Sonntag. Zeit für Besinnung. Auf das Wesentliche. Wale sterben. Wie jede andere Kreatur. Auch ihr Leben ist endlich. Die meisten sinken vom Menschen unbemerkt auf den Meeresgrund und befördern das Tiefseeökosystem. Aasfresser, Schleimaale, Schlafhaie machen sich über die Kadaver her. Füllen ihren dehnbaren Mägen, fressen bis zu sechzig Kilo täglich, bis sie satt und matt in den "Energiesparmodus" fallen! Dann kommen Borstenwürmer und Krabben an die Reihe und erledigen die Kleinarbeit. Der Bartwurm, hässlich und unbeliebt, vom Volksmund "Knochenfresser geschimpft, ätzt sich schließlich mit einer speziellen Säure durch die Knochen und löst die letzten Fette. Würmer, Schnecken und Bakterien sorgen dafür, dass nichts mehr übrig bleibt.
Ein Festessen, das angeblich hundert Jahre dauern kann.
Sonntag, 7. Februar 2016
Samstag, 6. Februar 2016
Ausflug 3
Die toten Pottwale sind Irrgäste im Wattenmeer. Jungbullen, die, aus welchen Gründen auch immer, bei den Shetlandinseln falsch abbogen. Sie schwimmen in Gruppen oder Schulen. Macht der erste einen Fehler, folgt ihm der zweite dritte, vierte ... unweigerlich. Sie haben leider keine Chance, lebend aus dem Randmeer, unserer Gezeitenebene herauszukommen. Zu flach ist das Seegebiet.
Die toten Bullen kommen zerlegt von der Meldorfer Bucht nach Jagel. Dort wird die Fleischmasse nochmals stark zerkleinert und in Dampfdruckbehältern bei exakt 133° und unter Druck von exakt drei Bar keimfrei sterilisiert. Warum bei dieser und keiner anderen Temperatur? Unter diesem und keinem anderen Druck? Ich verstehe die Zahlen nicht.
Übrig bleiben 20% erdfarbene grobkörnige Trockenmasse, 10% dunkelbraunes halbflüssiges Fett sowie 70% Wasser, das in den Biobettfiltern der Anlage verdampft und in der hauseigenen Kläranlage gereinigt wird.
Und dann? Das pulverisierte Tiermehl steckt in Neubauten, Tunnelwänden, ausgeschalten Betonkunstwerken, Skisprungschanzen oä. Und das Walfett befördert als energiereicher raffinierter Brennstoff die Agrodieselindustrie.
Die toten Bullen kommen zerlegt von der Meldorfer Bucht nach Jagel. Dort wird die Fleischmasse nochmals stark zerkleinert und in Dampfdruckbehältern bei exakt 133° und unter Druck von exakt drei Bar keimfrei sterilisiert. Warum bei dieser und keiner anderen Temperatur? Unter diesem und keinem anderen Druck? Ich verstehe die Zahlen nicht.
Übrig bleiben 20% erdfarbene grobkörnige Trockenmasse, 10% dunkelbraunes halbflüssiges Fett sowie 70% Wasser, das in den Biobettfiltern der Anlage verdampft und in der hauseigenen Kläranlage gereinigt wird.
Und dann? Das pulverisierte Tiermehl steckt in Neubauten, Tunnelwänden, ausgeschalten Betonkunstwerken, Skisprungschanzen oä. Und das Walfett befördert als energiereicher raffinierter Brennstoff die Agrodieselindustrie.
Freitag, 5. Februar 2016
Ausflug 2
Nach Dithmarschen. In meine Heimat. In die Meldorfer Bucht. Grauen unermesslichen Ausmaßes. Dort wo ich am liebsten in der Nordsee schwimme werden nun Pottwalkadaver zerlegt:
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/schleswig-holstein_magazin/Wal-Kadaver-kommen-zur-Zerlegung-nach-Meldorf,shmag37778.html
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/schleswig-holstein_magazin/Wal-Kadaver-kommen-zur-Zerlegung-nach-Meldorf,shmag37778.html
Donnerstag, 4. Februar 2016
Ausflug
Ausflug in die Geometrie der Hooger Wasserstände:
http://www.bsh.de/aktdat/wvd/lf/Hooge_lf.htm#
Die Höhenangaben verführen mich immer wieder zu Grübeleien. Die Höhe über Pegelnull ist anders als die Höhe über Seekartennull. Der Pegelnullpunkt liegt, sagt die Gezeitenkunde lapidar, "im Allgemeinen" fünf Meter unter Normalhöhennull. Und wozu braucht man, frage ich verstört, verschiedene Nullpunkte? Und finde heraus, dass es mehrere Nullflächen gibt. Dass das Seekartennull nicht mit dem Normalhöhennull (der Nullfläche der Landesvermessung) übereinstimmt und der Höhenunterschied von "Ort zu Ort" variiert. Daran ändern auch die Höhenfestpunkte nichts.
