Samstag, 1. November 2008
Freitag, 31. Oktober 2008
Der Hauensteiner Kastanienschuh
Da der "Keschdemonat" (am helvetischen Hauenstein heißt er "Cheschdenemonet") seinem Ende entgegen geht und nun auch die Edelkastanie in unserem Garten alle Blätter fallen lässt, mache ich auf ein Unikum in der Geschichte des Arbeitsschuhs aufmerksam:
http://www.museum-hauenstein.de/p/d1.asp?artikel_id=1129
http://www.museum-hauenstein.de/p/d1.asp?artikel_id=1129
Donnerstag, 30. Oktober 2008
Die Vorletzte Eule
Ich wunderte mich heute früh, dass ich die Letzte Eule vom Schlafzimmerfenster aus sehen kann. Dass sie sich nur noch in Deckung zur Straße bringt. Und mir den unverstellten Rücken, wie zum Abschuss bereit, darbietet. Vielleicht ist sie verzweifelt, denke ich, lebensmüde, absturz- oder selbstmordgefährdet, und laufe in Panik auf die Straße. Vielleicht hat sie strategisch und taktisch bald keine andere Möglichkeit mehr in den blassen Blättern, als in den Tod zu springen. Der Baum wird kahl und kahler. Alles, was die Eule tagsüber zum Überleben braucht - Schutz vor Feinden, damit sie zur Ruhe kommen und schlafen kann -, fege ich seit Tagen, Wochen ungerührt am Boden zusammen. Berge von feuchten, faulenden Ahornblättern türmen sich um meine überquellende Biotonne und bestimmt auch um die unseres Nachbarn, der die gegenüberliegende Straßenseite sauber halten muss.
Vielleicht sollte ich zum Wohle unserer Letzten Hauseule endlich dem Vorschlag meines Kollegen Nazar H., Performativdichter (siehe http://www.leykamverlag.at/www/shop/detail.php?ID=533) und bis vor kurzem Stadtschreiber in Graz (siehe http://stadtschreiber.mur.at/ - nur für literarische Feinschmecker!), folgen und die gefallenen Blätter an Seidenfäden auffädeln und zum Trocknen zurück in die Bäume hängen.
Als ich außer Atem unten ankomme, keuchend und mit ausgebreiteten Armen auf der Straße stehe, wundere ich mich nicht mehr. Eulen wissen sich selbst zu helfen, das sehe ich sofort und lasse meine hilfsbereiten Arme sinken. Eulen sind nicht auf die skurrilen Ideen ost- oder westeuropäischer Dichter und Denkerinnen angewiesen. Unsere Dienstälteste Eule hat nach zwei Tagen Einsamkeit, Schmollerei oder Liebeskummer (was wissen wir schon von Waldohreulenkummer?) ihren Wächter wieder einbestellt. Die Kleine Eule, die Vorletzte - der Partner, Geliebte, Sohn oder untertänige Diener - sitzt ein paar Äste tiefer, richtet die Ohrpinsel auf, Federbüschel, die nichts mit ihrem Hörempfinden zu tun haben, und beäugt argwöhnisch alles (mich!), was sich unten auf der Straße bewegt, damit die Dame oben mit entblößtem Rücken ungestört weiter träumen kann.
Vielleicht sollte ich zum Wohle unserer Letzten Hauseule endlich dem Vorschlag meines Kollegen Nazar H., Performativdichter (siehe http://www.leykamverlag.at/www/shop/detail.php?ID=533) und bis vor kurzem Stadtschreiber in Graz (siehe http://stadtschreiber.mur.at/ - nur für literarische Feinschmecker!), folgen und die gefallenen Blätter an Seidenfäden auffädeln und zum Trocknen zurück in die Bäume hängen.
Als ich außer Atem unten ankomme, keuchend und mit ausgebreiteten Armen auf der Straße stehe, wundere ich mich nicht mehr. Eulen wissen sich selbst zu helfen, das sehe ich sofort und lasse meine hilfsbereiten Arme sinken. Eulen sind nicht auf die skurrilen Ideen ost- oder westeuropäischer Dichter und Denkerinnen angewiesen. Unsere Dienstälteste Eule hat nach zwei Tagen Einsamkeit, Schmollerei oder Liebeskummer (was wissen wir schon von Waldohreulenkummer?) ihren Wächter wieder einbestellt. Die Kleine Eule, die Vorletzte - der Partner, Geliebte, Sohn oder untertänige Diener - sitzt ein paar Äste tiefer, richtet die Ohrpinsel auf, Federbüschel, die nichts mit ihrem Hörempfinden zu tun haben, und beäugt argwöhnisch alles (mich!), was sich unten auf der Straße bewegt, damit die Dame oben mit entblößtem Rücken ungestört weiter träumen kann.
