Dienstag, 5. Juni 2012

Zurück am Wattenmeer

Am ersten Tag nach der Rückkehr kehre ich zu den Tätigkeiten des letzten Tages vor der Abreise zurück. Rasenmähen. Ich verteufle meinen damaligen Eifer mit Vertikutieren, Nachsäen und Eisendünger. Ich wate durch eine kniehohe Wiese, sogar im Rosenbeet spießt der Rasen fröhlich vor sich hin. Der Wind verteilte die Samen gerecht.
Bis W. ankommt (aus dem Kosovo über Basel nach Hamburg) sind sogar die Fugen zwischen den Steinplatten auf der Terrasse entkrautet. Er sagt: "Wie sieht es denn hier aus!"
Wir setzen uns auf die Bank an die Sonne und trinken Kaffee.

Montag, 4. Juni 2012

Die 64. Mahnwache in Meldorf

Ich fahre nach Hause. Mit mehreren Zügen und mehrmaligem Umsteigen. Mit einem ungeschriebenen und einem geschriebenen Buch. Mit einem Buch im Kopf und einem Buch beim Drucker. Wenn der Warszawa-Berlin-Express pünktlich ist, bekomme ich den ICE nach Hamburg und steige in Itzehoe um ... und bin trotzdem nicht rechtzeitig zur Mahnwache in Meldorf. Auch die Chorprobe in Heide lasse ich heute sausen. Obwohl zu Hause keiner wartet. W. ist noch in Basel.

18:00-18:30 Mahnwache für gegen Atomkraft
Meldorf, Südermarkt

Samstag, 2. Juni 2012

Der Ausnahmehimmel

Grażyna ist zurück. Mein Abschied beginnt. Der Himmel ist gerade großartig über Warschau!

Die Temporärtität 3

Die Stadtgärtner setzen in die Blumenbeete rund um den dreieckigen Platz der früher ein Friedhof war, gelb und lila blühende Pflänzchen. Als ich vor fünf Wochen ankam, blühten darin rote, weiße und gelbe Tulpen. Dann kamen die Gärtner und gruben das Verblühte aus, entfernten die obere Erdschicht mitsamt allem Unkraut. Tage, Wochen später füllten andere Gärtner neue Muttererde auf. Und das blieb bis gestern so. Jetzt erst ist endlich die Zeit für neue Blüten gekommen. Am Nachmittag hole ich Grażyna vom Flughafen ab und fahre mit dem neuen Flughafenzug. Zur EM wird die ganze Stadt in den Farben gelb und lila aufgehübscht.

Freitag, 1. Juni 2012

Die Temporärtität 2

Soweit sind die Arbeiten im Laufe eines Nachmittags fortgeschritten. Vor dem Literaturhaus. Im Anblick des Königs Sigismund auf der Säule (nicht im Bild, der Arme wird sich im Grab umdrehen, falls er eines hat - sein Standbild hat derselbe Metallgießer gegossen, der auch für die kaputte Kirchenglocke vor meinem Küchenfenster verantwortlich ist). In der Sichtachse des Stadions auf der anderen Weichselseite.

Die Temporärtität

Seit zwei Wochen wird an diesem monströsen Ding am besten Platz gebaut. Seit heute hängt am temporären Bauzaun ein handschriftlich ausgefülltes Baustellenschild. Mit Namen und Telefonnummern des Bauherrn und der Arbeiteraufsicht. Tymczasowe Studio ITV. Temporäres ITV [polnisches Unterhaltungsfernsehen]-Studio.
Temporär ist ab heute sehr viel mehr Polizei unterwegs. Temporär werden in Hauseingängen und an Straßenecken Personalien kontrolliert wie in den besten Romanen Konwickis. Temporär regnet es.