein Auszug, 27 Sekunden der 10 Minuten: https://www.youtube.com/watch?v=Dg0IyGUVXaQ
Dienstag, 1. August 2017
ertrinken
Abendschwimmen. Seit ich die Videos von Bill Viola, va Surrender (2001), und The Messenger (1996) in den Deichtorhallen gesehen habe, gehe ich anders in die Nordsee. Heute bin ich um diese Zeit ganz allein. Seit ich gelesen habe - im Erklärungstext zu The Messenger, dass Bill Viola als Sechsjähriger fast ertrunken wäre, erschließt sich mir die Omnipräsenz, ja die Auto-, Monothematik des Wassers in seiner Kunst neu. Anders. Die "Nahtoderfahrung" soll "durchaus nicht nur schreckliche" sondern auch "unglaublich schöne" Momente enthalten haben. Die offenbar nachwirken. Durch das ganze Leben. Und das ganze Werk.
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