Dienstag, 28. Oktober 2008
Die Letzte Eule
Ich kann nur noch eine einzige einsame Eule im fünffingrigen durchsichtigen Ahornlaub entdecken.
Montag, 27. Oktober 2008
Ein Jahrhundert Schuhe
Sonntag, 26. Oktober 2008
Der Warnlagebericht
Für Dithmarschen gilt heute bis 16 Uhr eine Wetterwarnung. Wie der Deutsche Wetterdienst so präzise voraussagen kann, wann die Sturmböen (Windstärke 8, bis 74km/h) an der Küste vom gelben in den grünen Bereich abflauen, wann im Binnenland die Binnenböen (Windstärke 7, bis 60 km/h) an Kraft verlieren, wann der Wind von Südwest auf West dreht, wann die Gefahr herabstürzender Äste oder anderer, etwa von Dächern herabfallender Gegenstände gebannt ist, entzieht sich meiner Kenntnis.
Wetterwarnung ist längst nicht so schlimm wie Unwetterwarnung. Aber es gibt auch Warnungen vor markantem Wetter, lese ich. Die Unterschiede sind in den Graphiken und auf den Landkarten jeweils farblich gekennzeichnet. Was diese Farben für den Himmel über dem Wattenmeer oder meinen Garten, unsere Bäume, das Laub und die verbliebenen Eulen bedeutet, sagt mir niemand.
Gestern schien die Sonne und ich mähte zum letzten Mal in diesem Jahr Rasen. Wir füllten 6 Säcke mit Straßenlaub für die AWD, fegten das Laub vom Apfelbaum und Kastanienbaum zu einem gartengerechten Laubhaufen zusammen und hoffen, dass sich nun ein Igel bei uns einquartiert. Aber auch die Amseln, Meisen und Rotkehlchen werden uns dieses Schlemmerparadies danken. Ganz zu schweigen von den Regenwürmern, Spinnen, asiatischen Marienkäferchen und Spitzmäusen. Die letzteren setzen wir den Eulen zum Fraß vor. Gestern sichteten wir noch 5 im großen Ahorn. Über Nacht ist die Zeit umgestellt worden, der Baum noch kahler geworden und W. nach Mexiko geflogen. Heute früh klammern sich nur noch 3 an den fast nackten Stamm: Die beiden kleineren, aufmerksamen, die sich immer putzen und immer gucken. Und die eine alte, dicke, träge, aufgeplusterte, die Dienstälteste, die wie seit Monaten ganz oben ganz ungerührt aller Windstärken und Regenmengen ganz tief schläft.
Wetterwarnung ist längst nicht so schlimm wie Unwetterwarnung oder Vorwarnung zu Unwetterwarnung oder Warnung vor extremem Unwetter. Täglich gibt es einen Warnlagebericht, der Warnereignisse und Wetterthemen zusammenfasst, auch wenn gar keine Warnungen am Horizont stehen und es weder Wetter noch Unwetter gibt.
Wetterwarnung ist längst nicht so schlimm wie Unwetterwarnung. Aber es gibt auch Warnungen vor markantem Wetter, lese ich. Die Unterschiede sind in den Graphiken und auf den Landkarten jeweils farblich gekennzeichnet. Was diese Farben für den Himmel über dem Wattenmeer oder meinen Garten, unsere Bäume, das Laub und die verbliebenen Eulen bedeutet, sagt mir niemand.
