Mittwoch, 13. Januar 2016

Das erste Kalb


Das erstgeborene Kalb des Jahres auf Hooge. Auch das gibt Anlass zur Hoffnung, dass das Leben weitergeht. Auch auf Backenswarft. Nicht nur im Blumentopf auf dem Fenstersims. Und nicht nur im sprichwörtlichen Sinne oder in der biblischen Heilslehre. Was hat die Morgenstund mit dem Götzenkult oder dem Dreizehnten eines jeden Monats zu tun? 

Dienstag, 12. Januar 2016

Rückhaltlos

Heute Mittag. Ein Moment der Stille. Vor oder nach dem Sturm. Die Bänke am Deich haben im Winter keine Rückenlehnen. Erstens braucht sie niemand. Die Rücken zum Anlehnen. Kein Mensch setzt sich im Winter auf die Bänke am Deich. Weil einerseits kaum Menschen da sind im Winter. Und andererseits die, die da sind, sich draußen bewegen und laufen und nicht sitzen und frieren. Zweitens sind sie, die Bänke, ganz im Gegensatz zu den Menschen, im Winter ohne Rückgrat standhafter. So widerstehen sie der Flut. Und der Wut. Der Gezeiten. Rückhaltlos werden sie, die Bänke, die Sommerbänke, die Ausruhbänke, die Sonnenbänke für die Schönwettergäste, nicht weggerissen vom erstbesten Wintersturm - vom wievielten Landunter schon in diesem Jahr? - oder handfesten Wellenschlag.

Montag, 11. Januar 2016

Der Ernst des Lebens

Die Schule beginnt. Die Hallig schläft bis auf eine halbe Handvoll Eltern. Die Häuser sind dunkel und die Straßen vereist. Ich bringe die beiden Ältesten unserer Gastfamilie mit einer Taschenlampe und einer rot blinkenden Fußfessel nach Ockelütz. Damit uns das eine vorbeifahrende Auto nicht überfährt. Wie soll ich den afghanischen Mädchen um diese Zeit die Welt erklären?

Sonntag, 10. Januar 2016

Alles wieder im Fluss

Es regnet, es taut. Von allen Seiten. Die klaren Formen verschwinden, die grellen Farben weichen. Sogar der Himmel ist nur grau. Ich bin immer noch müde von der Reise.
Aber die Tide kehrt zurück und mit ihr die Hoffnung. Auf dem Fenstersims. Mein Trompetenbaum, der Zögling aus Dukla, schlägt auf Hooge aus!
Ein Klick auf das Foto bringt dem Betrachter die abgebildete Welt näher.


Samstag, 9. Januar 2016

Eiszeit

Noch ist die Hallig zugefroren. Noch zeichnen sich in der Ferne die Umrisse von Pellworm deutlicher ab als als je zuvor. Für mich. Und meine Zeit hier. Im Rest des Tageslichts. Weiß gezeichnet. Geriffelt. Gestrichelt. Im Griff gefrorenen Salzwassers. Wie hingegen an meiner Lieblingsbadestelle solch bizarre Eisschichtungen und Eistürme entstehen und sich aufrecht halten können, weiß ich nicht. Es muss mit der Strömung, der Kraft des immer noch bissigen Ostwindes zu tun haben, der die Flut seit Tagen daran hindert, richtig aufzulaufen. Das Wasser vagabundiert.

Freitag, 8. Januar 2016

Hooge bei Nacht, twee

Schon näher und angestrahlt vom Scheinwerfer der Hilligenlei.
So unwirklich ist die Welt da draußen. Über Nacht fiel Schnee, wohl der erste dieses Winters. Und ich kam aus dem Kino (Picknick mit Bären: https://www.youtube.com/watch?v=Cb8KQMN4G-k). Stand zwischen dem Kulturpalast, dem Appalachian Trial und der Süderstraße mit dem Fahrrad plötzlich vor unüberwindlichen Hindernissen. Nass und kalt und dunkel. Irgendwie schaffe ich es jetzt. Zurückzukommen. Ziemlich pünktlich anzukommenm. Schwer bepackt. Mit Meldorfer Kliffkanten und eigener Bettwäsche. Todmüde. Überglücklich.

Hooge bei Nacht, een

Ich komme wieder an. Nachdem ich einen Tag in Trauer in Warschau war und einen Tag physisch in Meldorf verbrachte. Habe ich nun das Gefühl durchs halbe oder ganze Universum gesaust zu sein.