Freitag, 7. Januar 2011
Schneeschmelze
Ich schaue den ganzen Nachmittag dem Schnee zu, wie er aus meinem Garten verschwindet. Ohne Weiß verliert das Spektrum die Farben und die Welt die Spuren. Kürzlich kam aus dem Radio die Hörspielfassung von Peter Hoegs Roman "Fräulein Smillas Gespür für Schnee". Ohne Schrift verliert der Text die Struktur.
Donnerstag, 6. Januar 2011
Eisregen
Das Radio ruft die Menschen dazu auf, zu Hause zu bleiben. Ich befolge jeden guten Rat und beschäftige mich mit Abschattungseffekten und Korkenzieherströmungen.
Mittwoch, 5. Januar 2011
Dioxin
Das Geschenk zum Neuen Jahr: Dioxin in Eiern, Dioxin in Hühnern, Dioxin in Schweinen. Sondermüll wird ins Tierfutter gemischt. In Konzentrationen, die vom Gesetzgeber gerade noch zugelassen werden (warum eigentlich?). Und landet logisch und unweigerlich irgendwann am Ort seiner Bestimmung: im menschlichen Körper. Das Endlager Mensch ist die praktischste Alternative zu allen anderen unersättlichen Müllkippen der Schöpfung. Nach uns die Giftflut.
Dienstag, 4. Januar 2011
Sonnenfinsternis
Neumond und die Sonne soll vor etwa einer Viertelstunde bereits um zehn Prozent verfinstert aufgegangen sein. Aber weder die Sonne noch der Schatten auf ihr sind zu sehen. Wir setzen unsere Sonnenfinsternisbrillen wieder ab. Eine dicke Wolkendecke liegt über unseren Dächern.
Montag, 3. Januar 2011
Schwarzmantel-Scherenschnäbel
Schwarzmantel-Scherenschnäbel sind Teilzieher. Die, die nicht geflohen sind vor der Ölpest, leben in den Sümpfen und Flussarmen des Mississippideltas. Die Thermik nutzen sie aus für ihre langen Gleitflüge. Bei Sturm stellen sie sich am Boden in Keilformation auf. Sie sind gesellig und fürsorglich. Rücken wie die Pinguine von innen nach außen. Jeder Vogel darf sich einmal im Windschatten mitten im Keil aufwärmen.
Sonntag, 2. Januar 2011
Alpenrose
Die Alpenrose, lese ich, ist weder eine Rose noch eine Schweizerin. Die Alpenrose ist ein aus Ostasien eingewandertes Heidekrautgewächs. Auch ihr wissenschaftlicher Name Rhododendron (griechisch für Rosenbaum) sei eigentlich irreführend.
Es soll Tausende von Alpenrosenarten geben. Immergrüne und laubabwerfende. Es ist wie bei den Menschen: die meisten leben in China. Im Osthimalaja dringen Alpenrosen bis ins ewige Eis vor, oberhalb von 4000 Metern bilden sie dort schier undurchdringliche Strauchschichten. In Europa kommen acht verschiedene Alpenrosen vor, davon in der Schweiz zwei: die Bewimperte und die Rostblättrige. Sie sind vikariierend, wie manch andere Schwestern auch. Wo die eine prächtig gedeiht, (die Bewimperte auf Kalk), gefällt es der anderen gar nicht (die Rostblättrige bevorzugt Granit, Gneis). Und umgekehrt.
Es soll Tausende von Alpenrosenarten geben. Immergrüne und laubabwerfende. Es ist wie bei den Menschen: die meisten leben in China. Im Osthimalaja dringen Alpenrosen bis ins ewige Eis vor, oberhalb von 4000 Metern bilden sie dort schier undurchdringliche Strauchschichten. In Europa kommen acht verschiedene Alpenrosen vor, davon in der Schweiz zwei: die Bewimperte und die Rostblättrige. Sie sind vikariierend, wie manch andere Schwestern auch. Wo die eine prächtig gedeiht, (die Bewimperte auf Kalk), gefällt es der anderen gar nicht (die Rostblättrige bevorzugt Granit, Gneis). Und umgekehrt.
Samstag, 1. Januar 2011
Tauwetter
Abonnieren
Posts (Atom)