Gestern schien die Sonne und ich mähte zum letzten Mal in diesem Jahr Rasen. Wir füllten 6 Säcke mit Straßenlaub für die AWD, fegten das Laub vom Apfelbaum und Kastanienbaum zu einem gartengerechten Laubhaufen zusammen und hoffen, dass sich nun ein Igel bei uns einquartiert. Aber auch die Amseln, Meisen und Rotkehlchen werden uns dieses Schlemmerparadies danken. Ganz zu schweigen von den Regenwürmern, Spinnen, asiatischen Marienkäferchen und Spitzmäusen. Die letzteren setzen wir den Eulen zum Fraß vor. Gestern sichteten wir noch 5 im großen Ahorn. Über Nacht ist die Zeit umgestellt worden, der Baum noch kahler geworden und W. nach Mexiko geflogen. Heute früh klammern sich nur noch 3 an den fast nackten Stamm: Die beiden kleineren, aufmerksamen, die sich immer putzen und immer gucken. Und die eine alte, dicke, träge, aufgeplusterte, die Dienstälteste, die wie seit Monaten ganz oben ganz ungerührt aller Windstärken und Regenmengen ganz tief schläft.
Wetterwarnung ist längst nicht so schlimm wie Unwetterwarnung oder Vorwarnung zu Unwetterwarnung oder Warnung vor extremem Unwetter. Täglich gibt es einen Warnlagebericht, der Warnereignisse und Wetterthemen zusammenfasst, auch wenn gar keine Warnungen am Horizont stehen und es weder Wetter noch Unwetter gibt.
Montag, 20. Oktober 2008
Die Kotztütensammlung
Außer Ansichtskarten sammle ich auch Kotztüten. Nach dem morgendlichen Besuch beim Orthopädietechniker, der meinem rechten Daumensattelgelenk eine Orthese anpasste, die fast bis zum Ellbogen reicht, empfinde ich ein unüberwindliches Bedürfnis nach taktiler Betätigung. Ich teste die Fingerfertigkeit beider Hände und sortiere meine Kotztüten. Vornehmer ausgedrückt sind das Spuckbeutel. Auf den Außenseiten dieser wasserdichten, innen beschichteten Papierbeutel finde ich globalisierte Bezeichnungen wie "airsickness bag", "Wastebag", "disposal bag", "clean bag" und so weiter.
Ich sortiere ohne Sinn und Verstand. Erstmals nach noch existierenden Fluggesellschaften und nach nicht mehr existierenden Fluggesellschaften. Die Kotztüten der Letzteren müssten eigentlich an Wert gewinnen - gäbe es eine Kotztütensammler- und tauschbörse. Die gibt es aber meines Wissens nicht. Also sortiere und bewerte ich die zumeist von W. nach Hause mitgebrachten Exemplare nach meinen ganz persönlichen Vorlieben. Besonderes Augenmerk verdient folgende Aufschrift: "Your bag for Waste, Abfall, Déchet, Spazzatura". Wer um Himmels Willen soll verstehen, was in diese Tüte gehört?
Nun sortiere ich mit Sinn und Verstand. Nach Kommunikationsgehalt. Nach transportiertem Verständnis. Nach einer transparenten Botschaft. Manche sind sprachlich schlicht wie „Spuckbeutel“, „Beg Mabuk Udara“, „Bolsa de mareo“, „sac pur mal de l’air“, "koyakkan di sini", „desperidicios“ oder „Prullenzakje“ und so weiter. Andere geben klare Handlungsanweisungen: TEAR OFF TO OPEN“, „Please fold over“, „Use clip to close firmly“, „After use fold toward you“ oder - der Gipfel an kategorischem Imperativ: „Nach Gebrauch schließen und auf den Boden stellen“. Wieder andere klären die Welt des Kotzens und sondern sie ab von der Welt anderer Verschmutzungen: „No Cigarettes“, „Solid Litter only“.
Elegisch gebärden sich nur deutschsprachige Kotztütenaufdrucke: „Bei Benutzung im Falle von Luftkrankheit den Beutel bitte dem Kabinenpersonal zur Beseitigung übergeben“. Englischsprachige bemühen sich dagegen, wenn sie schon Wörter aufhäufen, um kühle Distanziertheit: „for your convenience you may use this bag as your waste bag“.
Moderne Billigfluganbieter nehmen die Sache mit Humor: „Vielen Dank für Ihre Kritik“, „Take it with a smile“, „War doch nur ein Luftloch“. Auch in diesem Wirtschaftszweig ufern deutsche Texte(r) schulmeisterlich aus: "Zur Erinnerung an alle Sammler: Tüte nur leer ins Album kleben".