Heute - dies sei noch nachgetragen - Einzelstunde mit meiner Privatschülerin. Der Privatschüler ist ausgeflogen. Ich war immer schon Buchstabenaffin. Das Seekartennull ist gefällig wegen der Häufung der Doppelbuchstaben. Ich liebe das Multiplizierte, Verdoppelte, Verfielfachte.
http://www.bsh.de/aktdat/wvd/lf/Hooge_lf.htm#
Die Höhenangaben verführen mich immer wieder zu Grübeleien. Die Höhe über Pegelnull ist anders als die Höhe über Seekartennull. Der Pegelnullpunkt liegt, sagt die Gezeitenkunde lapidar, "im Allgemeinen" fünf Meter unter Normalhöhennull. Und wozu braucht man, frage ich verstört, verschiedene Nullpunkte? Und finde heraus, dass es mehrere Nullflächen gibt. Dass das Seekartennull nicht mit dem Normalhöhennull (der Nullfläche der Landesvermessung) übereinstimmt und der Höhenunterschied von "Ort zu Ort" variiert. Daran ändern auch die Höhenfestpunkte nichts.
Heute - dies sei noch nachgetragen - Einzelstunde mit meiner Privatschülerin. Der Privatschüler ist ausgeflogen. Ich war immer schon Buchstabenaffin. Das Seekartennull ist gefällig wegen der Häufung der Doppelbuchstaben. Ich liebe das Multiplizierte, Verdoppelte, Verfielfachte.
Mittwoch, 3. Februar 2016
Nebelhorn
Leichtes landunter. Wasser bedeckt die Hallig von Westen bis vor Schulwarft. Das bedeutet: Kinder in die Schule. Alle Schulpflichtigen wohnen östlich von Ockelütz.
Auf Süderoog werden die Schafe mit dem Nebelhorn erzogen. Auf Hooge mit dem Futtereimer. Sie müssen vor der Flut in Sicherheit gebracht werden. In den Stall auf die Warft, ob am Tag oder in der Nacht. Bei Sonne oder Nebel. Hungrig oder nicht. Die Schafe müssen den Gehorsam trainieren. Und die Unvernunft verlieren. Wie jedes Kind.
Auf Süderoog werden die Schafe mit dem Nebelhorn erzogen. Auf Hooge mit dem Futtereimer. Sie müssen vor der Flut in Sicherheit gebracht werden. In den Stall auf die Warft, ob am Tag oder in der Nacht. Bei Sonne oder Nebel. Hungrig oder nicht. Die Schafe müssen den Gehorsam trainieren. Und die Unvernunft verlieren. Wie jedes Kind.
Dienstag, 2. Februar 2016
Kräftiges
Am Morgen liegt Landsende unter Wasser, aber die Straße nach Hanswarft ist frei. Fast. Ich fahre durch ein paar Pfützen und heule dem Wind entgegen. Was bleibt mir anderes übrig, als zu zetern und zu schwitzen auf dem Weg zur Arbeit.
Am Mittag ist das Wasser an meiner Lieblingsbadestelle bei niedrigstem Niedrigwasser höher als normalerweise das Normale Mittlere Hochwasser. Middeltritt, heißt es, laufe trotz ablaufender Tide voll, Westerwarft sei bereits geflutet.
Die Sturmflutwarnung im Radio kommt erst nach Einbruch der Dunkelheit. Auch das erwartete landunter zu meinen Füßen vor meinem Fenster wahrscheinlich. Wieder kann ich also nicht sehen, wann, wie, wie gierig und ob überhaupt die Nordsee sich die Hallig greift.
Nichts ist hier vorherseh- oder vorausberechenbar.
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| Ebbe am Landsende |
Die Sturmflutwarnung im Radio kommt erst nach Einbruch der Dunkelheit. Auch das erwartete landunter zu meinen Füßen vor meinem Fenster wahrscheinlich. Wieder kann ich also nicht sehen, wann, wie, wie gierig und ob überhaupt die Nordsee sich die Hallig greift.
Nichts ist hier vorherseh- oder vorausberechenbar.
Montag, 1. Februar 2016
Vermischtes
Der Monat beginnt mit darnieder liegenden Warnungen. Montag über Wasser. Wahrscheinlich befinden wir uns gerade in der Mitte zwischen zwei landunters. Sicher kann das niemand sagen.
Sogar die massiven Holzstangen mit ihren hellen Kreuzen ruhen nun auf der Warft. Sie markieren sonst stolz, aufrecht und tief in den Wattboden gerammt das Ende der Steinbuhnen und mit Faschinen gefüllten Lahnungen. Der Wind dreht kräftig auf von Westsüdwest. Starker Sturm. Das Tageslicht verschwindet mit einer gelbgrünlichen Giftmischung vom Himmel.
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