Auf einem „disposal bag“ der China Northern Airlines finde ich handschriftliche „remarks“. Es handelt sich eindeutig um den blauen Kugelschreiber von W. 8 Punkte „to remember“, säuberlich untereinander gestellt. Eindeutig das Handwerk des Professors. Wahrscheinlich seine ersten Gedanken auf dem Weg zur Promotion.
Die allerschönsten Exemplare von Kotztüten, ich mag sie gar nicht mehr aus den Händen legen, sind aber blütenweiß. Ich besitze zwei davon. Sie verraten weder Sinn noch Unsinn, weder Bestimmung noch Nationalität, weder Gebot noch Gebet, weder Name noch Logo. Einfach Nichts. Da sie in der Größe nicht identisch sind, muss ich annehmen, dass sie von zwei verschiedenen Fluggesellschaften stammen und kann sie also beide behalten. Doubletten werden nämlich, um einer Kotztütenschwemme vorzubeugen, unerbittlich aussortiert.
Ich sortiere ohne Sinn und Verstand. Erstmals nach noch existierenden Fluggesellschaften und nach nicht mehr existierenden Fluggesellschaften. Die Kotztüten der Letzteren müssten eigentlich an Wert gewinnen - gäbe es eine Kotztütensammler- und tauschbörse. Die gibt es aber meines Wissens nicht. Also sortiere und bewerte ich die zumeist von W. nach Hause mitgebrachten Exemplare nach meinen ganz persönlichen Vorlieben. Besonderes Augenmerk verdient folgende Aufschrift: "Your bag for Waste, Abfall, Déchet, Spazzatura". Wer um Himmels Willen soll verstehen, was in diese Tüte gehört?
Nun sortiere ich mit Sinn und Verstand. Nach Kommunikationsgehalt. Nach transportiertem Verständnis. Nach einer transparenten Botschaft. Manche sind sprachlich schlicht wie „Spuckbeutel“, „Beg Mabuk Udara“, „Bolsa de mareo“, „sac pur mal de l’air“, "koyakkan di sini", „desperidicios“ oder „Prullenzakje“ und so weiter. Andere geben klare Handlungsanweisungen: TEAR OFF TO OPEN“, „Please fold over“, „Use clip to close firmly“, „After use fold toward you“ oder - der Gipfel an kategorischem Imperativ: „Nach Gebrauch schließen und auf den Boden stellen“. Wieder andere klären die Welt des Kotzens und sondern sie ab von der Welt anderer Verschmutzungen: „No Cigarettes“, „Solid Litter only“.
Elegisch gebärden sich nur deutschsprachige Kotztütenaufdrucke: „Bei Benutzung im Falle von Luftkrankheit den Beutel bitte dem Kabinenpersonal zur Beseitigung übergeben“. Englischsprachige bemühen sich dagegen, wenn sie schon Wörter aufhäufen, um kühle Distanziertheit: „for your convenience you may use this bag as your waste bag“.
Moderne Billigfluganbieter nehmen die Sache mit Humor: „Vielen Dank für Ihre Kritik“, „Take it with a smile“, „War doch nur ein Luftloch“. Auch in diesem Wirtschaftszweig ufern deutsche Texte(r) schulmeisterlich aus: "Zur Erinnerung an alle Sammler: Tüte nur leer ins Album kleben".
Auf einem „disposal bag“ der China Northern Airlines finde ich handschriftliche „remarks“. Es handelt sich eindeutig um den blauen Kugelschreiber von W. 8 Punkte „to remember“, säuberlich untereinander gestellt. Eindeutig das Handwerk des Professors. Wahrscheinlich seine ersten Gedanken auf dem Weg zur Promotion.
Die allerschönsten Exemplare von Kotztüten, ich mag sie gar nicht mehr aus den Händen legen, sind aber blütenweiß. Ich besitze zwei davon. Sie verraten weder Sinn noch Unsinn, weder Bestimmung noch Nationalität, weder Gebot noch Gebet, weder Name noch Logo. Einfach Nichts. Da sie in der Größe nicht identisch sind, muss ich annehmen, dass sie von zwei verschiedenen Fluggesellschaften stammen und kann sie also beide behalten. Doubletten werden nämlich, um einer Kotztütenschwemme vorzubeugen, unerbittlich aussortiert.
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